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    Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Hallo,

    kennt ihr das auch? Heute hat mich jemand an eine berufliche Tätigkeit erinnert, in die ich ganz viel Herzblut gesteckt hatte und für die nichts Entsprechendes zurückkam. Ich habe diesen Job deshalb geschmissen. Etwa 2 Jahre lang hatte ich nur darüber nachgedacht. Erst als Krankheit und andere Stressoren hinzukamen, schmiss ich die Brocken schließlich entnervt hin.

    Das ist jetzt beinahe schon 1/2 Jahr her. Da ich immer noch Kontakt zu damaligen Akteuren habe, bekomme ich auch mit, was da nach meinem Ausscheiden so vor sich ging und auch aktuell vor sich geht. Mein direkter Nachfolger hat nun offenbar alles hingeworfen. Da er ein Externer war, kommt man noch nicht mal mehr an ihn heran. Mails beantwortet er nicht, Anrufe führen ins Leere. Heute erzählte mir ein Kontakt, wie entrüstet man über sein Verhalten sei. Und ich merkte, wie die Wut in mir hochstieg. Nicht gegen den Kontakt, sondern gegen die Blödheit der Verantwortlichen, unter der ich ja selbst deutlich länger gelitten hatte. Dummerweise habe ich mir dann mitten im Zug entsprechend Luft gemacht. Ich weiß, dass das nicht klug war. Man weiß ja nie, wer so alles zuhört, aber ich konnte in dem Moment nicht mehr. Da war diese angestaute Wut, denn als ich damals in diesem Job war, war ich Feuer und Flamme für die Sache. Aber es folgte daraufhin nicht die Entlohnung, die ich mir eben auch erhofft hatte. Ich wollte eine echte berufliche Perspektive auf Basis dieser Arbeit haben. Und nun ist offenbar mein direkter Nachfolger in dieselbe "Falle" getappt. Ich weiß von ihm, dass er sich Hoffnungen auf eine Festanstellung in diesem Betrieb gemacht hatte, und ich war von Anfang an davon überzeugt, dass das nicht klappen würde. Erstens weil die diese Arbeit für lau bekommen wollen, zweitens weil ich nicht glaube, dass sein Alter zu einer Festanstellung einlädt. Und irgendwie habe ich mich heute innerlich mit diesem Mann solidarisiert. Zugleich ist wieder diese Wut über die Gegebenheiten in diesem Bereich in mir aufgestiegen.

    Was mich aber am meisten ärgert, ist, dass ich diese Wut überhaupt noch spüre und sie dann auch noch öffentlich kund getan habe. Ich wäre wirklich gerne ein vom Zen-Buddhismus beseelter Weiser, der die Dinge kommen und gehen sieht und lächelt. Gelingt mir hier nicht.

    Ich meine, wie sieht das bei euch aus? Seid ihr mehrheitlich in so ruhigen Fahrwassern und so gut situiert, dass ihr sowas nur als Beobachter mitbekommt und euch wundert? Oder seid ihr durchaus auch am kämpfen, habt aber eine Strategie, eure Wut zu kanalisieren? Ich bin da heute kläglich gescheitert und hatte gar nicht damit gerechnet. Ich habe längst andere Aufgaben und die damaligen Brücken faktisch hinter mir abgebrochen. Und doch war da heute schlagartig wieder dieses heftige Gefühl, das mich an sich schon wieder geärgert hat.
    Geändert von Malory (11.09.2013 um 18:56 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Malory,
    unter der Wut ist meist ein anderes Gefühl verdeckt. Es kann nur für den Bruchteil einer Sekunde auftauchen und dann schießt die Wut hoch und deckelt.

    Welches Grundgefühl liegt unter Deiner Wut?

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    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Hallo Stecher36,
    gute Frage. Mich ärgert, dass so viel Stuss passiert, mit dem keinem gedient ist. Aber das ist wahrscheinlich eher eine Umschreibung als das darunterliegende Gefühl.

  4. Inaktiver User

    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Für mich liest sich das so, als hättest du die Kränkung noch nicht überwunden, dass sie deinen Einsatz nicht anerkannt haben. Der Nachfolger hat schneller als du die Konsequenzen gezogen. Vielleicht ist da auch Wut auf dich selbst, dass du das so lange hast mir dir machen lassen?

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    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Nein, eigentlich nicht. Der Mann hat sich freiwillig in die Erwerbslosigkeit geschossen - soweit man das sagen kann, denn es weiß ja niemand, was der jetzt macht. Ich habe wieder einen Job, bin also nahtlos in etwas anderes übergegangen.

    Aber die Kränkung sitzt schon tief. Es handelt sich um einen im weiteren Sinne sozialen Job, in dem praktisch alles vom Engagement der Individuen abhängt. Ich rannte von Pontius zu Pilatus, setzte unglaublich viel in Bewegung, arbeitete von zu Hause aus manchmal bis spät in die Nacht. Die direkte Klientel, auf die sich diese Arbeit bezog, schätzte das sehr. Der Arbeitgeber rechnete hingegen nach Stunden ab und nahm gar nicht zur Kenntnis, was ich da bewegte. Einzelne Entscheidungsträger kannten mich noch nicht mal beim Namen. Als ich dann ging, standen sie zunächst 2 Monate ohne Ersatz da und nahmen dann, weil sie unter Zeitdruck standen, binnen ganz kurzer Zeit praktisch den Nächstbesten, der nicht bei 3 auf den Bäumen war. Das weiß ich, weil der Mann mich damals anrief. Mein ehemaliger Arbeitgeber hatte meine Telefonnummer an ihn weitergegeben.

    Allgemein habe ich da ne Menge Blessuren davon getragen. Inhaltlich war es quasi mein Traumjob. Formal war es ein Albtraum. Und diese Kombination hat mir zu Denken gegen. Ich war fix und fertig, als ich dort aufhöre, weil es ein Kampf gegen Windmühlenräder war. Und ich habe das Gefühl, dass in dem Bereich eigentlich nur phlegmatische Naturen gut durchhalten; also Leute, die einfach ihren Job machen. Allerdings setzen die sich dann eben auch nicht ein, wenn es wirklich was zu tun gibt. Und es gibt da was zu tun. Die Führungsriege würde ich komplett feuern.

    Aber dass dieser ganze Käse jetzt noch so stark in mir brodelt, ist mir erst heute bewusst geworden. Und ich wills nicht haben. Ich kann eigentlich froh sein, dass es vorbei ist.

  6. gesperrt

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    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Kenne ich.
    Ich schätze mal, Du fühlst Krankung wegen des Mangels an Anerkennung, Respekt, Wertschätzung und weil Andere das, was Du für so wichtig hälst, offenbar nicht für so wichtig halten.
    Womit ich nichts über die Wichtigkeit der Sache aussagen will - ich weiss ja nicht mal, worum es geht.

    Ich sage bloß:
    Manche Menschen reagieren emotinal ganz seltsam darauf, wenn Andere "es wagen", Dinge anders zu beurteilen als sie selbst.

    Was ich nun gar nicht verstehe, ist, wieso Du Dir selbst die Wut verbieten möchtest.
    Ich vermute, die muss raus, bevor Du an das herankommst, was darunter liegt.

    Über Deinen freien Nachfolger mach Dir mal keinen Kopp.
    Der wird mit seinem Weggang die richtige Entscheidung gefällt haben - selbst wenn der Gang einer in die in die Auftragslosigkeit war.
    Ich habe das auch schon mal gemacht, und es war einfach nur richtig.
    Unter anderen dafür ist mensch schliesslich selbständig.

    Cheers,

    KK

  7. gesperrt

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    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Zitat Zitat von Malory Beitrag anzeigen
    Und ich wills nicht haben. Ich kann eigentlich froh sein, dass es vorbei ist.

    Unterdrücken würde ich es auch nicht, eher rauslassen.

    Mach dem Ärger Luft und hau ein Kissen, schimpf und reinige dich, bau ein Baumhaus oder sortier ein Waldstück, schreib ein flammendes Manifest wie man einen solchen Laden gefälligst richtig zu führen hat (das ist später mal ganz lustig, wenn man so was liest).

    Vermeidlich konstruktiv: gründe den Konkurrenzverein und mach sie platt.

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    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Zitat Zitat von Malory Beitrag anzeigen
    Ich meine, wie sieht das bei euch aus? Seid ihr mehrheitlich in so ruhigen Fahrwassern und so gut situiert, dass ihr sowas nur als Beobachter mitbekommt und euch wundert?
    Vieles sehe ich mir sachlich ruhig an, berührt mich null - und in anderen Fällen war ich damals fast so weit, meinem Ex-Vorgesetzten einen Locher an den Kopf zu werfen. Ärgerlicherweise habe ich gegenüber diesem besagten teilweise nicht geschafft, meine Stimme in normaler Dezibelzahl zu halten. Geschweige denn, während einer konträren Position Kraftausdrücke zu unterlassen. Auweia. Könnte ich mir im Nachhinein für an den Kopf fassen. Obwohl.. wenn ich so drüber nachdenke.. vielleicht hätte ichs tun sollen - das mit dem Locher, meine ich.


    Oder seid ihr durchaus auch am kämpfen, habt aber eine Strategie, eure Wut zu kanalisieren?
    30 Minuten dünn bekleidet spazieren gehen, nicht daran denken und bei der Rückkehr nochmal von vorn anfangen, darüber nachzudenken.

    Kanalisieren führt bei mir zu einem Druckdampftopf, dessen Ventil aufplatzt. Bringt also nichts. Lieber möglichst viel Raum freimachen, damit die Luft möglichst vorteilhaft entweichen kann.

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    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Ach, P.S.: Unter meiner Beschreibung stellt sich die ein oder andere vielleicht ein Handwerksbüro vor, wo alles ganz robust zugeht, Jeans und Cargoröcke getragen werden und die Leute sich alle beim Vornamen nennen. Dazu bemerke ich: Nein. Diese Situationen (oder soll ich sagen "Entgleisungen") fanden stets in lichtdurchfluteten, hochmodernen Büroräumen im Obergeschoss, in Schlips und Kragen, Etuikleid und in Bezug auf große € Summen statt. Das nur so nebenbei.

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    AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen

    Zitat Zitat von _Farmelli Beitrag anzeigen
    (...) schreib ein flammendes Manifest wie man einen solchen Laden gefälligst richtig zu führen hat (das ist später mal ganz lustig, wenn man so was liest).
    Und wenn du es schaffst, dich verbal immer auf dem Schwebebalken auszudrücken, schreibst du es am besten gleich hier rein.

    Macht Luft, bringt Spaß und nach relativ kurzer Zeit finden sich plötzlich diverse Kommentare von Pseudo-Angestellten, die natürlich alles ganz toll finden. Ein Händchen dafür ist allerdings erforderlich. Was unter die Gürtellinie geht oder unsachgemäß kritisiert wird, wird gelöscht.

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