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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Hallo Lara,

    irgendwie verstehe ich Dein Problem auch nicht. Was ist denn "die Mehrheit"? Jeder hat doch irgendwo seinen Sondervogel - sonst wäre es ja auch langweilig auf der Welt.

    Und wenn es nichts ist, was irgendwem schadet und sich problemlos genießen lässt - besser gehts doch nicht.

  2. User Info Menu

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Liebe Lara,

    Du dringst ganz schön tief in die noch nicht sooo erschlossenen Gebiete der Hirnforschung ein.

    Wieviel weißt Du über Details unserer Wahrnehmung - von unten gesehen, bottom up, und von oben, top down? Und wieviel über die Funktionen im Hirn, die unsere Gefühle und Befindlichkeiten steuern, über die Entstehung von Emotionen und Stimmungen?

    Ja, in gewisser Weise ist die Art der Wahrnehmung ein Persönlichkeitsmerkmal - aber das spielt sich auf vielen verschiedenen Ebenen ab und ich habe jetzt keine sichere Vorstellung mehr, welche Du genau meinst. Ich selbst würde je nachdem nämlich etwas trockener sagen, es sei ein Merkmal des individuellen Gehirns. Bei der Synästhesie ist es jedenfalls so. Oder es ist erlernt und geübt bzw. verfeinert.

    Kannst Du, könnt Ihr "berauscht" und "sinnlich" noch näher fassen? Ich kapiere den Ausschluss von Emotionen dabei nicht.
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

    Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia

  3. Inaktiver User

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Lara,
    es sind in der Tat nicht alle Menschen so.
    Mein bestes Beispiel ist immer meine nächst jüngere Schwester.
    Mein Schwager erzählt von Urlauben - in denen er das Fenster öffnet und berauscht ist von der Landschaft - sie aber völlig unbeeindruckt ist.
    Das zieht sich wie ein roter Faden weiter so. Sie nimmt einfach so Unterschwingungen im Gespräch nicht war - was zwischen den Zeilen so passiert.
    Das Eine hat also mit dem Anderen zu tun.

    Aber trotzdem ist das nicht der Weisheit letzter Schluss.
    Denn, es gibt bzw. gab Menschen wie Hitler die sich an Schönheit berauschten. Die Landschaften schätzten, Tiere mochten und sogar schon Vegetarier waren.
    Aber, vielleicht ist das die Kehrseite: die alles was davon abwich vernichten wollten.
    So ein extremer Ästhetik-Schönheitssinn...
    Das kann auch was sehr Kaltes haben.

    Ich glaube, man sollte Beides schätzen.
    Die Schönheit und das Gewöhnliche.

    Letzens war ich in einer Fotoausstellung eines bekannten Modefotografen.
    Ehrlich gesagt, ich fands nach ner Zeit richtig anstrengend diese ewig gleichen schönen Menschen zu sehen.

    Schön ist vielleicht noch was Anderes.

    Nichtsdestotrotz brauchen wir aber solche Atmosphären. Gerade Kirchen sind ja immer auf sogenannten Kraftorten gebaut worden. Ist mir zwar schleierhaft wie das bestimmt wurde.
    Aber, seltsamerweise fühlen tun es alle.

  4. Inaktiver User

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    @ DummGucken

    Ja, du beschreibst das schön.Und klar soll, nein sogar muss jeder seine Macken haben

    @Libella

    Deine Richtung, so wie du den Unterschied zwischen Schwager/Schwester beschreibst....ja, verstehe ich gut !
    Ich meine übrigens gar nichts, was in irgendeine extremem Ästhetik etc Richtung geht,
    mir ging es einzig um das Phänomen des Wahrnehmens als solches.Oder eben des unterschiedlichen Wahrnehmens.
    Ich schrieb es so schwungvoll sozusagen, weil ich mich daran... an so Sinneseindrücken eben wirklich berauschen kann bzw dem gar nicht ausweichen
    und dachte, das ging sehr viel mehr Menschen so..in der Eindrücklichkeit.

    @ Cygnus

    Ich dachte bislang mehr, das ein unterschiedliches Temperament/Emotionalität dafür sozusagen verantwortlich wäre.Wenn es aber an einer unterschiedlichen, unterschiedlich starken Sinneswahrnehmung liegt,
    dann wäre das für mich ein Unterschied.
    Natürlich kommen dazu dann auch Emotionen, spätestens als Reaktion darauf.Ausschliessen will ich diese somit nicht.

    Ich werde mich dazu mal kundtun.Irgendwie kann ich es im Moment schwer in Worte fassen und es liest sich dann schnell so ein wenig spinnert.

    Danke

    Lara

  5. Inaktiver User

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Ich kann das gut nachfühlen was du beschreibst, ich denk mir für mich oft: es fehlt mir ein Filter, den andere offenbar zu haben scheinen, ich kann mich gegen Sinneseindrücke schlecht abgrenzen.

    Das ist zwar oft positiv, aber manchmal auch belastend, weil die Eindrücke zu intensiv sind.

    Ich kann z.B. kaum Musik so nebenbei hören, weil mich das stimmungsmäßig sehr beeinflusst, und lesen und Musik hören zusammen geht schon mal gar nicht, weil ich mich nur auf eins zur selben Zeit einlassen kann.

  6. User Info Menu

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Hallo Lara,

    Wahrnehmung ist ein derart komplexer Vorgang - da hängt irgendwie alles mit allem zusammen. Das schlägt sich sogar unterschiedlich (und veränderlich) in der Anatomie des Gehirns nieder.

    Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Wahrnehmung quasi wörtlich zu verstehen ist: Wir nehmen etwas für wahr, das so garnicht wahr ist. Jeder "produziert" in sich seine ganz persönliche Realität - selbst wenn zwei direkt nebeneinander in der selben Szenerie stecken, nimmt jeder etwas anderes wahr oder nahezu dasselbe anders wahr.

    Tatsache ist, dass unsere Verbindung zur Außenwelt bei allen Sinnen keine direkte ist, sondern die Sinnessignale auf unterschiedlichen Wegen und an unterschiedlichen Stellen im Gehirn verarbeitet und "bewertet" werden - bewusst und unbewusst. Das Bewusstsein konstruiert quasi zum Schluss aus dem, was bei ihm noch ankommt, und aus der Erfahrung ein "Gesamtbild", dass dann auch wieder - sozusagen konstruktive - Weiterungen haben kann.

    Am besten erforscht ist das beim optischen Sinn und da ist es auch für jeden in hunderten von lustigen Experimenten nachvollziehbar. Es besteht aber kein Grund zur Annahme, dass andere Sinne grundsätzlich anders arbeiten. Hingegen weiß man, dass die involvierten Bahnen und Netzwerke im Hirn nicht nur (zumindest in Teilen) unterschiedliche sind, sondern auch unterschiedliche und unterschiedlich starke Verknüpfungen mit den Zentren haben, die unsere Reaktionen und unsere Emotionen sehr unmittelbar steuern.

    Bei all dem ist für mich am erstaunlichsten, dass uns unser Hirn stets den Eindruck des zeitlichen und räumlichen Zusammenpassens vermitteln kann und dabei unser Selbst mitten hinein stellt, als wäre alles tatsächlich so, wie wir es erleben.

    Zu Deinem "Problem" jetzt in der Kürze nur ein Hinweis: Ein Fotograf sieht definitiv anders, als Otto Normal - ob er es nun mühsam gelernt hat oder es ihm als Begabung leicht fiel. Ein Musiker hört anders und das wieder auch abhängig davon, welche Instrumente er spielt.

    Zum optischen Sinn als Einführung in die Wahrnehmungswelten empfehle ich immer die Website von Prof. Dr. Michael Bach an der Uni-Augenklinik Freiburg: Optical Illusions and Visual Phenomena. Ein Teil ist in Deutsch übersetzt verfügbar.

    Weitere Infos, auch zu Literatur, gerne noch später. Spontan fällt mir noch der Titel eines Buches von V. S. Ramachandran ein: "Die Blinde Frau, die sehen kann". Der Titel spielt auf ein Phänomen an, das als Blindsehen bzw. blindsight bekannt ist. Soweit ich mich erinnere, schildern sowohl Vilayanur Ramachandran als auch Oliver Sacks in ihren Büchern einen Versuch, einen "Brief" in einen verstellbaren Briefschlitz zu stecken, was blindsichtige Menschen schaffen, ohne es wahrzunehmen. Hier eine andere Schilderung: Blindsehen - Spüren, was man nicht sieht - DRadio Wissen

    Ebenso gibt es Menschen, die eine Szenerie vollständig wahrnehmen, außer allem, was sich bewegt. Sie sehen z. B. parkende Autos, aber keine fahrenden. Oder Menschen erkennen ihre Angehörigen an der Stimme am Telefon, bezeichnen sie aber als Hochstapler bzw. Betrüger, wenn sie sie hören und sehen.

    Mein Tipp wäre, sich mit solchen verblüffenden Phänomenen und somit den unterschiedlichsten "Bausteinen" der Wahrnehmung vertraut zu machen, bevor man sich gedanklich in die Ursachen der "sinnlichen Berührbarkeit" begeben will - oder sie einfach zu genießen, sie vielleicht sogar künstlerisch zum Ausdruck zu bringen.

    Ich muss immer wieder griemeln, wenn ich bestimmte Frauenbilder von Picasso sehe - er war der Hirnforschung voraus: Beispiel: Dora Maar Es gibt freilich viel elaboriertere Interpretationen dazu...

    Das berauscht mich übrigens: Die Möglichkeit, sich in sein So-Sein fallen zu lassen, mit jeder Berechtigung, solange man nicht anderen schadet. Dazu muss man nicht unbedingt meditieren. Für meine Begriffe reicht es völlig, zu staunen und marginal zu verstehen. Aber jeder Jeck ist anders - auch im Rausch und in der Wahl der Mittel zum Rausch...
    Geändert von Cygnus (14.10.2013 um 13:54 Uhr)
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

    Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia

  7. gesperrt

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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Abgesehen davon, das Cygnus es gehaltvoller und präziser beschrieben hat:

    Ich halte Wahrnehmungsvermögen und sinnliche Berührbarkeit für ein sehr wichtiges Persönlichkeitsmerkmal.
    Denn was jemand weder wahrnehmen noch empfinden kann, damit kann er logischerweise auch nicht "umgehen" (es erinnern, denken, kommunizieren, in andere Kontexte transferieren, im/in Anderen erkennen, gestalten und so weiter).
    Und all das macht eine Persönlichkeit meines Erachtens eben aus - mehr als der BMI, Gehalt und Titel, die Zeiten beim Marathon oder der Partnerschaftsstatus.

    Was das "sein wollen wie alle Anderen" angeht:
    In den Aspekten, wo alle Anderen es mit ihrem Sein "leichter haben", gern.
    In den Aspekten, wo sie mir "seltsam arm" vorkommen, bitte lieber nicht.
    Aber eine Wahl haben wir diesbezüglich sowieso nicht.

  8. Inaktiver User

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Danke Euch,

    Danke Cygnus für dein detailliertes und umfangreiches post !

    Es ist jetzt nicht so, das ich gar keine Ahnung zum Thema Wahrnehmung habe oder mich noch gar nie damit beschäftigt.Ebenso was neuere Hirnforschung angeht.Aber letztlich sicher nur - bislang- ganz oberflächliches Wissen in den hier genannten Zusammenhängen.
    Du hast sicher Recht, ich müsste mich dann damit noch anders befassen.Oder könnte.
    Ich finde es auch mordspannend, so ist es nicht...mal sehen, wie tief ich da mal eintauchen werde.
    Und insofern danke dir zum einen des Inhalts, zum anderen der Tipps

    Ich habe heute zufällig ein GEO Heft gesehen (und gekauft), dessen Titel: Unsere Sinne-wie wir die Welt wahrnehmen...passte ja grad gut zum Thema.
    Ob es inhaltlich als MiniEinstieg taugt...ich werde sehen.

    Ich kann das auch einfach nur geniessen- klar, das mache ich ja auch (und lass mich berauschen )
    und ich setzte das Erleben davon schon immer auch in Kunst um.
    Also das mache ich alles ganz ...hm...automatisch

    Ich empfinde es auch nicht als 'Problem'....ich war nur überrascht...( ich weiss auch nicht, wieso es mir nie zuvor so wirklich mal aufgefallen ist)....das ich da uU etwas spezieller ticke...

    Doch, eine 'negative' Kehrseite kann ich schon benennen, geht in Richtung, was

    @ schnellschnell
    schrieb- ich kenne definitiv sowas wie massive Reizüberflutung.

    Ein plattes, ganz praktisches Beispiel, weil gerade wieder erlebt: Mir ist es unmöglich mich in einem dieser grossen Grossraumrestaurants zu verabreden, wenn es voll besetzt ist, die Akustik schlecht, zig verschiedene Gerüche und womöglich noch ein massiver Temperaturunterschied zu dem Draussen, aus welchem man kommt.
    Es liegt nicht mal daran, weil ich das nicht 'mag'- es geht für mich nicht.
    Spätestens wenn ich am dritten Tisch vorbeigehe..und dann ja noch fremde Gesichter meist kurz aufsehen und ich ja auch auf der Suche nach der Verabredung bin....kommt bei mir ein totaler overload.
    Den kann ich nicht mal in Worte fassen- aber ich 'sehe' und 'finde zb dann plötzlich gar nichts mehr...weil sämtliche Sinne irgendwie bis auf Anschlag beansprucht.
    Einen 'Filter' kann ich da auch nicht setzen.
    Doch , einen gibt's, so blöd sich das anhört: ich brauch ein Händchen, welches mich führt
    Sonst kann ich das vergessen.

    Das wäre zb für mich eine negative Kehrseite.Die kenn ich aus verschiedensten Situationen.

    @ Kistenkumpel

    Das, was du dazu schreibst waren eben schon meine weitergehenden Überlegungen.
    Deshalb schrieb ich auch von Mehrheit/Anderen bzw dem Vergleich.
    Denn dann hat das Auswirkungen auf ein 'Miteinander'...in verschiedenster Art.
    Dem ich vllt bislang viel zu wenig Bedeutung beigemessen habe.

    Zumal ich zb jetzt nicht zu den Menschen gehöre, welche stets ein..wasweissich...
    hier ist es mir zu laut/zu stickig/zu viel.....was auch immer von sich geben.
    Ich mag's ganz gern bunt & lebendig und kann auch action einiges abgewinnen...
    aber auf der anderen Seite...hm...besteht eben auch das hier beschriebene.


    Lara
    Geändert von Inaktiver User (14.10.2013 um 17:41 Uhr)

  9. gesperrt

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    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Ich werde meine Abschlussarbeit zum Thema "Wahrnehmung" schreiben. Ich studiere Film und seitdem ich das mache und mich etwas tiefer mit dem Thema auseinandergesetzt habe, erscheint es mit nicht mehr so fantastisch:)) Denn für Film gibt es bestimmte Regeln, die auf menschliche Psyche ausgerichtet sind. Und weil Film so etwas wie bewegte Fotografie ist, passt das Meiste auch zu der Fotografie.

  10. User Info Menu

    AW: Vom Rausch der Atmo-sphäre

    Lara,

    zurückgekehrt zu deinem Eingangs-Post, habe ich den Eindruck, dass du zu den Wenigen gehörst, die so intensiv empfinden können. Es ist eine Gabe, die leider aus dem Zeitgeist herausgefallen ist.

    Nach meiner Beobachtung gibt es sowohl natürliche Begabung hierfür, aber auch das, was ein Philosoph (Dürckheim) mit dem "Alltag als Übung" bezeichnet, mit anderen Worten, es ist bis zu einem gewissen Grad erlernbar.

    Ich beneide dich ob deiner Empfindungen, kann selbst aus eigener Erfahrung begreifen, wie erhebend deine Gefühle für dich sein können -

    und halte kurz inne mit einem Gedanken in vergleichbarer Intensität:

    Du wirst hier in schriftlicher Form voraussichtlich keinen fruchtbaren Austausch finden. Wenn überhaupt - finde einen ähnlich begabten Menschen - und erfreue dich an einem nicht zu intensiven Austausch mit ihm.
    Unverständlich?
    Ja - jetzt noch, vielleicht anschließend nicht mehr.

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