Liebe TE,
meine Frage an dich wäre: War es schon immer so? Oder hat sich etwas in deiner Begeisterungsfähigkeit verändert?
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass sich die letzten Jahren, in denen ich anfänglich das Gefühl hatte "alles läuft seinen ruhigen Gang", als eigentlich depressive Phase herauskristallisiert haben. Heute gibt es wieder mehr ups and downs, aber auch weniger "Gleichgültigkeit".
Wenn du aber immer schon so gelassen warst, ist doch alles ok.
Liebe Grüße,
Bazeba
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04.10.2013, 10:09
AW: Abgestumpft??? Unfähig mich ECHT zu freuen?
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04.10.2013, 11:37
AW: Abgestumpft??? Unfähig mich ECHT zu freuen?
Hallo, ich würde nicht sagen, dass ich gelassen bin. Manchmal sogar das Gegenteil.
Beispielsweise, wenn gesagt wird, diese Freundin heiratet, diese bekommt ein Baby, dann sage ich, och, schön.
Tiefere Gefühle kommen nicht auf. Manche würde sagen, aaach, wie toll, süß, das freut mich für sie.
Das sage ich nicht, weil ich es nicht fühle. Ich bin mir sicher, dass es für die Betreffenden etwas Schönes ist und
das ist toll. Das ICH MICH freue, ist nicht so. Ich finde es für die Betreffenden gut und schön.
Mir wird sowas wie Mütterlichkeit, sich um jemanden kümmern, nicht zugeschrieben.
Dies hat aber auch eine gewisse Vorgeschichte. Ich habe bereits eine große Tochter, hätte aber beispielsweise eine größere Familie gehabt. Mein Freund hatte aber schon 2 Kinder und war strikt gegen ein weiteres Kind, und zwar sowas von strikt. Also habe ich diese Gefühle versteckt, verdrängt, nicht aufkommen lassen. Ich kann sie aber auch nicht wieder hervorkramen, und jetzt die Mütterlichkeit oder sagen wir besser Fürsorglichkeit in Person spielen. Das ist mir auf dem Weg irgendwo verloren gegangen damals.
Vielleicht ist meine Nüchternheit die Summe meiner Erfahrungen.
Auch jetzt ist es manchmal für mich nicht einfach, da wie gesagt mein Freund dazu neigt, manche Menschen in den Himmel zu loben, wie gut dort alles funktioniert, welch super Familien sie haben. Einerseits ist da in mir vielleicht noch ein Schmerz, dass gewisse Dinge nicht in Erfüllung gegangen sind. Andererseits, wie gesagt, sehe ich vieles anderes. Blöd ist, dass ich zwar im Hintergrund alles mache und agiere, sprich auf seinen Familienfeiern auch, gesehen werde ich als Person, nach meinem Gefühl nach, wenig.
Motte
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04.10.2013, 11:50
AW: Abgestumpft??? Unfähig mich ECHT zu freuen?
hm, also das hört sich eher so an, als würdest du die Verletzbarkeit fürchten, die mit dem Zeigen von Gefühlen einhergeht. (?)
Ich habe lange gebraucht emotional wieder "ansprechbar" zu werden. Aus Selbstschutz Emotionen zu verdrängen ist eine Lösung, aber keine gute.
Hast du das Gefühl, dass du manchmal sogar zynisch wirst, wenn andere sich über etwas freuen?
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04.10.2013, 12:04
AW: Abgestumpft??? Unfähig mich ECHT zu freuen?
Hallo, nein, zynisch eher nicht.
Manchmal tut es aber eben sehr weh. Ich weiß nämlich nicht, wohin meine Zukunft gehen soll.
Die Familiensache ist auf jeden Fall einmal gegessen. Ich habe auch das Gefühl, dass ich meine
Emotionen irgendwo vergraben habe, weil sie nicht sein DURFTEN.
Hab mir beispielsweise früher echt gewünscht zu heiraten. Mein damaliger Freund hat das nicht mehr
haben wollen und bei dem Thema direkt die Krise bekommen. Gut, ich still, nicht mehr heiraten, nicht mehr drüber reden. So ging das dann dahin. Nächstes Thema, Kinder. Ich war ja noch jung. Dann nein, keine
Kinder, ok, nix mehr drüber reden, Thema abhaken, zumindest äußerlich. Das waren eben die ersten Jahre in
dieser Beziehung damals. So, da hab ich meine Gefühle eingefroren oder wie auch immer.
Oder zumindest vieles relativiert.
Motte
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04.10.2013, 12:18Inaktiver User
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04.10.2013, 13:50
AW: Abgestumpft??? Unfähig mich ECHT zu freuen?
Liebe Motte, Du bist mir sympathisch, um nicht zu schreiben "nett", denn ich kenne Dich ja gar nicht wirklich. In mancherlei Hinsicht scheinst Du mir ähnlich zu sein: nicht überschwänglich aus sich herausgehen, zurückhaltend, introvertiert, manche Dinge sehr nüchtern sehen... Das sind erstmal Charaktereigenschaften, die Dich in meinen Augen zu einem angenehmen Menschen machen, ich komme nämlich auch gar nicht klar mir Leuten. zu über alles in Begeisterung ausbrechen, die dann oft gekünzelt wirkt, zu alles ihren Senf dazugeben und zur Begrüßung einem um den Hals fallen...die sollen mir gerne auf Abstand bleiben.
Soweit alles in Ordnung, wenn Du selbst in deinem Leben noch Dinge hast, über die DU DIch wirklich freuen kannst, ganz gleich was es ist, egal was andere Leute davon halten. Mit dem meisten, wovon andere begeistert sind, kann ich auch nichts anfangen und es nervt mich eher.
Wenn das aber nicht der fall sein sollte und Dir alles wie ein gleichmäßiger grauer Nebel vorkommt, Du am liebsten gar nichts mehr machen würdest, dann solltest Du am besten einen Psychotherapeuten zu Rate ziehen, denn daraus könnte sich eine Depression entwickeln..
Wenn es Dir ansonsten gut geht, dann bist Du einfach auf angenehme Weise anders als die Menschen in Deinem Umfeld, was manchmal hart sein kann. Kennst DU denn Menschen, die so ähnlich denken wie DU, mit denen DU den Kontakt verstärken könntest?
Kopf hoch!
Vögelchen
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06.10.2013, 10:30Inaktiver User
AW: Abgestumpft??? Unfähig mich ECHT zu freuen?
Ich glaube, dass du eher ein "Problem" hast mit dem Vergleichen. Es ist doch ganz egal, was manche sagen würden, denn viele sagen auch nur das, was MAN von ihnen erwartet oder was sie denken, was erwartet wird. Du sagst es nicht, weil du es nicht fühlst, andere sagen es trotzdem sie es nicht fühlen.Hallo, ich würde nicht sagen, dass ich gelassen bin. Manchmal sogar das Gegenteil.
Beispielsweise, wenn gesagt wird, diese Freundin heiratet, diese bekommt ein Baby, dann sage ich, och, schön.
Tiefere Gefühle kommen nicht auf. Manche würde sagen, aaach, wie toll, süß, das freut mich für sie.
Das sage ich nicht, weil ich es nicht fühle.
Du vergleichst dich mit deinem Freund, der überschwenglich ist, warum? Stell dir vor, deine Reaktion ist die "normale" und die deines Freundes eine überreaktion...Vielleicht ist meine Nüchternheit die Summe meiner Erfahrungen.
Auch jetzt ist es manchmal für mich nicht einfach, da wie gesagt mein Freund dazu neigt, manche Menschen in den Himmel zu loben, wie gut dort alles funktioniert, welch super Familien sie haben. Einerseits ist da in mir vielleicht noch ein Schmerz, dass gewisse Dinge nicht in Erfüllung gegangen sind. Andererseits, wie gesagt, sehe ich vieles anderes. Blöd ist, dass ich zwar im Hintergrund alles mache und agiere, sprich auf seinen Familienfeiern auch, gesehen werde ich als Person, nach meinem Gefühl nach, wenig.
Dein Freund sieht, was er sehen will und macht sich die Welt, wie es für ihn nett ist - seine Komfortzone. Interessiert ihn deine auch? Nüchternheit ist doch nichts negatives, das Problem ist, dass du in einer Familie bist (seiner) die ganz anders ist. Wie ist es denn auf Familienfeiern mit deiner Ursprungsfamilie?
Dass er sich so strikt geweigert hat, mit dir noch ein Kind zu bekommen, weil ER schon zwei hat, spricht Bände.
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06.10.2013, 10:44Inaktiver User
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06.10.2013, 10:50
AW: Abgestumpft??? Unfähig mich ECHT zu freuen?
das ist ein weitverbreiteter Glaubenssatz, der einfach nicht stimmt. Extrovertierte Menschen werden auch u.U. als nervig und übergriffig empfunden. Seit ich mit meiner zurückhaltenden Art versöhnt bin, werde ich auch als "nett" empfunden (wenn ich nett sein will
Zitat von Motte
) und vor allem als vertrauenswürdig, weil sich Menschen aufgrund meiner ruhigen Art leichter tun, sich zu öffnen.
Bei dir scheint das Problem ganz woanders zu liegen und du hast es ja schon thematisiert. Du hast da einen Punkt in deiner Vergangenheit noch nicht bewältigt. Und vermutlich steht hinter diesem "Mund halten" und der Strategie "Gefühle verdrängen zum Selbstschutz" eine entsprechende Geschichte deiner Sozialisierung. Wenn das jetzt - angestoßen von der Überschwänglichkeit deines Freundes - hochkommt, dann guck dir das mal genauer an, vll mit Hilfe eines neutralen Profis. Denn rein energetisch betrachtet ist deine Energie in diesen Ereignissen noch gebunden und du hast dir anscheinend auch noch keine neue Strategien für deinen Selbstschutz erarbeiten können. War bisher halt auch noch nicht notwendig. Aber jetzt scheint dir diese Art von Selbstschutz langsam zum einengenden Korsett zu werden und deshalb stellen sich dir solche Fragen.
Reine Vermutung, wissen kann ichs natürlich nicht.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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06.10.2013, 11:27
AW: Abgestumpft??? Unfähig mich ECHT zu freuen?
Liebe Motte,(...) So, da hab ich meine Gefühle eingefroren oder wie auch immer.
Oder zumindest vieles relativiert.
Motte
nach Deinem ersten Posting dachte ich zunächst auch, dass es doch schön ist, wenn Du im Gegensatz zu Deinem Freund nicht so überschwänglich reagierst. Man kann sich auch im Stillen freuen. Außerdem ist extremer Überschwang m.E. nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass der sich Freuende tatsächlich innerlich Anteil nimmt. Es kann auch bedeuten, dass derjenige so sehr mit seinen eigenen Reaktionen auf etwas beschäftigt ist, dass er das, was diesen Überschwang eigentlich ausgelöst hat, in den Hintergrund tritt und der Betreffende letztendlich nur noch mit sich selbst (also den eigenen Gefühlen) beschäftigt ist. Extremer Überschwang erinnert mich außerdem immer irgendwie an "the american way", wo immer alles toll, super, "great" ist, aber alles doch eher an der Oberfläche bleibt.
Nach o.g. Sätzen aber finde ich nun, dass Dein Problem etwas anders gelagert ist. Dabei erspürst Du das, was in Dir vorgeht, ziemlich gut und kannst es klar benennen. (Ein Hinweis darauf, dass Du in dieser Hinsicht, noch nicht abgestumpft bist!)
Wo keine wahre Freude sein kann, ist i.d.R. ein großer Schmerz vergraben. Wenn Du aber den Schmerz vergräbst, vergräbst Du auch die Fähigkeit, Dich zu freuen, denn beides ist aneinander gekoppelt. An Deiner Stelle würde ich alle Deine nichterfüllten Wünsche, die den Schmerz auslösen und die Du im Laufe des Lebens den anderen zuliebe weggepackt hast, ans Tageslicht holen und mich nochmal mit ihnen auseinandersetzen. Wenn sich einige von Deinen Wünschen nicht mehr verwirklichen lassen, kannst Du offen um sie trauern (wie z.B. den Wunsch nach einer eigenen großen Familie. Aber Du hast doch auch schon ein erwachsenes Kind, wenn ich richtig gelesen habe?). Andere werden sich aber noch realisieren lassen. Und wer weiß, vielleicht kommen neue Wünsche hinzu. Die Beschäftigung mit Deinen wahren Wünschen werden jedenfalls Dein Leben wieder in eine bestimmte Richtung bringen (können). Wenn man nämlich Wünsche, Schmerz (und damit die Freude) unterdrückt, wirft man gleichzeitig den inneren Kompass, wohin die Reise des Lebens gehen soll, über Bord, was auch Deine derzeitige Orientierungslosigkeit erklären könnte. Jetzt ist es an der Zeit, Dir diesen Kompass zurückzuholen!
Viel Glück!
Geändert von bruennette_2 (06.10.2013 um 11:31 Uhr) Grund: wat vergessen


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