Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, andere Menschen "öffnen" zu wollen. Habe Nähe herstellen wollen und gesucht, weil ich sie mir selbst nicht geben kann. Doch die Leute taten es nicht. Ich blieb allein. Es blieb immer eine Wand zwischen mir und den anderen. Ich dachte, wenn ich viel von mir preisgebe (verbal), bedeutet das, sich wirklich zu öffnen.
Es wäre an der Zeit, meine Maske abzulegen. Die, die nach außen stark ist und mich so unendlich viel Kraft kostet. Doch ich habe furchtbare Angst davor. Was passiert, wenn man sich wirklich öffnet? Was bedeutet das überhaupt? Und: was habe ich davon? Gewinne ich an Lebensqualität, wenn ich mich verletzlich, weich, gutmütig zeige (so, wie ich wirklich bin?). Trampelt dann nicht jeder auf mir rum?
Mir wurde mehrfach gesagt, dass mein Innen und mein Außen nicht zusammenpassen.
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Ergebnis 1 bis 10 von 24
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07.10.2013, 11:02
Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
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07.10.2013, 11:07Inaktiver User
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
vor was oder wem hast du angst, dass du eine maske gebraucht hast?
welchen sinn, welchen zweck hat die maske von der du schreibst?
soll sie schützen? etwas verbergen?
wem vertraust du, dass du dich ohne maske zeigen kannst?
empfindest du dich selbst als verletzlich und vorallem: dass du dich nicht adequat wehren könntest?
nur so mal meine gedanken bei deinem posting.
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07.10.2013, 11:36Inaktiver User
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Liebst Du Dich selbst ???
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07.10.2013, 12:00
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Beides kapiere ich im Moment nicht.
Irgendwie musst Du Dich ja geöffnet haben, wie würde man sonst Dein Außen und Innen vergleichen können? Wer sagte das?
Betrachtest Du "verbales Preisgeben" als reines Lippenbekenntnis - so nach dem Motto: "In Wirklichkeit bin ich ganz anders!" oder "In Wirklichkeit wäre ich gerne ganz anders!" (was ja ein weiter Unterschied sein kann - nämlich, auf welcher Seite quasi "gefälscht" wird...)
Ob Du an Lebensqualität gewinnst oder jeder auf Dir rumtrampelt, hängt von den Menschen ab, mit denen Du Dich dazu umgibst. Die, denen Du bisher von der Funktion her stark erschienen bist, könnten das zum Teil vermissen, ein anderer Teil könnte es aber auch perfide für sich ausnutzen. Ich würde damit also nicht gerade im Job beginnen, es am ehesten erst einmal mit einem besonders "ausgesuchten" Menschen probieren - damit meine ich aber nicht so sehr einen noch völlig unbekannten Partnerschaftskandidaten aus dem Internet (als Beispiel).
Obwohl auch das funktionieren könnte, wenn Du es für Dich "vorsätzlich" als Experiment gestalten kannst. Ich finde das nicht mal unlauter, jedenfalls nicht schlimmer, als eine selbst als "einstudiert" empfundene Rolle weiterzuspielen.
Aber, holla, dafür muss man quasi neben sich stehen können und irgendwann kippt das - vielleicht aber auch im Guten.
Auch hier habe ich gerade Verständnisprobleme: Wie kann man sich selbst Nähe geben? Außerdem kommt das so intentional rüber, wie z. B. der Vorsatz eines Menschen, der weiß, dass er das bewusst tun muss, weil er sich irgendwo im Autismus-Spektrum sieht oder sogar eine solche Diagnose hat.
Aber davon ab: Gibt es für das Empfinden irgendwelche möglichen, plausibel erscheinenden Gründe?
Die Bandbreite dessen, was man Dir hier - aufgrund Deiner Informationen - sozusagen "unterstellen" könnte, ist einfach wahnsinnig groß...Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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07.10.2013, 12:28
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Das ist hier in der Bri und auch anderswo die Standardfrage, und "eigentlich" weiss kaum einer, was damit gemeint ist oder sein könnte.
Ich selbst bin auch noch am Forschen ...und hoffe, irgendwann mal eine umsetzbare Antwort darauf zu finden.
Andere öffnen zu wollen, geht meist nach hinten los ...
derjenige, der das versucht, sticht vielleicht grad in ein Wespennest und ist kaum oder gar nicht in der Lage, das, wann dann passiert, aufzufangen.
Ich habe das selbst mal versucht.
Gottseidank hat meine Freundin mich gestoppt, mir gesagt, dass meine Fragen sie traurig machen und ihr das gar nicht gefällt, wenn ich das tue.
Ich bin ihr dankbar für dieses "Stopp", es hätte gut sein können, dass ich sie sonst vergrault hätte.
Also hab ich nur (noch) von mir erzählt, wie ich mich fühle oder gefühlt habe in der und der Situation,
wie es mir damit geht
und was ich mir eigentlich wünsche und doch nicht erreiche ...
Es hat sich eine wunderbare Offenheit auf beiden Seiten ergeben, und die Freundschaft dauert nun ca. 35 Jahre.
So haben sich viele langjährige Freundschaften bei mir entwickelt, und ich weiss schon, wo, wann und mit wem ich dieses oder jenes teilen kann und möchte.
Das geht auch nicht mit jedem ...
Meine Freunde, die fast alle weiter entfernt wohnen und die ich leider nicht mehr treffen kann (aus gesundheitlichen Gründen beiderseits), sind für mich da und ich schenke ihnen mein Ohr und mein Wissen, wenn sie denn daran interessiert sind ...und umgekehrt ebenso.
Jetzt, nach vielen vielen Jahren kommen Rückmeldungen, mit denen ich niemals gerechnet habe.
"Du hast meinem Leben eine tolle Wendung gegeben",
"Das hab ich von dir gehört und irgendwann umsetzen können, damals hab ich das nicht verstanden."
"Du warst der Anstoss, mal bei mir selbst zu gucken"
"Danke, du hast mir so geholfen. indem du nur da warst und eben nichts gesagt hast"
"Du hast mich so sein lassen, wie eben grade war seinerzeit" etc pp.
Liebe Tiramisu, sei so, wie du grade bist und dich fühlst.
Und wenn dir dananch ist, lass die Menschen, die dir lieb sind, daran teilhaben ...das allein "öffnet" so manch verschlossene Pforte, nicht immer sofort, aber oftmals, wenn gar nicht damit gerechnet wird.
Alles Liebe für dich
und lieben Gruss
Lyanna
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07.10.2013, 12:42
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Tiramusu,
wer eine Maske aufhat, will abwehrstark sein, unangreifbar sein, und muss viel Märchen erzählen können, damit die anderen tatsächlich glauben, man sei stark und kampfbereit.
Nur das Ganze kostet Kraft und viel Gedächtnis. Denn andere merken es immer, wenn man ihnen etwas vorgaukelt, die einen sofort, die anderen später.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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07.10.2013, 12:51
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Am Anfang wird es sicher einige Irritationen geben, besonders bei Leuten, die dich schon länger kennen und die zu wissen glauben, wer du bist und wie du bist. Sie werden vielleicht fragen, ob es dir gut geht, oder finden, du seist komisch. Dies kann eine ganze Weile dauern, also lass dich nicht davon irritieren.
Es wird weiterhin Leute geben, die dich mögen, und andere Leute, die dich nicht mögen. Der Vorteil ist: wenn du offen bist, so sind die Gründe besser, warum dich jemand mag oder auch nicht. Es kann durchaus sein, dass Sympathien schärfer und klarer empfunden werden - sowohl in die positive wie auch in die negative Richtung.
Das ist sicher ein lebendigerer Zustand als mit Maske und deshalb erstrebenswert
Offenheit und Gutmütigkeit bedeutet nicht, dass du unfähig wärst, im Falle eines Falles Grenzen zu setzen. Offenheit kann auch beinhalten, dass man es sich eher erlaubt, Wut oder Ekel oder Antipathie zu zeigen - generell, dass man es sich erlaubt, über Dinge zu urteilen.Was bedeutet das überhaupt? Und: was habe ich davon? Gewinne ich an Lebensqualität, wenn ich mich verletzlich, weich, gutmütig zeige (so, wie ich wirklich bin?). Trampelt dann nicht jeder auf mir rum?
Meine Erfahrung ist auch, dass Offenheit die Offenheit anderer Leute zurück bringt; sie schafft klare eindeutige Verhältnisse, aber sie erlaubt auch erst Intimität (nicht nur sexuell, sondern in allen Arten von Beziehungen, privat und geschäftlich.
Wie empfindest du das selbst? Und falls du eine Diskrepanz feststellst, leidest du darunter, bist du unzufrieden?Mir wurde mehrfach gesagt, dass mein Innen und mein Außen nicht zusammenpassen.
grüsse, barbara
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07.10.2013, 13:24Inaktiver User
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Hm.
Du willst authentischer werden. Das zeigen, was du wirklich bist, dich wirklich ausmacht. Gleichzeitig hast du Angst, dass die echte Tiramisu "den Leuten" nicht gefällt und etwas passiert..
Du glaubst, sie trampeln auf dir rum, weil du dich verletzlich, gutmütig und weich zeigst...
Wie gehst du selbst mit Weichen, Verletzlichen und Gutmütigen um? Und wie ist das mit den Nicht-Gutmütigen: Kannst du dich angemessen wehren, deinen Standpunkt vertreten, für dich sorgen, ohne aggressiv zu sein?
Ich frage dich, weil es interessant ist, wie du zu deiner Ansicht kommst.
Man kann gutmütig, verletzlich und weich sein, ohne sich schutzlos darzubieten.
Öffnen kann man sich ja auch nur teilweise - dann, wenn man sich sicher fühlt und es lassen, wenn man eine Bedrohung fühlt.
Immer nur "offen" zu sein, ist gar nicht sinnvoll.
Eine Maske ist ja nicht nur schlecht - sie schützt einen ja auch, sie kann angenehm und gut sein.
Vielleicht wäre es gar nicht sinnvoll, die Maske komplett zu entsorgen - sondern sich ganz bewusst entscheiden, wann man sie trägt und wann nicht. Es gibt Menschen, die ihre Masken ab und zu brauchen. Ich gehöre auch dazu...
"Mir wurde mehrfach gesagt, dass mein Inneres und mein Außen nicht zusammenpassen".
Wer maßt sich denn so ein Urteil über dich an?
Und warum muss eigentlich immer alles zusammenpassen? Wem dient das? Jeder Mensch hat seine Ungereimtheiten - die man akzeptieren sollte.
Hinterfrage auch mal die Leute, die dir Ratschläge geben möchten...
Warum kannst du dir selbst keine nähe geben? Sei dir selbst ein guter Freund...und schätze dich, so wie du bist, wert...dann erst kommen die anderen...
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07.10.2013, 13:32Inaktiver User
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Man muss keine Märchen erzählen, um eine Maske zu tragen.
Ein Maskenträger kann wortkarg auftreten, obwohl er eigentlich beredet ist...
Eine Maske verbirgt lediglich das, was dahinter ist.
Sie steht weder für Kampfbereitschaft, noch für Stärke. Manche zart wirkende Maskenträgerin hat es faustdick hinter den Ohren - versteht es aber, Beschützerinstinkte zu erwecken...
Man will einfach nicht zeigen, was dahinter ist, ein Geheimnis wahren, sich schützen. Das kann in manchen Situationen Sinn machen. Ich bin privat liebenswerter und weicher als im Job oder bei Verhandlungen.
Und:
Eine Maske kann wie ein Spiegel sein...
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07.10.2013, 13:44
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Furchtbare Angst?
Was soll so Schreckliches passieren können? Wenn man auf dir rumtrampelt, kannst du es doch stoppen und dein Verhalten ändern.
Ja, es ist wahr, nur gut geht nun mal einfach nicht. Das Leben verlangt auch, dass man sich wehrt. Wir müssen alle kämpfen und den goldenen Weg suchen und möglichst auch finden.
Viele Menschen oder eher fast alle Menschen haben eine Maske auf. Deshalb ist es ja so schwierig, Bekanntschaften und Freundschaften zu schließen. Oft bleibt es oberflächlich, weil die Leute sich auch über ihre "wertvollen Bekannten" definieren lassen wollen und nicht mit jedem gewöhnlichen Menschen in Verbindung gebracht werden möchten.
Am besten ist es, sowas geht einem sonst wo vorbei (wenn man selber nicht so tickt, wie die meisten) und man findet seinen eigenen Weg. Sicher hat man dann nicht so viele Freunde wie erträumt, aber man erhält doch die, mit denen man sich auch wohlfühlen kann.
Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.


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