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Thema: Horror Filme
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16.11.2013, 22:03
AW: Horror Filme
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16.11.2013, 22:08Inaktiver User
AW: Horror Filme
Dafür muss man mMn zwei Fälle unterscheiden: den freiwilligen bzw. erzwungenen Konsum.Mich würde daran primär interessieren, ob solche Horror- und Gewaltszenen wirklich spurlos (im Wortsinn) am Gehirn vorüber gehen können - ob es also überhaupt eine reale Chance gibt, dass wenigstens ein nicht sozial gestresster, nicht psychisch gestörter Mensch keine potenziell negativ wirkenden Engramme in seinem Handlungs- und Erlebensportfolio anlegt (unbewusste Spuren im Erfahrungsgedächtnis), bloß weil es keine reale Erfahrung ist. (So, wie es die Hersteller von Gewaltvideos und Ballerspielen ja immer wieder einfach behaupten, ohne eine ernstzunehmende Evaluation dazu vorzulegen, ähnlich argumentierend wie die amerikanische Waffenlobby). Oder ob bloß die aktuelle innere Bewertung des geneigten Betrachters die Engramme unproblematisch hält...
Würde man einen Menschen zum regelmäßigen Konsum solcher Szenen „zwingen“, entgegen einer deutlich vorhandenen Abneigung, hinterließe das mit Sicherheit negativ wirkende Spuren – ähnlich eines Traumas.
Greife ich jedoch freiwillig zu solchen Filmen, muss eine gewisse Veranlagung, mit solchen Szenen zurechtkommen bzw. sie entsprechend und für mich selbst verträglich einordnen zu können, bereits vorhanden sein.
Um beim Vergleich mit den Ballerspielen zu bleiben: Die Kausalinterpretation: „Das Spielen von Kampf-Videospielen führt zu aggressivem Verhalten“ finde ich unzureichend, da man ebenso argumentieren kann, dass ein erhöhtes Aggressionspotential zu einer stärkeren Vorliebe für Kampf-Videospiele führt.
Ballerspiele produzieren demnach mE ebenso wenig Amokläufer, wie Gewaltfilme Gewalttäter – deshalb können sie natürlich trotzdem als Projektionsfläche bereits vorhandener „kranker“ Phantasien dienen.
Abgesehen davon finde ich deine Gedanken alles andere als hanebüchen
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16.11.2013, 22:11Inaktiver User
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16.11.2013, 22:21
AW: Horror Filme
Es kann, muss aber nicht, das siehst du richtig. Ich bin sonst überhaupt kein Mensch der anderen gerne Schmerz zu fügt, egal in welchen Bereichen. Domina sein ist für mich ein Beruf und wenn jemand das wünscht, dann habe ich kein Problem damit. Ich werde erst sehen, ob es mir wirklich nichts ausmacht, wenn ich es versuche.
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16.11.2013, 22:25Inaktiver User
AW: Horror Filme
Ich hoffe, die Frage ist ok, ansonsten bitte einfach überlesen: Bist du denn der Meinung, dass es zwischen der Vergewaltigung und deiner heutigen Neigungen einen Zusammenhang gibt?
Ich musste ja wirklich schlucken, als ich das gelesen habe, aus vielerlei Gründen... und es tut mir sehr leid, dass du das erleben musstest.
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16.11.2013, 22:44
AW: Horror Filme
Ich kann es dir nicht sagen.. Ich habe dieses Erlebnis immer verdrängt. Kein Problem.. Mein Denken und meine Fantasien sind sehr "krank". Ich würde es gerne abstellen, aber es ist nunmal so. Deshalb schaue ich wahrscheinlich solche Filme. Ich mache mir selbst Vorwürfe, weil ich im wahren Leben nicht so bin und viel Wert auf Moral lege.
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16.11.2013, 22:51
AW: Horror Filme
Ich schaue gerade Sinister. Finde den Film klasse, aber er ist ab 16!! Verstehe nicht wie man solche Filme ohne FSK 18 veröffentlichen kann. Wenn ich daran denke, dass Jugentliche diesen Film sehen und denken so schlimm wird er ja nicht sein, wenn er ab 16 ist und dann sowas sehen... Stört mich gerade extrem, aber zeigt wie viel man der heutigen Jugend schon zumutet.
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16.11.2013, 22:52
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16.11.2013, 23:24
AW: Horror Filme
Genau die hätte ich aus purer Neugierde gerne kartiert (fMRT), von erzwungenem Konsum will ich garnicht ausgehen. Wäre ich Ausbilder oder Einsatzplaner, würde ich mich wohl dem Verdacht aussetzen, anhand von Horrorfilmen und fMRT belastbarere SEK zusammenstellen zu wollen. Ja, das hielte ich als Zusatz oder als Vorauswahl zur extrem harten Ausbildung für machbar. Womöglich gibt es solche Untersuchungen längst und sie werden aus gutem Grund nicht veröffentlicht.
D'accord - aber auch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Sie erweitern das Vorstellungs- und Handlungsrepertoire für den Fall, dass Grenzen fallen, warum auch immer, bei wem auch immer. Insofern erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation. Ich denke, das sehen wir in spektakulären Einzelfällen auch bereits recht deutlich.
Im übrigen halte ich Volkmar Siguschs Idee der Neosexuellen Revolution in allen Weiterungen für äußerst interessant (Zitat aus der Wikipedia):
"Sigusch interessiert sich bei der Analyse des neosexuellen Prozesses weniger für klassische empirische Daten zu Koitusfrequenzen usw. Er stellt vielmehr die Frage, wie Begehren und Leidenschaft umkodiert und wohin sie verschoben werden – in tote Objekte wie bei der Objektophilie, in alte oder in neuartige sexuelle Selbstbezüglichkeiten zum Beispiel, in öffentliche sexuelle Inszenierungen, in heimliche Internetsex-Süchtigkeiten, in nonsexuelle Thrills oder in aggressive Aktionen, sodass sich möglicherweise Gewaltformen neben die Sexualformen stellen oder sie kulturell ablösen, weil die intendierte Erregung, die dann nicht mehr sexuell genannt werden könnte, von größer werdenden Menschengruppen nicht mittels Libido und Verliebung, sondern mittels Destrudo und Hass erreicht wird."
Man betrachte das bitte jeweils nicht als schwarz-weiß, sondern als grau schattiert.
Leider erschließt sich mir der Sinn der Horrorfilme für Leandra immer noch nicht, solange ich nicht tiefenpsychologisch ihrer Vergewaltigung nachginge, die sie aber für verarbeitet hält...
...was es nach meinem Menschenbild und Verständnis von Therapie garnicht gibt - es gibt m. E. nur eine mehr oder weniger wirksame Kompensation (sic!).
Kaum Mitfühlen, kaum Empathie, keine Perspektivübernahme - wozu exponiert man sich dann einer virtuellen Realität, wie sie ein Film aufbaut? Eine Art von Überdruss? Ich hab' keine eigene Idee, hätte nur weitere Fragen...
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P.S.: Ich sehe gerade, Leandra bezeichnet die Vergewaltigung entgegen meinem Eindruck aus #116 nun doch als verdrängt. Dazu gibt es sehr probate psychologische Ansätze, warum jemand ein Ersatzszenario kompensatorisch immer und immer wiederholt: Zur Wiederherstellung der persönlichen Integrität durch beständige Umkodierung des Erlebten.
Hat keiner der Therapeuten je in diese Richtung gedacht oder kristallisiert sich das gerade erst heraus? Die "Domina" steht geradezu unter Generalverdacht, ein verbreitetes (und recht erfolgreiches) Beispiel für eine solche Umkodierung bei sexuellem Missbrauch zu sein.
Mit dem Begriff "krank" wäre ich da sehr vorsichtig. Ich schrieb bereits, dass ich eine quasi rückstandslose Verarbeitung von Traumata (und Phobien) für unmöglich halte. Auf welche (aber bitte auch für andere) verträgliche Weise man sie auch kompensiert - das sollte dann als Krankheitsbewältigung und nicht wieder selbst als krank betrachtet werden.
Es ist schon erstaunlich, wie intuitiv manche Menschen zumindest ansatzweise Wege aus ihren Dilemmata finden, die einer professionellen Therapie nicht nachstehen müssen, sogar Vorteile haben können. Moderne Therapeuten "therapieren" dann sozusagen nur noch die Bedenken über diesen selbstgefundenen Weg weg.
Auch hinsichtlich dieser Akzeptanzfrage könnte Leandra ihr Verhalten als völlig normal und sehr zielgerichtet ansehen.Geändert von Cygnus (17.11.2013 um 00:01 Uhr)
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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16.11.2013, 23:33
AW: Horror Filme
Ich halte es nicht für verarbeitet, ich denke nur nicht mehr darüber nach. Gebe mir bsp.weise selbst die Schuld dafür, wie für vieles. Es gibt in meinem Leben momentan andere Baustellen. Würde ich die Vergangenheit wieder aufarbeiten, wäre ich depressiv... Wenn du Fragen hast, dann frage..



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