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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Denn was jemand weder wahrnehmen noch empfinden kann, damit kann er logischerweise auch nicht "umgehen" (es erinnern, denken, kommunizieren, in andere Kontexte transferieren, im/in Anderen erkennen, gestalten und so weiter).
    Und über all das wölbt sich die sogenannte Kultur - die in manchen Bereichen aber deutlich zu wünschen übrig ließe, wenn denn die, bei denen das zumindest aus der Sicht anderer so ist, das Wünschen aus den oben genannten Gründen überhaupt vermöchten. Da schließt sich der Kreis, früher eher mangels Information und Zeit, heute viel eher "dank" Reizüberflutung...

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Und all das macht eine Persönlichkeit meines Erachtens eben aus - mehr als der BMI, Gehalt und Titel, die Zeiten beim Marathon oder der Partnerschaftsstatus.
    Man kann ja nicht an alles denken... Sehr schöne Sichtweise!

    Die Neugierde haben wir noch nicht erwähnt...

    Zitat Zitat von Kistenkumpel Beitrag anzeigen
    Was das "sein wollen wie alle Anderen" angeht:
    In den Aspekten, wo alle Anderen es mit ihrem Sein "leichter haben", gern.
    In den Aspekten, wo sie mir "seltsam arm" vorkommen, bitte lieber nicht.
    Aber eine Wahl haben wir diesbezüglich sowieso nicht.
    Och doch, eine gewisse Wahl haben wir schon. Bildung. Sogar im Internet und an anderen Stellen für lau erreichbar. Nur leider nuscheln viele dabei immer so unverständlich "Blödung" und dressieren uns auch sonst auf Flatrates und Monopole.

    Zitat Zitat von regen13 Beitrag anzeigen
    Ich werde meine Abschlussarbeit zum Thema "Wahrnehmung" schreiben. Ich studiere Film und seitdem ich das mache und mich etwas tiefer mit dem Thema auseinandergesetzt habe, erscheint es mit nicht mehr so fantastisch:)) Denn für Film gibt es bestimmte Regeln, die auf menschliche Psyche ausgerichtet sind. Und weil Film so etwas wie bewegte Fotografie ist, passt das Meiste auch zu der Fotografie.
    Ich sehe es so: Die Regeln beim Film stehen zum neurowissenschaftlichen Erkenntnispotenzial der Wahrnehmungsforschung in einem grob vergleichbaren Verhältnis, wie die Bedienungsanleitung eines Smartphones zur gesamten Physik, Technik, Praxis und Theorie der weltweiten Mobilfunknetze inklusive aller Smartphones (wenn das denn reicht).

    Muss ich das alles wissen? Nein, aber wer findet Smartphones heute noch fantastisch? Dazu muss schon mindestens ein Guru auftreten, einen Trivialmythos stricken, eine Glaubensgemeinschaft gründen und viele Tempel errichten.

    Aber nichts desto trotz ist der "Film" ein brauchbares Modell - ähnlich, wie die Psychoanalyse nach Freud. Aber beide sind (intentional) nicht mehr als ein reduzierter und deshalb massentauglicher Abglanz.
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

    Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia

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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Zitat Zitat von syrahnoir Beitrag anzeigen
    Du wirst hier in schriftlicher Form voraussichtlich keinen fruchtbaren Austausch finden. Wenn überhaupt - finde einen ähnlich begabten Menschen - und erfreue dich an einem nicht zu intensiven Austausch mit ihm.
    Unverständlich?
    Ja - jetzt noch, vielleicht anschließend nicht mehr.
    Ich vertrete sozusagen die andere Schule, die der Natur: Selbstorganisation, Diversifikation, Streuung, Störung, Zufall, Zeit...

    Auch von einem Gemüsehändler auf dem Markt kannst Du etwas über Wahrnehmung lernen. Wäre schade, sich das aufgrund alleiniger Höhenflüge entgehen zu lassen und dazu den nächsten Schritt zu verpassen, den zum Kochen, oder den zurück, zum Selbstanpflanzen. Schon mal über die Erotik einer Aubergine reflektiert?

    (Nur ein klitzekleines Beispiel...)

    Und was den voraussichtlich unfruchtbaren Austausch in schriftlicher Form angeht:

    "Gehirn und Gedicht: Wie wir unsere Wirklichkeiten konstruieren" von Raoul Schrott und Arthur Jacobs

    Warum nur einen ähnlich begabten Menschen? Warum nicht viele speziell begabte? Warum nicht viele Ergebnisse von Begabung?


    P.S.:

    Gewissermaßen als Ergebnis von unfruchtbarem Austausch in schriftlicher Form - der besonders begabte Mensch selbst (in seiner Autobiografie):

    "... und ich war nie in der Schule: Geschichte eines glücklichen Kindes" von André Stern
    Geändert von Cygnus (15.10.2013 um 00:19 Uhr)
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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Zitat Zitat von Cygnus Beitrag anzeigen


    Ich sehe es so: Die Regeln beim Film stehen zum neurowissenschaftlichen Erkenntnispotenzial der Wahrnehmungsforschung in einem grob vergleichbaren Verhältnis, wie die Bedienungsanleitung eines Smartphones zur gesamten Physik, Technik, Praxis und Theorie der weltweiten Mobilfunknetze inklusive aller Smartphones (wenn das denn reicht).

    Muss ich das alles wissen? Nein, aber wer findet Smartphones heute noch fantastisch? Dazu muss schon mindestens ein Guru auftreten, einen Trivialmythos stricken, eine Glaubensgemeinschaft gründen und viele Tempel errichten.

    Aber nichts desto trotz ist der "Film" ein brauchbares Modell - ähnlich, wie die Psychoanalyse nach Freud. Aber beide sind (intentional) nicht mehr als ein reduzierter und deshalb massentauglicher Abglanz.
    ich stimme Dir zu. Die "Regeln" beim Film sind viel zu einfach. Trotzdem kann man aber sehr gut Manches verstehen, denn nicht jeder Film berührt.

    Selbst bei tiefgründigen Arthaus-Produktionen werden diese Regeln eingesetzt. es geht von der Farbgebung bis zu bestimmten Kameraeinstellungen.
    Wenn man das auf der professionellen Ebene kennt, erscheint es nicht mehr so fantastisch. Obwohl es-natürlich-durchaus Filme gibt, bei denen selbst ich weine.

    Denn Film ist ja nicht nur ein schönes Bild und Musik, sondern die Gesamtheit. Ich habe zum Beispiel zuletzt beim Solaris von Tarkovskij (obwohl das wirklich nicht sein bester Film ist) regelrecht geheult. Bei der Szene, wo das Paar in einem Zimmer sitzt, mir dem Kronleuchter.
    ich konnte mir selbst nicht erklären warum diese Szene solche Wirkung auf mich hatte
    Geändert von regen13 (15.10.2013 um 00:36 Uhr)

  4. gesperrt

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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Ich habe auch immer alles wie in einem Film gesehen. Egal was passiert-ich schneide innerlich einen Film daraus. Unbewussst.
    Und denke-wie würde das auf der Leinwand aussehen? Was muss man dazu geben?

    Deswegen habe ich mich mit 30 neuorientiert und versuche, meinen Traum zu leben und zu verwirklichen, indem ich das studiere, was ich bin. Ich bin ein visueller Mensch. Das äußert sich auch in der Kleidung, in der Einrichtung der Wohnung. Eine bestimmte Ästhetik. Ohne sie kann ich einfach nicht.
    Man ist eigentlich gefangen in sich selbst-so empfinde ich das manchmal

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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Zitat Zitat von regen13 Beitrag anzeigen
    ich konnte mir selbst nicht erklären warum diese Szene solche Wirkung auf mich hatte
    Vordergründig erst einmal aufgrund der Befolgung der (womöglich aber abgewandelten oder ergänzten) Regeln. Mehr hintergründig aufgrund der speziellen Kommunikationsfähigkeiten und Intuitionen der Kreativen und ganz hintergründig aufgrund Deiner persönlichen Erfahrungen und Deiner Empathie - und davon hast Du wieder ganz viel von den Kreateuren (und Kreaturen) Deiner Umwelt übernommen...

    Dass einfache Regeln funktionieren, liegt an der Statistik bzw. den Normalverteilungen. Daran, dass sich die Umwelt nicht so schnell ändert. Also entspringt die Kommunikation ähnlichen Gehirnen, wie jenen der Rezipienten (genauer: Gehirnen mit ähnlichen Engrammen - was über die Massenmedien noch mehr standardisiert und sogar globalisiert wird).

    Kennst Du die Unterschiede der Regeln bei uns zu denen von Bollywood? Ich bin sicher, es gibt (noch) welche. Und bestimmt auch zu China und (noch) zu Japan und Korea. Die Schönheitsideale gleichen sich aber schon an. Wahrnehmungsbedingt - präsentationsinduziert.

    Aber es gibt nicht nur das auf verschiedene Weise Erlernte, Übernommene, Geprägte, Konditionierte - es gibt tatsächlich auch Angeborenes und Vererbtes, welch erstes die sichersten aller Regeln befeuern dürfte.

    Ich kann mir erklären (zum Teil), warum der Bolero von Ravel immer wieder solch eine Wirkung auf mich hat:

    Dieser aber anders als jener

    Kannst Du kurz etwas aus Deinem Metier dazu sagen? Deine Regeln angewandt?


    P.S.:

    Für Deine Arbeit als zusätzlichen Aspekt empfehle ich Dir die Betrachtungen von V. S. Ramachandran zu 10 universellen Regeln der Kunst:

    Die Reith-Lectures 2003
    The Science of Art - Journal of Consciousness Studies
    auch in Deutsch zu finden in "Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn" von Vilayanur S. Ramachandran
    Geändert von Cygnus (15.10.2013 um 01:11 Uhr)
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Zitat Zitat von regen13 Beitrag anzeigen
    Ich habe auch immer alles wie in einem Film gesehen. Egal was passiert-ich schneide innerlich einen Film daraus. Unbewussst.
    Und denke-wie würde das auf der Leinwand aussehen? Was muss man dazu geben?

    Deswegen habe ich mich mit 30 neuorientiert und versuche, meinen Traum zu leben und zu verwirklichen, indem ich das studiere, was ich bin. Ich bin ein visueller Mensch. Das äußert sich auch in der Kleidung, in der Einrichtung der Wohnung. Eine bestimmte Ästhetik. Ohne sie kann ich einfach nicht.
    Man ist eigentlich gefangen in sich selbst-so empfinde ich das manchmal
    Fotografen setzen einen Rahmen, zoomen, verkürzen oder verlängern die Perspektive, sehen mit Tiefenunschärfe, korrigieren das Licht - suchen den richtigen Standort und kommen wieder, wenn das (natürliche) Licht so ist oder "pfuschen" mit Photoshop.

    Das (die Neuorientierung) finde ich einerseits beneidenswert und andererseits erstrebenswert normal. Aber sicher nicht "normal" im Sinne von Masse, sondern im Sinne von "natürlich".

    Gefangen in sich selbst klingt sehr negativ - manche Künstler waren oder sind das allerdings tatsächlich im Sinne eines gewissen Autismus, der aber auch eine Disposition für ihre Sonderbegabung (gewesen) sein könnte. Meint "Ohne sie kann ich einfach nicht.", dass Du einen sehr festen Rahmen um Dich herum brauchst, der Dich quasi stabilisiert, damit Du Dich nicht in ausufernden Wahrnehmungen verlierst?
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

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  7. Inaktiver User

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Was ich noch gerne erwähnen möchte:

    Es kommt immer sehr darauf an in welcher "Verfassung" ein Mensch ist.
    Mir ist nämlich nicht selten aufgefallen, dass ich in entspannter Verfassung zum Beispiel ganze Gegenstände wahrnahm die die es vorher nicht so gab.

  8. Inaktiver User

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Interessant, was ihr schreibt.

    Nachdem ich jetzt zum dritten Mal mit meiner Antwort hier rausgeflogen bin, halte ich mich nur noch kurz.

    @ cygnus

    Tschicker Bolero

    (...im Moment nur viel zu früh am Tag.)

    Denn natürlich, so empfinde ich es auch
    @ Libella,

    Die- allgemein gesagt- Verfassung spielt eine zumindest (Teil) Rolle.
    Auch in Bezug auf das Wahrnehmen.



    Lara

  9. gesperrt

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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Zitat Zitat von Cygnus Beitrag anzeigen
    Und über all das wölbt sich die sogenannte Kultur - die in manchen Bereichen aber deutlich zu wünschen übrig ließe, wenn denn die, bei denen das zumindest aus der Sicht anderer so ist, das Wünschen aus den oben genannten Gründen überhaupt vermöchten. Da schließt sich der Kreis, früher eher mangels Information und Zeit, heute viel eher "dank" Reizüberflutung...
    ...
    Cygnus, wenn Du das Deine dazu beitragen möchtest, (vn mir) richtig verstanden zu werden, dann schreibe bitte nicht solch unnötig komplizierten Sätze.

    Danke.

    KK
    Geändert von Kistenkumpel (15.10.2013 um 14:03 Uhr)

  10. gesperrt

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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Zitat Zitat von Cygnus Beitrag anzeigen
    ...
    Ich kann mir erklären (zum Teil), warum der Bolero von Ravel immer wieder solch eine Wirkung auf mich hat:

    Dieser aber anders als jener

    Kannst Du kurz etwas aus Deinem Metier dazu sagen? Deine Regeln angewandt?
    Cygnus, der "Bolero" von Ravel ist eine Komposition, kein Ballet, und schon mal gleich gar kein Balletfilm.
    Insofern fällst Du schon mal auf einen Etikettenschwindel herein oder erzeugst einen - nicht der Bolero wirkt, sondern ein Ballet oder Balletfilm, welcher den Bolero benutzt.
    Wie, sei mal dahin gestellt.

    Ansonsten sagt der erste Kommentar zum ersten Video das mir Wesentliche zu Deiner Frage:
    ".. the dancers are beautiful and move with such grace and precision... but the camera work got very "fancy" and pretentious.. so many close ups I could not see clearly and appreciate the choreography nor the dancer's movements. It fairly fetishizes the male's nipples and torso at the expense of everything else he is doing. ..."
    Ein m.E. schlechter Film.

    Cheers,

    KK
    Geändert von Kistenkumpel (15.10.2013 um 15:10 Uhr)

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