Guten Morgen,
seid mehreren Tagen schreibe ich an meiner Patientenverfügung.
Ich habe mich beraten lassen, mich online informiert und da ich mich schon mehrere Jahre mit diesem Thema beschäftige, weiß ich, was und wie etwas formuliert werden muss.
Mir ist wichtig, dass diese Patientenverfügung gilt für Situationen, in denen ich hilflos bin, mich nicht mehr selbst äußern kann und auch natürlich für mein Lebensende.
Nun bin ich aber an einem Punkt angekommen, an welchem es nicht um Formulierung/Rechtssicherheit etc. geht, sondern um meinen Willen, meiner Einschätzung (ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken kann) und ich weiß nicht was ich will...
Wenn ich sterbenskrank bin und/oder in einer Demenzerkrankung dann Nahrung verweigere oder nicht mehr selbst essen und trinken kann, will ich auf keinem Fall künstliche Ernährung durch eine PEG-/ oder PEJ-Sonde, ich will auch nicht transoral oder transnasal ernährt werden. Eventuelles Durstgefühl soll durch eine gute Mundpflege, durch Befeuchtung der Mundschleimhaut gestillt werden.
So, das gilt bei Erkrankung am Lebensende und/oder wenn ich "alt" bin.
Ich weiß aber nicht, was ich will, sollte ich durch eine Akuterkrankung, Unfall etc. in die Lage kommen, dass ich nicht mehr selbstständig Nahrung zu mir nehmen kann.
Ich weiß, dass ich nicht reanimiert werden will. Sollte ich aber auf der Straße "umkippen" wird sowieso reanimiert und ich komme "gerettet" ins KH.
Ich will keine lebensverlängernden Maßnahmen, dies habe ich alles detailliert aufgeschrieben. Künstliche Ernährung gehört zu den lebensverlängerenden Maßnahmen, die lehne ich "eigentlich" ab. Ich könnte eine Frist reinschreiben, ab wann nach einem Akutfall, die Ernährung eingestellt wird...? Ach, ich hab keine Ahnung...
Hier im Forum erwarte ich jetzt nicht, dass mir jemand schreibt, was ich wollen könnte oder wie ich es formulieren könnte.
Aber vielleicht hilft mir der Austausch mit Euch, dass ich gedanklich irgendwie weiterkomme. Ich habe das Gefühl, dass ich einen Gedankenknoten habe oder vielleicht habe ich auch Angst davor, mich festzulegen, keine Ahnung...
Vielen Dank
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 30
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19.10.2013, 08:39Inaktiver User
Patientenverfügung - komme nicht weiter
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19.10.2013, 09:32
AW: Patientenverfügung - komme nicht weiter
Warum willst du nicht reanimiert werden?
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19.10.2013, 09:48
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19.10.2013, 09:55
AW: Patientenverfügung - komme nicht weiter
ich denke diese Formulierung entspricht Deinen Wünschen. aus http://www.mjv.rlp.de/binarywriterse...1-111111111111- das Unterlassen lebenserhaltender Maßnahmen, die nur den Todeseintritt verzögern und dadurch mögliches Leiden unnötig verlängern würden. Hunger und Durst sollen auf natürliche Weise gestillt werden, gegebenenfalls mit Hilfe bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Ich wünsche fachgerechte Pflege von Mund und Schleimhäuten sowie menschenwürdige Unterbringung, Zuwendung, Körperpflege und das Lindern von Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Angst, Unruhe und anderer belastender Symptome.
- bewusstseinsdämpfende Mittel zur Beschwerdelinderung, wenn alle sonstigen medizinischen Möglichkeiten zur Schmerz- und Symptomkontrolle versagen. Die Möglichkeit einer Verkürzung meiner
Lebenszeit hierdurch nehme ich in Kauf.
- keine künstliche Ernährung (weder über eine Sonde durch den Mund, die
Nase oder die Bauchdecke noch über die Vene).
- die Reduzierung künstlicher Flüssigkeitszufuhr nach ärztlichem Ermessen.
- keine Wiederbelebungsmaßnahmen.
- keine künstliche Beatmung, unter der Voraussetzung, dass ich Medikamente zur Linderung der Luftnot erhalte. Die Möglichkeit einer Bewusstseinsdämpfung oder einer ungewollten Verkürzung meiner
Lebenszeit durch diese Medikamente nehme ich in Kauf.
- keine Gabe von Antibiotika, es sei denn, sie dienen nur der Linderung meiner Beschwerden.
- keine Bluttransfusion.
Wichtig ist, dass diese Patientenverfügung bei einem Zentralregister hinterlegt wird. Ich empfehle das Zentrale Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer in Berlin. Jeder Arzt, jedes Krankenhaus ist verpflichtet nachzuprüfen, ob dort eine Patientenverfügung vorliegt. Eine Kopie sollte man zu Hause haben und einer Vertrauensperson übergeben.
Aber genauso wichtig ist eine Vorsorgevollmacht, in der man einer Vertrauensperson die Rechte bei eigener Entscheidungsunfähigkeit überträgt. Selbst Ehepartner oder eigene Kinder dürfen nicht so ohne weiteres Entscheidungen für einen Patienten fällen. Eine rechtliche Betreuung kann durch eine Vorsorgevollmacht weitgehend vermieden werden.
Die Vertrauensperson muss aber wirklich vertrauenswürdig sein und in das Vorhaben eingeweiht sein.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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19.10.2013, 10:12
AW: Patientenverfügung - komme nicht weiter
Ich kann nur für mich sprechen - wobei mein Patiententestament noch dadurch komplizierter wurde, weil ich auf der einen Seite "in Ruhe sterben will" aber auf der anderen Seite meine Organe spenden will, was natürlich dadurch ein Widerspruch ist, weil die Organe nur einem "lebendigen" Körper entnommen werden können, was wiederum "lebenserhaltende Maßnahmen" im Sinne von - den Körper am Leben erhalten - voraussetzt.
Wobei ich davon ausgehe, dass ich mein Patiententestament im Laufe der Jahre dann immer wieder anpassen werde, weil wenn ich achtzig werde, dürfte sich die Organspende sowieso erledigt haben ...
Nu bin ich aber erst 42.
Wenn ich jetzt einen Unfall haben würde, will ich wiederbelebt werden wollen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass ich anschließend ein gutes Leben leben kann, ist hoch. Deswegen habe ich zu Beginn meiner Patientenverfügung versucht die Situationen zusammenzufassen, in denen die Verfügung überhaupt gilt - soweit das möglich und vorstellbar ist. Und diese Situationen sind eben solche, die einen baldigen Tod erwarten lassen oder wenn bereits eine weitgehende Hirnschädigung eingetreten ist, die irreversible erscheint.
Weiterhin habe ich eine gute Freundin als Betreuerin und Bevollmächtigte eingesetzt, die (hoffentlich) perfekt für diese Rolle ist. Sie hat keinen Vorteil von meinem Tod (eher Nachteile), sie ist kaltblütig genug mich sterben zu lassen, wenn sie meint, es gibt keine Hoffnung mehr auf ein gutes Leben und wir habe eine sehr ähnliche Auffassung vom Leben und Sterben.
Darf ich fragen, wie alt du bist ?Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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19.10.2013, 10:22
AW: Patientenverfügung - komme nicht weiter
Meine Patientenverfügung geht übrigens über vier Seiten, ich habe sie auf eine halbe Din A4 Seite herunterkopiert (Vorder- und Rückseite) und trage sie immer im Geldbeutel mit mir rum.
Eine Kopie ist im Ordner "Privates" abgelegt, eine Kopie haben meine Eltern und eine Kopie meine Bevollmächtigte und die öffentliche Eintragung steht noch aus.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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19.10.2013, 10:27
AW: Patientenverfügung - komme nicht weiter
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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19.10.2013, 10:40
AW: Patientenverfügung - komme nicht weiter
Tattoo auf die Brust ?
Nein, ich denke keine Patientenverfügung wird die Rettung am Unfallort ausschließen können und das will die TE ja auch gar nicht. Und das will vermutlich kaum jemand, denn bei einem Unfall kommt es auf jede Sekunde an und es gibt nicht die Möglichkeit abzuwägen, wie das Leben anschließend weiter gehen wird.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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19.10.2013, 11:01
AW: Patientenverfügung - komme nicht weiter
Nur in diesem Sinne hier ein Fall aus meiner nächsten Verwandtschaft:
Es geht um die Verfahrensanleitung für die Angehörigen:
Bei dem -recht alten- Patienten war Krebs diagnostiziert worden und es ging um die Frage, ob er wieder belebt werden soll, falls er während der Chemo "wegdriftet".
Während der Behandlung war er binnen weniger Tage völlig dement geworden. Das war nach Aussage der Ärzte zwar ein vorübergehender Umstand, der Behandlung und dem gestörten Tag - Nacht Rhythmus auf der Intensivstation geschuldet, aber er konnte sich eben nicht dazu äußern.
Aussichten auf Heilung oder Besserung waren gering, aber mit jeder Wiederbelebung wäre der Leidensdruck höher und die Chancen geringer geworden.
Die Ärzte gingen ganz selbstverständlich davon aus, das Leiden solle "nicht unnötig verlängert" werden. Das klang für mich wie die Behandlung eines Hundes, der eingeschläfert werden soll.
Ich war der Meinung, daß er sich entschieden hätte, alles was möglich ist, zu versuchen, ohne Rücksicht darauf, was er dabei durchmachen muß. Aber es wußte eben niemand, was er wirklich gewollt hätte.
In einer solchen Situation wäre eine klare Ansage seinerseits sehr hilfreich gewesen. Wir wissen bis heute nicht, ob wir es richtig gemacht haben.
Für mich habe ich bestimmt, daß alles unternommen werden soll, sofern Aussicht besteht, daß ich das Ganze bei klarem Verstand überlebe. Ich weiß jetzt, wie man als Angehöriger bearbeitet wird, wenn die Aussichten schlecht stehen und will damit nur den Angehörigen eine Entscheidungshilfe an die Hand geben.Geändert von gizmo70 (19.10.2013 um 11:08 Uhr)
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19.10.2013, 16:09Inaktiver User
AW: Patientenverfügung - komme nicht weiter
Danke erst einmal, für alle Antworten und/oder Fragen.
Nun, es geht mir ja nicht um eine Reanimation, wenn ich auf der Straße umkippe, einen Unfall habe. Hier wird reanimiert, und die Entscheidung liegt beim Erstretter.
Ich bin überzeugt, dass Mensch nicht alles tun muss, was medizin-technisch möglich ist. Ich bin auch davon überzeugt, dass der Tod einen Sinn hat und das es irgend etwas danach noch gibt.
Vor ein paar Jahren hatte ich einen Unfall und habe mich auf der Intensivstation wiedergefunden, bei Bewusstsein. Vorher hab ich immer gedacht, wenn mir mal "so etwas" passiert, dann will ich keine Rettungsmaßnahmen, man solle mich einfach sterben lassen.
Mir wurde gesagt, ich sei in Lebensgefahr, daraufhin habe ich geantwortet, wenn eine OP notwendig sein sollte, dann dürfen sie ein Mal operieren. Wenn hinterher unklarer Befund, ich im Koma etc., dann sollen sie nach einer Woche die Geräte abstellen und keine lebensverlängernden, lebenserhaltenden Maßnahmen mehr durchführen.
Zum Glück bin ich so davon gekommen, meine veränderte Haltung habe ich aber beibehalten.
Ich weiß von Palliativpatienten, dass sich die Einstellung zum Sterben und zum Leben minütlich ändern kann. Dies lass ich mir offen, so lange ich mich äußern bzw. verständlich machen kann und wenn ich etwas anderes will, als ich niedergeschrieben habe, werde ich meine Meinung auch meiner Situation anpassen.
Doch nehme ich mir die Freiheit festzulegen, dass ich meinen eventuell früheren Tod billigend in Kauf nehme, und nicht reanimiert werden möchte, sollte ich in eine Situation kommen, z. B. bei einer Operation, als Notwendigkeit, weil mein Kreislauf abrauscht, während einer schweren, dauerhaften Krankenbehandlung, Chemo, was eben alles eintreten könnte.


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