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26.06.2015, 00:20
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
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26.06.2015, 00:24
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Nun, man geht ja im Prinzip hin und sagt "ok, bis hierher nehme ich Rücksicht, ab da und da ist die andere Person selbst verantwortlich."
Und dieses "da und da" wird dann komischerweise DOCH wieder allgemein formuliert, also nicht in Abhängigkeit von der anderen Person.
Damit, wo ich meine Grenzen ziehe, HAT die andere Person dann einfach klarzukommen, tut sie es nicht, nicht mein Problem.
Was ist das anderes als rücksichtslos?
Ich meine, ich gehe ernsthaft hin und behaupte, meine Grenzen sind wichtiger als Verletzungsrisiko bei anderen?
Also, wenn ich keins von beiden ausschließen kann riskiere ich dass es den anderen erwischt statt mich?
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26.06.2015, 00:39
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Ja, es ist rücksichtslos in dem Sinne: Ich nehme bis zu einem bestimmten Grad Rücksicht und dann nicht mehr. Ist es nicht in dem Sinne: Ich nehme in keiner Situation Rücksicht auf die Gefühle anderer.
Wenn mir meine Grenzen nicht wichtiger wären als die Forderungen und Wünsche, die andere an mich haben, ja dann könnte ich in der Tat keine ziehen. Ich habe schon begriffen, dass dein Gedanke wohl ist: Ja aber wenn alle nur rücksichtsvoll wären, bräuchte man das gar nicht. Aber da die Realität anders aussieht, sehe ich keine Alternative.
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26.06.2015, 08:31Inaktiver User
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26.06.2015, 09:17
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
und das ist auch evolutionär wichtig:
Welt.deWarum aber ist der erste Eindruck so genau, obwohl er doch blitzschnell entsteht? Das Gehirn verarbeitet automatisch alle verfügbaren Informationen über unbekannte Personen, auch ohne bewusste Anstrengung.Dabei werden manchmal die normalen Verarbeitungswege umgangen. So wird die Amygdala oft früher eingebunden als sonst. Sie ist für schnelle emotionale Urteile zuständig – und so kommt das intuitive Gefühl zustande, dass sich dann rational nicht unbedingt genau begründen lässt.
Man weiß inzwischen, dass vor allem zwei Dinge wichtig sind, wenn wir das erste Mal einem Fremden gegenüberstehen. Vorrang vor allem anderen hat die Einschätzung, ob das Gegenüber vertrauenswürdig und sympathisch oder aber aggressiv und hinterhältig ist.
Vertrauen gewinnen ist das Wichtigste
Das stellte 2012 das italienische Forscherteam um Tessa Marzi von der University of Florence in einer Studie fest. Möglicherweise sei das Gehirn mit einer Art speziellem "Werkzeugkoffer" für das Erfassen von Vertrauenswürdigkeit ausgestattet, so die Autoren.
Aus evolutionärer Sicht ist das natürlich sinnvoll: Freund von Feind schnell und sicher unterscheiden zu können kann schließlich in brenzligen Situationen über Leben und Tod entscheiden.
Die zweite Einschätzung hingegen zielt auf den sozialen Status des anderen, wie Alexander Todorov sagt: Ist mir der bislang Unbekannte überlegen, stark, dominant, kompetent?
Beide Einschätzungen, die der Vertrauenswürdigkeit und die des sozialen Status, sind schließlich ausschlaggebend für die Entscheidung, ob und wie man sich dem anderen näher kann – oder ob man ihm lieber fernbleibt.
Es geht hier auch um Intuition:
denn diese findet bei Begegnungen statt und nicht kognitive bewusste Überlegungen. Letzteres würde viel zu viel Zeit kosten.Eine Intuition ist Wissen, das auf Erfahrung beruht und durch direkten Kontakt mitdem Wahrgenommenen erworben wird, ohne daß der intuitiv Wahrnehmende sichoder anderen genau erklären kann, wie er zu der Schlußfolgerung gekommen ist(BERNE 1991, S.36).
Intuition meint ein Urteilen über Wirklichkeit, ohne daß der Beurteilende weiß, wieer sein Urteil bildet und oft ohne, daß er in Worten weiß, worin sein Urteil besteht.Die Urteile zeigen sich jedoch in seinen Handlungen. Intuition kann daher alsHandlungswissen bezeichnet werden.QuelleWoher kommen intuitive Urteile? Wie kommen sie zustande? Es ist wohlaussichtslos, das Phänomen Intuition letztlich aufklären zu wollen. Wie genau einMensch zu seinen Bildern über Wirklichkeit kommt, wird wohl (s)ein Geheimnisbleiben. Es ist aber zu vermuten, daß intuitive Urteile über Ähnlichkeitsrelationengebildet werden. Wir nehmen eine bestimmte Konstellation wahr und suchen unsereLebenserfahrung nach ähnlichen Konstellationen ab. Vermutlich werden dadurch dieUrteile aktiviert, die sich damals herausgebildet und einigermaßen bewährt haben.Wir arbeiten dann mit diesen Urteilen weiter. Je nach Art der Ähnlichkeitsrelationpassen diese intuitiven Urteile mehr oder weniger gut auf die neue Situation.
Bei Begegnungen geht es nicht darum Vorwissen über die Person - mit oder nicht - in das persönliche Urteil über diese Person mit einfließen zu lassen, sondern das persönliche Wissen/Erfahrungen, über Menschen, Situationen, die so ähnlich waren wie diese Person, die wir gerade kennenlernen, nicht in das Urteil miteinfließen zu lassen oder sich selbst bewusst sein, dass man dieser Person nur so kritisch gegenüber steht, weil sie einen an einen verhassten Lehrer oder eine unliebsame Nachbarin erinnert, mit denen man schlechte Erfahrungen gemacht hat.
Der Umgang mit anderen Personen hat viel mit einem Selbst und dem eigenen Selbstwert zu tun. ME mehr als mit dem Gegenüber.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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29.06.2015, 21:30
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
So mal als Update:
Ein paar Leute haben wiederholt geschrieben, ich wolle keine Verantwortung übernehmen.
Ich denke, das stimmte zum Teil.
Zum Teil deswegen, weil das wieder so ein Fall von "ich wusste gar nicht, dass man das sollte!" war.
Und bevor jetzt Verwunderung kommt, ich kannte die Wendung "Verantwortung übernehmen" schon länger, und ich weiß auch schon länger, dass das etwas ist, was von Erwachsenen zumindest offiziell erwartet wird.
Nur, ich dachte das ist etwas völlig anderes als es tatsächlich ist.
Ich war bis vor rel. kurzer Zeit ehrlich der Ansicht, Verantwortung übernehmen bedeutet, dass man bei einem Fehler folgende Dinge tut:
-Folgen beseitigen falls möglich und nötig
-alle, die deswegen in irgendeiner Form schlechter von einem denken könnten, umgehend den Fehler mitteilen, damit sie dann entscheiden können, ob sie einen nun meiden wollen
-sich bis die Entscheidung gefallen ist umgehend möglichst schlecht fühlen, ohne damit anderen zur Last zu fallen
Ich bin ehrlich davon ausgegangen, wer die obigen 3 Dinge erfüllt, am besten im Übermaß, der ist verantwortungsvoll!
Deswegen bin ich hier auch immer so sauer geworden, wenn mir hier unterstellt wurde, ich wolle keine Verantwortung übernehmen, denn ich kann nicht sehen dass ich das oben genannte weniger mache als die Menschen um mich rum.
Eher deutlich mehr, und aus irgendeinem Grund war es IMMER NOCH NICHT GENUG.
Logisch, wenn mit "Verantwortung" eigentlich was ganz anderes gemeint ist, aber darauf muss man auch erstmal kommen!
Ich fürchte der Threadtitel ist schon passend......ich habe einfach ein anderes Vokabular im Kopf als viele andere Menschen und das fällt nur so nach und nach auf.
Gefühlsleben bzw. Auftreten ist auch so ein Ding.
Ich versuche an sich (bzw. versuche gerade das abzulegen) bei neuen Begegnungen erstmal herauszufinden, was der andere Part mir erlaubt, denn wenn der andere etwas an mir nicht haben will ist es ja ganz gewiss moralisch falsch.
Mein Exmitbewohner hat es am Wochenende schön auf den Punkt gebracht:
"Bei Deiner Vorgeschichte musstest Du ja quasi davon ausgehen, dass Du für alles wie Dich Menschen behandeln selbst verantwortlich bist."
Stimmt.
Dass die Persönlichkeit des anderen da reinspielen könnte wäre mir vor einem Jahr noch völlig absurd erschienen.
Daher auch eine langsam weniger werdende Angst (mit 30!), ausgeschimpft zu werden.
Ich habe das hier schon recht früh nicht mehr so formuliert (passenderweise aus der Angst heraus, dass dann hier im Forum wieder jemand schimpft), aber ich befürchte regelmäßig, andere könnten mich schimpfen.
Ja, die Wortwahl ist bewusst.
Was natürlich heißt, dass ich ihnen anscheinend das Recht zugestehe, mich zu schimpfen.
Das ist das eigentlich Absurde......warum gehe ich mit fast 30 davon aus, andere dürften mich schimpfen?
Warum sehe ich einen Chef, Professor oder erfahreneren Laborkollegen in derselben Rolle mir gegenüber wie Tante Margot gegenüber einer 10-Jährigen die sich die Nase nicht geputzt hat?
Ich frage jetzt noch mal sicherheitshalber nach, weil ich mir wirklich nicht sicher bin:
Das Verhältnis ist EIGENTLICH ein anderes, oder?
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29.06.2015, 21:49
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
ja, im Idealfall ist es anders.
Aber in Realität ist man dem Ideal halt oft nicht sehr nah, leider.
gruss, barbara
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29.06.2015, 22:24Inaktiver User
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Mei weißt, die Menschen sind doch so dermaßen unterschiedlich.
Stell dir vor, du machst ein Fest im Garten und lädst A ein, B aber nicht und B verhält sich seitdem etwas seltsam zu dir.
Nach deinen Begriffen müsstest du dann zu B hingehen und ihn fragen, ob er verstimmt ist, dass er nicht eingeladen war. Vielleicht möchte B das aber gar nicht und empfindet dich als aufdringlich, weil er keine Lust hat, über seine Gefühle zu reden...dann wäre das wiederum ein Fehler von dir...
Bloß weil du es dir vielleicht wünschen würdest, dass man dich im umgekehrten Fall anspräche und um Entschuldigung bitten, muss das nicht für alle anderen gelten.
Manche Leut fänden das einfach peinlich.
Da kannst du noch soviel nachdenken, ob es "richtig" ist, dass er für seine Enttäuschung selbst verantwortlich ist oder ob du es bist, weil du das hättest ahnen können. Diese Überlegungen scheitern daran, dass alle Menschen ganz unterschiedliche Erwartungen haben und verschiedene Verhaltensregeln erlernt haben.
Lass doch dieses "richtig" und "falsch" mal beiseite. Was du da versuchst, ist unmöglicher als die Weltformel zu finden.
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29.06.2015, 23:51
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Wie gesagt, nach meinen alten Begriffen dachte ich ja es GIBT ein festes Regelset.
Wenn ich so überlege.
Das mit dem Ausschimpfen ist ja schon irgendwie kindlich.
Und ich habe auch tatsächlich nie pubertär rebelliert......maryquitecontrary meinte mal, Pubertät hätte nichts mit "Randale im Labor" zu tun.
Ich habe das da nicht verstanden.
Aber vielleicht hat es einfach mit Hinterfragen der Autorität (in dem Fall "die Erwachsenen") zu tun.
Und DAS habe ich einfach nie wirklich gemacht.
Also, klar kannte ich als Kind und Teenager Erwachsene, die ich sehr unfair fand.
Aber das waren immer nur Einzelne, nie die Mehrheit.
Und ohne dass ich je bewusst drüber nachgedacht hätte, ging ich immer, wie ein Kind eben, davon aus, dass die vielen "normalen" Erwachsenen die paar, die ich wirklich in Frage gestellt habe, schon in Schach halten werden.
Also, ich habe nie das gemacht was wahrscheinlich Pubertät ist - das System, das man Kindern ja durchaus vermittelt, von wegen:
"Daaaaa ist die wohlwollende und fördernde Autorität, wenn Du Dich an die hälst, kann Dir nichts passieren" hinterfragt.
Kommt das denn hin, dass das üblicherweise in der Pubertät hinterfragt wird?
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30.06.2015, 11:39
AW: Spät erkannte, angeblich offensichtliche Irrtümer
Alles wird hinterfragt.
Die Pubertät sollte dazu dienen die eigene Identität/Persönlichkeit (auch im Bezug auf das eigene Geschlecht) zu entwickeln - mit Abstand von den Eltern und den elterlichen Werten - nur dann kann eine spätere Annäherung auf Augenhöhe gelingen. Es gibt Psychologen die sagen, dass in der Pubertät die Dinge gerade gerückt werden können, die in der frühen Kindheit nicht so gut gelaufen sind. Andere sagen, dass es in jeder Entwicklungsphase des Kindes Entwicklungsaufgaben gibt, die zur eigenen Zufriedenheit bewältigt werden müssen, gelingt dies nicht, wird es schwerer in der Zukunft:
Link zur Tabelle der Entwicklungsstufen nach Havighurst.A developmental task is a task which arises at or about a certain period in the life of an individual, succesful achievment of which leads to happiness and to success with later tasks, while failure leads to unhappiness in the individual, disapproval by the society, and difficulties with later tasks" (Havighurst, 1948).Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte



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