Alles Folgende sind (hoffentlich logische) Schlussfolgerungen, Vermutungen bzw. eigene Erfahrungen.
Kann so sein, muss aber nicht.
Vielleicht hilft dieser Gedanke:
Wann immer Du von einer Sache sprichst, schweigst Du von einer anderen.
Mir haben schon Menschen unfassbar viel von Sich erzählt, aber in all dem Vielen waren dann (sehr sorgsam?) einige sagenwirmal Nichtsoganz-Wahrheiten und schlichte Lücken verborgen.
Es fällt in einem Wald aber nicht so sehr auf, dass da ein paar Bäume stehen, deren Blätter gar nicht zum Stamm passen. Fällt auch nicht auf, wenn da ein Baum steht, wo eigentlich eine Lichtung oder ein Weg angekündigt war oder umgekehrt.
Das merkt man erst, wenn man an die Stelle kommt und sich dann noch an das Angekündigte erinnert.
Zunächst mal werden Deine Mitmenschen irritiert reagieren.Es wäre an der Zeit, meine Maske abzulegen. Die, die nach außen stark ist und mich so unendlich viel Kraft kostet. Doch ich habe furchtbare Angst davor. Was passiert, wenn man sich wirklich öffnet?
Manche, denen Du mit Maske angenehm und nützlich warst, werden versuchen, die "alte Tiramisu" wiederherzustellen. Und die Neue ablehnen oder gar anfeinden. Das ist eine Form des Auf-Dir-Herumtrampelns.
Manche werden Dich ohne Maske lieber mögen als mit - die bleiben Dir und Du ihnen.
Manch neue Menschen werden versuchen, Dich ohne Maske für sich "angenehm und nützlich" zu machen - das ist eine andere Form der Auf-Dir-Herumtrampelns..
Und Du wirst manch neuen Menschen kennenlernen, der zu Dir ohne Maske passt, Dich so mag, Dir gut tut.
Letzteres ist die ganz große Chance auf den ganz großen Gewinn des Lebens ohne Maske.
Du sparst die Kraft, welche die Maske Dich jetzt kostet.was habe ich davon? Gewinne ich an Lebensqualität, wenn ich mich verletzlich, weich, gutmütig zeige (so, wie ich wirklich bin?).
Du ermutigst Deine Mitmenschen, ihre Maske ebenfalls fallenzulassen (eine Garantie gibt's da aber nicht).
Du erhöhst die Chance, Menschen zu finden, die wirklich zu Dir passen, Dir wirklich guttun.
Du erhöhst die Chance, zu diesen Menschen langfristig stabile Beziehungen entwickeln zu können.
Und Du gewinnst einen Ansatz bzw. Hebel, Menschen, die Dir nicht guttun, auf Distanz zu bringen oder ganz aus Deinem Leben zu entfernen.
Nein, jeder mit Scherheit nicht.Trampelt dann nicht jeder auf mir rum?
Ausserdem heisst "ohne Maske" ja nicht, dass Du Dir alles von allen gefallen lassen musst.
Ohne Maske heisst auch nicht, jedem unterschiedslos alles erzählen zu müssen, nur weil es "wahr ist".
Das können ja aber nur Menschen festgestellt haben, die beides kennen, denen Du Dich als bereits mehr oder weniger geöffnet hast....Mir wurde mehrfach gesagt, dass mein Innen und mein Außen nicht zusammenpassen.
An diese Erfahrungen könntest Du anknüpfen, auch, was die praktische Umsetzung angeht.
Ich kann das Aufgeben von Masken wärmstens empfehlen, aber ein Spaziergang ist die Transitionsphase nicht. Du kannst das aber auch abstufen:
1. Lege die Maske erst einmal nur den <= 10 Menschen gegenüber ab, die Dir im Moment am Nächsten und Wichtigsten erscheinen.
2. Zeige Dich neuen Menschen gleich von Anfang an ohne Maske.
Lose Bekannte, ferne Verwandte, Nachbarn, Kollegen etc. nimmst Du Dir in weiteren (zweiten, dritten, vierten Schritten) vor.
Alles Gute und viel Kraft.
KK
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Ergebnis 11 bis 20 von 24
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07.10.2013, 14:33
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
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08.10.2013, 07:05Inaktiver User
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
liebe Tiramisu,
ganz ohne Maske läuft keiner durch die Welt.
Ganz ohne Schutzmechanismen zu agieren wäre ja fast unhöflich.
Du würdest immer wirklich wissen wollen wie es deinem Gegenüber geht...
Es wäre einfach nicht auszuhalten wenn einem jeder seine Wahrheit um die Ohren haut.
Die Maske sollte aber zur Person passen, zum jeweiligen Lebensabschnitt...
Meiner Erfahrung nach sind Menschen die andere öffnen wollen selbst extrem kontrolliert.
Sie wollen gar keine Lebendigkeit ihres Gegenübers geschweige denn sind sie interessiert.
Es ist kein Interesse was sie umtreibt.
Es ist leider meist nur das Gefühl der Kontrolle, den Menschen in eine Schublade packen zu können.
Und das wird auf die Dauer sehr, sehr anstrengend und entfremdet immer mehr von sich selbst.
Ich glaube, ein bisschen sind wir alle so.
Und dann stellt man irgendwann fest, der Typ ist ja ganz anders oder die Frau.
Und bittet insgeheim um Abbitte.
Ich finde es ganz spannend dieses Terrain zu verlassen.
Man fällt auch eher seltener auf die Schnauze als wenn man so nach System lebt.
Und außerdem ist der Schlüssel zum Herzen aller Menschen immer echtes Interesse.
Je bewusster dir das wird je mehr wird dir leider auffallen wie gern die Menschen über sich reden.
Das tun die meisten.
Und oft öffnest du Schleusen wenn du dich änderst - also statt Abfragen echtes Interesse zeigst.
Damit muss du dann lernen umzugehen.
Wenn du deine bisherige Distanz aufgibst wirst du erst mal große Probleme damit haben andere zu nahe an dich ran zu lassen.
Nicht unbedingt, aber so in die Richtung könnte es gehen.
Auf jeden Fall wirst du dich lebendiger fühlen.
Das allein ist schon viel wert. Finde ich jedenfalls.
Alles Gute für dich von mir
Libella-
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08.10.2013, 07:34Inaktiver User
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Liebe Tiramisu,
ein hartes Bild: Frau mit Maske und verschlossenem Herz ;-). Ich behaupte mal, du kannst deine Maske gar nicht so einfach absetzen. Noch dazu in einem Umfeld, dass dich nur mit dieser Maske kennt.
Maske tragen bedeutet nichts anderes als einstudierte Verhaltensweise leben. Die Verhaltensweisen möchtest du ändern. Das kann ich gut verstehen. Und das wird dir auch in kleinen Schritten sicher gelingen. Möglicherweise mit einer therapeutischen Begleitung - was ich persönlich als ein Geschenk an dich selbst sehen würde. Denn ohne Reflexion sind solche Verhaltensveränderungen nicht zu schaffen. Und die Bri halte ich - bei allem guten Willen und auch Kompetenz der Mitschreiber - für nicht ausreichend bei einem solchen Prozess.
Ich bin sicher, es wird eine schöne, spannende Reise zu dir selbst. Du wirst viel Neues über dich erfahren. Denn so genau weißt du ja selbst nicht, wer da wirklich 'hinter der Maske sitzt'. Du spürst nur - und das ist essentiell - dass deine Rolle, die du nach außen bringst, nicht deinem inneren Zustand, deinen Wünschen und Bedürfnissen entspricht.
Julifrau
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08.10.2013, 12:37
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich ich mich öffne, andere gelangweilt reagieren. Das kommt immer sehr überraschend für mich, und ich weiß nicht, warum das so ist.
Daher lautete mein innerer Beschluss irgendwann: gut, dann halt nicht.
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08.10.2013, 13:20
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Liebe Tiramisu,
Augenmass ist angesagt!
Gaaanz vorsichtig und übertreibs nicht!
Es ist schön, wenn man nett (im Sinne der 50er-Jahre!), freundlich offen, einfühlsam und hilfsbereit ist. Aber es muss den Anderen ganz klar sein, dass dies freiwillig aus einer Position der Stärke heraus geschieht, und nicht etwa aus Schwäche, weil man sich nicht traut oder weil man halt blöd und ausnützbar ist. Sonst kommt es eben so:
Doch, doch, die Gefahr besteht. Sie lässt sich aber durchaus managen. Viele Menschen funktionieren da wie Hunde, die es schätzen, wenn man nett ist. Man darf aber nicht schwächeln, sonst muss Souveränität und Stärke zeigen, sonst entwickeln alle Hunde und etliche Menschen verschiedenste Unarten. Dass sie darunter selbst auch leiden, oder sich schaden, ändert nichts.
Ich selbst bin eine widersprüchliche Persönlichkeit und muss mich aus anderen Gründen um die von Dir aufgezeigte Problematik kümmern. So sehe ich sehr harmlos aus, eine grosse Versuchung für Möchte-Gern-Machos. Ich habe über Vieles lange nachgedacht und die Ergebnisse so verinnerlicht, dass ich spontan und blitzschnell reagieren kann. Dies ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist.
Ich hasse Erklärungen anhand von Beispielen, weiss mir aber für einmal nicht anders zu helfen. Sei, bitte, nachsichtig und
Suche die Haltung hinter der Botschaft in meinen Beispielen und nicht, ob der konkrete Fall für Dich relevant ist.
- Ein Amerikanischer Präsident, ich glaube Harry S. Truman, hat gesagt: „Speak softly and carry a big stick.“ also „Sprich leise {?freundlich etc.?)} und trage einen grossen Stock {mit Dir}.“ In der Pubertät habe ich im gleichen Sinne „Bernhardiner-Typen“ bewundert, friedliche, freundliche aber mehr oder weniger unangreifbare Typen.
- Ich weiche nicht aus, wenn mir jemand den Platz verweigert und meine Hälfte des Weges auch noch will. Unaggressiv heisst das: Einfach stehen bleiben, gut stehen und warten. Aggressiv, wenn ich einen schlechten Tag habe, oder wenn es eilt: Schulter nach vorne und durch. Meist kommt es nicht zur Kollision. Im Wen-Do lerne man angeblich Ähnliches.
- Ich werde sehr schnell sehr laut, wenn sich jemand geringschätzig benimmt.
- Ich bin in den Startblöcken um einem körperlichen Angriff mit grosser Härte zu begegnen. In 0.4 Sekunden von 0 auf 100 ist das Ziel. Natürlich nicht unter ECHTEN Freunden. Mein jüngerer Sohn macht sich manchmal einen Spass daraus, seine Faust 10 cm vor meiner Nase zu stoppen. Ein Blinzeln ist alles, was er erntet, denn ich traue ihm mit meinem Leben.
- Grenzen müssen - auch Dir - ganz klar sein. Unterschriften fliessen bei mir äusserst zäh, nicht unter unvollständig ausgefüllte Formulare, Ungelesenes und möglichst erst am nächsten Tag.
- Informationen gibt es, wenn ICH will, und nicht, wenn der/die Andere drängt.
- Ich drücke mich öfters gröber aus, als unbedingt erforderlich, um mich mit einem Hauch von „bösem Buben“ zu umgeben. Rügen deswegen stecke ich locker weg, denn es ist ja für einen guten Zweck.
- Ich bin zwar sehr hilfsbereit, passe aber auf, dass der/die Andere auch einen Teil beiträgt und dass es nicht ins Ausnützen geht.
- Peinlich? Was bitte, ist das genau? Oskar Lafontaine wurde einmal fotografiert, als er mit seiner langjährigen Partnerin den beinahe schon ehelichen Verkehr vollzog. Damit konfrontiert hat er den Fall kurz beschrieben und dann empfohlen: „Überlegen Sie sich mal, wer hier der Sauhund ist?“ Ende der Durchsage. Danach war Ruhe. Ich fand diese Äusserung sehr souverän und schlicht grossartig. Heute noch muss ich bei der Erinnerung daran grinsen.
Konkrete Ratschläge
- Baue Dir ein echtes, tief verinnerlichtes Selbstwertgefühl auf. Dann sind Deine „Schwächen“ nicht Dein ganzer Charakter, sondern liebenswerte Facetten Deiner Persönlichkeit. Der manchmal durch schimmernde harte Kern schützt dann die weiche Schale, wie im Gleichnis von der Panzerfaust unter dem Samthandschuh.
- Gib Dir immer wieder genügend Zeit zum Nachdenken. Die von Dir ins Auge gefasste Veränderung ist ein Prozess, der erst mit dem Tod abgeschlossen sein wird. Bis dahin hast Du also noch.
- Versuche Spass an diesem Prozess zu haben. Diebisches Vergnügen hilft Dir.
- Es muss ganz klar sein, dass Du freiwillig so bist, wie Du eben sein wirst. Von Zeit zu Zeit darf man das durchaus hervor heben.
- Mach Dich nicht klein! Ja nicht, das wird nicht geschätzt. Du brauchst nicht zu schwächeln, weil Du nicht immer Superwoman markierst.
- Öffne Dich dosiert und gemächlich. Deine Umgebung braucht Zeit für die Veränderung.
- Öffne Dich der Situation angepasst. Manchmal kommt es nur auf die Stärke an, in gewissen Umgebungen darf man - mit Mass - durchaus auch einmal ratlos oder schwach sein. Das braucht Übung!
- Sprich ZU den Leuten, nicht zu Deinem Bauch oder zu Deinen Notizen. Die Botschaft muss rüber, wirf sie! Etc. Dein Kommunikationsstil entscheidet, wie Du wahr genommen wirst.
- Bewahre Dir Deine Grenzen und kommuniziere Sie ganz klar.
- Schütze Dich immer noch durch sorgfältig dosierte Imagepflege Richtung „Ich bin stark!“. Ganz ohne geht es nicht. Dann kommen die Leute weniger auf die Idee, an Dir die Schuhe ab zu treten.
- Wenn Dir jemand blöd kommt, kann es nützlich sein, öffentlich, dosiert und wohl begründet laut zu werden, sodass es möglichst viele Leute mit bekommen. Wenn man sich dabei nicht ins Unrecht setzt, ist wieder einmal allen klar, was drin liegt und was nicht.
Grüsse und alles Gute auf Deinem Weg von einem Isambard, der ein wenig humpelt, weil er Dir alle 4 Daumen hält.Geändert von Isambard (08.10.2013 um 13:27 Uhr) Grund: Die letzte Korrekturlesung fehlte noch.
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08.10.2013, 13:28Inaktiver User
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08.10.2013, 14:00
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
@ Isambard: danke


Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.
Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
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08.10.2013, 14:27Inaktiver User
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Solltest du den Weg weitergehen, deine alten Muster abzulegen (und damit die sogenannte Maske), kann es sein, dass deun Beschluss lautet bzw. _erwächst_, dass die, die sich dann mit dir langweilen, nicht mehr länger zu dir passen. Wenn dies wächst, ist dies auch kein schmerzlicher Schritt, sondern eine Konsequenz. Das kann durchaus schmerzen und traurig machen, doch du selbst wirst für dich LEBEN spüren und das wird sehr verlockend werden. Masken sind tot. Das ist also der Vorteil (um auf deine Eingangsfrage zurückzukommen), wenn du sie ablegst. Du wirst LEBEN

Was heißt es heute für dich, wenn du davon sprichst 'dich zu öffnen'.
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08.10.2013, 15:00
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Liebe Tiramisu,
ich bleibe ein wenig hängen bei dem Begriff "sich öffnen".
Was genau meinst Du damit?
Kannst Du ein situatives Beispiel geben?
Was und wie viel man von sich selbst preisgeben
will, hängt von verschiedenen Faktoren ab, setzt aber, für
mein Verständnis, zumindest eine Beziehungsebene voraus,
die auf gegenseitiger Sympathie beruht.
Wenn Du - als Beispiel - noch recht fremden Menschen
einen emotionalen tieferen Zugang zu Deinem Selbst
gewährst, dann mündet das meist in Überforderung Deines
Gegenübers ... man ist schnell unangenehm berührt, weil
die Vertrautheit fehlt.
Zudem, wenn ich Dich recht verstehe, "öffnest" Du Dich
aus einer Art berechnender Motivation heraus >> der andere möge
es Dir gleichtun, sich ebenfalls öffnen. Jeder Mensch hat jedoch seine
eigenen Nähe- und Distanzbedürfnisse, da ist es kein Wunder, dass
Deine impliziten Erwartungen immer wieder enttäuscht werden.
"Sich öffnen" ist für mich ein Prozess, der Hand in Hand geht mit
der bereits erwähnten Vertrautheit. Diese wiederum braucht Zeit,
sich zu entwickeln, man kann das Gefühl des emotionalen Zuhauseseins
nicht so einfach herstellen.
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08.10.2013, 15:24Inaktiver User
AW: Was habe ich davon, wenn ich meine Maske ablege?
Das wird eher als langweilig oder aufdringlich wahrgenommen. Leute die das Herz auf der Zunge tragen haben meist keine Grenzen und übertreten sie bei anderen.
Ich würde mich auf die Suche nach der Ursache für Dein Verhalten machen, denn sowas macht man nicht ohne Grund.Es wäre an der Zeit, meine Maske abzulegen. Die, die nach außen stark ist und mich so unendlich viel Kraft kostet. Doch ich habe furchtbare Angst davor. Was passiert, wenn man sich wirklich öffnet? Was bedeutet das überhaupt? Und: was habe ich davon? Gewinne ich an Lebensqualität, wenn ich mich verletzlich, weich, gutmütig zeige (so, wie ich wirklich bin?). Trampelt dann nicht jeder auf mir rum?



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