das würde ich nicht auf deine familie beschränken, sondern das ist die gute bürgerliche erziehung...
... und du fühlst dich dann falsch, weil du ein anderes bedürfnis hast als jenes, das dieser bestimmten art entspricht.GESAGT wurde, man soll nicht lügen und auch nichts verbergen und schon gar nicht nur um der guten Manieren willen auf eine bestimmte Art reden, erst recht nicht im engeren Familienkreis, praktiziert wurde etwa anderes.
weil du ja sonst ehrlich so sein könntest, wie du bist, ohne anzuecken.
ich habe auch ein paar jahre gebraucht um herauszufinden, dass das nicht stimmt, sondern dass andere sehr wohl auch "lügen" ("verbergen" träfe es vielleicht besser), um nicht zu stören.
mit denjenigen, die das gleichgewicht neu und ähnlich wie ich austarieren, komme ich seither gut zurecht, und ich suche mir auch gezielt die gesellschaft dieser leute.
kenn ich!Das führte dann dazu, dass ganz oft ich sehr viel mehr geredet habe als die anderen (und damit bestimmt auch Leuten auf die Nerven ging) weil ich dazu neige, mich an das was gesagt wurde zu halten.
Dass andere Anwesende gerade höflich Konversation machen, darauf wäre ich nie gekommen, denn es war ja "klar", das tut man nicht, also werden die anderen in der Familie wohl nur halb so viel reden wie ich, weil sie das Bedürfnis dazu haben.
Ja, ich war so ein Kind was viel zuviel geredet hat.
und wir sind nicht allein mit diesem problem, es gibt ja auch viele romane und filme über diese maskenhafte doppelbödigkeit der bürgerlichen gesellschaft, an der schon größere geister als wir verzweifelt sind.
das heißt, ihr wart in der gruppe nicht höflich zueinander, aber kanntet euch gut genug, und deshalb war es nicht schlimm? oder wie muss ich das verstehen?In der "letzten" Gruppe ging das dann deswegen gut weil ich mir Leute gesucht habe die genau so kommunizieren wie ich.
Das geht.
Das ist INNERHALB der Gruppe auch ganz angenehm.
Nur die höfliche Konversation hätte ich gerne auch ab und zu mal wieder.
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27.10.2014, 11:06Inaktiver User
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
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27.10.2014, 11:16
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Ja in etwa so.
Höflichkeit wurde mit Unehrlichkeit gleichgesetzt und war deshalb verpönt.
Im Prinzip so ähnlich wie in meiner Familie auch, nur:
-etwas radikaler
-wir haben das tatsächlich so durchgezogen und nicht nur behauptet wir tun es.
Aber ja, genau wie Du sagst, aus meiner Sicht war ich die einzige, die ab und an mal das Bedürfnis hatte, unmanierliche Sachen zu tun oder zu sagen - denn dass NIEMAND gegen seine Bedürfnisse handelt bei Konversation war ja klar!
Ich habe auch wirklich englische Serien schauen müssen um zu sehen dass das anders ist.
Bei amerikanischen Serien funktioniert das nicht, die Briten kriegen es hin, diese Doppelbödigkeit als rücksichtsvoll und positiv hinzustellen (da ist es auch so, die stehen offen dazu dass ihnen Manieren wichtig ist von daher fehlt da ein bisschen die Dopplung).
Bei amerikanischen Serien wirkt das auf mich einfach nur geheuchelt.
Und im deutschen TV gibt es an sich nur:
-ich nehme kein Blatt vor den Mund, mit allen Konsequenzen (quasi Nachmittagstalkshows)
-ich kann mich benehmen, bin aber sehr unglücklich über 1000 finstere Familiengeheimnisse (Krimiserien beim staatlichen TV).
Ein "Benehmen, weil es dann für alle netter ist" kenne ich nur aus dem britischen Umfeld.
Das hätte ich an sich gerne.
Wie gesagt, dass andere auch bewusst höflich sind, ist mir bewusst seit...hm...vielleicht irgendwann innerhalb der letzten 12 Monate?
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27.10.2014, 11:20Inaktiver User
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
ich habe es in den usa erlebt und fand es dort sehr angenehm.
vielleicht wäre ein auslandsaufenthalt für dich mal eine gute erfahrung?
besser spät als nie!Wie gesagt, dass andere auch bewusst höflich sind, ist mir bewusst seit...hm...vielleicht irgendwann innerhalb der letzten 12 Monate?
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27.10.2014, 11:24
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Och Du, Auslandsaufenthalte, auch längere, hatte ich erstmal genug (mehr als 2), in unterschiedlichen Ländern.
Möchte nur nicht spezifischer werden, denn das macht mich dann wirklich erkennbar.
In einigen dieser Länder ist mir diese Höflichkeit auch aufgefallen, klassischer Confirmation Bias:
-dass Deutsche allgemein als ehrlich bis zur Unhöflichkeit gelten weiß man ja, das ist ein internationales Klischee über Deutsche
-nun war ich im Ausland, die waren also höflich, aber unehrlich, damit hatte man ja gerechnet.
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27.10.2014, 11:42Inaktiver User
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27.10.2014, 12:04
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Ich bin ja bekanntermaßen auch eine Freundin von klaren Worten und gegen all zu viele Lügen.
Aber ich habe gelernt, die Form der Kommunikation hängt von den äußeren Umständen ab - und nicht jede Wahrheit passt in jedes Umfeld.
Ich bin mal - bei einer Beerdigung einer mir sehr nahe stehenden Person - von einer entfernten Bekannten begrüßt worden mit den Worten (es waren die ersten Worte, die wir bei der Beerdigung wechselten, wir hatten uns 15 Jahre nicht gesehen) "Du bist ja auch ganz schön fett geworden".
Die Botschaft war grundsätzlich wahr. Aber ich fand es sowohl in der Wortwahl als auch in der Situation extrem unhöflich.
Grundsätzlich sage ich was ich denke und lüge nicht.
Aber ich muss nicht in jeder Situation und gegenüber jedem alles sagen was ich denke.
Und ich kann mich auf die für mein Gegenüber angenehmen Wahrheiten beschränken oder auf bloßen Smalltalk.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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27.10.2014, 20:11
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Solche Situationen kenne ich auch - aber eben mit Leuten die mir wichtig sind eher wenige.
Wobei ich glaube ich habe herausgefunden warum ich bei "Benehmen" heute noch so herumeiere.
Ich interpretiere Benehmen anderer Leute auch anders.
Wenn das Folgende unerlaubtes Crossposting ist sagt bitte Bescheid.
Hier gibt es irgendwo einen Thread über Beziehungen zu Borderlinern.
Ich habe den vorhin mal angelesen - das Ding ist ziemlich lang.
So.
Und die Betroffenen (Ex)-Partner von Borderlinern scheinen sich in ihrem Empfinden recht einig zu sein, zumindest liest sich das für mich so.
Will ich ihnen auch gar nicht absprechen.
Nur, das Schema ist ein bisschen:
Da geht offensichtlich eine Beziehung über Jahre, dann geht sie schief, dann legt der Borderline Ex Partner irgendwelche bestimmten klar beschriebenen Verhaltensweisen an den Tag, die anscheinend recht typisch sind.
Zumindest kennen das viele der da Schreibenden.
Und, zumindest in dem Teil, den ich gelesen habe, interpretieren die Betroffenen dieses Verhalten jeweils gleich, heißt sie vermuten alle mehr oder weniger die gleichen Motive/Gefühle beim Borderline Partner.
Ich persönlich hätte, nur aufgrund der Schilderungen, ganz andere Motive vermutet.
Völlig unabhängig davon, wer nun Recht hat oder ob überhaupt irgendwer pauschal, wenn ich bestimmte Verhaltensweisen ganz anders interpretiere als die Mehrheit ist es nur logisch, dass ich mich dann auch selbst anders verhalte und mit anderen Reaktionen rechne, als ich bekomme.
Nur, wie lernt man, wie die Mehrheit sich verhält?
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27.10.2014, 20:20Inaktiver User
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27.10.2014, 20:26
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Die Frage kann eigentlich nur stellen, wer schon in etwa weiß wie die Mehrheit funktioniert.
Nicht falsch verstehen, man kann sich ja rebellisch bewusst dagegen stellen.
Das ist bestimmt auch manchmal schwierig, aber es ist eine bewusste Entscheidung.
Etwas anderes ist es, wenn man einfach das System nicht versteht und daher ständig unbewusst rebelliert.
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28.10.2014, 03:29
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer




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