Guten Abend, habe mich jetzt nach viel lesen hier angemeldet im Forum, wusste dann nicht in welchem Unterforum am besten schreiben, gut nun bin ich hier hinein mit meinem Strang, mit meiner Persönlichkeit hat es allemal zu tun.
Habe hier viel gelesen in anderen Strängen, was Liebe und Verliebtheit ausmacht, was nicht fehlen sollte dabei und was die Anzeichen dafür sind, dass es "nicht mehr als Freundschaft" ist.
Muss es knistern, braucht es Schmetterlinge und das Gefühl, ohne den anderen nicht sein zu können? Muss Liebe wenigstens zu Beginn aufgeregt und laut sein, ein Wirbel der Gefühle? Ist es nur dann richtig, wenn die Funken sprühen und man riesiges Verlangen danach hat, in der Nähe des andern zu sein?
Mir macht solche alles verzehrende Liebe Angst und ich gehe nur Beziehungen ein mit Männern, zu denen ich leise, sanfte Gefühle habe, Sicherheit verspüre und eine geerdete Form der Zuneigung.
Manchmal begegnen mir Männer, die in mir die Schmetterlinge und das Knistern auslösen, die gemeinhin dazugehören, aber um diese Männer mache ich einen Bogen.
Braucht es den Zustand dieser Verliebtheit, nicht auf Dauer, aber zu Anfang, für richtige Liebe?
Wenn ich hier einen Strang eröffnet hätte und von den Gefühlen erzählt hätte, die ich für meine Expartner empfunden habe, hätte ich sicherlich die Antwort bekommen, dass sich das nicht anhört, als hätte ich Interesse an ihm als Partner, dass sich das nicht nach entfachtem Feuer anhört, so etwas vermutlich.
Mich beschäftigt die Frage, weil ich immer wieder erfahre, dass ich eine ganz andere Art zu lieben lebe, mich manchmal frage ob das dann wohl überhaupt richtige Liebe ist.
Wenn da ein Mann wäre, der mich im Kern erschüttert, heftiges Knistern auslöst, flatternde Schmetterlinge im Bauch und weiche Knie...
...und ein anderer Mann, bei dem ich mich auf stille, unaufgeregte Weise wohl fühle, ohne jegliches Flattern im Magen...
Ich würde mich immer für den zweiten entscheiden.
Sich körperlich attraktiv zu finden, darf natürlich nicht fehlen, das ist aber wohl die einzige Komponente, die meine Expartner von meinen männlichen guten Freunden unterscheidet.
Im Freundeskreis, hier im Forum, in den Medien sowieso - immer wieder der Hinweis auf die ganz großen Gefühle, die Schmetterlinge, das Gefühl "den muss ich haben", die alles verzehrende Liebe. Alle meine Freundinnen sagen, mit einem Mann, mit dem es nicht funkt, wo sie kein Prickeln und kein Knistern spüren, mit so einem Mann könnten sie nicht zusammen kommen.
Gibt es auch "leise Liebe"? Oder lebe ich da was anderes als Liebe?
Grüße
freie Seele
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Thema: lieben
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17.09.2013, 00:35
lieben
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17.09.2013, 00:51Inaktiver User
AW: lieben
Liebe freie seele,
Ich hatte beides, kenne beides. Ich habe mich schon Knall auf Fall verliebt, mit Schmetterlingen und bauchkribbeln und allem drum und dran. Und ichnkenne auch die "Fussspitzen-Liebe", die die sich hereinschleicht. Da lernst du wen kennen und verschwendest gar keinen Gedanken an Begrifflichkeiten, einfach wer, mit dem du dich wohlfühlst. Und du fühlst dich immer besser mit diesem Mann und vertrauter, und irgendwann stehst du da und denkst "Huch! Ich bin ja verliebt, wann ist dass denn butte passiert, und wo war ich da?"
Bewerten oder gegenwinander aufwiegen will ich das nicht. Beides ist Liebe, und gleichwertig, und wer will mir erzählen, wie was anzufangen hat, damit es "Liebe" sein kann?
Wenn ich wählen müsste - na, aber zum Glück muss ich ja nicht wählen.
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17.09.2013, 01:04
AW: lieben
Hallo Cheerful, danke fürs Teilen deiner Erfahrungen!
Darf ich dich fragen, wie sich diese Verliebtheit dann geäußert hat?und irgendwann stehst du da und denkst "Huch! Ich bin ja verliebt, wann ist dass denn butte passiert, und wo war ich da?"
Was du beschreibst, ist glaube ich, nochmal eine andere Variante. Dass nach längerer Zeit "plötzlich" das Verliebtsein da war, ohne dass man es hat kommen sehen.
Ich habe zu meinen Expartnern zu keinem Zeitpunkt des Kennenlernens oder der Beziehung so etwas wie Verliebtheit empfunden. Nie die Schmetterlinge, nie das Gefühl, den oder keinen, nie das Gefühl, ohne den anderen nicht leben zu können, eben nichts heftiges und lautes.
Da hast du auch wieder Recht!und wer will mir erzählen, wie was anzufangen hat, damit es "Liebe" sein kann?
Mich verwundert es nur, dass viele Menschen genau diese heftigen Gefühle, das tiefe Verlangen, das heftige Wollen, als Voraussetzung empfinden für eine mögliche Beziehung... während mich das verschreckt.
Rosarote Brille, den Kopf verlieren, ständig an den andern denken müssen, die Finger nicht voneinander lassen können, den andern unbedingt wollen... alles Gemütszustände die ich nicht möchte und meide, all dies was "süchtig" macht.
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17.09.2013, 05:53Inaktiver User
AW: lieben
also süchtig macht es nicht.
Das kann ich schon mal versichern.
Es ist ja auch eine Kraft, so ne Art Himmelsmacht.
Und nix Einseitiges.
Diese Gefühle flachen mit der Zeit ab - und da besteht die Kunst wirklich dann diesen Zustand auszuhalten.
Mir scheint, du hast Angst vor Lebendigem.
Da bist du bestimmt nicht die Einzige.
Für die Zustände der Verliebtheit hast du durchweg negative Bewertungen parat.
Ersetze es durch Begeisterungsfähigkeit, Vertrauen und Leidenschaft.
Das sind alles Eigenschaften die man auch so im Leben haben kann.
Vielleicht bist du einfach ausgelastet, durch einen interessanten Beruf vielleicht oder so.
Ich kenne Frauen wie meine Schwester zum Beispiel die empfinden verliebte Menschen einfach als schwach und hochgradig gefährdet.
Weil sie halt schon jetzt die Vergänglichkeit sehen, das auf dem Boden landen und Gefühle als solchem nicht so recht trauen.
Die haben weder Liebeskummer noch werden sie ausgenutzt.
Das muss jeder selbst für sich entscheiden.
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17.09.2013, 08:08Inaktiver User
AW: lieben
dass dich die leidenschaft verschreckt, finde ich seltsam, das deutet für mich dann doch auf irgendein problem hin, sich zu öffnen und hinzugeben.
liebe ohne erschütterung gibt es meiner meinung nach nicht - das ist dann was anderes.
meine persönliche erfahrung: eine liebe, die nicht auf großer entflammtheit am anfang beruhte, hatte ich einmal, und es ist die liebe, die am wenigsten tragfähig war.
da kam irgendwann der tag, an dem ich das gefühl hatte, aus einem seltsamen traum zu erwachen und mich fragte, was ich bloß an diesem mann gefunden hatte.
dagegen wird, wer mich erschüttert, lebenslang von mir geliebt - das sind männer, wo ich auch nach einer trennung noch dieses gefühl in mir tragen kann, auch wenn ich dann nicht mehr zusammenleben will.
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17.09.2013, 09:07
AW: lieben
Es gibt ein Volk, bei dem Verliebte zu einem Heiler gehen, weil das als Krankheit angesehen wird.
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17.09.2013, 10:47Inaktiver User
AW: lieben
Kommt drauf an wie intensiv du lebst und empfinden kannst. Ich bin die erste Variante. Pures Leben. Variante 2 klingt für mich fade. Leidenschaftslos.
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17.09.2013, 10:50
AW: lieben
Die Verliebtheit ist für mich der einzige Punkt, der eine normale Freundschaft von einer Beziehung unterscheidet. Wenn ich nicht mindestens verliebt bin, kann keine Beziehung zustande kommen, denn dann wäre es ja eine normale Freundschaft. In dieser jedoch gibt es natürlich keinen intimen Körperkontakt. Schon allein der Gedanke, einen Mann intim berühren zu müssen, in den ich nicht verliebt bin oder es wenigstens eine starke und rein erotische Anziehung gibt (das wäre dann die Mindestanforderung für eine Affaire), ist für mich unvorstellbar.Ich habe zu meinen Expartnern zu keinem Zeitpunkt des Kennenlernens oder der Beziehung so etwas wie Verliebtheit empfunden....
Aber ist doch super, wenn Du das kannst, d.h. nämlich, dass Deine Auswahl was Beziehungspartner angeht extrem viel größer ist als z.B. bei mir. Du kannst mit jedem, bei dem Du dich nur wohl und geborgen fühlst, eine Beziehung haben. Ich muss den Mann auch noch sexuell attraktiv finden und mich obendrauf auch emotional noch verlieben können, das beschränkt die Auswahl auf maximal 2% der männlichen Bevölkerung.
Allerdings gebe ich zu, dass sich Dein Beziehungsmodell für mich so erotisch anhört wie lauwarmes Spülwasser.
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17.09.2013, 11:28
AW: lieben
Liebe freie Seele,
für mich - als jemanden, der gerade seine ganzganz große Liebe geheiratet hat - klingt das, was Du schreibst, sehr traurig. So, als würdest Du Dich vor lauter Angst, was Tolles zu verlieren, vorsichtshalber einfach mit "Mittelmaß" zufrieden geben.
Ich hatte auch mal eine - langjährige - Beziehung mit jemandem, den ich einfach nur "nett" fand, ohne große Schmetterlinge oder so. Ein lieber Kerl, der mir im Nachhinein leid tut. Er hätte nämlich schon eine Frau verdient gehabt (und hoffentlich mittlerweile auch gefunden), die ihn wirklich und mit Haut und Haaren liebt. Ich war damals einfach zu jung, um zwischen Freundschaft und echter Liebe zu unterscheiden.
Mich schaudert gerade der Gedanke, mit jemandem, der so wie Du empfindet, zusammen zu sein.
Vielleicht magst Du da ja mal genauer hinschauen? Denn offenbar bist Du ja in der Lage, das Kribbeln zu empfinden.
Alles Liebe,
viv
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17.09.2013, 12:31
AW: lieben
Es klackerten mir gerade noch "schlauere" Überlegungen über die Tastatur auf den Bildschirm, aber nun muss ich doch mal viel spontaner dazwischenfunken:
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Ich finde es auch schade, wenn die bloßen Gefühle der Verliebtheit schon soviel Furcht erzeugen, dass man sie nicht zulassen kann. Vielleicht bedarf es da mehr, sagen wir, "theoretischer" Übung. In etwa so, wie man bei einem Roman ja auch nicht mit den Protagonisten in's Bett geht oder Orgien feiert, aber wenigstens die Vorstellung und eigene Phantasien auskostet, indem man sich in parallele Szenarien hineinversetzt.
Bei mir passiert das nicht bei Romanen (die sind mir zu wenig konzentriert, zu langatmig und zu detailliert), sondern zum Beispiel bei Bildern und Gedichten - wohl, weil ich selber zu viele Phantasien und Details im Kopf habe.
Außerdem geht's auch im RL: Gestern war ich erst wieder in einer ganz öffentlichen, an sich sehr normalen Situation, in der ich eine Frau unheimlich gerne in den Arm genommen hätte: Allein aufgrund der Stimmung und ihres Gesichtes, ihres mich bezaubernden Ausdrucks, auch eines mehrfachen scheuen Blickes... (den ich wahrscheinlich "phantastisch" überinterpretiert habe - aber vielleicht hat auch sie etwas "schwingen" bemerkt?)
Es wäre allerdings in der plötzlichen Anziehung und spontan empfundenen Intensität einfach übergriffig gewesen und außerdem war die Gelegenheit viel zu kurz. Von den Wallungen kann ich heute noch, sozusagen in Form einer inneren Zärtlichkeit für Unbekannt, zehren, die ich durchaus anderen auf ähnliche Weise oder konkreter zuwenden kann, wenn sie mich triggern... (und lassen...)
In der Realität würde aus den - voneinander angenommenen und gegenseitig erwiderten - zärtlichen Gefühlen, sozusagen bei längerer Exposition und bei wechselseitigem Bestand, auch Erotik wachsen, abwechselnd und gegenseitig fördernd mit Vertrauen und Vertrautheit. (Ich habe auch für praktisch jede meiner Beziehungen immer lange und intensiv baggern müssen und manche waren vorher längere Bekanntschaften.)
Das beschriebene körperliche Funkensprühen ist mir auch eher fremd, dabei käme ich mir zu ich-zentriert vor, zu unaufmerksam, zu unwissend, mit zu wenig wirklichem Zugang für ein Eins-Werden, zur Unio Mystica - schwer zu beschreiben.
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Einfache Freunde mag ich garnicht besonders gerne umarmen, finde das irgendwie künstlich bis sogar konventionell, erst recht mag ich sie nicht umfangen, umfühlen, an mich drücken - da ist keine Wallung, keine Körperlichkeit, einfach nur Wohlwollen, Unterstützung und Zugewandtheit, auch mal Kritik oder Distanz, irgendwie "sachlichere", begründbarere, verständlichere Emotionen, kein Zauber.
Und das alles empfinde ich so, obwohl ich immer denke und sage, dass eher aus gutem Sex Liebe entstehen könne, als aus Liebe guter Sex. Aber dieses Empfinden davon, allein durch eine Berührung etwas Verbindendes ausdrücken zu können, das genauso verstanden wird, muss dem einfach vorausgehen. Und das beginnt auch bei mir viel, viel eher so, dass ich mir viel weniger vorstellen kann, der Frau oder mir die Klamotten vom Leib zu reißen, als mich mit ihr über Gefühlswelten, Erotik und Sex ausführlich auszutauschen.
Vielleicht ist es trotzdem das Selbe, nämlich Verliebtheit, nur die Bilder und Ausdrucksformen sind verschieden, die Sprache anders?
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Doch, ja, es gibt auch leise Verliebtheit und Liebe. Wahrscheinlich gibt es aber weniger Menschen, die sie, auf sich gerichtet, auch bemerken oder gar bevorzugen.
Und ist es nicht leider auch schwieriger, sich mit dieser leisen Liebe zurückgewiesen zu wissen oder nicht bemerkt zu fühlen, während das bei der "lauten" viel normaler und letztlich bedeutungsloser erscheint? Oder liegt's nur daran, dass "laut" ein klareres Zeichen ist und damit auch deutlicher einen Anfang und ein Ende markiert?
(Es soll ja auch Menschen geben, die beides ausleben, aber mit verschiedenen Partnern, und Partner, die das verstehen und akzeptieren können - die keine Besitzansprüche hegen und ihr Selbst nicht aus den Partnern heraussaugen oder es an gesellschaftliche Konventionen klammern. Andere fühlen sich dann missachtet. Die meisten werden beide Bedürfnisse glücklicherweise in einer Beziehung stillen können, vielleicht nacheinander, oder garnicht beide Bedürfnisse haben, sie sublimieren, sie künstlerisch ausleben...)Geändert von Cygnus (17.09.2013 um 12:39 Uhr)
Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia


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