Als ich letzte Woche meinen neuen Job angefangen habe, habe ich gleich ein Feedback bekommen, das nicht unbedingt positiv war: Ich würde wie der Titel schon sagt unbeholfen wirken und ich werde es sicher schwer haben mich einzufinden.
Erst war ich geschockt, bis mir wieder bewusst geworden ist, dass ich eigentlich immer anfangs so wirke, weil ich ruhiger bin, und mir alles anschaue, auch Dinge, die ich eigentlich ja kann und normalerweise auf meine Art mache. Das tue ich nach ner Eingewöhnungszeit auch, aber ich hatte auch viele Stellen, bei denen es unerwünscht war, wenn man etwas nicht genauso wie die anderen macht. Irgendwie nimm ich dann Anfangs gerne mal die Beobachterrolle ein.
Und ich finds nun aber auch nicht mehr so schlimm, wie frühers, unterschätzt zu werden. Das kann ja auch ein Vorteil sein, in Verhandlungen etc. werd ich eben oft für klein, zierlich und sensibel betrachtet, und dann komm ich doch mit guter Vorbereitung zum Ziel. Vor allem, weil ich anfangs erst beobachte, fallen mir dann auch mehr Dinge auf.
Dadurch, dass ich dann auch viel mit Menschen zu tun habe, was nicht unbedingt meinen Naturell entspricht, werd ich da ja auch immer wieder herausgefordert. Icb find das aber gut, da ich viele Dinge machen muss, die ich sonst nicht machen würde... Dadurch konnte ich mich schon ein wenig "dehnen" im positven Sinne. Aber ich glaube auch nicht, dass ich jemals komplett anders werde, offensiv sofort auf andere zugehe, ohne sie zu kennen, und ich würde mich dabei auch nicht wohl fühlen. So muss ich wohl auch damit leben, dass ich anfangs eben unterschätzt werde. Vielleicht muss ich einfach nur gelassener werden...
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Thema: Erster Eindruck: unbeholfen
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13.10.2013, 19:44Inaktiver User
Erster Eindruck: unbeholfen
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13.10.2013, 20:14
AW: Erster Eindruck: unbeholfen
Hallo standardgoods,
also ehrlich gesagt finde ich den Ausdruck „unbeholfen“ als Feedback einfach schlechten Stil. Ruhig, zurückhaltend, evtl. etwas unsicher... das wären m.M.nach angemessene Formulierungen, und an diesem Gesamteindruck ist absolut nichts auszusetzen. Wie Du selbst sagst: Das ist eben Deine Art, Dein individuelles Tempo. Dadurch hast Du Zeit, Dich umzusehen, in die neue Situation reinzufinden, Dir differenzierte Eindrücke zu verschaffen. Ich finde das sympathisch. Und: Wie man auf den ersten Eindruck wirkt und wie man tatsächlich ist... Dazwischen können Welten liegen. Wer hat denn das Feedback gegeben? Vorgesetzte, Kollegen? Ein offizielles Gespräch?
Nach meiner Erfahrung sind die Menschen, die sich derartig schnell zu solchen Be-(Ver-?)urteilungen aufschwingen und dem Gegenüber auch noch vor den Kopf hauen, allgemein nicht eben besonders differenziert in ihren Betrachtungen und Schlussfolgerungen;-)
Langer Rede kurzer Sinn: Bleib so, warum Dich verbiegen? Schaumschläger gibt’s genug. Gelassenheit im Sinne von: „ Ja, das ist mein Stil und ich bin immer gut damit gefahren“ kommt mit der Zeit von allein. Und außerdem: Dein Gegenüber hat einen Eindruck geäußert. Und? Dieses Gegenüber hat keinesfalls die Deutungshoheit über Deine Persönlichkeit! Jeder hat seine eigene Wahrnehmung. Mach die Dinge in Deinem Tempo! Sorry, ist etwas lang geworden, aber ich kriegs nicht kürzer hin.
PS: Ich glaube genau zu verstehen, was Du meinst. Es wird leichter, wenn man sich bewusst wird, dass die Eindrücke anderer nicht Dein Wesen definieren!
Nur Mut!
Sofalinse
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13.10.2013, 20:29Inaktiver User
AW: Erster Eindruck: unbeholfen
eine der interessantesten fragen ist: wie wirke ich auf andere?
hat sehr oft nichts mit der eigenen wahrnehmung zu tun.
und der tip bloß nichts zu ändern nutzt ja auch nichts, wenn es sich um einen neuen job handelt und die unbeholfenheit dort im wege steht. es sei denn du möchtest den job nicht mehr. fühlst du dich dort wohl?
wer hat das denn gesagt? ein vorgesetzter in einem mitarbeiter gespräch?
oder ein/e kollege/in?
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13.10.2013, 21:16Inaktiver User
AW: Erster Eindruck: unbeholfen
Danke für Eure Antworten.
Die Aussage stammt '"nur" von einem Kollegen. Es gab bisher ein Feedbackgespräch mit meinem Vorgesetzten, der findet ich hab sehr viel bisher geschafft und mich gut durchgewerkelt (so ohne Einarbeitung etc.)
Sofalinse, ich hab auch den Eindruck, dass du mich verstanden hast. Genauso vorzugehen würde ich mich auch am wohlsten fühlen.
Loop ich fühle mich dort wohl und auch die Aufgaben liegen mir, weil ich da auch viel auf Details achten muss. Zudem glaube ich, dass meine eigene Wahrnehmung, wie ich auf andere wirke, durchaus auch mit der, wie andere mich sehen, übereinstimmt. Ich hatte auch genüge Selbst- u. Fremdeinschätzungsübungen in Weiterbildungen, so dass ich weiß wie ich wirke und es mir auch bewusst ist, dass der Anfangseindruck von mir eben "unbeholfen" ist. Nach einer Eingewöhnungszeit sind dann oft auch Leute von mir "positiv" überrascht, weil sie mir xy nicht zugetraut hätten. Und das kann man doch durchaus für sich nutzen. Es gibt sicher einen Dehnungsbogen, innerhalb dessen man an sich arbeiten kann, aber ich glaube nicht, dass man sich grundlegend ändern kann.
Und ob ich das will, ist dann auch nochmal ne andere Frage. Ich glaube man kann mit seinen Stärken und den Ausbau dieser, viel mehr bewirken, als mit dem Ausbau von Schwächen. Deshalb war meine Frage, ob ich da nicht wirklich einfach gelassener werden sollte, und nicht dem Ruf des Rudels folgen und jetzt meine Kraft darauf verschwenden sollte, wie ich weniger "unbeholfen" im Ersteindruck wirke?Geändert von Inaktiver User (13.10.2013 um 21:20 Uhr)
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13.10.2013, 21:19Inaktiver User
AW: Erster Eindruck: unbeholfen
wie genau lautet deine frage?
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13.10.2013, 21:20
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14.10.2013, 16:26
AW: Erster Eindruck: unbeholfen
das:
[QUOTE=Inaktiver User;23529226]Als ich letzte Woche meinen neuen Job angefangen habe, habe ich gleich ein Feedback bekommen, das nicht unbedingt positiv war: Ich würde wie der Titel schon sagt unbeholfen wirken und ich werde es sicher schwer haben mich einzufinden. [QUOTE=Inaktiver User;23529226]
und das:
(Zitat:) "Es gab bisher ein Feedbackgespräch mit meinem Vorgesetzten, der findet ich hab sehr viel bisher geschafft und mich gut durchgewerkelt (so ohne Einarbeitung etc.)" (Zitatende)
kann die Interpretation aber in eine andere Richtung lenken. Kurz gesagt: Der Vorgesetzte äußert sich anerkennend über Deinen Einstieg, findet dich also offensichtlich nicht "unbeholfen". Kollege dagegen prophezeit Dir Schwierigkeiten in Zukunft, und das auch noch mit "unbeholfenen" Worten;-). Fragt sich: Wer verfolgt mit seinen Aussagen welche Interessen?
Grundsätzlich finde ich schon, daß die Außenwirkung/ Fremdwahrnehmung gerade im Job nicht zu unterschätzen ist. Ich finde nur, bei der Formulierung sollte man unbedingt die Grenzen zur "Aburteilung" und Demotivierung nicht überschreiten. Schon gar nicht ungefragt(?) und nach ein paar Tagen,wo sich alle noch etwas fremd gegenüberstehen. Und wenn man ohnehin den Eindruck hat, der/die Neue fühlt sich wirklich noch... nunja, neu eben.Geändert von Sofalinse (14.10.2013 um 16:31 Uhr)
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14.10.2013, 16:35
AW: Erster Eindruck: unbeholfen
Vielleicht mißverstehe ich das Konzept mit der Wahrnehmung durch andere, aber ich frage mich immer: Wer hat denn die absolute Deutungshoheit darüber, wie ein anderer "wirkt"? Es war EINE Person, die ihren Eindruck geschildert hat.
Standardgoods, ich würde mich eher auf das Feedback des Vorgesetzten konzentrieren, nicht, weil es schmeichelhafter ist, sondern weil ich es einfach realistischer finde. Es bewertet einen Prozeß und den bisherigen Stand, läßt dabei die Rahmenbedingungen (keine Einarbeitung usw.) nicht außer Acht und wirkt (m.M.n.) auch motivierend.
Der Kollege hingegen gibt ein Statement zu Deiner Persönlichkeit ab und versteigt sich auch gleich noch zu negativen Zukunftsprognosen. Wem ist damit geholfen? Hattest Du ihn/sie um sein/ihr Feedback gebeten?Geändert von Sofalinse (14.10.2013 um 16:44 Uhr)
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14.10.2013, 19:17Inaktiver User
AW: Erster Eindruck: unbeholfen
Ums Feedback hab ich nicht gebeten, das war so nebenbei erwähnt, mit der Einleitung: Ich will ja jetzt nicht böse klingen, etc...
Der Vorgesetzte (hab nur einen in der Firma, ist ne kleine) hat jetzt aber auch nicht viel mit mir zu tun, heißt, was ich tue, bekommen tatsächlich eher die Kollegen mit, der Vorgesetzte sieht nur die Resultate und die passen wohl. Und ich kann mir durchaus vorstellen, wenn mich jemand beobachtet, dass der Prozess um die guten Resultate zu erreichen, unbeholfen aussieht. In meinem vorherigen Job hab ich nur alleine gearbeitet, bis auf Meetings und da konnte ich gut in Ruhe tüfteln. Jetzt muss ich auch tüfteln, aber halt mit anderen im Büro.
Naja Loop, sicher sieht jeder aus seinen Augen mit seiner Brille die Welt so wie er sie kennt, das ist logisch, wenn man aber öfters Fremdeinschätzungen über sich hört, kann man denk ich gut, abschätzen, wie man so wirkt. Ich bestreite ja nicht, dass ich durchaus ein bisschen unbeholfen wirke. Ich höre auch oft, dass ich doch mehr aus mir rauskommen soll, etc. Die Standardsachen eben. Gut, aber das ist tatsächlich auch meine Persönlichkeit, auf andere mag die vielleicht verkrampft und unbeholfen etc. wirken. Auf mich wirkt auch vieles "Komisch", was bei Person XY aber total gut ankommt.
Ich hab mir ja durchaus schon für die Arbeitswelt ne Sprache antrainiert, die ich gut anwende, bei all den Dingen, die mir schwer fallen, damit sie mir nicht mehr schwer fallen. Oder ich war auf Schulungen, wie selbstbewusst Auftreten oder "Wie wirke ich auf andere", etc. Deshalb hab ich vorhin auch vom Dehnen gesprochen...
Meine Frage ist, wie ernst ich das nehmen soll...Sofalinse hat es ja gut verstanden.Geändert von Inaktiver User (14.10.2013 um 19:24 Uhr)
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15.10.2013, 10:06
AW: Erster Eindruck: unbeholfen
Naja, aber auf die Resultate kommts doch an. Und wenn jemand schon ungefragt anfängt mit: "ich will ja nicht böse klingen...", dann läuten bei mir immer die Alarmglocken. Dann weiß derjenige doch eigentlich schon, daß er "böse klingt", warum sagt er es dann so und nicht anders? Professionell ist das jedenfalls nicht, eher unbeholfen und keinesfalls wohlwollend im Umgang mit anderen Menschen;-)
Vielleicht wäre eine angemessene Reaktion Deinerseits: "Mach Dir nichts draus, Du hast auch das Recht auf Deine eigene Wahrnehmung. Ist doch nicht schlimm, wenn Du das so empfindest." oder so. Lächelnd. Wohlwollend. Damit gibst Du den Ball zurück. Auch für Dich selbst. Es sei denn, Du verzögerst Abläufe durch Deine Tüftelei. Dann kann das aber anders besprochen werden. Nicht "Du wirkst..." sondern "Deine Vorgehensweise..." oder "Benötigst Du noch Hilfe/ Hinweise...?"
Nochmal, es ist überhaupt nicht kritikwürdig, es ist auch kein Defizit, zurückhaltend zu wirken oder zu sein. Versuch Dich frei zu machen von dem Gefühl, bewertet zu werden. Daß jemand wertet ist seine Sache. Du bleib bei Dir. Du kommst doch zu guten Resultaten. Das meinte ich mit Deutungshoheit. Wenn jemand auf der Straße zu Dir kommt und sagt: "Ich will ja nicht böse klingen, aber Deine Schuhe/ Frisur/... wirken nicht so schön", dann ist das SEINE Meinung, die er Dir ungefragt aufdrückt. Hat aber mit DIR nichts zu tun.
Das schräge ist ja: Sobald Dich sowas verunsichert und Du Besserung versuchst, findet sich was neues: Dein Gesichtsausdruck, Deine Körperhaltung... Muß nicht so sein, aber manche riechen diese "Verletzlichkeit", besonders, wenn es fachlich nichts zu kritteln gibt, Du evtl. als "Bedrohung" wahrgenommen werden könntest. Oder es sind Dominanzspielchen. Oder einfach nur plumpe Ungeschicklichkeit.
Nimm das nicht zu ernst. Besonders die Prognosen nicht. Du hast doch schon eine Menge Erfahrung und bist Dir Deiner selbst bewußt, also Deiner Wesenszüge. Und die sind ok, so wie sie sind. Bleib in Deinem Tempo. Freu Dich an Deiner Problemlösungskompetenz und an Deiner Arbeit, so sie Dir Freude macht.
Viele Grüße
Sofalinse


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