Ich verlinke mal eines meiner Lieblingspostings aus der Bri.
Liebe muss kein wilder Gebirgsbach gewesen sein, um zum ruhig dahinfließenden Fluss mit manchmal Stromschnellen zu werden.
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Ergebnis 41 bis 50 von 94
Thema: lieben
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17.09.2013, 22:38
AW: lieben
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17.09.2013, 23:12
AW: lieben
Liebe freie_seele,
Deine Familiengeschichte hat mich sehr mitgenommen.
Ein grauenhaftes Exempel dafür, wie unvereinbar eine gute Erziehung mit Ideologie, Faulheit und Feigheit ist.
Wie auch immer, ich habe jetzt jedenfalls eine Idee, warum das mit Dir so sein könnte, wie es ist.
Du hast als Kind nicht gelernt, nicht die Erfahrung machen dürfen, Dich in die Liebe zu jemandem fallen lassen zu können.
Du hast nie gelernt, darauf zu vertrauen, dass eine geliebte und Dich liebende Person mit Dir, Deiner Liebe, Deinen Emotionen und Deinen Bedürfnissen liebevoll, menschlich und verantwortungsvoll umgeht.
Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, hast Du auch erst sehr spät beginnen können, zu lernen, dass und wie Du selbst mit Dir, Deinen Emotionen und Deinen Bedürfnissen liebe- und verantwortungsvoll umgehen kannst.
Kaum verwunderlich, dass starke Emotionen im Bereich Liebe für Dich bedrohlich wirken - sie sind einfach bedrohlich.
Ob und wie Du daran etwas ändern kannst, weiss ich nicht.
Dazu würde ich ggf. mal Profis (Therapeuten o.ä.) befragen.
Was aber Dein konkretes Problem mit Deiner non-konformen Art zu Lieben angeht, so ist mein Rat ziemlich einfach:
Die negativen Rückmeldungen Anderer tun Dir nicht gut, sie nähren quälende Zweifel.
Also sprich einfach nur noch mit Deinem Partner über dieses Thema.
Oder mit anderen Menschen, die Deine biographischen Hintergrund kennen und Dich deshalb angemessener wahrnehmen können.
Ich finde es jedenfalls sehr erstaunlich und schön, dass Du überhaupt in der Lage bist, Deine Art Liebesbeziehung zu leben.
Und wer weiss?
Vielleicht bewirkt die korrigierende, positive Erfahrung mit Deiner sanften und stillen Liebe irgendwann, dass Du die leidenschaftlicheren Anteile wieder zulassen und dann auch genießen kannst.
Alles Gute für Dich!
KK
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18.09.2013, 00:51
AW: lieben
Hallo Marta-Agata, ein wirklich sehr schönes Posting, das du verlinkt hast! Dieses Naturbild der ruhigen, sanften Liebe beschreibt sehr schön das, was ich für meine Expartner empfunden habe. Hier wurde ja auch teilweise angedeutet, dass das für meine jeweiligen Partner eventuell zu wenig sein könnte, was ich zu geben habe. Und ich habe selber auch geschrieben, einigen hat es nicht "genügt". Aber ich glaube, dass "meine" Liebe nicht unbedingt "weniger" ist als das, was andere Menschen geben können, die heftiger und leidenschaftlicher lieben. Es ist halt anders... Aber ich bin überzeugt, dass sich meine Expartner geliebt gefühlt haben von mir. Auf meine etwas stillere Weise.
Hallo Kistenkumpel, danke dir für den einfühlsamen Beitrag.
Ich denke, dass ich mich aus diesem Kindheitskram ganz gut herausgestrampelt habe, war halt ein langer Kampf und leider auch damit verbunden, dass meine Mutter mich heute verabscheut, weil ich so spießig und normal geworden bin. Das war wirklich emotionale Erpressung von ihr, ich wusste, wenn ich mein Leben nicht so lebe wie sie sich das vorstellt, werde ich sie verlieren, und bis ich das in Kauf genommen habe hat es lange gedauert.
Aber wie gesagt, ich glaube das ist relativ gut bewältigt.
Was für mich schwieriger ist und wo ich auch mehr die Ursachen für meine -ich sage mal "Vorsicht" -sehe, ist diese erste "Beziehung" die ich hatte, die mich schwer getroffen hat. Wo ich einfach an den falschen geraten bin, der eigentlich eine ähnliche Schiene fuhr wie meine Mutter, "wir sind anders", "wir gegen den Rest der Welt", eben dieses Verschmelzen und völlig Eins-sein, nur wir beide, füreinander geschaffen, nicht ohne den andern leben können -das hat er provoziert und bei mir ausgelöst und dann gnadenlos ausgenutzt. Ich war noch sehr jung und habe es lange nicht durchschaut und habe gelitten ohne Ende, mich trotzdem ewig nicht gelöst aus dieser "Beziehung".
Da hast du glaube ich Recht. Es tut mir nicht gut. Es wird halt unter Freundinnen doch immer mal wieder Thema -wenn eine einen kennen lernt, etc. Aber solche Gespräche werde ich dann meiden müssen.Die negativen Rückmeldungen Anderer tun Dir nicht gut, sie nähren quälende Zweifel.
Also sprich einfach nur noch mit Deinem Partner über dieses Thema.
Schwierig ist, dass einem diese Vorstellung der heftigen, ganz großen Liebe ja überall begegnet, und immer wieder triggert mich das irgendwie. Es ist schwierig um das Thema herum zu kommen. Auch hier im Forum kann man davon oft lesen...
Das ist ein interessanter Gedanke, den ich so noch gar nie hatte. Danke. Ja, vielleicht ist es innerhalb einer sicheren, stabilen Beziehung, in der ich mich wohl fühle, doch möglich, noch "mehr" zu entdecken.Und wer weiss?
Vielleicht bewirkt die korrigierende, positive Erfahrung mit Deiner sanften und stillen Liebe irgendwann, dass Du die leidenschaftlicheren Anteile wieder zulassen und dann auch genießen kannst.
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18.09.2013, 01:42
AW: lieben
Und Du hast das sehr gut gemacht.Ich denke, dass ich mich aus diesem Kindheitskram ganz gut herausgestrampelt habe, war halt ein langer Kampf und leider auch damit verbunden, dass meine Mutter mich heute verabscheut, weil ich so spießig und normal geworden bin. Das war wirklich emotionale Erpressung von ihr, ich wusste, wenn ich mein Leben nicht so lebe wie sie sich das vorstellt, werde ich sie verlieren, und bis ich das in Kauf genommen habe hat es lange gedauert.
Ich kenne Deine Mutter nicht persönlich, aber diesen Typus.
Diese ach so wunderbaren, toleranten, alternativen, geistig ach so freien, Normalos wie mir in jeder Hinsicht, vor allem moralisch und politsch unendlich überlegenen ... - grauenhaft.
Magst Du verraten, wie alt Du bist?
Ich schätze, ohne die "Vorarbeit" Deiner Mutter und der Untätigkeit Deines Vaters hätte der Mann wohl kaum diesen "durchschlagenden Erfolg" gehabt.Was für mich schwieriger ist und wo ich auch mehr die Ursachen für meine -ich sage mal "Vorsicht" -sehe, ist diese erste "Beziehung" die ich hatte, die mich schwer getroffen hat. Wo ich einfach an den falschen geraten bin, der eigentlich eine ähnliche Schiene fuhr wie meine Mutter, ... das hat er provoziert und bei mir ausgelöst und dann gnadenlos ausgenutzt. Ich war noch sehr jung und habe es lange nicht durchschaut und habe gelitten ohne Ende, mich trotzdem ewig nicht gelöst aus dieser "Beziehung".
Nö, meiden musst Du diese Gespräche nicht - nur nicht mehr jedem auf die Nase binden, wie es bei Dir so läuft.... Da hast du glaube ich Recht. Es tut mir nicht gut. Es wird halt unter Freundinnen doch immer mal wieder Thema -wenn eine einen kennen lernt, etc. Aber solche Gespräche werde ich dann meiden müssen. ...
Nimm's Dir nicht so zu Herzen.Schwierig ist, dass einem diese Vorstellung der heftigen, ganz großen Liebe ja überall begegnet, und immer wieder triggert mich das irgendwie. Es ist schwierig um das Thema herum zu kommen. Auch hier im Forum kann man davon oft lesen...
Ich sehe, lese, höre ständig Schönes, das ich nie sehen oder erleben werde.
Ist ein kleiner Piekser, ein Stachel, manchmal motiviert es, vielleicht das ein oder andere doch (noch) mal zu versuchen.
Mach's mal gut.
KK
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18.09.2013, 02:01
AW: lieben
Aber warum ist das wichtig für Dich? Wenn Du doch mit Deinem Beziehungsmodell glücklich bist!? Bist Du?Vielleicht ist es das, was mir auch hier ja begegnet ist -die Reaktionen von außen, die fast schon mitleidig sind, die meine Art zu lieben als fad, langweilig, zweitklassig darstellen. Der Punkt ist nichtmal, dass ich mich dadurch gekränkt fühle, sondern der Punkt ist der, dass ich mir hin und wieder doch Gedanken mache, ob an dem was mir von außen rückgemeldet wird, nicht doch auch ein Körnchen Wahrheit drin steckt
Ich mag auch keine Kombis und Golfs, Rüschenblusen und Leggings finde ich auch entsetzlich und langweilig. Aber dennoch sehe ich sie täglich und die Leute sind happy damit und es interessiert sie Null was ich davon denke! :
Nein, natürlich das nicht böse gemeint! Und lauwarmes Wasser ist für mich das Synonym für nicht heiß und nicht kalt = dümpelt so vor sich hin. Ich lebte eben lieber nach dem Motto: lieber mal die Finger verbrennen als ein Leben lang kalte Hände!Und ich denke, sie können es nicht nachvollziehen, wie ich das sehe, und meinen ihre Kommentare nicht böse. Hier kamen ja auch ähnliche Antworten teilweise (lauwarmes Spülwasser
), ich weiß aber, dass das eben daher kommt, dass "meins" so anders ist.
Geändert von NurZuGast (18.09.2013 um 02:35 Uhr)
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18.09.2013, 07:16Inaktiver User
AW: lieben
Ja meine Güte,
damit beanwortest du ja alles.
Ich schätze mal dein Blick wird in Richtung "gefährlich" gehen.
Du siehst die an der Liebe leidenden.
Wie willst du auch das sehen was viele Schreiberinnen hier meinen?
Du bemisst Dinge und Tatsachen bestimmt nach einem inneren Katalog.
Und wenn eine Frau dann so im zweiten Drittel ihres Lebens mit wenig Geld und mässigem beruflichen Erfolg dasteht - und der Mann ist vielleicht sogar noch weg - dann hat sie garantiert was falsch gemacht.
Hat sie?
Wenn sie wirklich geliebt hat in meinen Augen nicht.
Das ist aber schwer zu beschreiben - daran haben sich viele Dichter versucht.
Geliebt zu haben, ein glückliches Paar gewesen zu sein brennt sich ins Fleisch ein - meine ich.
Ich kenne Menschen denen es im Alter finanziell fantastisch geht, die sich sogar bester Gesundheit erfreuen und aussergewöhnlich vital sind.
Aber, hochgradig unzufrieden.
Und, diejenigen, die ich sehr gut kenne - auf die das zutrifft - von denn weiß ich - dass die Partner immer austauschbar waren.
Dass da eine gewisse Oberflächlichkeit war, ein Unberührtsein ----
Ja, das trifft für mich den Kern.
Liebe heißt für mich: sich berühren zu lassen, ganz tief trifft da was.
Man kann wegrennen oder bleiben.
Die Folgen können in beiden Fällen fatal sein.
PS: mir fällt da eine ehemalige Freundin ein: 3 mal verheiratet gewesen. Die fühlte sich mir überlegen weil sie keinen ihrer Männer vermisste oder so ähnlich
Jedenfalls posaunte sie ganz stolz:
für mich waren meine Männer immer nur Beiwerk
da hab ich lange drüber nachgedachtGeändert von Inaktiver User (18.09.2013 um 07:20 Uhr)
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18.09.2013, 07:45Inaktiver User
AW: lieben
sowas ist natürlich ätzend. aber pass halt auf, dass du dir von dem typen nicht deine ganzen anderen beziehungen versauen lässt.
diese art von erfahrung - extrem schmerzhafte liebe in jungen jahren - machen aber viele leute! weil man einfach, wenn man jung ist, noch so verletzlich und unbeholfen ist.
in gewisser weise bist du also ganz normal damit!
deine schlussfolgerungen sind halt etwas drastisch, aber wahrscheinlich auch gar nicht so selten.
vielleicht magst du dich ja auch nochmal fragen, ob das, was dir da in der ersten beziehung widerfahren ist, wirklich liebe war. für mich klingt es eher nach abhängigkeit und flucht.
wenn du deinen frieden damit machst, wie du bist, wird dich das nicht mehr triggern. ich denke, es liegt an einem konflikt in dir.Da hast du glaube ich Recht. Es tut mir nicht gut. Es wird halt unter Freundinnen doch immer mal wieder Thema -wenn eine einen kennen lernt, etc. Aber solche Gespräche werde ich dann meiden müssen.
Schwierig ist, dass einem diese Vorstellung der heftigen, ganz großen Liebe ja überall begegnet, und immer wieder triggert mich das irgendwie. Es ist schwierig um das Thema herum zu kommen. Auch hier im Forum kann man davon oft lesen...
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18.09.2013, 07:46Inaktiver User
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18.09.2013, 09:19
AW: lieben
Tja, Sprachlos,
da sieht man, wie schwierig das mit den Begrifflichkeiten ist (#20). "Verschmelzen" kann m. E. gerade besonders leidenschaftlich sein - das passiert zum Beispiel bei gemeinsamen oder sehr kompatiblen sexuellen Präferenzen, die man sich so gegenseitig besonders einfühlsam erfüllen kann - aber hier ging's ja eigentlich nicht um den Teilaspekt Sex, sondern um den Teilaspekt Liebe, die wiederum für andere "das Ganze" bezeichnet.
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Doch, freie Seele,
man kann diese Gefühle ohne einen konkreten Menschen kultivieren (#26) - alternativ auch mit einem unerreichbaren Menschen oder einer Idealisierung, einer Fiktion, einem Traum "im Herzen". Oder eben, wie erwähnt, mit seinem Animus bzw. seiner Anima, also seinem gegengeschlechtlichen Part des Selbst, der freilich nicht bei jedem sehr ausgeprägt ist.
Nichts anderes passiert ja auch in der Literatur oder der bildenden Kunst und bei ihrer Rezeption. Für mich sogar in der Mode. Du kannst es bei uns "Normalsterblichen" eher als Tagträumen bezeichnen - aber auch Tagträumen hinterlässt Spuren im Gehirn, fördert Assoziationen, Sehnsüchte, Stimmungen, Empfindungen, Gefühle, und erzeugt Bereitschaft und Auslöser - durch Bahnungen, Engramme und Chiffren oder Symbole. (Man darf sich darin nur nicht verirren und verlieren.)
Genau diese Tatsache ist bei nicht gestörten Hirnfunktionen bei allen Menschen gleich, im Positiven - sonst würden die meisten Psychotherapien nicht funktionieren - und leider auch im Negativen. Die "Inhalte", die wir so mit uns herumtragen, sind freilich unterschiedlich und wir durch sie. Nach eigenem Empfinden oder dem der Umwelt erscheinen wir entsprechend angepasst, anders, oder sogar gestört (natürlich ist das nicht der einzige Mechanismus).
Für mich gibt's da - bei nicht akutem Handlungsbedarf (Therapie) - nur eine gute Abhilfe: Die eigene Bandbreite ständig erhöhen, das eigene Wissen erweitern. Leider tun heute die meisten Menschen m. E. das Gegenteil: Sie lassen sich ihre Bandbreite durch kritiklosen Konsum und Dauerberieselung massiv verengen. Unter diesem Eindruck erschrecken mich die eben auch dafür üblichen Begriff der Normalität und Freiwilligkeit.
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Nein, Liebe muss nicht wild und leidenschaftlich sein und schon garnicht von einer Leidenschaft, die einem letztlich bloß die Medien und die Industrie verkaufen - und deren "freiwillige" Konsumenten.
So manche(r) hat jedoch die Leidenschaft erst spät, dann aber eben doch (wieder?) entdeckt und sah sich plötzlich mit einem erschreckten Partner voller Unverständnis und Unvermögen konfrontiert...
Oder umgekehrt jene mit einem, der das ganze bisherige (Zusammen-) Leben infrage stellte und sie damit völlig entwurzelte. Aber man hat ja nur eins...Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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18.09.2013, 10:06
AW: lieben
Wie willst du denn wissen, was viele Schreiberinnen hier meinen? Was Gefühle angeht glaube ich, dass man oft selbst nicht weiß, was da eigentlich mit einem passiert.
Kann man so sehen, muss man aber nicht (Beispiel). Freie_Seele entscheidet sich ja immerhin bewusst dagegen.
@freie_Seele: Ich denke mit Blick auf die Liebe in der Kunst kann man schon erkennen, dass große Liebe auch oft mit großem Drama verbunden zu sein scheint, manche brauchen das "um sich zu fühlen". Die große Liebe kann tragisch sein ... Wenn sie es nicht ist, wird sie irgendwann in ein ruhigeres Fahrwasser kommen, sonst wäre das ja gar nicht lebbar. Ich sage nochmal, du scheinst die erste Phase zu überspringen und das fühlt sich für dich gut an, also ist alles okay.
Zitat von freie_Seele
Ich verstehe nicht, dass es immer wieder - auch hier in der Bricom - Menschen gibt, die jemandem, der zufrieden mit seinem Leben ist, irgendwelche Defizite einreden wollen. Wenn du aufgrund einer schlechten Erfahrung und deiner Biographie deinen Weg wählst und damit zufrieden bist, dann ist das genauso gut, wie für jemand anderen ein anderer Weg sein kann. Man kann ja nicht beides gleichzeitig haben in diesem Falle.Geändert von Sprachlos (18.09.2013 um 10:12 Uhr)
Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)


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