Hallo zusammen,
ich habe dieses Thema bewusst bei „Persönlichkeit“ geschrieben, da es mir nicht unbedingt um medizinische Gesichtspunkte geht.
Im Frühjahr wurde ich krank und musste irgendwann ins Krankenhaus. Dort wurde ich auf den Kopf gestellt und heraus kam der Verdacht auf eine chronische Erkrankung. Dieser Verdacht hat sich in der Folgezeit nicht zu 100% bestätigt, konnte aber auch nicht komplett ausgeschlossen werden. Im Grunde weiß ich also immer noch nicht genau, was ich habe. Was vielleicht auch ein Grund dafür ist, dass ich mir bisher den „Stempel“ einer chronischen Erkrankung selbst noch nicht aufdrücken konnte.
Nach längerer Medikamenteneinnahme ging es mir wieder besser, die Werte waren wieder gut, doch manchmal kamen die Beschwerden zurück. Und damit die Angst. Fängt es jetzt wieder an? Muss ich wieder ins Krankenhaus? Und genau hier liegt mein Problem: Wie kann ich diese Angst überwinden? Wie kann ich die Tatsache annehmen, dass ich vielleicht mein Leben lang Tabletten nehmen muss und möglicherweise immer wieder Beschwerden habe?
Möglicherweise war ja die Eine oder der Andere bereits in einer solchen Situation und kann mir Tipps geben? Ich weiß, dass jeder anders mit so etwas umgeht, aber ich glaube, ich brauche im Moment einfach ein paar Anhaltspunkte, um dann für mich herauszufinden, was zu mir passt.
Danke schon mal im Voraus fürs Lesen!
Liebe Grüße
Rinoa
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14.10.2013, 20:53Inaktiver User
Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
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14.10.2013, 21:15Inaktiver User
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Ja, hatte ich 20 Jahre lang. ich hab immer vor mich hingelitten und irgendwann wurde eine Diagnose gestellt. Jetzt geht es bergauf, denn mit meiner chronischen Erkrankung kann ich gut mit Medikamenten leben.
Wenn ich dann mal Krankheitsschübe habe ist das allerdings für meine Familie völlig befremdlich. Ich sehe ja gar nicht krank aus und normalerweise weiß es auch niemand. Nur mein Mann steht da voll zu mir und hat damals auch darauf gedrängt, dass da jetzt endlich mal ne Ursache gefunden wird. Hat mich immer zum Arzt geschickt.
Ich wünsche Dir eine Diagnose! Ich war irgendwann mürbe, weil es von Ärzteseite nur noch hieß ich "hätte einen am Kopf" und sei ansonsten kerngesund! Das wird Dir irgendwann passieren (wenn Du keine Diagnose bekommst) - selbst bei offensichtlich körperlichen Erkrankungen ist das die Standardantwort ahnungsloser Ärzte.
Vielleicht solltest Du mal einen Thread mit Deinen Symptomen eröffnen. Ich bin in einem anderen Gesundheitsforum dadurch erst auf die Idee gekommen, was ich haben könnte, wobei das dann durch Zufall in einem anderen Zusammenhang festgestellt wurde - fast zeitgleich.
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14.10.2013, 21:22
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Hallo Rinoa,
auch wenn es kein Trost ist: es gibt unglaublich viele Menschen,die chronisch
krank sind.Ab einem gewissen Alter ist es sogar die Mehrheit.
Wenn man da jedem einen "Stempel" aufdrücken würde....
Und man sieht ja deine Erkrankung nicht, schon mal ein Vorteil das du da nicht von vornherein
"gezeichnet" bist.Diese Angst die du hast, kann ich nachvollziehen.
Ich habe seit knapp 2 Jahren die Diagnose chr.Polyarthritis,also Rheuma.Das ist eine Autoimmun-
krankheit,die teils schubweise verläuft,manchmal muss ich starke Schmerzmittel nehmen,dann
komme ich wochenlang ohne oder mit "nur" homöop. Mitteln aus.
Auch bei mir ist ab und zu das Gedankenkarussell aktiv: werde ich eines Tages meine Hände
micht mehr benutzen können- bereits jetzt sind die Gelenke morgens manchmal geschwollen
und bewegungseingeschränkt- wie wird das "im Alter" (bin 47)und wie lange kann ich arbeiten?
Da sich bis zur Altersgrenze durchhalte,ist unwahrscheinlich.Ich habe einen Beruf der ua.körper-
lich fordernd ist.
Aber das ist nur ein Aspekt meines Lebens, den ich nocht überbewerte- dazu fehlt mir auch meist
die Zeit
.Ich freue mich über die guten Tage,Wochen, Monate und versuche die nicht
so guten möglichst erträglich zu gestalten.Man ist ja nicht NUR krank, es bleiben immer noch
gesunde Anteile in einem und die bewerte ich mit und versuche ansonsten so zu leben wie es
mir entspricht,mit mal mehr,mal weniger "Wehwehchen".
Man muss sich nur erstmal an dieses "Uuups- da ist ja was!" gewöhnen !
Ich wünsche dir auch diese positive "Gewöhnung" und alles Liebe.
Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
wir waren
Aharon Appelfeld
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14.10.2013, 21:51Inaktiver User
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Liebe Ulla,
vielen Dank für deine Antwort. Möglicherweise liegt das Problem tatsächlich darin, dass die Diagnose nicht gänzlich gesichert ist. Der Verdacht lag auf Morbus Crohn, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Einiges spricht wohl dafür, vor allem die typischen Beschwerden, Anderes ist wohl eher untypisch und auch bei zwei Gewebeentnahmen konnte der Verdacht eben nicht zu 100% verifiziert werden. Dass bei mir eine Entzündung im Darm vorhanden war, stand außer Frage. Das wurde im Ultraschall, in der Röhre und auch im Blut ganz deutlich sichtbar. Trotzdem GLAUBE ich es noch nicht ganz... Und jedes Mal, wenn ich Bauchschmerzen habe kommt die Angst.
Aktuell ist es so, dass ich wieder Beschwerden habe, die Werte sind wieder nicht so gut und ich muss wieder Kortison nehmen. Trotzdem fällt es mir unheimlich schwer, damit umzugehen (was zwischenzeitlich, wo das Kortison zu wirken beginnt, wieder besser wird). Ich merke dann, dass ich bockig werde und denke: Ne, ich WILL das aber nicht haben. Ich will nicht mein Leben lang Tabletten nehmen und trotzdem immer wieder Beschwerden haben... Bringt leider auch nicht viel!
Bei mir ist es übrigens auch so, dass ich nicht krank aussehe. Meine Familie und mein Partner bekommen es natürlich mit, ansonsten halte ich mich bedeckt. Als letzte Woche klar war, dass ich wieder mit Kortison anfangen muss (das ich erst vor sechs Wochen abgesetzt habe), stand ich heulend vor meinem Partner und habe geschnieft, dass ja wohl niemand mit jemandem zusammen sein will, der ständig krank ist... Er hat mich einfach nur in den Arm genommen.
Aber ich möchte eben auch für mich selbst einen Weg finden, diese Krankheit anzunehmen. Vielleicht nicht wie einen Freund, aber möglicherweise wie eine schrullige Eigenschaft, die man eben hat, und die zu einem gehört.
Liebe Grüße
Rinoa
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14.10.2013, 21:58Inaktiver User
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Liebe Gezeitenfrau!
Danke für deine Antwort!
Das mit dem Gedankenkarussell kenne ich leider zu gut... Ich war im Frühjahr zehn Wochen krank geschrieben. Dann kommt plötzlich nicht nur die Angst, dass ein Schub kommt, sondern auch, dass ich wieder nicht arbeiten kann, dass irgendwann der Arbeitgeber streikt und und und... Natürlich auch alles nicht förderlich für die Genesung.
Und jetzt, wo ich dachte, es ist (vorerst) überstanden, kommt der Rückschlag. Dass ich noch ein bisschen Zeit bekomme, mich daran zu gewöhnen und nicht gleich wieder eine Keule kommt... Aber gut, ich kann es jetzt nicht ändern und ich merke auch, dass ich im Moment schon dafür dankbar bin, dass die Schmerzen weniger werden und dass die Medikamente helfen.
Vielleicht braucht das Ganze auch einfach ein bisschen Zeit und irgendwann kann ich dann tatsächlich die Krankheit als einen Teil von mir ansehen. Vielen Dank für deine lieben Wünsche!
Liebe Grüße
Rinoa
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15.10.2013, 07:29
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Sorry für eine vielleicht blöde Frage: Ist Glutenunverträglichkeit ausgeschlossen worden?
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15.10.2013, 09:37
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Hallo Rinoa,
ich kann deine Angst schon verstehen, aber Angst schränkt deine Lebensqualität auf Dauer vielleicht mehr ein als deine Krankheit. Ich kenne einige Menschen mit Morbus Crohn (gesicherte Diagnose) und alle kommen damit ganz gut klar. Alle sind jünger als du.
Ich habe zwar meines Wissens keine chronische Erkrankung, aber was heisst das schon. Ich nehme seit 15 Jahre (bin jetzt 51) Tabletten gegen Bluthochdruck und Cholesterin. Ich habe keinerlei Risikofaktoren (bin schlank, habe nie geraucht, trinke nicht, treibe Sport), sondern das liegt in unserer Familie in den Genen. Dagegen kann ich nichts tun. Ich werde mein Leben lang diese Tabletten nehmen müssen. Aber das ist doch so ungewöhnlich nicht. Ich bin froh, dass ich keine akute, lebensbedrohende Krankheit habe.
Morbus Crohn ist sicher keine Kleinigkeit, aber solltest du nicht froh sein, dass es überhaupt eine Behandlungsmöglichkeit gibt, die dir hilft, anstatt dir Gedanken zu machen, was in einigen Jahren sein wird. Da kann doch soviel passieren. Vielleicht hast du in einigen Jahren ganz andere Sorgen und wärst froh, du hättest "nur" Morbus Crohn. Sorry, ich will nicht pessimistisch klingen, aber ich weiss aus eigener Erfahrung (ich hatte mal eine Angsterkrankung), dass Angst nichts ändert, sondern dich nur daran hindert, deiner Situation etwas Positives abgewinnen zu können. Vielleicht ist man in einigen Jahren auch weiter in der Behandlung. Du hast eine Erkrankung bei der es glücklicherweise nicht auf einige Wochen ankommt.
Das Wichtigste aber bei alle dem: Dein Partner scheint dich sehr zu unterstützen. Das wiegt soviel auf. Du solltest das wertschätzen.
Alles Gute für dich
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16.10.2013, 00:47
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Liebe Rinoa
bist Du etwas dem Trugschluss ewiger Schönheit und Jugend erlegen?
Dann willkommen in der Wirklichkeit, Krankheiten gehören zum leben. Und chronische Krankheiten sind ab dem mittleren Lebensalter normal.
Ich habe einen viel zu hohen Blutdruck mit Sauerstoffmangel der hinteren Herzwand unter Belastung. Das ist super, wenn man sich eigentlich aus beruflichen Gründen belasten können muss.
Zudem habe ich noch Asthma bronchiale und eine wiederkehrende Depressive Störung. Für mein körperlichen Erkrankungen muss ich täglich, bis an mein Lebensende, Medikamente einnehmen. Für die Psychische Erkrankung nur während der Episode und eine gewisse Zeit darüber hinaus.
Ja und? Das war auch bei meinem Vater und meine Großeltern so. Auch meine Mutter und meine Brüder nehmen täglich Medikamente ein, wie die Mehrheit aller Menschen in diesem Land.
Akzeptiere die Realität, um so besser kommst Du mit ihr klar, um so weniger belastet dich das ganze, um so weniger Krankheitssymptome hast Du.
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16.10.2013, 08:22Inaktiver User
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Hallo Rinoa,
auch wenn Du noch keine feste Diagnose hast, vielleicht ist es gut für Dich, wenn Du eine Selbsthilfegruppe suchst. Es gibt den DCCV in Deutschland und die haben Landesverbände.
Irgendwann kommt meistens der Zeitpunkt, an dem Du das Gefühl hast, Dein Umfeld will von Krankheit, Unwohlsein, Sorge nichts mehr hören. Oder Du willst Deinen Partner damit nicht mehr "auf den Geist gehen".
Es tut gut, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen mit dem gleichen oder ähnlichen Krankheitsbild gemacht haben. Du musst nur aufpassen, dass die Teilnehmer einer Selbsthilfegruppe nicht im "eigenen Saft schmoren" und sich im lamentieren und im Selbstmitleid ergeben. In dem Fall wäre eine Selbsthilfegruppe nicht unterstützend, sondern eher erschwerend für die eigene Situation.
Zur Krankheitsverarbeitung bzw. dem Leben mit chronischer Krankheit, kann auch eine Kurzzeittherapie/Verhaltenstherapie bei einem Psychologen sinnvoll sein.
Du könntest auch eine Reha über die Deutsche Rentenversicherung beantragen, um außerhalb Deines privaten und beruflichen Alltags zu Dir zu kommen, mit Deinen neuen "Rahmenbedingungen" umgehen zu lernen.
Jede chronische Erkrankung belastet auch die Psyche eines Menschen, da diese Erkrankung auch Auswirkungen auf das soziale Umfeld des Patienten hat. Ich finde es mehr als legitim, hier alles mitzunehmen, was es an Unterstützung, Hilfe, Wissen etc. gibt.
Alles Gute
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16.10.2013, 09:45Inaktiver User


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