... oder eben nicht?
Gibt es Menschen, die von ihrer Persönlichkeit her nicht dem Leben gewachsen sind? Oder einfach zum Leben irgendwie nicht geeignet sind?
Mir fällt es so schwer, mir immer wieder "Grund zum leben" zu geben.
So viel versucht, Therapie, Sport, neue Hobbys, besinnen auf das was schön ist in meinem Leben.
Objektiv gesehen sind meine Lebensbedingungen gut.
Allein, dass ich die Möglichkeit habe zu studieren - wie vielen Millionen Menschen auf dieser Welt bleibt dieses Privileg ihr Leben lang verwehrt.
Allein, dass ich hier sitzen kann in einem warmen Zimmer mit Strom. Allein, dass ich weiß, wovon ich mich morgen ernähren werde. Für wie viele Menschen wäre dies das größte Glück.
Ich versuche immer, mich für alles was ich habe "glücklich zu schätzen".
Lange habe ich nach dem Prinzip gelebt: nicht zu viel grübeln, nicht alles zerdenken, einfach morgens aufstehen und mein Tagwerk verrichten, wie andere Leute auch. Ich kann das auch, kann es einfach tun, aber nichts füllt mich aus und es gibt keine wirklichen Glücksmomente, immer wieder komme ich an den Punkt dass ich gar nicht leben möchte. Ich weiß manchmal einfach nicht, wofür ich das tue. Ich meine damit nicht, dass ich einen höheren Sinn im Leben suche. Vielleicht auch das. Aber vor allem geht es um ein positives Lebensgefühl, ein Ja zum Leben. Das fehlt mir total und ich suche danach schon so lange.
Manchmal versuche ich mir zu sagen, dass das normal ist und das anderen sicher auch so geht.
Aber es kann ja doch nicht ganz normal sein, dass es einen so vom Leben "wegzieht". Die meisten Menschen haben ja eher Angst vor dem Tod?
Das hat mich dazu gebracht mich irgendwann zu fragen, woran das wohl liegt und ob es vielleicht Menschen gibt, die grundsätzlich für dieses Leben nicht gemacht sind? Damit mache ich es mir natürlich irgendwo sehr einfach, aber ich hab so lange (alleine und zusammen mit Therapeuten) versucht irgendwelche "Ursachen" zu finden und zu bearbeiten, habe jeden noch so banalen Ratschlag aus den Therapien umgesetzt, Tagesstruktur, Ernährung, Sport, schöne Beschäftigungen. Es hat nur insofern was verändert, dass ich nun wirklich gut funktioniere, dass ich das tägliche Leben "geregelt" kriege, und ich habe lange darauf gewartet/gehofft dass sich das entsprechende Lebensgefühl dazu auch einstellen würde, aber so ist es nicht.
Kann es sein, dass manchen Menschen so etwas wie Lebenswille fehlt? Wirklicher, tiefer Lebenswille, der dafür sorgt dass wir an unserem Leben hängen?
Ich habe manchmal schon den Wunsch zu begreifen warum ich keine Lebenslust habe. Früher habe ich lange gedacht dass das so etwas wie Depressionen sind, die man behandeln kann, eben nur ein Defekt der sich wieder ausgleichen lässt. Aber nach vielen Therapien und einigen Antidepressiva hat sich gezeigt dass dem wohl nicht so ist.
Etwas Scham ist auch dabei, Scham darüber dass ein Leben so ungenützt verstreicht, darüber dass ein so "fauler" Geist einen so gesunden Körper bewohnt, Scham über die vielen bunten Möglichkeiten die dieses Leben bieten würde und die nicht ausgeschöpft werden. Scham auch, weil so viele Menschen täglich ums Überleben kämpfen müssen, und ich dieses "Geschenk" so wenig schätzen kann. Ich würde es gerne jemandem weitergeben, der mehr damit anfangen kann.
Falls jemandem dazu irgendwelche Gedanken kommen, würde ich mich über Antworten freuen.
Falls solche Themen hier nicht erwünscht sind, entschuldige ich mich.
Soll in keinster Weise eine Suizidankündigung sein.
Grüße,
koselig
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Ergebnis 1 bis 10 von 111
Thema: Geboren um zu leben
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31.10.2013, 22:17
Geboren um zu leben
Geändert von koselig (31.10.2013 um 22:22 Uhr)
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31.10.2013, 23:48
AW: Geboren um zu leben
Liebe/Lieber Koselig
ich kenne das von dir beschrieben Empfinden aus depressiven Episoden, welche ich seit frühester Kindheit hatte.
Bin ich nicht depressiv, will ich leben, will ich tun was mich fesselt, will ich meine Hunde streicheln, den Wald sehen, den Schnee auf der Haut spüren usw.
Bei mir stellt sich depressives Empfinden nach belastenden Konflikten ein, wie ich mittlerweile weis.
Das ist der Grund für mich diese Konflikte aufzuarbeiten, damit mich derartiges Geschehen nicht mehr belastet.
Wie ist es bei dir? Gab es mal Zeiten in denen Du anderes empfunden hast?Geändert von Luftpost (01.11.2013 um 16:56 Uhr)
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01.11.2013, 00:49
AW: Geboren um zu leben
Hallo Luftpost,
ja es gibt zumindest Phasen in denen es besser ist. Wo es eine Weile ganz gut läuft, aber es reichen Kleinigkeiten und es "kippt" wieder, ich erinnere mich an keine Zeit in der ich wirklich mal gefestigt im Leben war, latent ist die Frage "wofür?" immer da und manchmal ist es ein großer Kampf, nicht einfach zu gehen wenn einen nichts wirklich hält.
Ich habe auch in guten Phasen oft das Gefühl, dass das nicht echt ist, dass ich mir da nur was vormache, dass ich nicht ins Leben gehöre. Es kippt sehr schnell. Und ich wüsste nicht, dass es dafür bestimmte Anlässe gibt, wie bei dir mit den Konfliktsituationen. Es sind oft eigentlich auch ganz normale, angenehme Situationen, ein Abend mit Freunden oder abends auf dem Sofa mit einem Buch, wo es wieder kippt und ich irgendwie innerlich aus allem "aussteige" und einfach nicht mehr will. Und mir kommt alles, was ich den ganzen Tag mache und tue vor wie ein mittelmäßiger Versuch, darüber hinweg zu täuschen dass ich eigentlich für dieses ganze Leben nicht gemacht bin. Mir selber vorzutäuschen dass mir dies oder jenes gefällt und ich dies oder jenes möchte, wo ich in Wahrheit NICHTS DAVON WILL.
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01.11.2013, 02:24
AW: Geboren um zu leben
Hi koselig,
hast du schonmal probiert, andersherum an dieses Gefühl zu gehen? Und zwar ganz genau im Gegenteil, nicht mit "Nichtstun"?
Ich meine damit, all das Positive, gut durchdachte, angenehm gestaltete durch verschiedene Dinge zu ersetzen, die dich schlauchen und an deine persönlichen Grenzen bringen? Die schönen Beschäftigungen, schönen Situationen, angenehmen Abende mit Freunden oder das Liegen auf dem Sofa mit einem Buch eine Zeit lang ersetzen durch...
... mehrtägige/wöchige Wanderungen, die in Wanderführern mit "schwarz" gekennzeichnet sind und einen zum Heulen bringen.
... ein Ehrenamt bei einer Obdachenlosen-Hilfsorganisation beginnen oder
... einen Nebenjob in einem Hospiz beginnen.
... Heiligabend in der Stadt mit einer Organisation Junkies mit Suppe und neuen Spritzen versorgen.
... beim Tierschutzverein aktiv mithelfen (bspw misshandelte Hunde aus den Wohnungen abholen).
... freiwilliger/unentgeltlicher Helfer in Institutionen werden, die mit Behinderten arbeiten.
... einen Tag mit verbundenen Augen und ohne Essen verbringen.
... einem Umzugsdienst beim Entrümpeln von Messie-Wohnungen Hilfe für umsonst oder 5 €/Std anbieten.
... und neben diesen Dingen in der freien Zeit in einen finsteren, fiesen Stadtteil fahren und dort mit offenen Augen spazieren gehen.
Es klingt eigenartig, aber es ist ein Weg, der nicht unversucht bleiben sollte. Zwei andere (verharren/Nichtstun und so-schön-wie-möglich-gestalten) sind effektlos geblieben. Vielleicht solltest du dich an deine eigenen Grenzen führen, um klarer zu sehen und dich selbst überhaupt erstmal kennenzulernen.
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01.11.2013, 05:43Inaktiver User
AW: Geboren um zu leben
Hallo koselig,
lebensmüde war ich noch nie. Und manche Theorien verbietet mir einfach mein Glaube.
Trotzdem ging es mir schon oft so wie von dir beschrieben.
Zeitweise hielt ich mich sogar für eine schwache Person, nicht so lebensklug oder -tüchtig wie Andere eben.
Ich finde, es hilft sich mal solchen Gedanken hinzugeben. Man fährt dann irgendwie alles runter.
Und stellt irgendwann fest: man braucht keinen Grund, es bedarf keines Grundes.
Einfach leben.
Nach meiner Trennung vor einiger Zeit fiel es mir schwer so ohne Pläne zu leben.
Ich dachte echt: was soll das, was sollste noch planen, ist doch albern.
Und dann fing ich an so planlos von einem Tag auf den anderen zu leben.
Es gefällt mir immer besser.
Und mittlerweile kenne ich schon mehrere Menschen die das tun.
Keine Angst, man verschleudert weder seinen Hausstand noch wird man sonstwie meschugge.
Und Pläne tauchen auch wieder auf.
Alles Gute für dich von
Libella--Geändert von Inaktiver User (01.11.2013 um 05:46 Uhr)
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01.11.2013, 07:28
AW: Geboren um zu leben
Hallo koselig!
Ich finde die Vorschläge von Divino bemerkenswert.
Beim Durchlesen Deines Beitrages schoss mir auch durch den Kopf, dass man das "Oben" nicht genießen kann, weil man das "Unten" ja nicht kennt.
Ich kann mir gut vorstellen (und habe es auch an mir selbst gespürt), dass das Lebensgefühl weit intensiver wird, wenn man die Kehrseite durchlebt hat.
Liebe Grüße
Zio
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01.11.2013, 07:52Inaktiver User
AW: Geboren um zu leben
Der Meinung schliesse ich mich an. Dass du so stark empfindest liegt bestimmt daran, dass du ein eher empfindsamer Mensch bist. Mit der Diagnose Depression ist zwar schnell eine Erklärung auf dem Tisch - aber schau mal, wer Depressionen hat, es sind die Menschen in den Wohlstandsländern.
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01.11.2013, 08:28Inaktiver User
AW: Geboren um zu leben
was divino vorschlägt, halte ich für eine sehr hilfreiche erfahrung und hervorragenden vorschlag,die den wert des lebens in relation bringt.
manchmal reicht theorie nicht sondern man muß es erlebt oder gelebt haben.
merkwürdigerweise fällt es menschen schwer,etwas ,was sie geschenkt bekommen gleichermaßen zu würdigen als wenn sie sich dafür richtig ins zeug legen müssten.
ich kann mir schon vorstellen,dass sinnhaftigkeit schwer fällt,wenn man in diesen guten zeiten in deutschland aufgewachsen ist.Das ändert sich aber sofort ,wenn man in eine krisenlage gerät und überleben müsste.
lieben gruß von ryoshi
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01.11.2013, 08:52Inaktiver User
AW: Geboren um zu leben
Hallo Koselig,
zuerst einmal mein Mitgefühl, daß Du so empfindest
- und ja, mir geht es zu bestimmten Zeiten ähnlich.
Aber bei mir scheinen es depressive Phasen zu sein und ich bin ab Januar in Therapie, denn früher war ich ein lebensfroher Mensch.
Kennst Du Lebensfreude aus Deiner Kindheit?
Darf ich fragen, wie alt Du bist, um die Situation besser einschätzen zu können?
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01.11.2013, 09:29Inaktiver User
AW: Geboren um zu leben
Ich denke die Ursachen liegen in Deiner Vergangenheit, denn Du bist sicher nicht mit diesem "Unwillen" auf die Welt gekommen. Wahrscheinlich hast Du zuwenig Wertschätzung für Dein Sein erfahren, wurdest verletzt und hast dann eine Schutzmauer um Dein Herz errichtet.
Mein Ansatz für Dich wäre wieder ins Herz zu kommen. Was Du bisher über Therapien berichtest in denen Du brav? die Vorschläge der Therapeuten umgesetzt hast, klingt für mich sehr mechanisch, funktionell ohne emotionale Beteiligung. Es hat Dir zwar ein Gerüst für das Leben gegeben aber Du füllst dieses Gerüst wie Du selbst sagst nicht aus. Dein Leben bleibt im Innersten unbelebt. Du scheinst abgeschnitten von Deinen Gefühlen.
Lass die "Scham" über Dein scheinbares Unvermögen mal sprechen, fühle sie, die Trauer, den Schmerz, verurteile Dich nicht dafür, nimm es an und hab Mitgefühl mit Dir. Das alleine kann schon einen Funken Freude auslösen und das Gefühl verwandeln, weil sich da endlich ein Teil in Dir gesehen, wertgeschätzt und angenommen fühlt.
Gibt es irgendwas was Du liebst? Lieben könntest? Wofür sich Dein Herz erwärmt?Geändert von Inaktiver User (01.11.2013 um 09:43 Uhr)


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