Klingt auch wie Schutz, wie eine Distanzierung.Zitat von regen13
"Is' ja nur Film."
Distanz wahren oder herstellen, sich selbst der Wahrnehmung Anderer entziehen oder die eigene Wahrnehmung vor Anderen/m verschliessen sind ja natürliche Selbstschutzmassnahmen.
Gefangen ist ja auch aufgefangen,Man ist eigentlich gefangen in sich selbst-so empfinde ich das manchmal
festgehalten auch gehalten,
eine Mauer immer Schutz wie auch Fessel.
Und mit einer Umarmung kann man jemanden bewegungsunfähig machen.
Musst Du ja auch nicht.Ich bin ein visueller Mensch. Das äußert sich auch in der Kleidung, in der Einrichtung der Wohnung. Eine bestimmte Ästhetik. Ohne sie kann ich einfach nicht.
Gut, dass Dir das bewusst ist.
Alle Menschen "schneiden und inszenieren" Realität.
Schwierig wird's, wenn jemand seinen Schnitt als interpersonell oder gar allgemein verbindliche Wahrheit durchsetzen will.
Diese Suggestion ist ja das, was insbesondere dem Film immer wieder vorgeworfen wird. Weil man da eben so weitreichende Kontrolle über das hat, was Andere wahrnehmen und was nicht.
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Thema: Vom Rausch der Atmo-sphäre
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15.10.2013, 14:36
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
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15.10.2013, 15:08
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Zweiter Bolero-Ballett-Film:
Der gefällt mir schon besser, weil der dem Gegenstand für mein Empfinden mit mehr Respekt begegnet.
Ballett (Theater, Oper) wird für eine bestimme Perspektive und Distanz gestaltet und dies meist sehr sorgsam und bedacht.
Ein Film kann da zusätzliche Perspektiven und andere Distanzen hinzufügen.
Muss er aber nicht.
Die Close-ups des ersten Films mögen manchem erotische Genuss verschafft haben. Dafür haben sie aber das Wesentliche vernachlässigt bis geopfert.
(Oder wollten Choreograph und TänzerInnen einen Hochkultur-Poledance, eine bewegte Version eines Feuerwehrmänner-Kalenders abliefern? ich finde jedenfalls, dass der erotische Aspekt oder Gehalt des Ganzen dort an den Haare herbei in den Vordergrund gezerrt wird. OK, das kann natürlich auch die filmische Intention gewesen sein.)
Anyway, der zweite Film nutzt Close-ups und "unnatürliche" Perspektiven a) seltener und b) gern zur Schau eines Körperteils, welches im Ballett nicht oft genutzt wird, weil es live auch nur für Wenige wirklich sichtbar ist: das Gesicht der Tänzerin.
Das spricht mehr mit mir, weil ich mich weniger "gegängelt" fühle und etwas "dazu" bekomme.
Der zweite Film profitiert aber auch davon, dass nur eine Solistin tanzt und die Bühne anscheinend ein offeneres Halbrund ist, keine gerade "Guckkasten-Bühne.
Da ist der Fokus einfacher und perspektivisch geht mehr.
Die meisten Mittel des Films können aber beide nicht wirklich nutzen:
Licht und Tempo sind "provided as is", Schnitt macht nur bedingt Sinn, weil das Abgebildete nicht für den Schnitt gemacht ist (wie eben auch nicht für Close-ups).
Auch die Charakterperspektive bzw. individuelle Kamera, die das Geschehen aus Sicht eines Beteiligten zeigt, ist technisch -noch- schwierig.
Und zudem ist so eine Balletinszenierungs-Abbildung zwangsläufig "one shot", also live.
Eine Art Schuss-Gegenschuss (insbesondere im dialogschweren TV-Film schon fast totgelaufen) gibt's fast gar nicht. Der Zweite experimentiert am Anfang ganz verschämt damit. Das wäre m.E. mehr möglich und insbesondere beim ersten Film interessant gewesen.
Split-screen (screen-in-Screen, multi-screen) gibt's überhaupt nicht, da frage ich mich schon, warum nicht.
So. Aber zu der Choreograhie und der Performance sage ich besser nichts.
Zu Ravels "Bolero" erst recht nicht.
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15.10.2013, 15:34
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Ok, ich korriiere mich, Ravel hat den "Bolero" auf den Wunsch von Ida Rubinstein als Musik für ein Ballett geschrieben und offenbar ging es wohl wirklich um einen Hochkultur-Poledance.
Lustig:
"...
Die Ballett-Uraufführung erfolgte am 22. November 1928 in der Pariser Oper unter der Leitung von Walther Straram und in der Choreographie von Bronislava Nijinska mit der Tänzerin Ida Rubinstein. Die damals 43-jährige Ida Rubinstein tanzte als einzige Frau in einem Kreis von 20 jungen Tänzern. Mit ihren erotischen, lasziven Bewegungen schockierte und faszinierte sie gleichermaßen das Pariser Publikum. Auf den Ausruf einer Zuschauerin "Hilfe, ein Verrückter", soll Ravel nur trocken erwidert haben: "Die hat's kapiert".
..."
(Boléro)
Also sehe und höre ich wohl wieder mal mehr bzw. anderes, als "da ist".
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15.10.2013, 15:36
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Hallo KK,
den Bolero als Orchesterwerk kenne ich schon ein bisschen länger als diese Choreografie von Béjart - wir "hatten" ihn schon im Musikunterricht. Allerdings wurde uns auch da unterschlagen, dass es eben nicht so ist, wie Du denkst bzw. dachtest, sondern erst so wurde.
Den Tanz (es gibt natürlich andere interessante Choreografien) empfinde ich als besonders gelungene Phantasie zu Ravels Musik, die dem Zuhörer und Betrachter noch weiter schweifende erlaubt. Béjart nimmt ganz sicher Anleihen bei der Ballett-Uraufführung mit Ida Rubinstein, der Ravel das Werk gewidmet hatte. So gesehen ist die Aufführung mit Maja Plissetskaia auch eine Hommage an diese, wenn nicht im Nachhinein gesehen an beide Tänzerinnen.
(Unter uns Schülern flüsterten wir uns damals noch eindeutigere Interpretationen zu - wahrscheinlich kannten einige diese Szene hier (ab 4:40))
Die vom Kommentator aufgeworfene Diskussion verstehe ich wohl - aber man kann Kunst auch überhöhen und ihre Natürlichkeit leugnen wollen. Für mich ist das eine eher eine Dokumentation und das andere eine Art Cover-Version - "filmisch" betrachtet.
Mich interessiert aber eigentlich die Wirkung auf mich, die Auswirkung der Unterschiede auf die Wahrnehmung und die Nähe der Cover-Version - um bei dem Begriff zu bleiben - zu den "Mechanismen" unserer Wahrnehmung. Und nun wäre ich mal auf die vorerwähnten Regeln des Films gespannt, die da jeweils zum Tragen kamen - also eine spezielle empirische Sichtweise.
Dann kann ich in meinem Hirn vielleicht eine weitere Brücke schlagen und wir hätten ein Mosaiksteinchen zum Thema Atmosphäre und Wahrnehmung hinzugefügt.Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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15.10.2013, 21:00Inaktiver User
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Ich will eure Fachdiskussion nur kurz stören-
ihr dürft gerne weiter diskutieren....ich lese da auch mit.
Zum Bolero ....
Was ich aber allein schon interessant finde ist die Auswahl der beiden Ballettaufführungen im you tube Format zum Zwecke der Erklärung von Wirkung bezüglich Thema Atmosphäre und Wahrnehmung.
Ist jetzt keinerlei Kritik, ich fands interessant und kannte es nicht.
Das wäre aber zb für mich etwas, wo das entscheidende schon im Vorfeld fehlt ( also für mich
...und ich habe früher viel Tanz gesehen usw):
Da ist die Atmosphäre *live*, die Eindrücklichkeit.
Dazu muss man mE nach wirklich im Publikum sitzen.Da gehört der Geruch dazu, die Nebengeräusche, ein Knarren hier oder ein doch zu harter Sprung da...da zählen sozusagen die lebenden Körper, welche sich im Raum bewegen und gradzu die Atmosphäre drumherum (er)schaffen.
Das lebt, lebendige Sinnlichkeit- und ist nicht für einen Film gemacht.
So für mich in dem Fall - als Atmosphärenjunkie
Und dieser Filmausschnitt aus....dem *10* Film ( Kenne ich nur von hören/sagen)- wäre für mich ein Beispiel von : wenig Atmosphäre..bzw generieren einer solchen.
Geschmackssache, Wahrnehmungssache...was auch immer dabei in einem Menschen angesprochen wird.
Film ist ja ein spezielles Medium und es muss auch gar nicht das Ziel sein zb besonders eindrücklich Atmosphären generieren zu wollen oder die Wahrnehmung darauf explizit lenken.
Aber wenn schon, gibt es für mich was Atmosphäre /Wahrnehmung anbelangt ..da andere Beispiele.
Aber hier ging es wohl eher um den Vergleich und/oder das Anwenden spezieller Filmtechnik-
da will/kann ich als Laie nix zu sagen...
laraGeändert von Inaktiver User (15.10.2013 um 21:05 Uhr)
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16.10.2013, 09:57
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Hallo Lara,
sorry, wenn das etwas entglitten ist. Ich wollte keine Filmkritik, es ging mir um die diversen 'Regeln' der Wahrnehmung. An sich gefällt mir schon das Wort Regeln hier nicht, aber ich habe mir auch noch keine großen Gedanken zu besseren Begriffen gemacht - die hingen auch vom jeweiligen Aspekt ab: Vorgänge, Prozesse, Abläufe, Gesetzmäßigkeiten, Prinzipien, Automatismen, Module, (Sub-)Routinen...
Es geht letztlich darum, was in unserem Hirn passiert - vom Rezeptor bis zur Speicherung, Bewusstwerdung, zur räumlichen und zeitlichen Integration ins Erleben und der ins phänomenale Selbstmodell. 'Regel' klingt so intentional, vielleicht sollte man den Begriff besser als 'Erklärungsmodell' verstehen. Regen13 wird hingegen (empirische) filmische Gestaltungsvorgaben gemeint haben, Ramachandran und Hirstein (oben verlinkt) sprechen von 'universal rules or principles', 'deep structures', 'brain circuitry', sogar von 'laws'. Oft wird in englischer Sachliteratur übergeordnet auch 'intelligence' verwendet.
Zu Deinem Einwand: Ich bin ein bisschen verwundert, weil Du einerseits die Echtheit absolut nachvollziehbar zu fassen trachtest:
und zudem darin am Anfang Deine Rezeptionserfahrung betonst,
andererseits es nun aber gerade eine herausragende Fähigkeit unseres 'konstruktiven Gehirns' ist, aus einzelnen Mosaiksteinchen das ganze Mosaik (und viel mehr) (re-) konstruieren zu können (sogar spätere Erfahrung hinzuzufügen), quasi 'holografisch' zu funktionieren, nach dem Prinzip 'pars-pro-toto'. Ja, es geht sogar noch weiter: Wir können nie erlebte, fehlende Mosaiksteinchen 'vorhersehen'. War ich noch nie in einem Ballett, habe aber Oper, Musical, Konzerte etc. erlebt, kann ich die Atmosphäre in einer für mein Empfinden (meine Erlebnisfähigkeit) ausreichenden Weise zwar 'unscharf', aber doch scharf genug, antizipieren.
Freilich helfen dabei unterstützende Maßnahmen, zum Beispiel eben die Gestaltungsprinzipien des Films oder, viel banaler, ein Aufziehen des YouTube-Videos auf den ganzen Bildschirm und gleichzeitiges Abdunkeln des Raumes zwecks Konzentration. Zugegeben: Je schlechter die Qualität einer medialen Reproduktion, desto mehr muss in unserem Hirn schon vorhanden sein und um so mehr hat es 'in Echtzeit' zu leisten (an Hinzufügung), um so anstrengender und ermüdender wird es.
Wer Musik bisher nur aus Ohrstöpseln oder Brüllwürfeln kennt, Landschaften nur von Bildern, Texte nur im Druck, der dürfte von den Originalen bzw. Interpretationen durch Könner regelrecht erschüttert sein - es sei denn, er hat sein Hirn bereits derart mit Effekthascherei überladen, dass es schon einer regelrecht bedrohlichen Situation bedarf, um bei ihm gewisse Schwellen zu überschreiten (-> sensation seeking). Unser Gehirn arbeitet nun mal adaptiv und eine spezielle Anstrengung zu jeglicher umfassenderen Wahrnehmung ist ja ohnehin immer mehr Menschen fremd, jedenfalls, solange man sie ihnen nicht als besonderen Lifestyle verkauft...
Ob sie dann davon mehr als den Hype mitnehmen (als Trivialmythos) ist extrem fraglich - denn, das hatten wir doch schon, was jemand nicht im Ansatz kennt (zumal, wenn seine unbewussten und bewussten Antizipationstechniken unterentwickelt sind), das kann er nicht nur nicht beschreiben, das kann er womöglich nicht mal richtig erleben, dafür ist er blind - oder eben durch die Medien 'verbildet'. ('Durch den Konsum verwöhnt' hielte ich für eine ungeheure Anmaßung...)
Vielleicht verwenden solche Menschen - ja, selbst wir für in dem Sinne 'uns unerlebbare Erlebnisse' - auch so gerne Ausdrücke wie 'geil', weil das Erleben eben keinerlei tiefe, spezifische Qualitäten mehr hat, sondern eher Quantitäten. Damit betreten wir ein weiteres heutiges Vakuum der Wahrnehmung: Die Unbeschreibbarkeit mangels Sprachfertigkeit - die erschwert uns auch die bewusste Antizipation und die Weitergabe von Erfahrung.
Ja, letztlich behindert sie so die Neugierde, das Engagement, und fördert das Verharren im bereits Bekannten, die Orientierung an möglichst 'engstirnigen' Peers und Subkulturen. (Ganz niedrigschwellig: Frag mal Handwerksmeister zur Ausbildungsfähigkeit ihrer Azubis.)
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Kurz zu "10 - die Traumfrau": Keinerlei Ansprüche, bloß zur Andeutung der Zusammenhänge. Bo Derek als damals neuer Typ und Sexsymbol - Erotikszenen (entstanden 1979 und in den USA!) - Bolero (Ostinato/Crescendo/lautes, gleitendes, dissonantes Ende) -> Rezeption als "Kopulationsmusik"
Damit ich einen Schluss finde noch ein kleiner atmosphärischer Text-Selbsttest, wer mag (zugegeben: meine in verschiedenen Kontexten meiststrapazierten Beispiele):
ALS Mahl beganns. Und ist ein Fest geworden, kaum weiß man wie. Die hohen Flammen flackten, die Stimmen schwirrten, wirre Lieder klirrten aus Glas und Glanz, und endlich aus den reifgewordnen Takten:
entsprang der Tanz. Und alle riß er hin. Das war ein Wellenschlagen in den Sälen, ein Sich-Begegnen und ein Sich-Erwählen, ein Abschiednehmen und ein Wiederfinden, ein Glanzgenießen und ein Lichterblinden und ein Sich-Wiegen in den Sommerwinden, die in den Kleidern warmer Frauen sind. Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde rauschend in den Traum der Nacht.
UND Einer steht und staunt in diese Pracht. Und er ist so geartet, daß er wartet, ob er erwacht. Denn nur im Schlafe schaut man solchen Staat und solche Feste solcher Frauen: ihre kleinste Geste ist eine Falte, fallend in Brokat. Sie bauen Stunden auf aus silbernen Gesprächen, und manchmal heben sie die Hände so –, und du mußt meinen, daß sie irgendwo, wo du nicht hinreichst, sanfte Rosen brächen, die du nicht siehst. Und da träumst du: Geschmückt sein mit ihnen und anders beglückt sein und dir eine Krone verdienen für deine Stirne, die leer ist.
(aus: Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke von Rainer Maria Rilke)
oder so: Wenn es nur einmal so ganz stille wäre
(Augen zu!)
Wer den Cornet nicht kennt, sollte sich die Mühe machen, den obigen Text ein paar Mal zu lesen, um für sich ein Betonungsmuster zu finden - das verstärkt die 'Atmosphäre'.Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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16.10.2013, 11:23Inaktiver User
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Hi Cygnus,
Danke dir für deine Erklärung.Und no sorry für irgendwelches entglitten sein, ich hatte das schon verstanden, das es nicht um Filmkritik ging.Sondern um das eben erwähnte.Ist ja auch spannend.
Bin im Zeitdruck, polter trotzdem mal rein.
Hm- verwundert.Okay...natürlich kann mein Gehirn das alles rekonstruieren...wenn es das denn aufgrund zb vorweg erlebter Erfahrung kann.Nur...es fehlt mir dann dabei die direkte sinnliche Erfahrung sozusagen ( denn gerade weil ich sie kenne)...als das ich dabei tatsächlich eher dazu neige dann etwas 'auf Durchzug' zu schalten.
Weil ich weiss, wie schön....es eben anders sein kann.Das fällt mir schwer in dem Moment auszublenden.
Natürlich kann man das mit filmischen Mitteln aufbessern.Habe ich jetzt so nicht getan und gibt womöglich meine bescheidenere Technik eh nicht her.
Etwas anderes ist es für mich, wenn etwas primär als Film gestaltet wird...in welchem womöglich das Augenmerk darauf liegt eine atmosphärische Dichte herzustellen oder herstellen zu wollen.
Etwas, was von vornherein als Film gedacht wird.Film ist.
Mal platt für nen kurzen Moment wiedergegeben und ohne Anspruch gross auf irgendwas....dazu muss ich nochmal ne Runde nachdenken, fühlen oder so.
Zu deinem audio Beispiel /Rilke-
DAS wiederum...da kann bzw will ich mich gern 'reinfallen' lassen...da geht mein Sinn gleich auf Empfang
und rüttelt damit gleichzeitig an anderen Sinnen.
Was mich- nur kurzer MiniExkurs, weil ich's für mich nicht an der Stelle vergessen mag- kurzzeitg daran erinnert, wie
trügerisch-schön Sinne im Grossem Ganzem auch sein können- zumindest ich 'leide' zeitweilig an dem Phänomen.
Oder besser gesagt die Rückkopplung Sinneseindrücke...ja und sonstiger Inhalt.Gehalt.Sein.
Ich kann mich- kennen bestimmt viele- in eine Stimme verlieben.Gut, kommen sicher noch zwei, drei andere Sinneseindrücke dazu bzw dürfen keine anderen *störend* dabei sein...dann geht das nicht nur per audio, sondern das Wesen als ganzes real vor mir....da gehe ich schon mal dezent in die Knie ;-)
Die Sinneswahrnehmung überblended dann leider oder zum Glück- auch sehr, sehr viel anderes...zumindest zeitweilig.
Mei- wie trügerisch....
Oder anderes: Ich hatte eine ganze Zeit lang eine Kollegin, welche einen ganz bestimmten Gesang in ihrer Sprache hatte.Ungewöhnlich und für mich ziemlich- schön.Ich fand ihn sooo schön, das ich kurzweilig mich selbst darin ausprobiert habe (ich hasse es ansonsten Menschen in der Art zu imitieren, aber die Versuchung war zu gross ;-) ) .
Das habe ich mich vornehmlich am Telefon getraut.Menschen gegenüber, welche ich schon länger kannte.
Die Reaktion fand ich- phänomenal .
Sie waren davon nämlich auch total angesprochen...aber so richtig
Ich meine- ich war immer noch 'die gleiche', inhaltlich war auch nix anders...meine Stimme als solche auch die selbe.
Nur: Die gesamte Intonation und Sprachmelodie....war eben anders.
Menschen, Sinne und Wahrnehmung...schon sehr spannend.
Das ist jetzt nur mal eben schnell runtergeschrieben...für den rest brauche ich mehr Zeit.
Lara
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16.10.2013, 13:27
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Einigen wir uns vorab schon mal darauf, dass es bei der Wahrnehmung nicht unbedingt ein "Besser" oder "Schlechter" geben muss und auch kein wirklich messbares* "Mehr" oder "Weniger", sondern zuvörderst unterschiedliche Kanäle, Qualitäten, Kombinationen, Verkettungen... was auch immer?
Was ich beispielsweise meine - und das kennt aufgrund bestimmter Hirnstrukturen eigentlich jeder - ist das Wachrufen ganzer Erinnerungsstürme, wenn einem nur der Duft von Großmutters Pflaumenkuchen in die Nase steigt (oder jedenfalls ein nahekommender) oder der typische des Elternhauses, seines Kellers, der Küche... Natürlich je nach Offenheit. Ist man dabei im Stress, wird einem das zumindest nicht bewusst, wirkt sich eventuell nicht mal auf die Stimmung aus.
Wie gesagt: Das hat eigentlich jeder schon mal erlebt - vielleicht sogar mit Parfüm. In anderen Bereichen klappt das halt auch oder schlechter, je nach Veranlagung oder gezieltem Training, Erinnerungsvermögen, Sensibilität... Bei Gerüchen ist es aufgrund direkter Nervenbahnen nahezu unausweichlich und geht auch sehr direkt auf die Gefühle los.
Vielleicht nimmst Du mehr Eindrücke auf als andere - dafür können vielleicht andere mehr aus ihrem Speicher abrufen und so substituieren. Man könnte sogar mutmaßen, dass Du mehr Hirnleistung/Zeit für die Aufnahme nutzt und andere mehr fürs Abspeichern - was im Langzeitgedächtnis nur durch vielfache und kurzfristige Wiederholung geht, in gewissen Grenzen. Wobei die Wiederholungen nicht real sein müssen, sie dürfen schon aus dem Gedächtnis erfolgen. Sogar die neurophysiologischen und chemischen Grundlagen dazu sind schon ziemlich weitgehend erforscht.
_____
* In gewisser Weise sind diese Vorgänge doch "messbar" - zum Beispiel durch bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT). Man kann zumindest einen Vorher-Nachher-Vergleich anstellen, aber schlecht Intensitäten bei verschiedenen Probanden qualitativ vergleichen.Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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18.10.2013, 23:40
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer hat in seiner Sendung "Geist und Gehirn" bei BR α eine Vortragsweise, die mich davon abgehalten hat, mir mehr davon anzuschauen, aber auf "großer Bühne" (hier der Uni Köln) hat er mich begeistert und oft zum Lachen gebracht - schade, dass der Vortrag nicht doppelt so lange dauerte und alle vorbereiteten Einzelheiten umfasste: Das menschliche Gehirn: Möglichkeiten und Grenzen
Was hat das nun mit der diskutierten Atmosphäre zu tun? Ich denke, da sind einige der Basics angerissen worden, von denen man erst einmal gehört haben muss, wenn man langsam dahinter kommen möchte, wie wir mit allem um uns herum zusammenhängen - und warum. Fast alles ist gewissermaßen "Lernen" und "Vorhersagen"...
Grinsen musste ich über die Bemerkung zum Schluss, dass die Gehirnforschung fürs Lebensglück besser sei als der Buddhismus, denn ich habe selbst mal eine kleine Episode Buddhismus zur Erlangung von mehr Gelassenheit einzuschieben versucht, wurde aber mit jedem weiteren Buch über Neurowissenschaften viel leichter gelassener. Die "Rückübertragung" bestärkt hat das leider sehr amerikanisch-langatmige Buch (viele Wiederholungen) "Neue Gedanken - neues Gehirn" von Sharon Begley, dass eine Brücke zwischen beidem schlägt, die sich durch weitere Literatur noch verbreitert hat. Zwei unterschiedliche Zugänge zum Selben...Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
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19.10.2013, 14:04Inaktiver User
AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre
Dank dir ob des links zu diesem Vortrag.Ich habe bislang nur kurz reingesehen, hört sich aber ganz interessant an.
Wenn die Zeit dafür da ist werde ich mir das mal ganz anschauen.
Das alles geht allerdings jetzt schon weiter in eine bestimmte Richtung.
Eine sehr spannende, keine Frage.
Und auch ein Thema, das mich grundsätzlich interessiert.
Mein *Thema* meinte ich ursprünglich allerdings...viel...persönlicherer Natur.
Sozusagen viel *simpler*
Ich bin diesbezüglich aber auch schon weitergekommen.
Nur kurz am Rande: Der Dalai Lama hat ja auch einige seiner Mönche im Sinne der Neurowissenschafft losgeschickt...jene sind auch in dem von dir offenbar geliebtem Kernspin gewesen...zur Erforschung : Wie arbeitet/verarbeitet Hirn etwas....
Machen zB Meditationen einen Unterschied, welcher relevant 'messbar' wäre....
Ich bin null komma gar nix Dogmatikerin, ich glaube auch nicht, das die Welt/der Mensch ansich in nur einer bestimmten Dimension erklärbar ist ...ich weiss nicht, ob es daran liegt, aber:Ich würde Buddhismus und Neurowissenschafft zb nicht gegenüber stellen wollen.
Lara


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