Hallo Malory,
fühlst Du dich in Deinem jetzigen Job viel wohler?
Ich habe verstanden, dass Du wegen Deines damaligen Ausnutzer-Jobs richtig wütend bist.
Was ist da vor sich gegangen?Dummerweise habe ich mir dann mitten im Zug entsprechend Luft gemacht. Ich weiß, dass das nicht klug war. Man weiß ja nie, wer so alles zuhört, aber ich konnte in dem Moment nicht mehr.
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 24
-
12.09.2013, 00:33
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
FG von Helga
„Nehmen sie die Menschen wie sie sind, denn andere gibt es nicht“
Konrad Adenauer
-
12.09.2013, 07:35Inaktiver User
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
Ich möchte mich stecher anschließen- hinter Wut stecken oft andere Gefühle.
Das "Geheimnis" dabei ist, daß man diesen Gefühlen aus dem Weg gehen will-- denn sie fühlen sich nicht gut an......und Wut kann man besser fühlen und ertragen als zB Traurigkeit.
Wirklich sehr oft- steht hinter Wut eine ganz große Traurigkeit und wer einmal seine Wut so richtig loslassen konnte wird am Ende dieses Prozesses Tränen vergießen und das auch spüren können.
Du sprichst von sehr viel Einsatz über das, was dann keine "Ernte" brachte.
Reduziert und befreit von dem Aspekt, daß man ja auf der ARbeit ist, geht es doch letztlich um ganz einfache Dinge.
Es geht um Anerkennung, es geht um Gesehen werden; um Achtung und Wertschätzung.
Jemand hat viel von sich gegeben und erwartet mit diesem Einsatz auch Lob und Anerkennung.
Letztlich hat es- wie doch so oft im Leben- mit dem Gefühl von "ich werde geliebt und angenommen" zu tun und erst recht nachdem man soviel "dafür getan hat".
Das mag nun- in Bezug auf die Arbeit- absolut übertrieben wirken.
Fakt ist aber, daß unserer Seele reichlich egal ist, auf welchem Schauplatz wir unser Leben leben.
Und so ist der Wunsch nach Anerkennung im privaten Bereich nicht geringer als im Beruflichen-- wir können das zwar trennen, aber dazu gehört entweder eine gute innere Stabilität oder die ganz bewusste Abgrenzung.
Unter diesem Aspekt- und das der Mensch ungerne Trauer spürt (man das ja auch als "unangemessenes Gefühl" interpretieren würde, da es ja nur um die Arbeit geht)- rutscht man in die Wut.....denn während man in der Trauer auch nur noch traurig ist- vermittelt Wut immer noch das Gefühl von "agieren können" und sei es nur durch Motzen, Schreien oder sonstigem. Man fühlt sich nicht ganz so ausgeliefert.
Insofern-wenn Du Dir die tiefe Enttäuschung Deiner Situation mal genau vornimmst und darüber genug offene Tränen geweint hast...und so ein Bedürfnis fände ich mal vollkommen verständlich- wird sicherlich auch die Wut weniger werden.
Ich glaube, daß sehr viele Menschen mit ihrer Leidenschaft im Beruf auch sehr viel von sich geben und dabei sehr gefährlich leben-- denn man gibt damit SEHR viel von sich und kann dadurch auch sher verletzt werden.
kenzia
-
12.09.2013, 07:52
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
ich denke, Du beschreibst da etwas, was im sozialen Bereich ziemlich typisch ist.Aber die Kränkung sitzt schon tief. Es handelt sich um einen im weiteren Sinne sozialen Job, in dem praktisch alles vom Engagement der Individuen abhängt. Ich rannte von Pontius zu Pilatus, setzte unglaublich viel in Bewegung, arbeitete von zu Hause aus manchmal bis spät in die Nacht. Die direkte Klientel, auf die sich diese Arbeit bezog, schätzte das sehr. Der Arbeitgeber rechnete hingegen nach Stunden ab und nahm gar nicht zur Kenntnis, was ich da bewegte.
Klienten fordern ein hohes Maß an Einsatz und Energie. Du hast da genau drin gesteckt und warst davon überzeugt, dass es dem Menschen wirklich hilft. Deine Vorgesetzten sahen das nicht, weil sie wissen, dass die Welt nicht zusammenbricht, wenn Arbeitsfelder wegbrechen.
Im Nachhinein solltest Du Dich fragen, ob einer Deiner Klienten vor die Hunde gegangen ist, weil Du die Arbeit aufgegeben hast - oder einer von denen Dich vermisst.
Dein Nachfolger muss Dir nicht leid tun, er hat viel schneller erkannt, dass er in der Arbeit keinen Blumenpott gewinnen kann und schon gar nicht bereit war, solch einen Aufwand zu betreiben wie Du.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
-
12.09.2013, 09:48Inaktiver User
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
o.k. du hast viel gegeben, sich viel angagiert, hast deine Arbeit gut gemacht.
Leider schreibst du kam nichts zurück, keine Anerkennung.
Ich frage mich was hast du erwartet?
Mehr Lohn
Jeden Tag Lob und Bewunderung für deinen Einsatz
oder ????
Wenn man sich für einen Beruf im sozialen Bereich entscheidet, könnte man doch ahnen, dass es nie so viel Annerkennung zurückkommt wie man vielleicht denkt.
Es ist in jeder Arbeit so. Ich bin angestellt und bekomme mein Lohn für den ich arbeite, aber ständig Anerkennung zu erwarten bringt nichts, wer soll denn bitte schön ständig die Mitarbeiter loben, und ihnen ständig mehr Lohn geben. Es hätte doch kein Ende. Stelle dir doch vor du bist der Chef, würdest du immer wieder deine Mitarbeiter loben das sie die Arbeit gut machen, für die sie angestellt sind.
-
12.09.2013, 09:59
-
12.09.2013, 10:08Inaktiver User
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
-
12.09.2013, 17:25
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
Huch! Hier war ja seit gestern ganz schön viel los! Vielen Dank für eure Rückmeldungen.

Nein, um ein tägliches Danke oder dergleichen ging es nicht. Es ging darum, dass der Job eine Infrastruktur auf ganz grundlegender Ebene voraussetzte und X Hinweise meinerseits im Sinne von "Wenn X nicht ist, kann ich Y nicht machen" nichts brachten, ich vielmehr ständig kompensieren musste, dass Material oder Arbeitskraft nicht zur Verfügung stand, obwohl rein faktisch gesehen der Bedarf da war und die Institution diesen Bedarf formal für ihre Klientel stellen sollte. Und ja, der Job war obendrein mies bezahlt. Auch das hat mir gestunken. Noch schlimmer, er brachte keine Perspektive. Inhaltlich war es zu 100 % meins. Da konnte ich mich voll austoben, all mein Können fruchtbar einsetzen. Eigentlich die Idealsituation. Das, was ich haben wollte, als ich meinen Beruf mal lernte. Formal, also von den Rahmenbedingungen aus gesehen (materiell, Zuarbeiten) war es aber eine Katastrophe.
Ich hatte ganz bewusst von einem im weiteren Sinne sozialem Job gesprochen. Es war also kein Burnout-Klassiker-Bereich wie Alten- oder Krankenpflege, Kinderhort oder Caritas. Mehr möchte ich der Anonymität halber nicht schreiben. Aber es war schon so, dass von dem, was ich da tat, jährlich mehrere 100 Leute abhingen und meines Wissens mehrheitlich was von meiner Arbeit hatten. Ich trug da Verantwortung, schuf sehr viel selbst und kam, wie gesagt, mit der Klientel selbst sehr gut klar. Die Bedingungen für diese Arbeit, von denen die Klientel nichts mitbekam, weil längst alle Schritte eingestielt waren, wenn sie ins Spiel kam, waren aber extrem ätzend, und sie wurden leider immer ätzender. Und dann fing ich letzten Herbst an, in Serie krank zu werden. Es hörte praktisch bis Anfang diesen Jahres nicht auf. Ich kroch förmlich zur Arbeit und wollte einfach nur weiter funktionieren. Weil mir die Sache doch eigentlich so liegt, weil ich sie gerne mache. Aber diese Zeit, in der dann eben immer noch keine Unterstützung kam, sondern ich vielmehr noch einen ins Kreuz gehauen bekam, hat dann eines Tages dazu geführt, dass ich sagte: "So, das geht nicht mehr. Die Inhalte machen nicht wett, dass es mir hier so s****** geht und die mich wie Dreck behandeln." Und dann habe ich beruflich einen anderen Weg eingeschlagen.
Tatsächlich ist es ein anderer Weg. Ich habe jetzt so viel 'Basisarbeit' gemacht und konnte nie wirklich in Ruhe und ohne Existenzängste (habe sehr tolle Rentenbescheide, die mich wirklich unheimlich aufbauen
) einfach nur meine Arbeit machen. Und darum bin ich jetzt praktisch komplett ins Management gewechselt. Zwar immer noch auf kleiner Flamme, aber als reiner 'Schreibtischtäter' ohne direkte Verantwortung für das, was ich mache, und ohne echte Inhalte, die direkt was bewirken, habe ich jetzt plötzlich mehr Ruhe und deutlich mehr Respekt von außen. Mein letzter Job war inhaltlich viel wertiger. Mein jetziger ist aber einer, den die Leute anerkennen. Telefonate, die ich führe, bewirken nun, dass andere was tun. Verrückte Welt. Dort, wo es am nötigsten ist, passiert nichts, und an anderer Stelle passiert etwas, ohne dass es jetzt sofort oder morgen oder übermorgen unbedingt sein müsste.
Aber ... Ihr hört es wahrscheinlich schon raus. Der neue Job ist für mich eher blutleer. Ich mache ihn, weil ich mir nicht noch einmal die Finger an der Praxis verbrennen will und weil ich mir nicht sinnlos den Mund fusselig reden will. In Wahrheit will ich aber eigentlich was bewirken. Ich würde am liebsten in meinen alten Job zurück. Allerdings zu vernünftigen Bedingungen. Eben auch für mich. Mit vernünftigem Material vor Ort, vernünftigen Geräten, vernünftigem Gehalt und vernünftiger Perspektive. Aber so etwas scheint es in diesem Bereich nicht zu geben. Dort gibt es überall Dumpingverhältnisse.
Um nicht sinnlos vor mich hin zu dümpeln, habe ich jetzt eine Weiterbildung begonnen. Einfach, um in meinem jetzigen Job, der mir keine echten Herausforderungen stellt, besser klarzukommen und auf längere Sicht wirklich was Besseres finden zu können. Ich brauche halt echt neue Perspektiven.
Gestern, von relativ viel Tristesse im Job heimkehrend, treffe ich halt jemanden aus meinem alten Umfeld, der mir erzählt, was da zuletzt vorgefallen ist. Und da höre ich plötzlich, dass das alte Umfeld sich über meinen Nachfolger empört. Und ich denke mir: "Ihr Schweine! Ihr elenden Nichtsnutze!" Ich habe mich zwar gewählter ausgedrückt, aber schon sehr deutlich gemacht, dass der Fehler beim Arbeitgeber liegt, nicht bei meinem Nachfolger.
Und da war die ganze geballte Wut über so viel Beharrlichkeit in puncto Begriffsstutzigkeit wieder da. Also praktisch die Situation, in der ich vor 1/2 Jahr "Schluss, Schluss, Schluss!" sagte. Aber wie heftig! Ich dachte, ich hätte es schon weitgehend überwunden gehabt. Pustekuchen. Gestern kam da der geballte Frust wieder hoch. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn ich in meinem jetzigen Job glücklicher wäre, aber ich will auch nicht ständig hin und her springen.
Es heißt doch immer, dass jeder sich seinen Talenten gemäß was suchen solle. Hab ich gemacht. Es hat mir nicht gut getan. Da waren so viele ätzende Begleiterscheinungen, dass mir die eigentlich sinnvolle, Spaß machende Arbeit zuletzt komplett verleidet war. Und jetzt weiß ich nicht, worauf es stattdessen sinnvollerweise hinauslaufen kann. Ich will mich nicht komplett von der Materie verabschieden. Andererseits aber auch nie wieder meine Nase so tief in die Basisarbeit stecken, dass es weh tut. Diesen Konflikt kann ich momentan nicht lösen. Vielleicht ist es das, was in erster Linie hinter meiner Wut steckt. Dass ich was gefunden habe, was ich wirklich aus tiefstem Herzen gerne mache und dass ich nicht sehe, wie ich damit auf die Dauer gesund bleiben kann.Geändert von Malory (12.09.2013 um 17:30 Uhr)
-
12.09.2013, 18:31
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
Damit hast Du schon einmal einen wichtigen Schritt in Richtung:
getan.... Vielleicht ist es das, was in erster Linie hinter meiner Wut steckt. Dass ich was gefunden habe, was ich wirklich aus tiefstem Herzen gerne mache und dass ich nicht sehe, wie ich damit auf die Dauer gesund bleiben kann.
Glückwunsch dazu.
Ansonsten bleibe ich bei einem ersten Rat:
Lass die Wut raus und ergründe, was darunter liegt.
Ich schätze, es ist Kränkung.
Einerseits einen sachlich vermutlich Gerechtfertigte,
andererseits eine eher Eitle ("Die haben alle keine Ahnung, ich aber, und mich bremsen sie aus.").
Eitelkeit ist nichts Böses sie ist menschlich, aber es ist gut, mit der eigenen Eitelkeit so umgehen zu lernen, dass sie einen nicht "frisst".
Cheers,
KK
-
12.09.2013, 19:11
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
Ich schätze, hinter der Wut liegt Trauer. Du hast etwas sehr wertvolles verloren, du bist an den Umständen gescheitert. Du musstest etwas aufgeben, was du geliebt hast.
Klingt jetzt blöd, ist aber ein bisschen so wie den geliebten Partner durch äußere Umstände (er brennt mit der Sekretärin durch) zu verlieren.
Und eine der Trauerphasen besteht eben aus Wut. Nimm sie an und, wie Kistenkumpel schon sagte, lass sie raus. Schau dir auch deine Trauer an und leb sie aus.
Ich wünsche dir viel Kraft und dass du wieder eine berufliche Erfüllung findest!
-
12.09.2013, 19:33Inaktiver User
AW: Ich würde so gerne meine Wut beherrschen
Dich abgrenzen. Es ist nur ein Job.
"Ich war Feuer und Flamme."
Nicht auf Sand bauen.
"Aber es folgte daraufhin nicht die Entlohnung, die ich mir erhofft hatte."
Schauen was real ist und nix erträumen.
"Ich wollte eine echte berufliche Perspektive auf Basis dieser Arbeit haben."
Kontakte abbrechen. Wenn du zufällig jemanden triffst, der dir davon erzählt - weggrinsen,
Dich bestätigt fühlen und Thema umlenken. Das ist vorbei.
Und jetzt: Restwut anschauen und rauslassen.


Zitieren

