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    AW: Geboren um zu leben

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Aber ist wirklich etwas anders, wenn man dann nach Tagen oder Wochen wieder zu Hause ist?
    wirst du erst wirklich wissen, wenn du es ausprobiert hast
    Das Problem ist ja häufig, dass diese Rumhirnerei uns überhaupt erst in unserem gewohnten Elend hält.

    Ich hab mal ne 5tägige Radtour gemacht, war schon immens, wie sich das innere Tempo, also das Zeitgefühl durch die paar Tage verlangsamt und harmonisiert hat. Ich war einfach innerlich ausgeglichener und vor allem viel mehr im hier und jetzt. Kann man auch mit einer fetten Dosis AD vergleichen, die einem die innere Distanz und dadurch bessere Sicht auf das eigene Leben wieder ermöglicht. Hat bei einer so kurzen Tour nicht sooo lang angehalten.

    Ich war aber auch mal 6 Wochen mit Zelt auf Sizilien unterwegs, hatte da sprachlich bedingt kaum Austausch und als ich heimkam war ich auch in einem ganz anderen Körper- und Zeitgefühl und sehr in der Gegenwart präsent. Das hielt schon länger an.

    Durch Wanderungen und Spaziergänge kann ich mir die Essenz davon immer wieder zurück holen, kurz: solche Erlebnisse, die ja auch eine Art Grenzüberschreitung sein können, können durchaus auch in den Alltag dauerhaft nachwirken. Das ist so ähnlich wie mit einer Ernährungsumstellung. Die etabliert sich auch nur durch dauerhafte Gewohnheitsveränderungen und zieht nicht selten auch Veränderungen in anderen Bereichen (z.B. Sport) nach sich.

    Manchmal ist es besser ins Handeln zu gehen, und zwar in ein Handeln, das neu ist, unbekannt, ungewohnt, neue Pfade eben. Natürlich ist es immer eine Risikoabwägung. Also deshalb z.B. den Job zu riskieren oder sch gar zu verschulden, das wird wohl in den wenigsten Fällen Sinn machen.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

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    AW: Geboren um zu leben

    [QUOTE]
    Zitat Zitat von koselig Beitrag anzeigen
    Guten Morgen zusammen. So viele Antworten schon, herzlichen Dank dafür.

    Divino, es ist "lustig", dass du das schreibst, weil ich genau diese Veränderung, die du vorschlägst, so in etwa im Umgekehrten vollzogen habe. Dein Post bringt mich gerade zum Nachdenken, ob diese Veränderung mir denn gut getan hat.
    Möchte nicht sagen, dass ich "ganz unten" gelebt habe, weil "ganz unten" anderswo nochmal ganz anders aussieht. Aber für deutsche Verhältnisse so ziemlich ganz unten. Sprich obdachlos.
    Irgendwann die Kurve gekriegt, Ausbildung gemacht, gearbeitet, Weiterbildung gemacht. Eine Zeit lang als Krankenschwester in der Kinderonkologie gearbeitet. Damals habe ich mein ganzes Leben so ausgerichtet, dass es anderen möglichst viel nützt. Viel Arbeit, viel Ehrenamt, wenig Schlaf, sehr wenig essen. Und das nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern um mir einen Grund zum Leben zu geben. Wenn ich schon für mich nicht leben wollte, kann ich dieses Dasein ja immerhin so gestalten, dass es zumindest von außen einen gewissen Zweck erfüllt.
    Ich bin da wohl irgendwann an meine Grenzen gestoßen. Habe nicht mehr funktioniert, erste Therapie. Und da fing das Umstrukurieren an, da wurde mir gesagt, ich soll mehr auf mich achten, mehr für mich tun, mehr Ruhepole in meinen Alltag einbauen, lernen meine Bedürfnisse wahr zu nehmen etc. Aber das wird einem ja in den meisten Therapien gesagt.
    Ich habe dann vieles umgesetzt und von außen betrachtet hat sich mein Leben so krass verändert, dass das für meinen Therapeuten damals offenbar hieß, ich bin soweit gesund. Ich habe ja sogar noch ein Studium begonnen und mache heut so vieles "nur für mich", z.B. bewusst gesund und ausreichend essen, mindestens 7 Stunden Schlaf, Sport... alles Dinge von denen mir gesagt wurde, dass sie meine Lebensqualität verbessern. Nur innerlich hat sich kaum etwas verändert. Wie gesagt, der einzige Effekt ist der, dass ich immerhin wieder sehr gut funktioniere. Was ja auch etwas ist.
    Du hattest dir quasi einen "Helfer-Burnout" eingefangen und die Tipps der Therapeuten, die du dann auch sinnvoll umgesetzt hast, haben deshalb auch Wirkung gezeigt und nun geht es dir - von außen betrachtet - gut.

    Aber was dich nach wie vor erschreckt, ist, dass du in deinem Inneren - nennen wir es mal Seele - nichts positives spürst.
    Geht mir genauso.


    Mit 9 habe ich zum ersten Mal in mein Tagebuch geschrieben, dass ich tot sein will.

    Irgendwie denke ich eben manchmal, dass dieses Gefühl schon immer vorhanden war und ich einfach keinen richtigen Lebenswillen habe. Dass das eben keine Depressionen sind, die sich behandeln lassen, sondern einfach ein Fehler im System, kein Überlebensdrang, kein Ja zum Leben.
    Ich glaube, wir beide machen uns unser Leben schwer, weil wir zuviel erwarten!

    Es gibt fraglos einen Überlebensdrang in Bezug auf das pure Überleben.
    Das sieht man eindrucksvoll bei Tieren. Ich schaue viele Tierdokus und zumindest die aktuellen zeigen auch die harte Seite des Lebens.
    Keine Antilope wird geboren und sagt ja zum Leben.

    Und wir Menschen sind eben auch nur Tiere. Unser Gehirn unterscheidet sich nur marginal von anderen Säugetieren. Natürlich haben wir größere und leistungsfähigere Gehirne und "wir" haben Kunst und Kultur entwickelt. Aber die meisten Menschen entwickeln trotz ihres tollen Gehirns in ihrem ganzen Leben garnichts. Die Leben irgendwie, arbeiten irgendwas und wenn sie tot sind, fällt es eigentlich nicht weiter auf...

    Unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, sind nur als Kleinkinder süß und werden gerne in kitschigen Fernsehserien und im Zirkus gezeigt. Erwachsene Schimpansen sind Sammler (Früchte, Blätter, Kerbtiere), Jäger (gezielte Gruppenjagd auf andere Affen) und Krieger (blutiges/tödliches Verteidigen oder Erobern von Revieren und Rangstreitigkeiten).

    Ich wünsche allen einen schönen Sonntag

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    AW: Geboren um zu leben

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich kenne mittlerweile einige Menschen, die nach verschiedenen Irrungen und Wirrungen incl. Burnout oder Depression schlussendlich im gärtnerischen oder landwirtschaftlichen Bereich zur Ruhe gekommen sind. Auf Demeterhöfen trifft man immer mal wieder welche, wobei das natürlich auch finanzielle Aspekte hat und man sich gut überlegen muss, ob man dies u.a. auch im Hinblick auf Altersversorgung, so ohne weiteres umsetzen kann. Und ein Allheilmittel ist es sicherlich auch nicht.

    poca
    ...weil es toll ist, wenn sich aus einem kleinen Samenkorn etwas großes entwickelt und man als Gärtner das Gefühl hat, durch seine Pflege etwas wichtiges beigetragen zu haben.
    Akten abzustempeln und von rechts nach links zu räumen, von Mo-Fr von 8-16 Uhr, ist für Menschen, die nach einem Sinn suchen, nicht genug.

    Grüße

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    AW: Geboren um zu leben

    Zitat Zitat von cristata Beitrag anzeigen




    Ich glaube, wir beide machen uns unser Leben schwer, weil wir zuviel erwarten!
    das kommt da sicher auch noch dazu.

    Aber vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass ihr beiden zuwenig Bestätigung erfahrt, also deshalb auch keine wirklichen Erntezeiten habt? So kenne ich das nämlich auch von mir.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

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    AW: Geboren um zu leben

    Zitat Zitat von Amelie63 Beitrag anzeigen
    wirst du erst wirklich wissen, wenn du es ausprobiert hast
    Das Problem ist ja häufig, dass diese Rumhirnerei uns überhaupt erst in unserem gewohnten Elend hält.

    Ich hab mal ne 5tägige Radtour gemacht, war schon immens, wie sich das innere Tempo, also das Zeitgefühl durch die paar Tage verlangsamt und harmonisiert hat. Ich war einfach innerlich ausgeglichener und vor allem viel mehr im hier und jetzt. Kann man auch mit einer fetten Dosis AD vergleichen, die einem die innere Distanz und dadurch bessere Sicht auf das eigene Leben wieder ermöglicht. Hat bei einer so kurzen Tour nicht sooo lang angehalten.

    Ich war aber auch mal 6 Wochen mit Zelt auf Sizilien unterwegs, hatte da sprachlich bedingt kaum Austausch und als ich heimkam war ich auch in einem ganz anderen Körper- und Zeitgefühl und sehr in der Gegenwart präsent. Das hielt schon länger an.

    Durch Wanderungen und Spaziergänge kann ich mir die Essenz davon immer wieder zurück holen, kurz: solche Erlebnisse, die ja auch eine Art Grenzüberschreitung sein können, können durchaus auch in den Alltag dauerhaft nachwirken. Das ist so ähnlich wie mit einer Ernährungsumstellung. Die etabliert sich auch nur durch dauerhafte Gewohnheitsveränderungen und zieht nicht selten auch Veränderungen in anderen Bereichen (z.B. Sport) nach sich.

    Manchmal ist es besser ins Handeln zu gehen, und zwar in ein Handeln, das neu ist, unbekannt, ungewohnt, neue Pfade eben. Natürlich ist es immer eine Risikoabwägung. Also deshalb z.B. den Job zu riskieren oder sch gar zu verschulden, das wird wohl in den wenigsten Fällen Sinn machen.
    Hallo Amelie,

    das kann ich alles sehr gut nachvollziehen!
    Offensichtlich sind wir uns - in Bezug auf das Thema dieses Fadens - sehr ähnlich.

    Grüße

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    AW: Geboren um zu leben

    Zitat Zitat von Amelie63 Beitrag anzeigen
    das kommt da sicher auch noch dazu.

    Aber vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass ihr beiden zuwenig Bestätigung erfahrt, also deshalb auch keine wirklichen Erntezeiten habt? So kenne ich das nämlich auch von mir.
    Auf jeden Fall!
    Bei mir eine Sache seit frühester Kindheit und erst nach und nach wird mir klar, welche immensen Auswirkungen dies auf mein ganzes Leben und meine Entscheidungen hatte und noch hat (?)

    Grüße
    Geändert von cristata (03.11.2013 um 09:28 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler

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    AW: Geboren um zu leben

    Zitat Zitat von cristata Beitrag anzeigen
    Offensichtlich sind wir uns - in Bezug auf das Thema dieses Fadens - sehr ähnlich.

    Grüße
    Weiss ich nicht, christata, aber hier schreiben ja einige, die aus dem ähnlichen Lebensgefühl heraus kommen . Unsere Hintergründe sind vll verschieden, teilweise auch einfach unbekannt, aber die Umgangsweise mit der ganzen Thematik wird sich vll ähnlich entwickeln
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  8. Inaktiver User

    AW: Geboren um zu leben

    Hab grad erst gesehen, dass nach meinem letzten Post noch einiges geschrieben wurde und meine Ergänzung so vielleicht nicht mehr gesehen wird. Deshalb hier noch mal, falls es jemanden interessiert:

    Alpfieber - ZDF.de

    poca

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    AW: Geboren um zu leben

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    poca, das hatte ich mir tatsächlich auch mal überlegt und ich habe es immer noch im Hinterkopf für andere Zeiten. Ich halte grundsätzlich alles für sehr interessant, was einen Bruch mit dem bisherigen Hamsterradkurs bedeutet. Stichwort neue Erfahrungsräume. Manchmal reicht da Therapie, manchmal brauchts da aber auch Schritte im echten Leben. Das können auch ganz kleine sein.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

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    AW: Geboren um zu leben

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich kenne mittlerweile einige Menschen, die nach verschiedenen Irrungen und Wirrungen incl. Burnout oder Depression schlussendlich im gärtnerischen oder landwirtschaftlichen Bereich zur Ruhe gekommen sind. Auf Demeterhöfen trifft man immer mal wieder welche, wobei das natürlich auch finanzielle Aspekte hat und man sich gut überlegen muss, ob man dies u.a. auch im Hinblick auf Altersversorgung, so ohne weiteres umsetzen kann. Und ein Allheilmittel ist es sicherlich auch nicht.

    poca

    PS:

    Hab ich grad zufällig gefunden, passt zu meinem Post. Ob es inhaltlich gut ist und Erkenntnisse bringt, kann ich allerdings nicht sagen
    Alpfieber - ZDF.de
    Die Sendung habe ich gesehen und mMn haben sie gut die Sonnen - und die Schattenseiten eines solchen Alpsommers gezeigt. Ich schaue sehr gerne solche Dokus und denke dann lang darüber nach.

    Nach einer Trennung vor 3 Jahren, die vor allem auch sehr ernüchternd war, habe ich mir meinen alten Gärtnertraum verwirklicht und von einem Erbe im sehr günstigen und sehr ländlichen Nordhessen ein kleines, altes Haus mit ca. 500 qm gut eingewachsenen Obst - und Gemüsegarten gekauft.

    Nach knapp 2 Jahren habe ich es wieder verkauft und wohne jetzt im Rhein-Main-Gebiet in einer kleinen Mietwohnung mit Balkon und Blick ins Grüne.

    Die 2 Sommer waren toll - aussäen, pflegen, ernten, einkochen, Schwatz mit den netten Nachbarn übern Gartenzaun

    Die 2 Winter waren lang, dunkel, einsam. Der Garten ruht, die Erntemengen kann ein Single nicht verbrauchen (und die Nachbarn haben selbst genug), der 46 Jahre alte Rücken murrt immer lauter...

    Bis jetzt habe ich den Umzug nicht bereut.
    Als junger Mensch, ggf. mit Aussicht auf Familie/Zuzug, ist so ein Landleben eher passend.
    Mit Mitte 40 und abgeschlossener Familienplanung hat ein Balkon mit 2 Topftomaten auch seine Vorzüge...

    Man lernt immer dazu, ob man will oder nicht , ob einem das Ergebnis gefällt oder nicht und jetzt arbeite ich an meiner neuen Zukunft


    Und an dieser Stelle steht auch koselig.
    Die bisherigen Erfahrungen auswerten und was neues entwickeln...


    Grüße

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