Hallo Kistenkumpel,
Ich habe eine sehr "asoziale" Familie, was vor allem von meiner Mutter ausging. Ich liebe meine Mutter, aber sie ist sehr eigen und anders. Ganz bewusst hat sie sich sozial komplett abgeschottet und ihre Andersartigkeit zelebriert. Die "dumme breite Masse", war fast jeden Tag Thema bei uns zuhause. Die allermeisten anderen Menschen seien ja ohnehin minder intelligent, alles was Ottonormalbürger so tat wurde von ihr geächtet. Dieser große und sehr präsente Hass auf alles "Normale" hat bei mir als Kind dazu geführt, dass ich dann auch anders sein wollte, weil ich wie jedes Kind auch von der Mutter liebgehabt werden wollte. Über meine wenigen Freundinnen, die ich in der Grundschule hatte, fand meine Mutter auch immer nur abfällige Worte, und so war ich halt auch sehr isoliert. Sie seien beispielsweise zu "geschniegelt und gestrigelt", das sei ja so oberflächlich. Dabei sind diese Kinder einfach nur mit sauberen Klamotten und ohne Dreck unter den Fingernägeln zur Schule gegangen, im Gegensatz zu mir, weil meine Mutter auch diesen "neumodischen Körperkult" verachtet hat und uns Kinder verboten (!) wurde, uns zu oft zu waschen. Unsere Wohnung war eine Müllhalde, auch das hat sie immer verteidigt, sie würde sich eben mit "wichtigen, geistigen Dingen" beschäftigen anstatt mit so oberflächlichen Dingen wie Staub wischen.Inwiefern warst Du denn mal so extrem anders als andere?
Was war daran so schlimm?
Hast Du Dich damals damit nicht wohl gefühlt?
Sie wollte sich immer von anderen unterscheiden und bloß nicht so sein, wie normale Leute so sind.
Mich hat das damals irgendwie zerrissen, weil mein Vater eigentlich zu diesen ganz normalen Leuten gehört (und ich bin sicher, er ist nicht glücklich in der Ehe mit meiner Mutter). Als Kind war das für mich schwer auszuhalten. Ich wollte dann auch "besonders" und anders sein, um so zu sein, wie die Mutter das will. Ich habe mich auf der anderen Seite aber auch für vieles geschämt und fand es schade, dass ich kein Zuhause hatte, in das man andere Kinder hätte einladen können.
Wir Kinder durften rauchen, Alkohol trinken, durften wach bleiben so lange wir wollten, das alles schon im Grundschulalter.
Grenzen gab es bei uns zuhause kaum, solange Mutter nicht das Gefühl hatte, wir würden irgendwelche spießigen Ottonormalbürger-Ansichten von der Außenwelt aufschnappen und mit nach Hause bringen. Die Grenzenlosigkeit hat auch dazu geführt, dass es von älteren Geschwistern gegenüber den jüngeren sexuell viele Grenzüberschreitungen gab. Meine Mutter wusste das und hat das als Spielereien abgetan. Die breite Masse sei in dieser Hinsicht ja auch viel zu spießig.
Als meine älteste Schwester in die Pubertät kam und begann, auf ihr Äußeres mehr wert zu legen, wie Teenager eben so sind -wurde in einem Ton der Verachtung davon gesprochen. Schwester wollte z.B. täglich duschen, da fing Mutter an das Bad von außen abzuschließen um dem entgegen zu wirken und lachte meine Schwester aus, ob ihre Scheide denn so stinken würde, dass sie sie jeden Tag waschen müsse.
Ich habe LANGE gebraucht, um mich aus diesem Anderssein-Wollen zu lösen, das war sehr tief in mir verankert. Heute schätze ich es einfach unglaublich, dass ich in vielen Dingen ganz normaler Durchschnitt bin, dass ich mich auch ohne schlechtes Gewissen so "oberflächlichen" Dingen wie der Hausarbeit widmen kann, dass ich mich waschen kann wann ich möchte etc. So ganz normale Alltagsdinge eben.
Ich hatte darüber einfach schon einige Gespräche mit Freundinnen.Und wie bemerken die Menschen in Deinem Umfeld eigentlich, dass Du sagenwirmal "so viel leiser" liebst als sie?
Und was glaubst Du wohl, warum die sich berechtigt oder bemüssigt fühlen, so abfällig über Deine Beziehungen zu urteilen?
Und ich denke, sie können es nicht nachvollziehen, wie ich das sehe, und meinen ihre Kommentare nicht böse. Hier kamen ja auch ähnliche Antworten teilweise (lauwarmes Spülwasser), ich weiß aber, dass das eben daher kommt, dass "meins" so anders ist.
Ich würde dazu Nein sagen. Ich denke es sind einfach zwei so verschiedene Arten, Liebe zu leben, dass es meinen Freundinnen schwer fällt, das nachzuvollziehen. Wie man sich mit sowas zufrieden geben kann, wie man auf diese tollen intensiven Verliebtheitsgefühle freiwillig verzichten kann. Es tut ihnen wohl auch Leid, dass ich mir diese verwehre.Kannst Du Dir vorstellen, dass diese harsche Abwehr auch daher rührt, dass Du "ihre Art zu lieben" in Frage stellst?
Oder ihnen aufzeigst, dass "ihre Art zu lieben" vielleicht gar nicht so toll ist, wie sie immer behaupten?
Sowohl als auch. Mein erster "Partner" (wobei das Wort Partner hier nicht passt) hat das heftig ausgenutzt und hatte da auch leichtes Spiel, weil ich wirklich den Kopf verloren hatte. Ich war so heftig verliebt in ihn, dass ich vermutlich von einer Brücke gesprungen wäre, wenn er es verlangt hätte. Niemals, niemals wieder wird mir sowas passieren.Resultierten die schlechten Erfahrungen denn mehr aus dem, was Dein(e) Partner aus diesem "Kontrollverlust und Auslieferung des eigenen Selbst", also "mit Dir" gemacht haben?
Oder war das Gefühl selbst, was sie alles hätten machen können, das Beängstigende?
NEIN! Nein, kann ich mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen. Der erste Teil dieses Satzes, mit Haut und Haaren heiß wie die Hölle lieben -da zieht sich mir alles zusammen.Kannst Du Dir vorstellen, dass man einen Menschen mit Haut und Haaren heiss wie die Hölle lieben und begehren kann, aber dennoch in der Lage ist, diesem Menschen Grenzen zu setzen und "bei sich" zu bleiben?
(Ich will damit nicht sagen, dass anderen sowas nicht gelingen kann.)
Antworten
Ergebnis 31 bis 40 von 94
Thema: lieben
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17.09.2013, 21:21
AW: lieben
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17.09.2013, 21:23Inaktiver User
AW: lieben
Schon gut, ich meinte auch gar nicht dich persönlich, MAN unterstellt das ganz gern.

Wobei inzwischen nachgewiesen ist, dass intuitive, spontane Entscheidungen nicht per se schlechter oder oberflächlicher sind, weil "der Bauch" in Windeseile ganz viel abgleicht was wir bewußt gar nicht registrieren, und so zu durchaus tragfähigen Entscheidungen kommen kann.
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17.09.2013, 21:26Inaktiver User
AW: lieben
Wobei das schon auch seine Grenzen hat - hellsehen kann auch ich nicht... Also ich kann keine Prognose abgeben, wo das hinführen wird, und ob der andere einen untadeligen Charakter hat - das brauch ich für mich aber auch gar nicht. Was ich eben sofort merke ist diese spezielle Nähe, das täuscht wirklich nicht, so dieses Gefühl, wir leben in der gleichen Welt, und dann sieht man weiter.
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17.09.2013, 21:27Inaktiver User
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17.09.2013, 21:28
AW: lieben
Dankeschön Sprachlos.Wenn du dich zu Partnern hingezogen fühlst, die dir Sicherheit geben, ein "stilles Wohlgefühl" auslösen etc. so finde ich das doch ziemlich schön und keinen Grund, irgend etwas infrage zu stellen, zumal du dich dann ja auch in diesen Partnerschaften wohlfühlst. Du hast dann vielleicht einfach die Schmetterlinge übersprungen, indem du dir Partner gesucht hast, mit denen es keine Unsicherheiten gab. Es hat eben jeder andere Muster und Befindlichkeiten und warum sollte etwas falsch sein, was zum Ziel führt?
Ja, es stimmt -wenn ich und mein jeweiliger Partner damit zurecht kommen, wenn wir damit glücklich sind -dann ist es eben unser Weg, unsere Beziehung zu gestalten. Vielleicht ist es wirklich so, dass ich eben jemanden brauche, bei dem ich diese Schmetterlinge überspringe, bei dem ich mich sicher und auf ruhige, unaufgeregte Weise wohl fühlen kann. Ohne Drama, ohne ganz großes Gefühlskino.
Lisalou, das habe ich immer. Meine Expartner wussten alle, wie ich zu ihnen stehe, da habe ich kein Geheimnis draus gemacht. Wem das nicht gereicht hat, der hat sich wieder aus meinem Leben verabschiedet, und das ist sein gutes Recht.Ich finde allerdings, dass du deinem Partner da schon reinen Wein einschenken solltest.
Mein erster Gedanke dazu war, dass keine Art der Liebe der anderen überlegen ist -sie stehen eben nebeneinander, als verschiedene Wege, Liebe zu leben. Ohne dass das eine unbedingt besser als das andere ist...ob es a u c h leise Liebe gibt?
Stell dir die Frage doch mal umgekehrt -
Ist nicht das, was du empfindest, der l a u t e n Liebe haushoch überlegen?
und lass dir g a a a a a n z viel Zeit für die Beantwortung dieser Frage
Aber ich werde die Frage nochmal auf mich wirken lassen.
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17.09.2013, 21:35
AW: lieben
Ja, mit Kontrollverlust assoziiere ich das auch nicht, ich weiß auch, dass ich da aussteigen kann, wenn ich das Gefühl habe, mich getäuscht zu haben o.ä., dann kühlt das auch schnell auf Null ab.
Das beschreibt ja ziemlich gut, dass du in solchen Fällen von Verlieben wahrscheinlich ein gewisses "ausgeliefert sein" empfindest, das du nicht haben willst weil es dich eben der Kontrolle beraubt. Ich kann das auf gewisse Weise auch verstehen.
Zitat von freie_Seele
Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)
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17.09.2013, 21:37
AW: lieben
also ich finde mittelmaß eig. ganz toll. wer kann sich denn schon an perfekt messen bzw. was wäre denn perfekt?
diese "schmetterlinge im bauch" sind ja ein ganz tolles gefühl, aber wie du selbst erlebt hast auch durchaus ein granz großes risiko, nämlich nicht mehr klar zu sehen wen man da wirklich vor sich hat. die dinge welche die schmetterlinge auslösen werden herausgenommen u. über alles andere gelegt. wenn die dann etwas abgeklungen sind, erkennen wir erst was da nebenbei noch so alles ist u. das ist nicht immer gutes.
@freie_seele: ich bin da glaub ich nicht so viel anders als du. ich kann mich zwar sehrwohl verlieben, schwärmen od. diese schmetterlinge spüren, aber es geht langsamer. ich kann es z.B. nicht nachvollziehen wenn menschen nach dem ersten treffen von großer liebe reden, nach z.B. ein od. zwei wochen von sich als paar reden od. nach 1 monat bereits verlobt sind (alles schon gesehen). gut gegangen ist davon selten was.
ich vertraue, aber nicht blind. ich glaube, aber nicht ohne hinzusehen. ich liebe, aber nicht um jeden preis, denn wenn mein gegenüber mich nicht liebt dann kann ich lieben soviel ich will, es wird nichts bringen.
im großen u. ganzen denke ich heute eine ganz gute menschenkenntnis zu haben. ich hatte diese wohl immer schon, der unterschied war früher aber dass ich mich eher selbst verkauft habe (um es brutal zu sagen), vielleicht weil ich dachte damit das zu bekommen was ich mir gewünscht habe. zuwendung, anerkennung, offenheit.... was auch immer. heute nehme ich mein bauchgefühl ernster. das schützt zwar nicht vor allem, aber es hilft einem nicht mit haut u. haaren einzutauchen wenn man bereits zu beginn spürt dass unter der oberfläche irgendetwas ist dass einem nicht behagt (denn wirklich kennen lernt man einen menschen nicht in ein paar tagem sondern u.U. erst nach jahren).
zurück zum thema: ja, liebe kann auch leise sein, langsam wachsen.... aber bei einem muß ich den anderen trotzdem zustimmen, es muß bereits zu beginn dieser funke da sein, dieses bauchgefühl dass einem sagt "ich kenn diesen mensch zwar noch nicht, aber irgendwas sagt mir dass er in meinem leben etwas ganz besonders sein kann"
Männer haben für jede Lösung ein Problem!
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17.09.2013, 21:47
AW: lieben
Ja. Ich kann sagen, seit ich mich gegen das laute, heftige Lieben entschieden habe und nur noch mit Männern zusammen bin, bei denen ich über längeren Zeitraum festgestellt habe, dass ich auf unaufgeregte Weise tiefe Zuneigung (und natürlich auch körperliche Attraktivität) für sie empfinde, bin ich nur noch an wirklich tolle Partner geraten, die loyal, verlässlich, bodenständig waren. Keine, die mich auf irgendeine Weise schlecht behandelt hätten, es waren alles sehr schöne Partnerschaften. Ohne dass ich mich gefühlt hätte, als würde ich von ihnen verschlungen.Vielleicht ist freie_Seele jemand, die sich solche Partner aussucht, die von anderen als "langweilig" empfunden werden, aber stattdessen eben nur sehr verlässlich und bodenständig und wahrscheinlich sehr gute Partner sind?
DAS trifft es, punto, und wenn man dann aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage ist, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen und Grenzen zu setzen, kann man mit der rosaroten Brille an wirklich bösartige, manipulative Menschen geraten."schmetterlinge im bauch" sind ja ein ganz tolles gefühl, aber wie du selbst erlebt hast auch durchaus ein granz großes risiko, nämlich nicht mehr klar zu sehen wen man da wirklich vor sich hat. die dinge welche die schmetterlinge auslösen werden herausgenommen u. über alles andere gelegt.
Danke dafür.ich vertraue, aber nicht blind. ich glaube, aber nicht ohne hinzusehen. ich liebe, aber nicht um jeden preis, denn wenn mein gegenüber mich nicht liebt dann kann ich lieben soviel ich will, es wird nichts bringen.
Ja. "Blind vertrauen" -nie wieder.
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17.09.2013, 22:15
AW: lieben
das risiko besteht natürlich, aber das sollte nicht im falschen sinne rüberkommen. du darfst dir sehrwohl jemanden aussuchen den du als toll empfindest, du solltest dabei aber bei dir bleiben u. deine grenzen beachten. toll kann dann auch jemand sein der einen nicht beim ersten anblick umwirft. er sollte aber zumindest nach dem ersten sehen die gewisse art von zauber hinterlassen, der ihn von anderen abhebt. danach kann man sich dann immer noch zeit lassen u. mit bedacht vorgehen, verliebt aber nicht verblendet, gerne begeistert aber nicht blindlinks
Männer haben für jede Lösung ein Problem!
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17.09.2013, 22:24
AW: lieben
Ja, das ist die Kunst und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die ganz großen Gefühle mich da eher fehlleiten, als mir helfen.du darfst dir sehrwohl jemanden aussuchen den du als toll empfindest, du solltest dabei aber bei dir bleiben u. deine grenzen beachten.
Ganz genau.toll kann dann auch jemand sein der einen nicht beim ersten anblick umwirft.
Ich möchte jemanden in Ruhe kennen lernen und dabei vielleicht auch lieben lernen, langsam, ruhig, und ich möchte ihn so sehen wie er wirklich ist, nicht durch den Schleier meiner heftigen Verliebtheitsgefühle hindurch. Letzteres jagt mir einfach Angst ein.
Um es klarzustellen: Menschen, die sich heftig und mit Haut und Haar verlieben und dann Beziehungen eingehen, möchte ich damit keineswegs kritisieren. Wenn es gelingt, finde ich das schön. Für mich ist es nichts.


), ich weiß aber, dass das eben daher kommt, dass "meins" so anders ist.
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