Dass du Tessa so angehst, verstehe ich nicht, Saetien.
Das finde ich nicht ganz fair. Du hast doch selbst heute noch in Großbuchstaben geschrieben "Ich WILL ABER NICHT NACH B!" und hast sogar nach Tipps gefragt, deinen Willen k.o. zu kriegen. Du willst nicht. Das sagst du selbst. Andererseits scheint die Entscheidung für B geradezu schicksalhaft zu sein:
Dass da ein gewisser Widerspruch zum Nicht-wollen drinsteckt, siehst du doch?Ich würde mir soooooooo wünschen ich hätte einen anderen Traum, ehrlich, ich würde mir wahrscheinlich einen Fuß abhacken wenn ich dafür diesen Traum endlich loswerden und stattdessen ein schönes Leben leben könnte, aber leider habe ich den Traum nunmal.
Gut, ich versuche jetzt mal nicht, den Widerspruch irgendwie aufzulösen. sondern sage:
Wenn es so ist - wenn der Wechsel nach B. aus Gründen, die du hier nicht preisgeben kannst, absolut wichtig für dich ist, wenn es eine Entscheidung ist, von der du jetzt schon weißt, dass du es bereuen würdest, wenn du dich davor "gedrückt" hättest, wenn dein Lebensziel, das über allem anderen steht, ohne B. nicht realisierbar ist - dann mach es. Aber gehe es geplant und organisiert an.
Am 10. schriebst du, du hast noch 10 Tage. Die Vorlesungen beginnen also am 21.?
Innerhalb einer Woche ein Zimmer zu finden, dein altes aufzugeben (hast du keine Kündigungsfrist?), einen Umzug zu organisieren, mit deinem Freund einen modus vivendi zu finden, deinen Stundenplan zusammenzustellen .... kommt mir verdammt kurz vor.
Wie wäre es, wenn du den Wechsel zum nächsten Sommersemester konkret planen würdest?
Du schriebst weiter oben, Wohnungssuche zum Sommersemester wäre eh einfacher. Wenn von der Organisation des Studiums her nichts dagegen spricht, dann wechsele doch dann.
Bis dahin hast du genug Zeit, um a) die Stadt B für eine Woche zu besuchen, die Uni kennenzulernen, dich studienberaten zu lassen, b) dein Zimmer fristgerecht zu kündigen, c) deinen Krempel zu sortieren, auszumisten und zusammenzupacken, d) dich zu erholen, e) den Konflikt mit deinem Freund zu klären.
Prima. Das halbe Jahr ist also auch hinsichtlich deiner Weiterqualifizierung nicht verloren.
Allerdings wäre es wahrscheinlich sinnvoll, wenn du in einem vorgegebenen Zeitrahmen (bis Weihnachten?) auch wirklich eine Entscheidung triffst. Also nicht: Ich bleibe erstmal hier und gucke was passiert, sondern: Wenn mir bis dann-und-dann kein überzeugendes Argument einfällt, das dagegen spricht, meinen Lebenstraum zu verfolgen, dann ziehe ich im Frühjahr nach B.
(Und solltest du dort - längerfristig - kreuzunglücklich sein oder der Traum geht aus welchen Gründen auch immer kaputt, wird sich auch wieder ein neuer Weg finden. Dann hast du es aber wenigstens versucht.)
Viel Glück![]()
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Thema: Entscheidungsprobleme
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14.10.2013, 00:49
AW: Entscheidungsprobleme
Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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14.10.2013, 06:57
AW: Entscheidungsprobleme
Liebe Saetien,
genau da machst Du in meinen Augen einen entscheidenden Denkfehler.
Rationalität alleine hat die Menschheit garantiert nicht vorwärts gebracht. Nur durch den starken Antriebsmotor unserer Intuition und Emotion kann man sich der ratio überhaupt erst bedienen. Sie ist nur ein Werkzeug, mit dem man als fühlendes, zielendes und bedürtiges Wesen etwas bewegen kann, das Sinn macht. Gerade der Wille oder Antrieb ist das, was uns vorwärts bringt.
Meiner Ansicht nach kommst Du erst dann wirklich weiter, wenn Du Deine Gefühle, Bedürfnisse und Antriebe in den Entscheidungsprozess mit einbeziehst als etwas Vielschichtiges, das immer nur im Kompromiss enden kann.
Mit Deinem Wunsch nach berechenbarer Absolutheit wird das Leben über Dich entscheiden und nicht mehr Du selbst.
Ich habe in meinem Leben erfahren, dass ich oft rational völlig daneben gelegen habe, obwohl alles klar schien, ausser meinem widersprechenden Bauchgefühl. Genau das, was mir das Bauchgefühl im Entscheidungsprozess wider jedes rationalen Wissens "sagte", ist sehr oft - eigentlich meistens - später eingetreten, hat sich im Nachhinein bestätigt. Irgendwann habe ich mutig mal "nur" auf meine Intuition gehört und war doch sehr erstaunt, wie genau sie zutraf, was ich vorher rational garnicht wissen konnte. Ich schalte die Ratio nicht aus, denn es gibt so viele emotionale Ebenen, in denen man sich verstricken kann, aber ich "berate" mich heute sehr gut mit meinen Intuitionen, wenn Entscheidungen oder Bewertungen anstehen.
Deshalb kann ich Dir von dieser Erfahrung her nur raten, Dein Bauchgefühl mit einzubeziehen und nicht so kategorisch auszuschließen, wie Du es als Kind wohl beigebracht bekamst (so interpretiere ich Deine Hinweise jedenfalls). Dazu könnte es notwendig sein, dass Du Dich auch fragst, wieso Du Dir selbst, Deinem Willen, Deinen Gefühlen und Deinem inneren An-Trieb so misstraust, warum Du ihn geradezu ausschließt.
Solange Du damit nichts zu tun haben willst, bist Du dem willenlos ausgeliefert. Und nicht nur das: Du vergewaltigst Dich selbst, und dazu erhoffst Du jetzt hier im Forum eine Anleitung zu finden. Wahrscheinlich werden Dir aber die meisten hier dazu raten, nicht Deinen eigenen Willen mit Gewalt brechen zu wollen, sondern im Gegenteil genau darauf zu hören.
In allen Deinen Worten empfinde ich Dich als Deinen eigenen schlimmsten Feind.Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
"Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama
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14.10.2013, 07:23
AW: Entscheidungsprobleme
Ist ja auch so.
Und nein, im Privatleben entscheide ich schon nach Gefühlen (klar in Kombination mit Ratio, aber eben nur in Kombination. Eine neue Wohnung muss mir gefallen (Gefühl), bezahlbar sollte sie dann aber schon auch noch sein (Ratio)).
Aber Gefühle gehören meines Erachtens einfach nicht in den Beruf.
Den Lehrer interessiert nicht, ob ein Kind wegen einer 6 in Mathe heult (bevor jetzt wieder vermutet wird, weder hatte ich je eine 6 in Mathe noch habe ich je wegen einer Note geheult), er gibt die 6 (oder 1) aufgrund der Leistungen des Kindes - nicht aufgrund seiner eigenen Gefühle oder der des Kindes.
Und einem zukünftigen AG kann ich vielleicht erklären, dass ich aus diesem oder jenem rationalen Grund so und so studiert habe, aber der wird mich doch nicht nehmen, wenn ich ihm sage "ja, war alles eher unlogisch, mein Bauchgefühl halt."
Das kommt jetzt nah ans Crossposting, aber die Bewerbungsthreads sind voll von Leuten, die aus dem Bauch heraus was studiert haben, was nicht so gut am Arbeitsmarkt ist, und jetzt nicht begeistert davon sind, dass sie keine Jobs bekommen oder zumindest schlechtere als gedacht.
Gleichzeitig wird hier in Ausbildungsforen immer wieder geraten, man solle doch bitte seinen beruflichen Werdegang vom eigenen Bauchgefühl abhängig machen - wo doch ein Forum weiter so viele Fälle sind, wo das offensichtlich schiefging!
Und komisch, die, die alles rational gemacht haben und damit auf die Nase geflogen sind schlagen hier eher selten auf - und wenn doch, dann sind sie meist optimistisch, dass sie den jetzt anstehenden Wechsel auch irgendwie meistern werden. Die mit Bauchgefühl auf die Nase geflogenen sind eher verzweifelter.
Ich sehe es ja auch bei Freunden ständig, die Bauchgefühlleute fallen auf die Nase, die Rationalisten überwiegend nicht.
Wieso sollte ich zu dem Schluss kommen, Bauchgefühl sei was Gutes?
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14.10.2013, 09:32
AW: Entscheidungsprobleme
Hallo Saetien,
jetzt habe ich den ganzen Thread mal durchgelesen und du tust mir wirklich leid, weil du so verkopft bist und dadurch in so einem Dilemma steckst. Wenn du nach Bauchgefühl entscheidest, nimmt dir das deine Ratio übel und wenn du nach Vernunft entscheidest, entscheidest du gegen deinen Willen. Da kannst du froh sein, wenn dich das nicht irgendwann erst richtig krank macht.
Vielleicth hast du recht, dass überwiegend die Menschen, die aus dem Bauch heraus ihre Entscheidungen treffen, später erkennen, dass sie falsch damit lagen. Dies liegt aber sicher auch daran, dass sich mit den Jahren Prioritäten verschoben haben, Träume geändert haben oder unvorhersehbare Umstände eingetreten sind, die den Lebensplan nicht realisierbar sein liessen. Ganz nach dem Motto: später ist man immer klüger.
Ich weiss, das klingt jetzt zu einfach für dich, aber auch mit dem klarsten Verstand kann man nicht alles kontrollieren und für die Zukunft bis ins Detail absichern.
Da du aber offenbar nicht bereit wärst, eine Entscheidung, die du nach meinen Masstäben schon getroffen hast (ich will nicht in Uni Xy.....) zu akzeptieren, weil sie dir im Hinblick auf deinen Lebensplan falsch erscheint, dann solltest du auf deinen Verstand hören und gegen dein Bauchgefühl entscheiden. Dann geht es dir schlecht, aber du bist immerhin der Ansicht, dass sich deine Entscheidung in vielleicht 25 Jahren rückblickend als richtig erweist. Die meisten Menschen leben allerdings in der Gegenwart.
Alles Gute
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14.10.2013, 12:03
AW: Entscheidungsprobleme
nein. Beziehungen hängen von Handlungen ab. Nicht von Empfindungen.
In längeren Beziehungen ist es wohl unvermeidlich, dass man sich früher oder später gegenseitig ins Pfefferland wünscht und aus irgend einem Grund Konflikte mit entsprechend unangenehmen Gefühlen hat. Das kann eine Entscheidung zur Wahl der Uni sein, das kann aber irgendwas anderes sein. Irgend etwas findet sich immer. Das spielt aber keine Rolle, wenn man es als Paar und als Individuum schafft, konstruktiv damit umzugehen. Und am Anfang dessen steht die eigene Entscheidung, konstruktiv damit umzugehen.
Die Einsicht "ich werf meinem Partner jetzt vor, was ich selbst damals entschieden hatte, was mein eigener Wille war" hilft doch schon sehr, eine solche Situation zu entschärfen.
und, bist du mit diesem System gut oder schlecht gefahren?In meiner Teenagerzeit habe ich noch an Gott geglaubt und hätte einfach nach Vorliebe entschieden, in der Annahme es gäbe irgendeine Form von Schicksal und ich könne daher nichts falsch machen.
Ich habe mir so ähnlich angewöhnt, mir zu sagen: es gibt nicht eine "richtige" und viele "falsche" Varianten. Es gibt immer viele Varianten, jede hat Vorteile und Nachteile, jede bringt andere Erfahrungen, aber Erfahrungen sind nie "falsch".
Und ich habe die Freiheit, immer wieder neu zu entscheiden. Und ich habe das Vertrauen darauf, wenn ich etwas unbedingt will, wird sich irgendwo eine Tür öffnen, und das oft auf ganz unerwartete Weise. Auch dann, wenn die ursprünglichen Pläne nicht klappen.
Warum "dürfen" Vorlieben nicht zählen? Und wie rational ist es, die eigenen Vorlieben als irrelevant einzustufen? Wie rational ist es, das Leben auf eine einzige Sache auszurichten, wo wir Menschen doch - objektiv, nüchtern udn rationale gesehen - komplexe und vielfältige Wesen mit komplexen und vielfältigen Bedürfnissen und Neigungen sind?Jetzt aber - Wenn Schicksal nicht existiert dann haben meine Entscheidungen ja wirklich Einfluss, zumindest auf mein eigenes Leben.
Und DANN dürfen Vorlieben nicht zählen, sondern nur Rationalität.
Rationalität ist schon in Ordnung, aber ich ziehe es vor, sie wie ein präzsises Skalpell zu verwenden und sehr genau zu gucken, wo sie schneidet. Rationalität als groben Holzhammer zu verwenden, halte ich für keine gute Idee.
Forschungsergebnisse (zB von Gerd Gigerenzer) sagen: das Bauchgefühl hat mehr Informationen zur Verfügung als das bewusste Bewusstsein und entscheidet somit besser, klüger, umsichtiger.Dummerweise denke ich im Moment fast nur an meinen Freund und will einfach gar nichts entscheiden bis das geklärt ist (was zwangsweise eine Entscheidung für A wäre).
Rational ist in dem Fall, auf den Bauch zu hören, und zwar auch und gerade dann, wenn das bewusste Bewusstsein die Entscheidung NICHT nachvollziehen kann - weil es zu wenig Daten hat.
Rational ist ja wohl auf alle Fälle, die informierteste und weiseste Instanz so wichtige Dinge entscheiden zu lassen (hier das Gefühl), und nicht eine Instanz, die die wesentlichen Fakten noch nicht mal alle kennt (hier der Kopf, das Mental)
Dieselbe Gefahr besteht, wenn du nach B gehst, und ihm irgendwann später mal vorwirfst, dass du nur wegen ihm nach B gegangen bist.Und dann besteht ja die Gefahr dass ich irgendwann mal fühle dass er Schuld ist.
Nochmals: was du deinem Partner vorwirfst und generell wie du kommunizierst, das ist Deine Entscheidung. Und wenn du dich für einen Weg entscheidest, so halte dich daran - das geht. Das kannst du. Entscheide dich, man nen Haken drunter, und geh deinen Weg mit dieser Entscheidung.
keine Ahnung. Ich halte es nach wie vor für dumm und auch gar nicht rational, dass du das machen willst.Also muss ich irgendwie diesen Willen, der ja nicht zählen darf, denn Wille ist die unwichtigste der drei Achsen, soweit KO kriegen, dass ich nach Rationalität gehe.
Wie macht man das?
Was ich schon sagte: du und nur du bist die Person, die für deine Handlungen verantwortlich ist. Wenn du dich heute entscheidest, auf eine Handlung zu verzichten (zB deinem Freund Vorwürfe zu machen), so gibt's da keine "vielleicht" und "was wäre wenn", weil Du ja die Sache selbst in der Hand hast.Den Teil habe ich jetzt dreimal gelesen und verstehe leider immer noch nicht, was Du mir damit sagen willst.
Weiter? wohin denn?Wäre die Menschheit immer rational und willenlos gewesen wären wir soooooo viel weiter *träum*
grüsse, barbara
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14.10.2013, 12:05
AW: Entscheidungsprobleme
Das mag so sein oder auch nicht - klar ist auf alle Fälle, Saetien will NICHT an Uni B.
Und dieser Wille wird eigentlihc immer klarer im Verlauf des Threads. Warum nicth einfach akzeptieren, dass der Wille nun so ist (und darum auch besser befolgt werden soll), auch wenn der echte Grund vielleicht erst viel später klar wird?
Man muss nicht immer alles zu Tode analysieren. Man kann auch mal einfach handeln.
grüsse, barbara
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14.10.2013, 22:33Inaktiver User
AW: Entscheidungsprobleme
Warum soll einem Lehrer egal sein, wenn ein Kind weint? Ich hoffe doch, dass ihm das nicht egal ist, egal ob das Kind 6 oder 16 ist. Natürlich muss er Noten nach Leistung vergeben, das hat doch aber keinen Einfluss auf die Empathie.
Man merkt, dass Du nicht viel Erfahrung mit Arbeitgebern hast. Den interessiert nur, was Du studiert hast und ob Du ins Profil passt. Keiner erwartet von Dir, dass Du Deine Studienwahl begründest.
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14.10.2013, 22:56
AW: Entscheidungsprobleme
Richtig, der AG ist für mich irgendwie ein komisches Tier, dass, wenn man alles richtig hat, einen Job gibt.
Nur leider steht nirgends, was "alles richtig machen" heißt, also ist das Rumraten und Hoffen.
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15.10.2013, 06:49
AW: Entscheidungsprobleme
Arbeitgeber sind auch Menschen. Es kann durchaus auch vorkommen, dass eine Person, die die Qualifikation nicht zu 100% erfüllt, einer besser qualifizierten Person vorgezogen wird, bloss weil beim Vorstellungsgespräch die minder qualifizierte Person sympathischer wirkte.
Probleme bei der Arbeit sind auch sehr oft Probleme auf der menschlichen Ebene - dass Leute sich nicht mögen, dass Leute unangenehme Charaktereigenschaften haben, etc.
Arbeitgeber entscheiden nicht rational im Sinne, du kannst die gesamte Liste abhaken und das garantiert dir den Job.
Deine fachlichen Qualifikationen können dafür sorgen, dass du überhaupt erst zu einem Gespräch eingeladen wirst.Nur leider steht nirgends, was "alles richtig machen" heißt, also ist das Rumraten und Hoffen.
Sobald du eingeladen bist, zählen vor allem die menschlichen Qualifikationen, sprich, die Sympathie. Schliesslich sind Leute am Arbeitsplatz jene, mit denen du häufiger und länger zusammen Zeit verbringst, als sogar die Familie.
gruss, barbara
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15.10.2013, 07:28
AW: Entscheidungsprobleme
Ehrlich gesagt mache ich mir auch weniger Gedanken um Vorstellungsgespräche. Aber bei einem Lebenslauf, bei dem gleich mehrere Jahre mit etwas so völlig fachfremdem, was ich ziemlich sicher nie wieder nutzen werde blockiert sind - irgendwelche komischen Tasten muss ich jetzt drücken, um trotz dieses unterdurchschnittlich schlechten Lebenslaufes überhaupt erst mal eingeladen zu werden!



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