Antworten
Seite 10 von 10 ErsteErste ... 8910
Ergebnis 91 bis 94 von 94

Thema: lieben

  1. User Info Menu

    AW: lieben

    Zitat Zitat von freie_Seele Beitrag anzeigen
    Hallo Cygnus, jetzt verstehe ich, wie du das meinst. Und du siehst dies als Möglichkeit, mich diesen Gefühlen wieder zu öffnen, sie auf "ungefährlichem Terrain" zu üben?
    Hallo freie_Seele,

    der Einfachheit halber könnte ich jetzt sagen: "Na klar, so funktioniert im Prinzip jede Verhaltenstherapie. Kleine, ungefährliche (Lern-) Schritte bis hin zur großen Konfrontation. Zum Abschluss lässt Du Dir als dann ehemalige Arachnophobikerin lustig eine Vogelspinne über die Hand krabbeln..."

    Ok, das klingt nun leider nicht so sonderlich verführerisch und ja auch wieder so, als solltest Du etwas therapieren. Wir hatten doch gerade in allen möglichen Varianten festgestellt, dass Du genau das nicht musst... Also?!?

    Hmm... Wie dröseln wir das jetzt wieder auf? Lass' uns erst einmal einen kleinen Exkurs machen, ob wir überhaupt so ganz genau über das Selbe "Verlieben" nachdenken. Nimm Dir zur Unterhaltung am Wochenende auch mal folgende Videos vor: Zuerst Gerhard Roth mit seinem unnachahmlichen, verhaltenen Griemeln, wenn er mit an sich ernstem Gesicht gewisse Zusammenhänge erklärt - Der freie Wille - Über das Verlieben.

    Noch etwas besser kommt es in einem anderen, selbst transkribierten Interview mit ihm heraus, dessen Quelle mir leider verloren gegangen ist:
    [...] Verlieben beruht im Wesentlichen auf der Chemie des so genannten olfaktorischen Systems und der Pheromone. Verliebt sein ist ein Zustand physiologischer Erregtheit, emotionaler Stress, Fieberanfällen sehr ähnlich, und wird von ganz simplen Stoffen angeregt, z.B. von diesen so genannten Pheromonen im Achselschweiß. Wer sich in wen verlieben kann, ist zum überwiegenden Teil schon genetisch festgelegt. Das reicht dann zumeist für ein paar Monate, dann ist es vorbei...

    ...Sie verlieben sich also in eine Frau und finden sie unglaublich gut. Was sie sagt, ist eine Offenbarung. Ein anderer findet hingegen: Wie kann man solchem Geschwätz bloß zuhören? Verlieben macht wortwörtlich blind, macht taub. Die ganzen rationalen kognitiven Bewertungskriterien werden einfach ausgeblendet.

    Das Zweite ist, dass wir unbewusst über Gesicht, Mimik und Körperhaltung abschätzen, was jemand von uns will, und auch dem anderen unsere innere emotionale Verfassung so signalisieren.

    Das Dritte ist die Stimme. Unsere rechte Hirnhälfte ist spezialisiert darauf, aus dem Klang der Stimme herauszufinden, was der andere meint.

    Und das Vierte ist die Vorerfahrung, die völlig unbewusst mitwirkt, wenn man mit jemandem redet.

    Und über diese vier Sockel legt sich unsere scheinbar so rationale Sprache. [...]
    (Schon darüber könnten wir, Deine sehr spezielle Sozialisation im Focus, bestimmt lange diskutieren...)

    So vorbereitet (und bitte auch mit einem inneren Grinsen) nun zum Ernst des Lebens: Erklär mir Liebe; Viel Lärm um Nichts?

    Und was soll das jetzt? Also: Mir helfen solche Betrachtungen (und ihre vielen Verknüpfungen) einerseits dabei, nicht alles sooo ernst zu nehmen und andererseits doch wieder todernst: "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders."

    Aber auch "Und einer steht und staunt in diese Pracht. Und er ist so geartet, daß er wartet, ob er erwacht. Denn nur im Schlafe schaut man solchen Staat und solche Feste solcher Frauen: ihre kleinste Geste ist eine Falte, fallend in Brokat."

    (Du darfst selber herausfinden, von wem ich das geklaut habe...)

    Manchmal vergrößere ich dann die Ohrwatscheln mit den Händen und strecke der Gesellschaft (sorry: eben gerade deren "Normalität") die Zunge raus und denke und fühle: "Ihr könnt mich alle mal! - 'normal' geht gerade anders!"

    (Was die zweite Frage aufwirft: Reden wir eigentlich über dasselbe "Normal"? viv_1980 und NurZuGast haben sich da ja auch in der Wolle...)

    Mit Menschen, die über Intellekt und Selbstironie verfügen und mit dem gemeinsamen Impuls, sich verstehen und wohl zu wollen, wird es nun erst richtig spannend und auch lustig. Man kann sich wunderbarst kabbeln und sich hinterher wieder zart "in den Armen liegen" und sich dabei ausnahmsweise einmal aneinander erfreuen, dass man so richtig schön kompliziert ist. Denn eigentlich ist alles ganz einfach: Liebe. Jeweils die passende der vielen möglichen Lieben.
    _____

    Hier noch eine andere Betrachtung von Normalität, leider wissenschaftlich nicht so ganz exakt: Das Geheimnis der Liebe - Die Biologie von Sympathie und Verführung , aber andererseits doch mit einigen Informationen, die man wieder in Beziehung zu sich selbst (und zu dem vorherigen) setzen kann.

    Außerdem können die gespielten Szenen schon ein bisschen die Richtung einer "Konfrontationstherapie" weisen - vielleicht sogar neben der Furcht wieder Sehnsüchte erzeugen?

    Hier machen wir nun eine Denkpause - vielleicht interessierts ja doch nicht mehr so oder mein Zugang ist für Dich (und andere) so überhaupt nicht nachzuempfinden. Es ginge bei Interesse vielleicht weiter mit Stimmungen durch Landschaften, Plätze, Szenarien, Kunst, Literatur(-fragmente), Musik, andere sinnliche Momente - je nachdem, wo ich Beispiele gefunden habe - oder wir sie noch finden?
    _____

    Eines solcher Fragmente möchte ich aber auch Dir noch unterjubeln, mit dem ich Pianissimo schon auf den Keks gegangen bin, weil ich einen Kontrapunkt zu Ihren letzten Erlebnissen aufzeigen wollte, die sie ja oben kurz angerissen hat. Du allerdings müsstest Dich darin direkt zu Hause, ja, gewissermaßen gleich "angekommen" - und in der eventuellen Realität "angenommen" - fühlen:

    Die Nacht holt heimlich durch des Vorhangs Falten
    aus Deinem Haar vergeßnen Sonnenschein.
    Schau, ich will nichts, als Deine Hände halten
    und still und gut und voller Frieden sein.

    Da wächst die Seele mir, bis sie in Scherben
    den Alltag sprengt; sie wird so wunderweit:
    an ihren morgenroten Molen sterben
    die ersten Wellen der Unendlichkeit.

    Rainer Maria Rilke

    Wenn ich das lese, bin ich sofort in einem Haus über einem der norditalienischen Seen, die Berge am gegenüberliegenden Ufer noch in den letzten Sonnenstrahlen, dunkle Kastanienwälder, Wellenschlagen vom Seeufer her, leise Geräusche von der Uferstraße, das Rattern und der Pfiff eines späten Zuges auf der Seite gegenüber, auffrischender Wind nach dem schwülheißen Tag, heranziehende Wolken, in den Bergen widerhallendes, näher kommendes Donnergrollen, Wetterleuchten - endlich das zur Abkühlung ersehnte Gewitter...

    Der Vorhang, soviel kann ich verraten, hängt gegen die kleinen Tiefflieger draußen vom Dach herab, am Balkon vor dem Fenster, und mit den kühlenden Brisen und dem warmen Sommerregen spielte sich zwischen den zwei Strophen doch etwas ganz anderes ab...

    ...ein Glanzgenießen und ein Lichterblinden und ein Sich-Wiegen in den Sommerwinden, die in den Kleidern warmer Frauen sind. Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde rauschend in den Traum der Nacht.

    (Nun sollte es nicht mehr schwer sein, die Zitate zuzuordnen)
    Geändert von Cygnus (21.09.2013 um 00:31 Uhr) Grund: Typos
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

    Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia

  2. User Info Menu

    AW: lieben

    Zitat Zitat von freie_Seele Beitrag anzeigen
    Wenn da ein Mann wäre, der mich im Kern erschüttert, heftiges Knistern auslöst, flatternde Schmetterlinge im Bauch und weiche Knie...
    ...und ein anderer Mann, bei dem ich mich auf stille, unaufgeregte Weise wohl fühle, ohne jegliches Flattern im Magen...
    Ich würde mich immer für den zweiten entscheiden.
    Hmm.. Ich würde mich nur für eine Beziehung zu dem entscheiden, bei dem ich beide Beschreibungen empfinde (ausgenommen "weiche Knie", sowas gehört für mich irgendwie überhaupt nicht dazu). Nur ersteres allein heisst erstmal gar nichts weiter als pures Begehren (daraus muss sich keine Liebe entwickeln, das ist ein anderes paar Schuhe) - und nur zweiteres allein würde letztendlich bei mir auf eine platonische Freundschaft hinauslaufen, selbst wenn ich den Mann körperlich attraktiv fände.

  3. User Info Menu

    AW: lieben

    Zitat Zitat von freie_Seele Beitrag anzeigen
    Ich habe zu meinen Expartnern zu keinem Zeitpunkt des Kennenlernens oder der Beziehung so etwas wie Verliebtheit empfunden. Nie die Schmetterlinge, nie das Gefühl, den oder keinen, nie das Gefühl, ohne den anderen nicht leben zu können, eben nichts heftiges und lautes.
    Ohne bisher den Rest des threads gelesen zu haben: Vielleicht sind es gerade deshalb deine Exfreunde?

  4. User Info Menu

    AW: lieben

    man unterscheidet im wesentlichen zwischen zwei arten der geschlechtlichen liebe, hier im forum wird nur die feurige, leidenschaftliche, derzeit im westen praktizierte form für wahr gehalten.

    ihr entgegen steht die seit jahrtausenden gelebte, sehr warme glut der oft als agape beschriebenen gemeinschaft, der aus tiefer freundschaft, geborgenheit und sicherheit erwachsenen liebesnähe.

    beide arten beschreiben volle hinwendung, jede hütet einen besonderen schatz, und jede vermisst etwas.
    lg
    legrain

Antworten
Seite 10 von 10 ErsteErste ... 8910

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •