Ich möchte noch einmal betonen, dass es mir hier nicht darum geht, rumzujammern, dass ich jetzt krank bin. Es geht auch nicht darum, dass ich dachte, ich würde mein Leben lang gesund bleiben.
Für mich ist eine neue Situation entstanden, an die ich mich jetzt gewöhnen muss. Die Frage die ich mir stelle ist, WIE gelingt mir das am besten? Ich war vorher noch nie ernsthaft krank. Ich war vorher noch nie im Krankenhaus. Ich musste noch nie Medikamente nehmen. Ich fühle mich mit 30 im Übrigen auch noch nicht als "mittleres Lebensalter", aber das ist vielleicht Ansichtssache.
Und natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass viele Menschen viel schlimmere Krankheiten haben und ich diesbezüglich vielleicht sogar Glück gehabt habe, aber im Grunde hilft mir das Wissen darum, dass es anderen ja noch schlechter geht, eben auch nicht immer weiter. Womit du recht hast, mainecoon, ist, dass es bei der Erkrankung nicht auf einige Wochen ankommt. Das habe ich noch nie so gesehen! Danke für diesen Gedankenanstoß!
Möglicherweise regelt sich das alles mit der Zeit auch von selbst, ich werde mich daran gewöhnen und nicht mehr wirklich darüber nachdenken und die Krankheit eben als Teil von mir annehmen können. Ich dachte nur, dass ich vielleicht schon vorher aktiv etwas machen könnte, um diese Zeitspanne vielleicht zu verkürzen.
Ich bin im Übrigen auch sehr dankbar, dass mein Partner mich sehr unterstützt, allerdings ist es mir auch wichtig, dass ich aus mir selbst heraus Unterstützung finde und nicht nur von außen (wenn ihr versteht, was ich meine).
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16.10.2013, 10:00Inaktiver User
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
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16.10.2013, 10:07Inaktiver User
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Hallo HPumpernickel,
als ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich die ganze Zeit genickt. Danke dafür!
Genauso geht es mir teilweise, dass ich mein Umfeld damit nicht immer "belasten" will. Und bezüglich einer Selbsthilfegruppe habe ich eben auch diese Bedenken: Ich möchte nicht ständig über meine Beschwerden sprechen und auch nicht darüber, was andere für Beschwerden haben. Für mich wäre das denke ich nicht hilfreich. Ist aber auch möglicherweise nur ein Vorurteil meinerseits bzw. kommt eben auch immer auf die übrigen "Teilnehmer" an.
Da ich parallel auch noch zu einer Heilpraktikerin gehe und diese auch Gespräche anbietet, werde ich mich zunächst einmal für diesen Weg entscheiden und schauen, inwieweit mir das vielleicht schon weiterhilft!
Danke für deine guten Wünsche!
Rinoa
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16.10.2013, 10:16
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Hallo Rinoa,
aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es erst mal ein Schock ist, womöglich dauerhaft aus der Welt der an sich Gesunden herauszufallen. Und nein, niemand muss in Deinem Alter damit rechnen. Ich war Anfang 40, als es mich heftig erwischt hat, und es dauert seine Zeit, bis das gesackt ist und man sich an den Gedanken gewöhnt.
Natürlich muss man sein Leben dann erst mal neu sortieren. Manches geht vielleicht mehr so wie früher aber oft viel mehr, als man anfangs glaubt. Viele chronische Krankheiten sind heute ganz gut beherrschbar. Man muss halt lernen damit zu leben, und irgendwann ist vieles auch Routine.
Mir hat meine Erkrankung z.B. u.a. einen künstlichen Darmausgang beschert, von dem nicht klar ist, ob und wenn ja wann er zurückverlegt werden kann. Anfangs war das für mich der absolute Alptraum, schierer Horror. Inzwischen war ich damit in Urlaub, schwimmen, joggen, mach im Grunde alles, was ich vorher auch gemacht habe, die Einschränkungen sind sehr minimal und betreffen nur die Möglichkeit einer Panne, nicht das tägliche Leben.
Ich bin nicht gut im Kranksein, nach wie vor nicht, obwohl ich diesbezüglich eine Menge hinter mir habe. Aber ich versuche, mir immer so viel wie möglich an Normalität zu verschaffen, ohne mich zu überfordern. Und das funktioniert im Moment ganz gut. Eine Freundin von mir hat Diabetes, und wir haben beide festgestellt, das wir in früheren Jahren oder auch heute in anderen Weltgegenden vermutlich schon tot wären. Und gemessen daran können wir mit unseren Erkrankungen doch ganz gut leben.
Ich muss zusätzlich noch damit leben, dass meine verbleibende Lebenszeit vermutlich recht überschaubar ist. Und auch das geht, ohne dass die Lebensqualität darunter leidet. Hätte ich mir vorher nicht vorstellen können, aber man wächst mit seinen Aufgaben.
Alles Gute,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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16.10.2013, 11:07
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Das Genannte kannst Du selbst und fast sofort in Angriff nehmen - vielleicht gibt es Dir auch das Gefühl und sogar bei einem "Misserfolg" immerhin die Werkzeuge und das Training, Eigeninitiative zu ergreifen und nicht so ganz stumm ausgeliefert zu sein. Ich kenne jemand, bei dem beide Diagnosen zum guten Schluss haltlos waren und die Symptome wieder verschwanden. Seine bewusste Ernährung hat er aber beibehalten - bewusstes, aber verhaltenes "Sündigen" auch.
Gehe einfach den Ernährungserfordernissen bei Zöliakie bzw. Sprue nach - konsequentes Meiden von Weizenkleber. Es ist enorm, wo das Zeugs überall drin ist. Leider muss man auf vieles verzichten oder Surrogate teuer bezahlen, aber man sollte sich entweder das eine oder das andere wert sein.
Ich würde es auch nicht schlagartig tun, sondern ausschleichend, und den Arzt fragen, ob er in diesem Selbstversuch Risiken sieht. (Ich hebe in allem darauf ab, dass Du die jetzige Diagnose als ungesichert bezeichnet hast!)
Bei allem (ich weiß nicht, ob das geklaut sein könnte): Der Darm ist auch ein Spiegel der Seele. Und: Ernährungsbewusstsein und -wissen dienen auch der Seelenhygiene. Aber bitte, ohne dabei fanatisch oder dogmatisch zu werden.
Was Du da genau machst, kann demnach sogar wurscht sein - so keine Disposition oder Chronifizierung vorliegt. Hauptsache, Du involvierst Deinen "Geist" und vermittels so quasi Deinem Körper, dass Du Dich um ihn kümmerst. Klingt esoterisch, aber Esoterik liegt mir genau so fern wie Religion. Auch TCM liegt mir fern und viele weitere Heilsversprechen. Eher hat es etwas mit Epigenetik zu tun.
Was mir fern liegt, kann anderen aber helfen - weil sie sich da genau so gut hineindenken und -fühlen können, wie ich mich in bestimmte Bereiche der Forschung, besonders in die weiten Zusammenhänge der Neurowissenschaften, auch wenn's oft nur oberflächlich sein kann.
Ich wünsche Dir alles Gute und ganz konkret, dass Du Deinen persönlichen Weg findest, Geist und Körper zu vereinigen, eigeninitiativ, auch und sogar besonders im Falle, dass Du es nicht "weg bekommst", sondern damit leben musst.
LG
CygnusVa', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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16.10.2013, 12:54Inaktiver User
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Eine Selbsthilfegruppe kann wirklich eine gute Hilfe sein. Allerdings nur, wenn man dort gemeinsam "Überlebensstrategien" ausarbeitet.
30 ist jung und hat nichts mit mitlerem Alter zu tun. Ich würde sogar sagen, dass das die schönste Zeit im Leben sein sollte. Nur wird es Dich quälen, wenn Du Dich mit der "Warum" Frage rumschlägst. Es ist tatsächlich so, dass man eine chronische Krankheit annehmen kann und sich selbst Strategien zur Krisenbewältigung bastelt.
Ich hatte anfangs immer das Gefühl ich dürfte nicht nein sagen, um der Krankheit nicht soviel Raum zu geben - und müsste auf jeder Hochzeit mittanzen. Heute vertrete ich viel klarer meine Interessen und sage auch einfach mal: das schaffe ich körperlich nicht.
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16.10.2013, 13:01
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Soviel Normalität wie möglich und soviel Rücksichtnahme wie nötig.....
So kann man mit chronischen Krankheiten umgehen, sie sind da, mal mehr mal weniger, sie wohnen in einem und manchmal sind sie laut und nerven, manchmal schlafen sie und man spürt sie nicht.... Wie lästige Nachbarn in einer Mietwohnung, kann man nichts gegen tun, nur einen Umgang mit der Situation finden.Das Leben macht was es will und ich auch!
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17.10.2013, 12:45
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
Ich sage mir immer, dass ich an dieser meiner Krankheit (unheilbar) nicht sterbe.
Und dass es anderen sicher noch viel schlechter geht als mir.
Aber ich denke es ist eine Charakterfrage, wie man mit Dingen umgeht.
Die einen ergehen sich gerne im Leid, die anderen zucken die Schulter und denken ach was solls, es wird schon gehen.Geändert von SinnundUnsinn (17.10.2013 um 13:16 Uhr)
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17.10.2013, 13:12
AW: Wie mit chronischer Erkrankung umgehen?
schliesse dich früh an eine gute selbsthilfegruppe in deiner umgegend an, sie solte mit ärzten aus der klinik vernetzt sein. erfahrungsgemäss wirst du mit dem hintergrund zuverlässiger und schneller diagnostiziert.
andernfalls kann es dir leicht passieren, dass du mit dem beschwerden im psychischen eck landest, ohne chance, je internistisch durchuntersucht zu werden.lg
legrain


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