Ja, ihr spiegelt mit euren Antworten ziemlich genau mein Empfinden wider. Ich habe auch schon überlegt, wie es wäre, jetzt so Hals über Kopf etwas übers Knie zu brechen und ich mich vielleicht auch dazu "zwingen" bzw. runtertrainieren muss, um mich wieder an ein normales Leben zu gewöhnen. Das war schon nach der Diplomarbeit nicht so einfach und durh die lange Zeit des Schreibens wird es wohl eher noch schwieriger.
Ich werde es mal mit Yoga probieren und ein paar kleinere Hobbies wieder aufnehmen, bei denen ich in den letzten Jahren immer das schlechte Gewissen hatte a la "ich müsste jetzt eigentlich an der Diss sitzen". Denn eigentlich hatte ich mir genau das gewünscht, endlich wieder ohne diese Aufgaben im Hintergrund mich auf Dinge konzentrieren zu können, die Spaß machen. Und legrain, deinen Tipp mit dem gezielten Abtrainieren werde ich mir durch den Kopf gehen lassen. Der Sport hat mir schon immer gut getan, aber ein bisschen im Wald rumlaufen scheint im Moment nicht auszureichen.
Vielen Dank für eure Antworten. Ich nehme mir jetzt mal ein bisschen Zeit und ich weiß ja auch - sollte ich mich in 2-3 Jahren neu orientieren wollen, kann ich das immer noch tun. Und wer weiß schon, wo dann meine Prioritäten liegen... Aber ich brauchte mal eine neutrale Einschätzung von Menschen, die mich nicht kennen. Das hilft mir gerade sehr, den Blick wieder geradezurücken.![]()
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 21
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19.10.2013, 15:33
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
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20.10.2013, 19:57
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Liebe Palimpalim,
du schreibst, du möchtest "ankommen". Kannst du genauer sagen, was du damit für dich konkret meinst?
Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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21.10.2013, 09:03
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Wenn ich das wüsste. Rückblickend würde ich sagen, dass schon mein Studium sehr vom selbst erzeugten Druck geprägt war, immer die beste sein zu wollen. Den selben Anspruch hatte ich an meine Promotion und das hat irgendwie nicht funktioniert. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass - überspitzt gesagt - gerade nichts existiert, was mich wirklich glücklich macht (ich weiß, dass es u.a. damit zu tun hat, dass meine ältere Schwester die Hochbegabtere von uns beiden war und ich mich immer abgestrapelt habe, an sie ranzukommen).
Ich fühle mich immer noch innerlich so rastlos und würde mir wünschen, einfach mal loslassen zu können. Das Erreichte zu genießen, stolz zu sein und auch glücklich. Da ist so ein Knoten in meinem Brustkorb, den ich nicht lösen kann, fühle mich antriebslos und ausgelaugt. Ich weiß aber nicht wie und habe auch mit dem Gedanken gespielt, das ganze mit Hilfe von außen nochmal anzugehen. Ich stelle mir das nur gerade sehr schwierig vor, da ich an zwei Orten wohne/arbeite und mich erklären müsste, warum ich heute früher gehe und was ich denn genau mache.
Aber alleine krieg ich das momentan irgendwie nicht hin.
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21.10.2013, 22:55
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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23.10.2013, 23:22
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Hm, in gewisser Weise wahrscheinlich schon. Und darum fällt es mir wohl auch sehr schwer, zu unterscheiden: Was will ich, weil ich "besser" sein will als sie (bzw. was finden andere besser) und was will ich selbst? Meine Schwester ist im Endeffekt an sich selbst gescheitert und nach objektiven Maßstäben nicht sonderlich erfolgreich, daher glaube ich nicht, dass es nur damit zusammenhängt.
Aber da ist außerdem dieser Wunsch, ein Ende dieser Ungewissheit haben, wo ich beruflich mal lande und jetzt hab ich diese sichere, gut bezahlte Stelle, die soweit ganz ok ist. Dagegen flüstert eine kleine Stimme immer mal wieder den Wunsch der Selbstverwirklichung ins Ohr. Ich habe mich auf ein paar Stellen beworben, von denen ich immer geträumt habe und jetzt, wo ich unimäßig quasi vor dem Abschluss stehe, werde ich auf einmal doch eingeladen - nachdem es ein paar Mal nicht geklappt hat.
Im Moment denke ich immer, ich entwickle mich verspätet - kann die praktische Erfahrung erst jetzt sammeln, wo andere das schon getan haben und jetzt so langsam ihre Familienplanung durchziehen und Häuser bauen. Ich weiß auch, dass ich die Entscheidung gegen die Promotion heute bereuen würde, also war es richtig für mich. Aber trotzdem fühle ich mich so... zurückgeblieben, als einzige in der ehemaligen Studienstadt geblieben, während andere in eine Großstadt gegangen sind und neue Dinge erlebt haben. Da denke ich oft, das müsste ich "nachholen". Weil es irgendwie dazugehört.
Und irgendwie macht es mich ein bisschen wahnsinnig, dass mein Bauchgefühl sich fast täglich ändert und ich nicht differenzieren kann, worum es wirklich geht. Aber soll ich mir jetzt deswegen einen Therapieplatz suchen? Ich weiß nicht - obwohl ich ja gerne bereit bin, auch mein Verhalten zu analysieren und alles zu hinterfragen. Gibt es Fachleute, die sowas aus einem rauskitzeln?
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24.10.2013, 09:11
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Hallo Palimpalim,
mir fällt auf, dass Du Dich sehr viel mit anderen vergleichst. Wo sie stehen, wo Du stehst, was sie gemacht haben, was Du gemacht hast. Aber Deine Ist-Situation ist nun mal Ergebnis Deine Entscheidungen, die Du ja insgesamt auch für richtig hältst. Hättest Du nicht promoviert, hättest Du die Studienstadt vermutlich auch verlassen, schon allein weil Du vor Ort keinen passenden Job gefunden hättest. Dann wärst Du heute eben an einem anderen aber nicht zwangsläufig besserem, im Sinne von zufriedenerem Punkt. Vielleicht würdest Du dann bereuen, nicht doch promoviert zu haben, Dich vielleicht fragen, ob Du mit Promotion nicht doch den besseren Job bekommen würdest. Das Leben ist nun mal ein Friedhof an Möglichkeiten, die wir nicht genutzt haben, weil wir dafür andere bevorzugt haben. Und wenn ich das Gefühl habe, dass meine Lebensentscheidungen im Großen und Ganzen zu mir passten, für mich richtig waren, dann muss ich mich auch mit niemandem vergleichen.
Und ich bin sicher, die anderen, die vermeintlich so viel weiter sind, hadern auch mit dem einen oder anderen Punkt. Vielleicht ist der eine weggegangen und fühlt sich in der neuen Stadt nicht wohl und würde gerne mit Dir tauschen. Oder der Job ist auch nicht so toll, wie er klingt. Ich stelle immer wieder fest, dass auch Menschen, die auf mich den Eindruck machen, ihr Leben genauso zu leben, wie es zu ihnen passt, ihre Punkte haben, wo sie sich fragen, wie wäre mein Leben wohl, wenn ich das und das anders gemacht hätte. Bei den meisten Menschen gibt es noch viel ungelebtes Leben neben dem gelebten. Und ich halte das auch für ganz normal. Nur der Versuch, möglichst alle Leben gleichzeitig zu führen, führt zielsicher ins Unglück. Dann macht man nämlich nichts richtig und kommt tatsächlich nie an. Ich glaube, es hilft schon zu akzeptieren, dass man nicht alles haben kann im Leben und das umgekehrt, dass, was man hat, oft auch nicht schlechter ist als das, was man glaubt, noch haben zu können.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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24.10.2013, 17:43
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Liebe Malina,
ja, du hast in allem Recht. Ich merke manchmal selbst, dass es bei einigen Entscheidungen bei mir nur darum ging, was andere dann von mir halten könnten. Es fällt mir nur sehr schwer, dann auch zu trennen, was davon beeinflusst ist und was ich wirklich will. Wahrscheinlich ist es nicht möglich, dass immer genau zu durchschauen...
Und natürlich ist mir (irgendwo) auch klar, dass andere Menschen manchmal genauso mit ihrem Leben hadern.
Ich habe mich nach dem Gespräch am Montag erstmal dazu entschlossen, meinen alten Job zu behalten, mich reinzuarbeiten und in 1-2 Jahren neu zu sondieren, wo ich stehe und was ich dann will. Auch wenn mein Gehirn vielleicht noch etwas anders programmiert ist - ein bisschen Innehalten und mal wieder ernsthaft praktische Erfahrungen sammeln wird mir auch gut tun! Und sollte ich doch merken, dass ich etwas anderes will, ist immer noch genug Zeit für Veränderung
Danke für eure Antworten, die meine Gefühle etwas relativieren konnten! Es ist einfach unglaublich viel passiert in den vergangenen Monaten, dass mir die Selbsteinschätzung abhanden gekommen war.
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21.11.2013, 21:22
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Ich muss meinen alten Thread nochmal hochschubsen, da es ungeahnte Neuigkeiten gibt:
Ich hatte noch Bewerbungen offen, unter anderem ein Unternehmen, zu dem ich immer hinwollte, wovon ich immer geträumt hatte und dachte, naja, das wird wohl nicht klappen und hatte es als Spinnerei abgetan. Jetzt hatte ich tatsächlich ein Vorstellungsgespräch und habe ein Angebot erhalten. Ich bin einigermaßen platt, weil es so unvermittelt kam und ich dachte, nach Verstreichen meint Kündigungsfrist melden die sich jetzt eh nicht mehr (ist gerade abgelaufen zum nächsten Termin). Nun habe ich mir Bedenkzeit erbeten und grüble vor mich hin: Ich wollte das immer machen, aber jetzt bekomm ich irgendwie kalte Füße. Ich müsste 380km weg ziehen und meinen Freund, mit dem ich noch sehr frisch zusammen bin, "zurücklassen".
Ich habe Angst und weiß nicht so richtig wovor. Angst davor, dass man mir meine Kündigung übel nimmt, ich bin erst 5 Monate da. Angst, dass der neue Job doch nicht so cool ist,, dass sie mich innerhalb der Probezeit rauswerfen oderoderoder. Angst, dass meine Beziehung daran scheitert. Wobei ich mir schon sage, wenn es jetzt daran liegt, wars das eh nicht und sollte es halten, schauen wir in 2-3 Jahren gemeinsam, wohin die Reise geht. Aber trotzdem - kann mich mal jemand schütteln, mich beglückwünschen und sagen, was er/sie in meiner Situation tun würde? Ich könnte versuchen, noch zum 1.1. aus meinem Vertrag rauszukommen, dann müsste aber alles Hals über Kopf geschehen. Oder ich mache alles regulär zum 1.4., dann hätte ich noch genug Zeit, meine Diss zu Ende zu schreiben und in Ruhe alles zu regeln.
Hilfe, kneif mich mal einer! Warum suche ich jetzt innerlich nach Ausreden, das Angebot nicht anzunehmen? Ist das eine Panikreaktion?Geändert von Palimpalim (21.11.2013 um 21:27 Uhr)
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01.12.2013, 17:45Inaktiver User
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Mittlerweile hast du dich bestimmt schon irgendwie entschieden, stimmt's :)? Ansonsten hätte ich dir mit auf den Weg gegeben, dass das Kalte-Füsse-Syndrom bei einem Jobangebot völlig normal ist. Wie's tatsächlich ist, weiss man vorher nie, aber man weiss auch nie, wie's anders gekommen wäre - Beispiel: mein erster Job nach der Promotion war eigentlch mein absoulter traumjob, nur geographisch nicht so günstig zu meinem Lebensmittelpunkt gelegen. Nach 1,5 Jahren wurde ich von einem Headhunter angesprochen, der plötzlich einen gut bezahlten Job in der für mich günstigen Region hatte. Ich nahm diesen Job mit grossen Gewissensbissen an und heulte mir im Geheimen ein halbes Jahr lang die Augen nach meinem alten Job aus. Dann kam urplötzlich der Anruf einer ehemaligen Kollegin - meine alte Abteilung war von heute auf morgen komplett entlassen worden. Will heissen: wäre ich bei meine, Traumjob geblieben, wäre ich arbeitslos geworden. Auch so was kann passieren....
Mach dein Ding, es ist weder falsch noch verwerfllich, sich auf die Karriere zu konzentrieren. Für ein paar jahre kann man eine Wochenendbeziehung führen und dann weiter schauen.
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03.12.2013, 09:12
AW: Sortieren der eigenen Gedanken... brauche ein wenig Hilfe
Gibt's inzwischen Neuigkeiten?


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