Das ist jetzt vielleicht ein bisschen off-topic, aber ich gehöre ja zu denen, die aus dem Bauch raus "was ganz Tolles" studiert haben und hinterher enttäuscht von den Perspektiven am Arbeitsmarkt waren. Daher möchte ich zu diese Thema was beitragen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass "Bauchgefühl" auch eine prima Ausrede ist. Das kann sowieso keiner nachvollziehen, und im Zweifelsfall kann man immer gut eben dieses Gefühl als Erklärung vorschieben. Bei mir führten ein Mix aus a) Bauchgefühl, b) Unkenntnis über das Studium und den Arbeitsmarkt generell (ich komme aus einer Nicht-Akademikerfamilie) und c) mangelndem Selbstvertrauen dazu, mich für etwas zu entscheiden, das - obwohl mit Bravour gemeistert - mich absolut nicht weiter brachte.
Die meisten Menschen haben doch vielseitige Interessen, und nicht alle davon muss man beruflich betreiben. Manches kann und darf auch einfach nur ein liebes Hobby bleiben.
Weiterhin hat sich zumindest bei mir über die Jahre die Erkenntnis eingestellt, dass der Mensch an seinen Aufgaben wächst - will heißen: wenn man einfach versucht, Herausforderungen zu meistern, hat man eine bessere Chance, ans Ziel zu kommen, als wenn man gar nicht mal anfängt. Ich wünsche mir manchmal, dass jemand mir damals, als ich vor der Frage stand, ob ich ein sehr technisches Fach oder ein eher "blumiges" Fach studieren sollte, zugerufen hätte: "Nun stell dich nicht so an, krieg deinen Hintern hoch - die Kommilitonen im technischen Fach werden auch nicht alle Einstein sein. Wenn die das hinkriegen können, kannst du das auch." Nur leider war da keiner, und den Hintern habe ich auch nicht hochgekriegt.
Statt dessen schwamm ich jahrelang im wohligen Kokon des "Blumen-Fachs" (das nun wirklich nicht besonders kompliziert war), um mich dann - nach einer arbeitsmarkttechnischen Bauchlandung - für teures Geld in einem berufsbegleitenden Zweitstudium mit vielen "Scheusslichkeiten" zu befassen, die ich meinte, mit dem Blumenfach nun endlich hinter mir gelassen zu haben. What goes around, comes around. Und das Skurrilste war: ich hatte wahnsinnig Spaß dran, genau dieses Zeug endlich zu verstehen!
Wenn Saetien z. B. binnen 10 Tagen nach B-Stadt umziehen MÖCHTE, sehe ich keine Gründe, warum das so gar nicht gehen soll, sofern sie überhaupt mal damit anfängt - Geld ist ja nicht das zentrale Problem in ihrer Situation. Viele Dinge kann man heutzutage outsourcen (z.B. Möbel schleppen), und das Internet ist eine wunderbare Erfindung.
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Thema: Entscheidungsprobleme
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15.10.2013, 20:58Inaktiver User
AW: Entscheidungsprobleme
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15.10.2013, 21:15
AW: Entscheidungsprobleme
Schwieriges Thema.
Bauchgefühl kann immer nur Ratgeber aus dem Inneren sein. Entscheiden muss schon die Ratio. Wichtig ist es, in gutem Kontakt mit dem Bauchgefühl oder Intuition zu sein. Es gilt zu erkennen, ob es ein Hinweis ist, etwas zu vermeiden, weil man Angst davor hat, oder ob es eine Warnung ist, weil eine Überzeugung innerlich dahinter steckt, dass etwas einem nicht gut tun würde. Das Bauchgefühl wird meiner Erfahrung nach ganz stark von fremden Stimmen "gefüttert" die es beeinflussen. Zum Beispiel "Du schaffst das sowieso nicht, mach lieber was anderes, wenn Du nicht grandios scheitern willst, auch wenn Du es eigentlich wirklich gerne machen willst"
Im Gegensatz dazu sagt einem das eigene Gefühl vielleicht "Du könntest es vielleicht schaffen, aber Du machst das nur aus Prestigegründen oder um jemanden etwas zu beweisen, lass es lieber, denn eigentlich willst Du es garnicht wirklich".
Im ersten Beispiel sollte einem bewußt werden, dass man es gerne machen würde und die Angst überwinden sollte, im zweiten dass man es nicht gerne machen würde ausser den anderen Gründen und deshalb lieber lassen sollte.Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
"Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama
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16.10.2013, 08:48
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16.10.2013, 08:54
AW: Entscheidungsprobleme
nein, umgekehrt wird es sinnvoll. Die Ratio sammelt und klassifiziert und bewertet die Argumente (von denen es gerade bei den wichtign Entscheidungen NIE genug Informationen gibt, um wirklich rational eindeutig entscheiden zu können!), und dann, wenn man sich ausreichend sicher ist, alle Argumente zu kennen und sie abgewogen zu haben - dann lässt man das Gefühl entscheiden. In diesem Moment kann der Bauch nämlich seine viel grössere Datenbasis nützlich ausspielen.
Ja, aber diese Stimmen - von den Eltern, den Lehrern, von allen die sagen "man sollte" - fühlen sich ganz anders an als Intuition. Diese Unterscheidung muss man halt ein bisschen üben. Oder im Falle Saetiens eventuell auch viel, lange und intensiv üben, bis man auf einen grünen Zweig kommt. aber grundsätzlich ist das keine Hexerei.Das Bauchgefühl wird meiner Erfahrung nach ganz stark von fremden Stimmen "gefüttert" die es beeinflussen.
gruss, barbara
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16.10.2013, 09:01
AW: Entscheidungsprobleme
Gebe Dir vollständig Recht, Barbara! Du hast es viel besser formuliert, als ich es konnte. Genauso mache ich es eigentlich auch für mich.
Gruss, E.Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
"Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama
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18.10.2013, 08:16
AW: Entscheidungsprobleme
Hat sich zumindest ein bisschen was getan.
Mittlerweile finde ich weder A noch B schrecklich.
Die Sache ist die: Ich habe ein Fach studiert im Bachelor, das eine Kreuzung zwischen zwei Fächern ist, anteilig etwa 1/3 x, 2/3 y.
Mein Master heißt, egal an welcher Uni, dass ich den Master komplett in x mache.
Ich fühle mich dafür einfach nicht gut genug ausgebildet! Bliebe ich an Uni A, könnte ich, falls es nicht klappt, relativ leicht wieder in den Master in y wechseln. Aber jetzt komplett auf x, wo ich von x doch eigentlich nicht viel Ahnung habe?
Ich fände 1 Semester hierbleiben an sich sogar vernünftig, aber das kriege ich in meinem Lebenslauf doch niemals gerechtfertigt!
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18.10.2013, 10:30
AW: Entscheidungsprobleme
Und das wäre jetzt der Moment, wo man dir zurufen sollte: "Krieg deinen Hintern hoch, die anderen sind auch alle keine Einsteins, warum solltest gerade DU es nicht schaffen?" Im Ernst. Ich habe an der Uni Studenten im Master betreut... die wenigsten waren wirkliche Überflieger. Und die, denen ich das wirklich zugetraut hätte, wirkten auf mich so, also hätten sie eine ähnliche Einstellung wie du. Sie trauen sich wenig zu, man muss alles aus ihnen herauskitzeln. Ich war und ich bin eigentlich immer noch genau so.
OT: Vielleicht habe ich es überlesen, aber hast du mal darüber nachgedacht, deine Emfindungen langfristig mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten? Beim Lesen dachte ich, du klingst grundsätzlich sehr zerrissen.
Ich verstehe deine Ängste. Aber dein innerer Konflikt wird sich nicht einfach so in Luft auflösen und auch weitere Diskussionen in der bri bringen dich möglicherweise noch mehr durcheinander. Vielleicht ist es wirklich besser, noch ein paar Monate an deinem jetzigen Ort zu bleiben, ein bisschen runterzukommen und das ganze im Sommersemester in Angriff zu nehmen (geht das einfach so? bei uns war das zum WS immer viel einfacher). Und btw: Uni-Verwaltungen sind immer schnarchig. IMMER.
Ich finde, egal wie du dich entscheidest, es gibt kein richtig oder falsch. Gerade Menschen, die auf Irrwegen zum Ziel gekommen sind, sind oft eine Bereicherung für ein Unternehmen. Und Personalchefs sind auch nur Menschen, die sicherlich auch die eine oder andere Krise gemeister haben und durchaus "Fehltritte" verzeihen können. Sagt eine, die auf vielen Umwegen nun an einem Ziel ist, das nie eines war und von dem sie noch nicht sicher ist, ob es das sein soll. Du siehst also, es hört nicht einfach auf..
Alles Gute für dich!
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18.10.2013, 20:09
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18.10.2013, 20:18Inaktiver User
AW: Entscheidungsprobleme
Im Arbeitsleben wirdt du dich immer wieder mit Dingen beschaeftigen muessen, von denen du eigentlich nicht viel Ahnung hast. In dem Moment, wo du mal in der Position bist, tatsaechlich was entscheiden zu duerfen, fragt dich auch keiner, ob du dich jemals zuvor genau damit befasst hast. Wirst du z. B. Professorin, erklaert dir auch keiner, wie du ein Forschungslabor zu fuehren hast.
Es wird einfach voraus gesetzt, dass du dir das Notwendige anliest oder erfrsgst -oder eben einfach ein gutes Haendchen hast. Insofern ist diese Situation , in der du jetzt bist, ein gutes Training fuer deinen Traumberuf.
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18.10.2013, 20:54
AW: Entscheidungsprobleme
Im Arbeitsleben wusste ich aber wenigstens vorher dass ich den Job wollte.



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