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Thema: lieben

  1. gesperrt

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    AW: lieben

    Zitat Zitat von freie_Seele Beitrag anzeigen
    ...
    Muss es knistern, braucht es Schmetterlinge und das Gefühl, ohne den anderen nicht sein zu können? Muss Liebe wenigstens zu Beginn aufgeregt und laut sein, ein Wirbel der Gefühle? Ist es nur dann richtig, wenn die Funken sprühen und man riesiges Verlangen danach hat, in der Nähe des andern zu sein?
    ...
    Für Dich anscheinend nicht ud das ist ok so.
    Es gibt keine DIN-ISO-Norm für Liebe.

    ... Braucht es den Zustand dieser Verliebtheit, nicht auf Dauer, aber zu Anfang, für richtige Liebe? ...
    Wenn Du diesen Zustand ncht brauchst, und Deine Partner ihn nicht brauch(t)en, damit ihr miteinander glücklich sein könnt, dann ist es doch egal, was andere brauchen oder zu brauchen meinen.

    ... Mich beschäftigt die Frage, weil ich immer wieder erfahre, dass ich eine ganz andere Art zu lieben lebe, mich manchmal frage ob das dann wohl überhaupt richtige Liebe ist. ...
    Warum beschäftigt Dich diese Frage?
    Stellst Du Dich in anderen Bereichen auch in Frage, wennn Du etwas anders machst oder etwas anderes meinst oder fühlst als "die Meisten"?
    Wenn ja, nur mal so als genereller Hinweis: woher willst Du eigentlich wissen, ob die Anderen die Wahrheit sagen?
    Woher willst Du wissen, ob die sich nciht vielleicht alle irren und permanent unglücklch machen?

    Spannend ist, dass Du nicht nur sagst, Du brauchst diese starken Emotionen ncht, sondern auch, dass Du sie fürchtest.
    Ich bin nicht der Meinung, dass Angst generell dazu da ist, überwunden zu werden.
    Angst zeigt uns auch einfach nur Grenzen auf, hinter denen etwas liegt, das uns nicht gut tut.

    Dennoch würde ich mir, wäre ich Du, genauer ansehen wollen, was genau ich da fürchte und woher das kommt.
    Hast Du schlechte Vorerfahrungen mit so intensiven Gefühlen - tun die Dir also unabhängig vom Auslöser dieser Gefühle nicht gut?
    Oder hast schlechte Vorerfahrungen mit der Art, wie ein oder mehrere Ex-Partner mit Deinen intensiven Gefühlen umgegangen sind?
    Fürchtest Du den Kontrollverlust, den so intensive Gefühle mit sich bringen können?
    Solche Fragen würde ich mir stellen.

    Aber auch da: man kann wissen, was man genau fürchtet und woher diese Furcht rührt, und muss dennoch nichts untenehmen, um diese Furcht zu überwinden.
    Man könnte es dann aber tun oder versuchen, wenn man es wollte.
    Und das macht einen Menschen m.E. frei:
    Nicht tun zu müssen, was er tun könnte.

    Cheers,

    KK

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    AW: lieben

    Hallo zusammen, viele interessante Antworten, die auf jeden Fall zum nachdenken anregen.

    Viele Sätze, die ich so oder so ähnlich auch schon von Freunden gehört habe. Dass das traurig ist, dass ich was verpasse. Sogar mit lauwarmem Spülwasser wird meine Art zu lieben verglichen (was ich nicht übel nehme! -Ist eine Meinung). Da taucht es eben immer wieder auf, auch hier: dass dieses "mit Haut und Haaren" lieben zum richtigen lieben dazugehört.

    In manchen Dingen wurde ich vielleicht etwas falsch verstanden oder habe mich missverständlich ausgedrückt:
    Du kannst mit jedem, bei dem Du dich nur wohl und geborgen fühlst, eine Beziehung haben. Ich muss den Mann auch noch sexuell attraktiv finden und mich obendrauf auch emotional noch verlieben können, das beschränkt die Auswahl auf maximal 2% der männlichen Bevölkerung.
    Wie ich schrieb, brauche ich natürlich auch die sexuelle Attraktivität und so kommt eben nicht jeder gute Freund in Frage, weil ich für die allermeisten meiner männlichen Freunde keinerlei sexuelle Anziehung verspüre.

    Meine "Auswahl" scheint größer zu sein, tatsächlich bin aber auch ich noch nicht so vielen Menschen begegnet mit denen ich mir eine Beziehung vorstellen konnte. Da muss ein tiefes, stilles Wohlgefühl da sein und viel Vertrauen, auch das braucht Zeit um zu wachsen, wohl viel mehr Zeit als man braucht um sich "Hals über Kopf" zu verlieben. "Verknallt" habe ich mich ja auch schon, ich kenne das Gefühl. Empfinde es als furchteinflößend und gefährlich, was für mich keine Voraussetzungen für eine mögliche Beziehungen sind.


    also süchtig macht es nicht.
    Hm, ich sehe das etwas anders, jedes heftige Wohlgefühl kann eine gewisse Sucht auslösen, alles was große Mengen an Glückshormonen ausschüttet ist potentiell ein Suchtmittel. Das ist in meinen Augen auch oft der Grund, warum manche Frauen und Männer sich aus offensichtlich schädlichen und unglücklichen Beziehungen nicht lösen, sich ausnutzen lassen. Manchmal ist es "nur" die Angst, dann allein zu sein; manchmal ist es aber irgendwie auch die Sucht nach dem intensiven Gefühl.
    Wie gesagt, meine Meinung, es gibt sicher andere dazu.

    Es gibt ein Volk, bei dem Verliebte zu einem Heiler gehen, weil das als Krankheit angesehen wird.
    Tatsächlich?
    Für mich ist es jedenfalls auch nichts Positives, nichts erstrebenswertes, es "passiert" mir manchmal mit einem Mann, der mir begegnet, aber ich gehe dem dann aus dem Weg...
    Aber für viele andere Menschen auf der Welt scheint es ja eines der schönsten Gefühle überhaupt zu sein. Ein euphorischer Zustand, den man genießen kann.


    Mir scheint, du hast Angst vor Lebendigem.
    Kommt drauf an wie intensiv du lebst und empfinden kannst. Ich bin die erste Variante. Pures Leben. Variante 2 klingt für mich fade. Leidenschaftslos.
    Lebendiges, pures Leben. Ist nur ein Bungeesprung pures Leben, oder kann das auch ein Waldspaziergang sein? Warum ist nur Extremes, Heftiges lebendig, in leisen Momenten kann doch auch so viel Leben stecken. Es schreit dann halt nicht "Hallo, hier bin ich!" Aber es ist doch trotzdem da und spürbar, nur sanfter.


    für mich - als jemanden, der gerade seine ganzganz große Liebe geheiratet hat - klingt das, was Du schreibst, sehr traurig. So, als würdest Du Dich vor lauter Angst, was Tolles zu verlieren, vorsichtshalber einfach mit "Mittelmaß" zufrieden geben.
    Aus deiner -frisch mit der großen Liebe verheirateten -Position kann ich es gut nachvollziehen, dass das auf dich traurig wirkt.
    Für mich sind meine Expartner kein "Mittelmaß" gewesen. Das waren Menschen, die mein Leben sehr bereichert haben, für die ich tiefe Zuneigung empfand und empfinde und die mir viel wertvoller waren, als die Männer, in die ich mich im klassischen Sinne "verliebt" habe.


    Cygnus, danke dir für die vielen tiefgehenden Gedanken dazu.
    Vielleicht bedarf es da mehr, sagen wir, "theoretischer" Übung.
    Theoretische Übung habe ich im Grunde schon, denke ich. Es passiert mir schon ab und an mit jemandem, dass diese Schmetterlinge auftauchen, ich ständig an denjenigen denken muss, mich intensiv angezogen fühle.
    Für mich ist das aber nichts, worauf ich eine Beziehung gründen möchte. "Aus der Ferne", sprich ohne mit demjenigen auf Beziehungskurs zu gehen, kann ich solche Gefühle eine Zeit lang gut aushalten. Sie vergehen ja auch wieder. Aber der Gedanke, mich mit solchen Gefühlen auf eine Beziehung einzulassen, kommt für mich einem Sprung in den Abgrund gleich.

    Ich kenne solche Begegnungen, wie du sie mit der Frau geschildert hast, auch. Die kann ich auch so sein lassen wie sie sind, diese Momente. Aber nur so lange es alles "theoretisch" bleibt und kein näheres Kennenlernen erfolgt.

    dabei käme ich mir zu ich-zentriert vor, zu unaufmerksam, zu unwissend, mit zu wenig wirklichem Zugang für ein Eins-Werden, zur Unio Mystica
    Bei dem Satz läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Eins werden, ineinander aufgehen, das ist für mich ein Horrorszenario. Ich persönlich würde es als ein "mich ausliefern" empfinden.


    Und ist es nicht leider auch schwieriger, sich mit dieser leisen Liebe zurückgewiesen zu wissen oder nicht bemerkt zu fühlen, während das bei der "lauten" viel normaler und letztlich bedeutungsloser erscheint?
    Die Gefahr der "leisen Liebe" ist natürlich schon, dass sie beim Gegenüber nicht ankommt, man nicht bemerkt wird.
    Es funktioniert ja auch nur dann, wenn es meinem Partner "genügt", was ich zu geben habe. Ich habe nie Schmetterlinge vorgetäuscht wo keine waren. Und der ein oder andere wollte in so einer Beziehung auch nicht sein -wo er kein Verliebtsein von mir aus spürte.

    die keine Besitzansprüche hegen und ihr Selbst nicht aus den Partnern heraussaugen
    Dieser Typ Mensch bin ich vermutlich am ehesten. Ich möchte kein Verschmelzen, kein voll und ganz Hingeben, kein füreinander geschaffen sein, da schrillen bei mir alle Alarmglocken.


    Hallo Kistenkumpel, so ganz genau weiß ich auch nicht, warum mich das kümmert, was andere darüber denken. Du hast schon Recht -wenn ich glücklich damit bin und meine jeweiligen Partner auch -müsste es mir herzlich egal sein, wie andere Menschen das finden.
    Vielleicht ist es das, was mir auch hier ja begegnet ist -die Reaktionen von außen, die fast schon mitleidig sind, die meine Art zu lieben als fad, langweilig, zweitklassig darstellen. Der Punkt ist nichtmal, dass ich mich dadurch gekränkt fühle, sondern der Punkt ist der, dass ich mir hin und wieder doch Gedanken mache, ob an dem was mir von außen rückgemeldet wird, nicht doch auch ein Körnchen Wahrheit drin steckt.


    Stellst Du Dich in anderen Bereichen auch in Frage, wennn Du etwas anders machst oder etwas anderes meinst oder fühlst als "die Meisten"?
    Nicht in allen Bereichen, aber ich gebe zu, in manchen Dingen möchte ich heute einfach normal sein, ganz dem entsprechend was alle machen, und dann in einem Punkt so aus der Reihe/Norm zu fallen, fällt mir schwer. Ich habe lange ein wirklich VÖLLIG weg von der Norm geführtes Leben gehabt, sodass es für mich heute einfach ein schönes Gefühl ist, Teil der Menge zu sein. Klingt für manche sicher spießig, aber wie gesagt, vom "Anderssein" habe ich im Grunde einfach genug für ein Leben gehabt.
    Deshalb fällt es mir vielleicht so schwer, mit meinen Vorstellungen von Liebe so aus der Reihe zu tanzen und das dann einfach souverän zu leben, egal was "die andern" tun.


    Wenn ja, nur mal so als genereller Hinweis: woher willst Du eigentlich wissen, ob die Anderen die Wahrheit sagen?
    Ich habe in meinem Leben ein paar Mal schmerzhaft die Erfahrung gemacht, dass die "breite Masse" doch die Wahrheit sagt, dass in manchen Punkten nichts schöner sein kann als Normalität.
    Ob das in diesem Punkt -"Liebe" -so ist, weiß ich nicht.


    Hast Du schlechte Vorerfahrungen mit so intensiven Gefühlen - tun die Dir also unabhängig vom Auslöser dieser Gefühle nicht gut?
    Oder hast schlechte Vorerfahrungen mit der Art, wie ein oder mehrere Ex-Partner mit Deinen intensiven Gefühlen umgegangen sind?
    Fürchtest Du den Kontrollverlust, den so intensive Gefühle mit sich bringen können?
    Das sind gute Fragen.
    Ja, mit so intensiven Gefühlen habe ich ganz schlechte Erfahrungen gemacht und ich empfinde es als Kontrollverlust und Auslieferung des eigenen Selbst. Nie wieder möchte ich mein Glück so abhängig von einem anderen Menschen machen.


    ____________

    Jetzt habe ich so viel geschrieben, das liegt daran, dass eure Antworten für mich in vielen Punkten sehr anregend waren. Danke fürs Lesen!

  3. Inaktiver User

    AW: lieben

    du hast panische angst, die kontrolle zu verlieren, freie_seele.

    so große angst, dass du dir intensive gefühle lieber verbietest.

    die eine frage ist, ob du jemanden findest, der das aushält.
    die andere, ob du am ende der meinung sein wirst, dass du dein leben gelebt hast.

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    AW: lieben

    Hallo ambiva.

    die eine frage ist, ob du jemanden findest, der das aushält.
    Ich bin schon Menschen begegnet, denen meine Art sie zu lieben genügt hat, ja es gibt definitiv auch solche, denen das nicht reicht und die auch so intensiv zurückgeliebt werden wollen, wie sie selbst verliebt sind, da passt es dann nicht. Aber so ist es schließlich immer, man muss Menschen begegnen, zu denen man passt.

    die andere, ob du am ende der meinung sein wirst, dass du dein leben gelebt hast.
    Ja.
    Die Frage, ob ich mir etwas verwehre, was ein Leben bereichern könnte.
    Es ist doch aber grundsätzlich nicht verkehrt, sich von etwas fern zu halten, was einem nicht gut tut? Ich muss ja nicht jeden Winkel des Lebens austesten und ausleben, um richtig zu leben, oder? Viele Leute sind begeisterte Operngänger, ich kann dem nichts abgewinnen. Einige Menschen finden Gefallen an Analverkehr, für mich ist das aber nichts. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich mir da etwas "wegnehme", was ich zu einem richtigen Leben bräuchte...

  5. Inaktiver User

    AW: lieben

    im prinzip gebe ich dir recht!

    wenn du jemanden findest, der mit deiner distanz und zurückhaltung leben kann, und wenn ihr beide dabei glücklich seid - wunderbar.

    aber warum beschäftigt dich das dann...?

  6. Inaktiver User

    AW: lieben

    Zitat Zitat von freie_Seele Beitrag anzeigen
    Da muss ein tiefes, stilles Wohlgefühl da sein und viel Vertrauen, auch das braucht Zeit um zu wachsen, wohl viel mehr Zeit als man braucht um sich "Hals über Kopf" zu verlieben.
    Ich seh das ganz anders... und ich würd auch nicht den Gegensatz aufmachen zwischen Großem Feuerwerk und stillem Wohlgefühl, für mich liegt der Unterschied ganz woanders.

    Wieso sollte denn dieses Wohlgefühl Zeit brauchen? Für mich ist das ein intuitives Erkennen, das ist sofort da - ganz unspektakulär. Setzt aber voraus, dass ich mich gut kenne und meinem Bauchgefühl vertrauen kann - und vor allem will.

    Ich frag mich eher immer, wie blockiert man sein muss um das nicht gleich zu erspüren? Für einen Gleichklang muss ich erst dann rationale Beweise sammeln und mir Zeit nehmen, wenn ich es nicht fühlen kann oder mir da in meinem Empfinden nicht traue.

    Leider wird denjenigen die da intuitiver unterwegs sind oft genau das unterstellt: ein Strohfeuer, das schnell wieder erlischt, großes Drama und nix dahinter.

    Ich erleb das nicht so, ich weiß aber wer ich bin und was ich brauche und kann Leute ganz gut einschätzen. Und es ist mir nie passiert dass jemand das nicht auch auf lange Sicht eingelöst hat, was ich schnell gespürt hab: dass da eine besondere Nähe ist und ein "Erkennen". Spektakulär muss das nicht sein - spontan schon.

  7. User Info Menu

    AW: lieben

    Liebe freie Seele,

    zuerst einmal: Mit "theoretisch" meinte ich, dass man solche starken Gefühle ohne einen konkreten Partner "kultiviert" - man könnte auch sagen: mit seinem Animus respektive seiner Anima. Ich würde diese Frau wahrscheinlich nicht wiedererkennen, es sei denn, an der selben Stelle mit dem selben Blick. Aber das Gefühl ist mir erstens vertraut und wurde zweitens mit dieser Begegnung einmal mehr konserviert (gebahnt, verstärkt).

    Zitat Zitat von freie_Seele Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von Cygnus Beitrag anzeigen
    dabei käme ich mir zu ich-zentriert vor, zu unaufmerksam, zu unwissend, mit zu wenig wirklichem Zugang für ein Eins-Werden, zur Unio Mystica - schwer zu beschreiben.
    Bei dem Satz läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Eins werden, ineinander aufgehen, das ist für mich ein Horrorszenario. Ich persönlich würde es als ein "mich ausliefern" empfinden.
    Da muss ich mich Ambiva anschließen. Aber genau damit bist Du heute "normal", wenn vielleicht auch noch nicht im Mainstream. Immer mehr Menschen empfinden Verschmelzen als Selbstaufgabe und Bedrohung.

    Ich kann Dir nur sagen, das wäre tatsächlich der Horror, wenn man es so (einfach) geschehen ließe. Für einen selbst oder für den Partner. Jemanden, der mir das so beschriebe, der mir diesen Eindruck vermittelte, würde ich als hochgeradig gefährdet bezeichnen, an falsche Partner zu geraten (bekommen wir hier ja ab und an auch zu lesen).

    Ja, Dich dann auch. Ich wage mal frech zu behaupten, dass Deine Gefühlswelt Dich also schützt und Deine Gedanken darüber quasi der erste Schritt zu einer Therapie sind (dem Sinne nach, nicht wirklich).

    Damit soll nicht gesagt sein, dass Du ein falsches Bild von "den Männern" hast - trotzdem aber ein leider unvollständiges Bild dessen, was in einer liebevollen Beziehung möglich ist. Mit einem großen Anteil Bewusstsein, also gemeinsam gestaltet, ist dieses Verschmelzen kein Ineinander Aufgehen - es entsteht etwas Neues, Mehr.

    Der erste Schritt ist eigentlich sogar, dass jeder den anderen in Sich aufnimmt, ihn in sich hinein lässt, ihn in seine Wirklichkeit, seine inneren Bilder integriert. Diese beiden Wirklichkeiten sind aber immer noch eigenständig und keinesfalls kongruent - aber sie beginnen, sich (hoffentlich) im Positiven zu beeinflussen.

    Gleichzeitig entsteht etwas, das ich als nichtreligiöser Mensch als Paar-Person (anstatt Eheperson) bezeichnen würde (de facto habe ich sogar ein informatisches Modell dafür). Deine eigene Persönlichkeit darf darin aber nicht untergehen - das wäre für den Partner nach heutigem Verständnis eine immense Belastung, solange er nicht irgendwie selbst gestört ist und das womöglich sogar erwartet. (Dann entstünde nicht nur nichts Neues, es ginge sogar etwas verloren.)

    Nein, Selbstauslieferung trifft es nicht - ich muss aktiv werden, damit der andere mich durchdringt, sonst stimmt etwas nicht - sonst ist es allenfalls Kompensation.

    Insgesamt ist das ein guter Grund, sich Gedanken darüber zu machen, wie unser Selbst entsteht, was es sein könnte. Ein noch besserer Grund, die romantische Liebe, die bisher den Frauen fast nur zum Nachteil gereichte, durch eine Art kognitive Liebe zu ersetzen und Romantik als wohltuende gemeinsame Inszenierung zu genießen, als Ars Vivendi und Ars Amandi, aber nicht als Basis einer bloß (und meist einseitig) verklärten Liebe...
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

    Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia

  8. gesperrt

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    AW: lieben

    Nicht in allen Bereichen, aber ich gebe zu, in manchen Dingen möchte ich heute einfach normal sein, ganz dem entsprechend was alle machen, und dann in einem Punkt so aus der Reihe/Norm zu fallen, fällt mir schwer.
    Falls Du es erzählen magst:
    Inwiefern warst Du denn mal so extrem anders als andere?
    Was war daran so schlimm?
    Hast Du Dich damals damit nicht wohl gefühlt?
    Wenn nicht, warum hast Du dann damals so gelebt?

    Und wie bemerken die Menschen in Deinem Umfeld eigentlich, dass Du sagenwirmal "so viel leiser" liebst als sie?

    Und was glaubst Du wohl, warum die sich berechtigt oder bemüssigt fühlen, so abfällig über Deine Beziehungen zu urteilen?
    (Ich finde die Kommentare sehr mies.)
    Kannst Du Dir vorstellen, dass diese harsche Abwehr auch daher rührt, dass Du "ihre Art zu lieben" in Frage stellst?
    Oder ihnen aufzeigst, dass "ihre Art zu lieben" vielleicht gar nicht so toll ist, wie sie immer behaupten?

    Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Normalität, Konformität hat natürlich unbestreitbare Vorteile.
    Das fängt schon damit an, dass jemand, der will, was alle wollen, sicher sein kann, dass dies auch relativ leicht zu haben sein wird. Das fängt mit Klamotten und Lebensmitteln an, geht über Kulturangebote, bis hin zu Verpaarungsschancen.

    Ich habe in meinem Leben ein paar Mal schmerzhaft die Erfahrung gemacht, dass die "breite Masse" doch die Wahrheit sagt, dass in manchen Punkten nichts schöner sein kann als Normalität.
    Ob das in diesem Punkt -"Liebe" -so ist, weiß ich nicht.
    Hier hast Du mich missverstanden.
    Ich wollte darauf hinweisen, dass viele Menschen sich m.E. insbesondere bezüglich ihrer Liebesbeziehungen etwas vormachen.
    Diese "Normal-Beziehungen" werden für weit ehrlich, näher, tiefer, leidenschaftlicher, schlicht besser und erstrebenswerter gehalten und auch dargestellt, als beispielsweise ich sie wahrnehme.

    Dabei ist es nicht wichtig, wie ich die wahrnehme.
    Ich würde so etwas auch niemals ungebeten äußern.
    Wichtig scheint mir: diese Leute behaupten oder glauben zwar, ihre Art Beziehungen zu führen wäre ganz toll, aber es gibt durchaus berechtigte andere Einschätzungen - meine beispielsweise

    Ja, mit so intensiven Gefühlen habe ich ganz schlechte Erfahrungen gemacht und ich empfinde es als Kontrollverlust und Auslieferung des eigenen Selbst.
    Resultierten die schlechten Erfahrungen denn mehr aus dem, was Dein(e) Partner aus diesem "Kontrollverlust und Auslieferung des eigenen Selbst", also "mit Dir" gemacht haben?
    Oder war das Gefühl selbst, was sie alles hätten machen können, das Beängstigende?

    Kannst Du Dir vorstellen, dass man einen Menschen mit Haut und Haaren heiss wie die Hölle lieben und begehren kann, aber dennoch in der Lage ist, diesem Menschen Grenzen zu setzen und "bei sich" zu bleiben?

    Nie wieder möchte ich mein Glück so abhängig von einem anderen Menschen machen.
    Genau das tust Du aber, wenn Du der "Normalität" Anderer eine so hohe Wertigkeit, so große Bedeutung beimisst.

    Du machst Dich von Anderen abhängig, die in diesem Zusammenhang eine ganz schlimme Eigenschaft haben:
    sie sind Dir gegenüber mehr oder weniger gleichgültig.

    Denen, den Normalen, den Menschen auf der Strasse, der Mehrheit geht es nämlich nicht wirlich um Dich. Wie auch? Die kenne Dich im Zweifelsfalle nicht einmal.
    Und denen willst Du erlauben, zu definieren, was gut für Dich und Deinen Partner ist?

    Klingt nicht wie eine gute Idee, oder?

    KK

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    AW: lieben

    Zitat Zitat von freie_Seele Beitrag anzeigen
    Aus deiner -frisch mit der großen Liebe verheirateten -Position kann ich es gut nachvollziehen, dass das auf dich traurig wirkt.
    Für mich sind meine Expartner kein "Mittelmaß" gewesen. Das waren Menschen, die mein Leben sehr bereichert haben, für die ich tiefe Zuneigung empfand und empfinde und die mir viel wertvoller waren, als die Männer, in die ich mich im klassischen Sinne "verliebt" habe.
    Ich denke, das ist normal - und kein Widerspruch. Geht mir auch so: Einige wenige der Männer, in die ich mich verliebt habe, haben sich als Charakterschweine herausgestellt - der Genannte, mit dem ich jahrelang zusammen war, ohne ihn wirklich leidenschaftlich zu lieben (ich war zu jung, um zu wissen, wie sich leidenschaftliche Liebe anfühlt), hingegen war und ist ein sehr "wertvoller" Mensch. Umso mehr freue ich mich für ihn, dass er nun von seiner Frau (vermutlich) so geliebt wird, wie ich es ihm wünsche.

    Sich verlieben bedeutet doch nicht automatisch, den Kopf für den Rest des Lebens vollständig auszuschalten. Wenn ich vor meiner jetzigen Beziehung für jemanden ein Kribbeln im Bauch und Verliebtheit gespürt habe und danach bei näherem Kennenlernen gemerkt habe, charakterlich entspricht dieser Mensch doch nicht so ganz meinen Vorstellungen, hab' ich's beendet. Sowas tötet bei mir eine aufkeimende Liebe aber auch recht nachhaltig.

    Also: Sich zu verlieben bedeutet meiner Erfahrung nach keinen kompletten Kontrollverlust. Genau so wenig führt der Weg nur mit Menschen zusammen sein zu wollen, in die man nicht verliebt ist, automatisch zu menschlich wertvolleren Partnern.

    Verlieben, Kontrollverlust und Charakter des Partners sind 3 von einander m.E. nicht so abhängige Variable, wie das hier dargestellt wird.

    Aber ich finde, so lange jeder zum anderen ehrlich ist ("Ich will und habe keine Verliebtheitsgefühle für dich - entscheide du, ob das für dich ausreicht."), gilt auch hier: Jeder nach seiner Fasson.
    Geändert von viv_1980 (17.09.2013 um 20:03 Uhr)

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    AW: lieben

    Zitat Zitat von Cygnus Beitrag anzeigen
    Mit einem großen Anteil Bewusstsein, also gemeinsam gestaltet, ist dieses Verschmelzen kein Ineinander Aufgehen - es entsteht etwas Neues, Mehr.


    Verschmelzen klingt sicher extrem und nach meiner Definition kann Nähe in verschiedenen Konstellationen entstehen. Im Zusammenleben so wie in einer ganz anderen Form.

    Es bedeutet für mich Nähe und Austausch und ich habe das z.B. mit einem Mann erlebt, der weder mein Partner noch treu im herkömmlichen Sinne war. Und ich gehe mit einiger Sicherheit davon aus, dass er das für sich umgedreht gar nicht so empfunden hat, das war mir aber auch gar nicht wichtig.

    Es kommt ja immer auf die beteiligten Personen an und darauf, was sie sich miteinander wünschen und zulassen wollen. Mit meinem Mann erlebe ich es anders und auch das hat seine Berechtigung.

    So etwas wie Schmetterlinge kenne ich aus dem Anfang dieser beiden Beziehungen und ich denke, das hatte auch mit Unsicherheiten und Ambivalenzen zu tun (z.B. "Bindungsängste", vereinfacht gesagt). Die Schmetterlinge sind aus meiner Sicht ein Zeichen dafür, dass diese Partnerschaften am Anfang durchaus mit Problemen begannen, dass also nicht klar war, ob das überhaupt etwas werden wird. Ich verbinde diese Schmetterlinge also nicht ausschließlich mit positiven Gefühlen, aber die gesamte Schmetterlingszeit ist für mich in guter Erinnerung, so wie richtig intensives Leben, einschließlich der negativen Gefühle.

    @freie_Seele: Wenn du dich zu Partnern hingezogen fühlst, die dir Sicherheit geben, ein "stilles Wohlgefühl" auslösen etc. so finde ich das doch ziemlich schön und keinen Grund, irgend etwas infrage zu stellen, zumal du dich dann ja auch in diesen Partnerschaften wohlfühlst. Du hast dann vielleicht einfach die Schmetterlinge übersprungen, indem du dir Partner gesucht hast, mit denen es keine Unsicherheiten gab. Es hat eben jeder andere Muster und Befindlichkeiten und warum sollte etwas falsch sein, was zum Ziel führt?
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

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