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  1. Avatar von giftgruen
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    Ich hänge fest...

    Hallo an alle.

    Mir ist elend. Ich hoffe mein Eingangspost wird nicht allzu lang...

    Es geht um meine Grenzen. Ich bin einfach kaputt davon, sie andauernd verteidigen zu müssen. In den letzten zwei Jahren habe ich versucht, mir ein neues Leben aufzubauen nach einer gewalttätigen missbräuchlichen Ehe, Flucht in eine andere Stadt. Ich habe versucht, mehr aus mir herauszugehen, aus der Isolation herauszukommen, die mich so lange Zeit umfangen hat, mich zu öffnen (was mir andauernd von vielen ans Herz gelegt wurde).
    Nun...mein Resumee aus diesem Versuch lautet: ich bin dabei wohl gescheitert. Egal wen ich kennenlerne, egal was ich tue, irgendwann läuft es immer wieder auf das Gleiche hinaus: jemand will etwas von mir, und zwar mein Letztes, irgendwas, das mir lieb und teuer ist, überrollt mich und ich bleibe entweder allein oder am Boden zurück.
    Es ist mir offenbar nicht möglich, eine wirklich ausgewogene Freundschaft oder gar Partnerschaft aufzubauen. Mein gesamtes Leben lang war ich eher ein Einzelgänger, zuerst gezwungenermaßen, dann eher aus Gewohnheit.

    Nun dachte ich mir in meinem Leichtsinn, dass es mir reichen würde, einfach lockere Kontakte zu pflegen, zu meinen bevorzugten Veranstaltungen zu gehen und dort nett und lustig zu plaudern. Soweit der Plan. Doch früher oder später rückt mir jemand auf die Pelle, dringt auf mich ein, nicht, um meinetwillen, sondern natürlich weil sie sich etwas davon versprechen. Meistens Männer. Die Aufdringlichkeiten satt, bleibe ich dann zeitweise zu Hause und versuche mich so zu beschäftigen.

    Wage ich mich dann wieder unter die Leute, geht es für kurze Zeit gut und dann wieder von vorne los.

    Mit dem einzigen Menschen, der mir wirklich etwas nahesteht, ist es noch schwieriger. Er ist nicht so ein Typ wie die, die ich inzwischen verabscheue. Seit Januar führen wir eine holperige Beziehung...er möchte unkonventionell leben und hat für sich beschlossen, seine nicht monogamen Neigungen auszuleben, d.h. es gibt eine andere, mit der er sich getroffen, auch geschlafen hat und mit der er zur Zeit nur schreibt, weil sie im Ausland lebt, seiner Aussage nach auch nicht besonders wichtig für ihn ist.
    Ich wollte ihn (nicht nur) aufgrund dessen auf Distanz halten, er sprach von richtiger Beziehung. Zwischenzeitlich waren wir getrennt. Vor kurzem (drei Wochen) machte ich Schluss, weil ich einfach explodiert bin. Ein Freund von ihm ist in die Stadt gekommen und suchte eine Wohnung...er blieb dann für ein paar Tage in seiner und mein Freund bei mir. Da fragte er mich schon, ob er dauerhaft bei mir wohnen dürfe...ich sagte nein. (Er wohnt in einer Art Schuhkarton, weiß seit Anfang an, dass Zusammenleben für mich nicht in Frage kommt.)
    Als ich dann am letzten Tag sah, wie er auf meinem Computer die Messages der anderen Frau checkte, bin ich ausgetickt und einfach tschüss gesagt.

    Nun ist er aber auch, in seinen Möglichkeiten, viel für mich da gewesen. Hat mir Essen und Medikamente besorgt, als ich krank war usw. Hat mir Mut zugesprochen, wenn ich wieder in ein Loch gefallen bin.
    Es ist also nichts einseitiges. Sein größtes Problem ist seine finanzielle Situation...er lebt quasi von Erspartem, ist Musiker und zur Zeit ohne irgendwelche Auftritte, und mit seiner Bleibe sehr unzufrieden.

    Die Beziehung mittlerweile ist seltsam. Wir haben uns irgendwie aneinander geklettet, sehen uns jetzt sogar noch öfter als vorher...und auch körperliche Nähe ist wieder da. Und er hofft und hofft. Er hofft auf Hingabe meinerseits, so scheint es mir. Doch ich kann nicht. Und ich kann auch dauerhafte Nähe nicht ertragen.

    Jetzt hat er seinen Mietvertrag, der sowieso nur privat war, gekündigt. Und...tut NICHTS, um eine neue Wohnung zu finden. Ich denke, ich weiß, was passieren wird: er wird vor meiner Tür stehen und bei mir wohnen wollen.

    Es kommt mir so vor, als ob eine schleichende Invasion stattfindet in mein eigenes Territorium, das ich mir so mühevoll aufbauen musste. Ich will es aufhalten, aber ich weiß nicht wie. Er hat nichts und niemanden hier. Er lebt teils in einer Traumwelt...und ich muss ihn immer auffangen.

    Und immer diese Schuldgefühle. Mir gegenüber, wenn ich mein Revier nicht abstecke, und diese Wut dazu, und ihm gegenüber, wenn er keine neue Bleibe findet. Entweder kann ich mich nur grausam oder schwach und wankelmütig fühlen.

    Ich bin auf Therapeutensuche, um meine zahlreichen Probleme endlich in den Griff zu bekommen. Wenn ich jetzt daran denke, dass ich ihm noch eine Wohnung suchen muss, damit er nicht bei mir auf der Matte steht, wird mir ganz anders...meine Energie ist weg.

    Und wir hängen trotzdem aneinander fest.

    Mir ist richtig, richtig übel.
    Ich zeige dir die Angst in einer Handvoll Staub.
    Geändert von giftgruen (21.10.2013 um 11:33 Uhr) Grund: Schreibfehler

  2. Avatar von sabbeltussi
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    AW: Ich hänge fest...

    Oh weia , das ist keine schöne Situation in der du steckst.Und ich kann dir nur raten..lerne jetzt und gleich erstmal NEIN sagen. Wenn du nicht willst das er bei dir einzieht , dann sag ihm das. Wenn er seine Wohnung einfach so kündigt , ist das ganz allein sein Problem .
    Wohnt er denn nun schon die ganze Zeit bei dir? Ich würde ihn in seine Wohnung schicken , und von da aus soll er sich bitte eine neue Bleibe suchen . Das ist seine Aufgabe nicht deine !
    Du musst dir erstmal klar werden was du willst .Willst du mit ihm zusammensein , trotz der anderen Frau ?

    Mir kommt das beim Lesen so vor , als wäre er ein kleine Schmarotzer , der sich bei dir einnisten wird .Wahrscheinlich auch auf deine Kosten leben will....da kein Einkommen?..
    Willst du dir sowas wirklich antun ? Ich denke nein , deswegen geht es dir so schlecht. Er drängt dich in eine Situation die du nicht willst. Dadurch rebelliert dein Körper mit Übelkeit. Höre auf deinen Körper und schick ihn auf Abstand!
    Eine Therapie wäre sicherlich gut für dich .


  3. Registriert seit
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    AW: Ich hänge fest...

    Die Therapie ist ein guter Ansatz, mache das! Manchmal ist man in einem Muster so gefangen, dass man es gar nicht merkt. Du versuchst schon, rauszukommen, indem du viel für dich machen wolltest, deine Umgebung geändert hast - das Problem ist nur, dass man solche Muster, selbst, wenn man sie erkannt hat für sich - nicht willentlich mit dem Kopf mal eben ändern kann.

    Du scheinst jemand zu sein, dessen Ausstrahlung eben vermittelt, dass du Hilfe geben kannst. Du lernst Menschen kennen, aber nie auf der Augenhöhe, die du dir wünschst, sondern eher so, dass du dich ausnutzen lässt, auf die eine oder andere Art, viel gibst, aber nicht das zurück bekommst, was du möchtest.

    Du bist nicht verantwortlich dafür, dass dein Freund sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, einen auf Pseudo-Kommune macht und immer nach dem Motto "wo kann ich am besten nutznießen" unter dem Deckmäntelchen der freien Lebensentfaltung agiert. Du kennst deine Grenze, und die heißt eben "Nein" in deiner Wohnung. Und dann lass diese Grenze dort, wo sie ist. Du wirst ihn dadurch nicht eher oder weniger verlieren, als wenn du immer wieder nachgibst. Denn du bekommst ja nie den Menschen, den du möchtest. Sondern immer nur einen Kompromiss, den du dir auch noch schönreden musst, damit es nicht so weh tut.

    Nochmal: du bist für dich und dein Leben verantwortlich, das kann dir keiner nehmen. Das ist aber auch deine Chance, denn DU kannst dir dein Leben einrichten, wie es für dich passt.

    Eine Beziehung, wie du sie dir wünschst, besteht aus mehr als "er kümmert sich um mich und fängt meine Ängste ab". Das ist keine Beziehung, sondern eine Zweckgemeinschaft, in der die Waagschale aber immer weniger zu deinen Gunsten sinkt und viel zu viel zu seinen.

    Denk an dich!

  4. Avatar von giftgruen
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    118

    AW: Ich hänge fest...

    Vielen Dank erst mal für die Antworten.

    sabbeltussi
    Wohnt er denn nun schon die ganze Zeit bei dir? Ich würde ihn in seine Wohnung schicken , und von da aus soll er sich bitte eine neue Bleibe suchen . Das ist seine Aufgabe nicht deine !
    Du musst dir erstmal klar werden was du willst .Willst du mit ihm zusammensein , trotz der anderen Frau ?

    Mir kommt das beim Lesen so vor , als wäre er ein kleine Schmarotzer , der sich bei dir einnisten wird .Wahrscheinlich auch auf deine Kosten leben will....da kein Einkommen?..
    Er ist gerade wieder in seiner Wohnung...vor kurzem war er drei Tage hier...mir ging es schlecht, mein Kreislauf war instabil und ich nur am Zittern und mit irrem Herzklopfen (das ist eine der Auswirkungen meiner Erlebnisse, von der ich öfter aus heiterem Himmel überfallen werde. Bin dann nicht in der Lage, irgend etwas zu tun, geschweige denn hinauszugehen.)

    Finanziell geht es mir selbst nicht so besonders. Ich halte mich über Wasser, kann mich einschränken, also für mich alleine geht es gerade so. Ich habe einen kleinen Job, was mir sehr oft auch schwerfällt aufgrund meiner teils sehr schwarzen Phasen und eben auch inzwischen körperlichen Auswirkungen.

    Mit ihm zusammensein...ich habe kein Bild mehr davon, ob eine Partnerschaft generell für mich in Frage kommt. Ich würde es gerade nicht als bloße Freundschaft bezeichnen, dafür passiert zu viel. Als konventionelle Partnerschaft kann man es aber auch nicht gerade bezeichnen. Nach allem, was ich mit Menschen, besonders Männern erlebt habe, kommt es mir manchmal so vor, als wäre ich die Verrückte und Überempfindliche und einfach nicht zur Beziehung geschaffen.

    Ja, ein Einkommen hat er zur Zeit nicht, außer ein wenig von seinen Unterrichtsstunden...er isst oft bei mir, duscht...und probt manchmal seine Musik. Er hofft auf den großen Durchbruch in seinem Bereich.

    Marga3
    Die Therapie ist ein guter Ansatz, mache das! Manchmal ist man in einem Muster so gefangen, dass man es gar nicht merkt. Du versuchst schon, rauszukommen, indem du viel für dich machen wolltest, deine Umgebung geändert hast - das Problem ist nur, dass man solche Muster, selbst, wenn man sie erkannt hat für sich - nicht willentlich mit dem Kopf mal eben ändern kann.

    Du scheinst jemand zu sein, dessen Ausstrahlung eben vermittelt, dass du Hilfe geben kannst. Du lernst Menschen kennen, aber nie auf der Augenhöhe, die du dir wünschst, sondern eher so, dass du dich ausnutzen lässt, auf die eine oder andere Art, viel gibst, aber nicht das zurück bekommst, was du möchtest.
    Ja, das habe ich nun auch endlich eingesehen...letztes Jahr war ich schon in einer Klinik, weil einfach nichts mehr ging, und alle legten mir nahe, endlich eine Therapie zu beginnen...sie sagten, es wäre etwas Posttraumatisches...ich habe es immer wieder herausgeschoben, weil ich es einfach nicht einsehen wollte, und versucht, "herumzudoktern", d.h. einfach versucht so zu leben, als wäre nichts geschehen. Was gründlich schiefgelaufen ist.

    Und es geht den anderen betreffenden Leuten nicht nur um Hilfe...oft sind es einfach pure Grenzüberschreitungen (Bedrängen, Aber-warum-denn-nicht-Fragen, nicht locker lassen, körperlich auf die Pelle rücken) und das zieht sich durch mein Leben...dass es anderen einfach sch...egal ist, ob ich nun meine Grenze aufzeige oder nicht, und sie drüber rennen. Ich muss mich so hartnäckig dagegen wehren, bis am Ende einer verletzt zurückbleibt. Um mich als Mensch geht es dabei nie. Daher mein Versuch, mich eher distanziert am sozialen Leben zu beteiligen.



    Du bist nicht verantwortlich dafür, dass dein Freund sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, einen auf Pseudo-Kommune macht und immer nach dem Motto "wo kann ich am besten nutznießen" unter dem Deckmäntelchen der freien Lebensentfaltung agiert. Du kennst deine Grenze, und die heißt eben "Nein" in deiner Wohnung. Und dann lass diese Grenze dort, wo sie ist. Du wirst ihn dadurch nicht eher oder weniger verlieren, als wenn du immer wieder nachgibst. Denn du bekommst ja nie den Menschen, den du möchtest. Sondern immer nur einen Kompromiss, den du dir auch noch schönreden musst, damit es nicht so weh tut.

    Nochmal: du bist für dich und dein Leben verantwortlich, das kann dir keiner nehmen. Das ist aber auch deine Chance, denn DU kannst dir dein Leben einrichten, wie es für dich passt.
    Rein vom Kopf her bin ich ja auch schon so weit. Es sind nur immer diese elenden Schuldgefühle, die so übermächtig sind, und die Frage: Bin ich so ein schrecklicher Mensch? Bin ich so schwach? Bin ich irgendwie falsch, dass die anderen offenbar nicht mein Problem haben.

    Und dass ich ihn nicht "habe", war mir von Anfang an klar. Er will aber etwas haben. Mich als Mensch in seinem Leben, egal was passiert. So sagt er. Und tatsächlich kommen wir auf der Ebene erstaunlich gut klar.

    Nur, wie du sagst, spüre ich eben auch das Ungleichgewicht. Es ist ein stetiges Ringen.
    Ich zeige dir die Angst in einer Handvoll Staub.

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