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    Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Hallo zusammen!

    Ich arbeite seit nun fast einem Jahr in einem mittelständischen Unternehmen. Mittlerweile habe ich gewisse "Strukturen" entdeckt, z.B. ist unser Abteilungsleiter viel mehr "Chef" als der Chef des Unternehmens; des Weiteren habe ich viele Kolleginnen, die ganz lieb und nett sind, darunter aber zwei, die den Ton angeben, obwohl alle gleichgestellt sind.

    Welche Mechanismen greifen da? Warum gibt es Menschen, die sagen, was sie wollen - und das dann auch bekommen, bzw. sogar mit der Unterstützung von anderen - die also den Ton angeben?

    Oft sind die Menschen, die kleine Rudelführer sind, auch solche die gut und lange reden können. Sich anpassen können. Genau wissen, mit wem sie sich gut zu stellen haben und bei wem das egal ist. Ab und an mal einen deftigen Seitenhieb austeilen. Trotzdem stellen sie sich mit allen gut, sagen dabei aber indirekt und ganz freundlich wie blöd sie manche Kollegen finden.

    Ich habe die Grundtendenz, erst mal zu allen freundlich zu sein. Freundlichkeit impliziert für mich auch (leider), den anderen -erst einmal- wichtiger zu nehmen, als mich selbst.
    Oft traue ich mich gar nicht zu sagen, was ich denke, denn: das bin ja nur ich. - Das ist übrigens nicht nur im Job so, sondern auch in freundschaftlichen oder bei familiären Angelegenheiten; ich sag oft lieber gar nichts, als was falsches. Langes Reden ist nicht so meins und ich dräng mich auch nur ungern in den Vordergrund.
    Mittlerweile sehe ich aber, dass in der Abteilung die Leute, die Vorschläge machen und dafür "bejubelt" werden, auch Fehler machen. - Sie schaffen es aber, diese gut zu kaschieren.

    Wahrscheinlich wegen meiner eigenen "Unfähigkeit" faszinieren mich solche Menschen. Ich würde mich gerne über diese "Machtmenschen" (wie gesagt, das müssen nicht unbedingt die Chefs sein) unterhalten und die großen Fragen aufstellen:

    Wie man zu so einem wird (Kindheit, Erziehung, Enttäuschungen(?))

    Welche Eigenschaften solche Menschen haben (Reicht es z.B. einfach nur zu tun, was man denkt/will, so lange einem sich keiner in den Weg stellt?)

    Warum ist das für manche Menschen überhaupt so wichtig Macht auszuüben???

    Über Literaturtips würd ich mich auch freuen.
    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

  2. Inaktiver User

    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Hallo Susisa,
    das sind sehr interessante Fragen, die Du hier stellst und die sich mir in meinem Berufsleben auch oft gestellt haben und immer wieder stellen. Das geht ja auch über das Berufsleben hinaus. Gerade im aktuellen Wahlkampf ist das ja auch ein Kernthema, welcher Mensch es zum Spitzenkandidaten seiner Partei schafft und wem wir Wahlvolk hinterher trippeln und wem nicht.
    Auf die Schnelle hab ich jetzt auch keine Antworten parat. Ich habe da so ein paar Theorieansätze, die ich später gerne mal zur Diskussion stellen würde, wofür ich aber mehr Zeit brauche, um sie zu beschreiben. Die Zeit hab ich aber jetzt grad nicht.
    Ich abonnier Dein Thema aber schon mal und freue mich auf regen Austausch

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    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Ich habe die Grundtendenz, erst mal zu allen freundlich zu sein. Freundlichkeit impliziert für mich auch (leider), den anderen -erst einmal- wichtiger zu nehmen, als mich selbst.
    Oft traue ich mich gar nicht zu sagen, was ich denke, denn: das bin ja nur ich. - Das ist übrigens nicht nur im Job so, sondern auch in freundschaftlichen oder bei familiären Angelegenheiten; ich sag oft lieber gar nichts, als was falsches.
    kenne ich, hatte ich früher auch viel mehr als heute, das Problem. Diese Problematik ist eine der wenigen Dinge, wo ich das Älterwerden als Segen empfinde

    Inzwischen bin ich nämlich von diesem Tonangeben längst nicht mehr so beeindruckt wie früher. Im Beruflichen hab ich gemerkt, dass es für Tonangeber oft überhaupt kein Problem ist, wenn ich mich ebenfalls zu Wort melde und auch mal hinterfrage und konträr diskutiere. Mich ärgert es zwar manchmal, dass ich alles belegen muss, während die oft einfach Behauptungen in den Raum stellen, aber gut, dafür hab ich danach meine Ruhe und die werden mir gegenüber leiser (konkret habe ich das immer wieder mal mit rechtlichen Standpunkten)

    Dann gibt es natürlich auch die Tonangeber, die eigentlich nur heisse Luft blasen und fürchterliche Angst haben, dass dies jemand merken könnte, und entsprechen fies und beißwütig auch sein können. Zum Glück hab ich die beruflich nicht im unmittelbaren Umfeld und privat kann ich solche ja stehen lassen.

    Generell bleib ich heute viel selbstverständlicher freundlich-sachlich auf meiner Linie und dann beruhigen sich die Tonangeber auch meistens recht schnell. Ich glaube, viele haben einfach so ein Konkurrenzgebahren, dass sie oft gar nicht merken, wenn der Modus eigentlich unangebracht ist. Aber das kam bei mir einfach durchs Älterwerden, also letztlich durch Erfahrung und "Altersgelassenheit". Natürlich begegnen mir die Leute jetzt in der Lebensmitte schon von vornherein anders als damals, als ich 20 und blond war. In dem Punkt bin ich auch froh, dass die Zeit vorbei ist, finds aber immer wieder blöd, wenn ich sehe, wie junge Kolleginnen um entsprechenden Respekt erst kämpfen müssen.

    Das mit dem "ich muss nett sein und erstmal die andern lüphaben" ist gerade bei Frauen teilweise so ein nerviges Sozialierungsdingsbums, aber ich sehe es heute auch so, dass es etwas mit mangelnder Verantwortungsbereitschaft zu tun hat. Gut, muss man halt auch erstmal reinwachsen, vor allem gehört da dazu, zu lernen, nicht alles persönlich zu nehmen. Das nervt mich heute manchmal im Umgang mit jungen Kolleginnen, also wenn sie etwas kritisch anmerken und dann kommt der Nachsatz "ist jetzt aber nicht bös gemeint"

    Diese Rechtfertigungs- und Erklärungsschiene ist oft, und wie ich finde, gerade auch im Umgang mit Männern, nicht nur überflüssig, sondern eher noch störend, weil sie einen schwächer erscheinen lässt, als man ist. Und da ich im direkten Team ausschließlich Männer um mich habe, hab ich auch gelernt, dass ich das bei denen gar nicht brauche, im Gegenteil. Weniger Worthülsen, weniger Rumgeschwurbel zugunsten von klaren Aus- und Ansagen, dann ist es meist auch egal, ob ich da einen Tonangeber oder einen Ruhigen gegenüber hab. Es geht um die Sache.

    Also Mädels: lernen sich nicht mehr hinter den sozialen Gepflogenheiten des braven Mädchens zu verstecken, die gibts eh nur in den Märchen und auch da nur in den Grimm-Versionen . Die Tonangeber kochen auch nur mit Wasser und müssen daher nicht so beeindrucken. Was auch sehr hilft ist das Wissen um die eigene Kompetenz und den eigenen - völlig leistungsunabhängigen - Wert. Und das ist sicher für viele von uns (nicht nur für die Frauen) viel Arbeit und muss dann auch lebenslang gepflegt werden.

    Ich gebe aber ehrlich zu, dass mich da sehr ein ehem. Kollege und Vorgesetzer weitergebracht hat, der immer sagte, es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten Er hat mich insoweit gefördert, gefordert und manchmal auch überfordert. Aber gerade aus diesen Auseinandersetzungen habe ich immens viel gelernt und mitgenommen, nämlich, dass es geht und dass ich dabei auch ernstgenommen und gesehen werde und sich das überhaupt nicht schlecht anfühlt

    Fehler werden dann natürlich auch gemacht und auch gesehen. Aber da bin ich ja dann nicht die einzige und dazu zu stehen, wird zumindest in meinem Kreis auch vielmehr anerkannt als irgend ein Rumgeschwurbel.
    Geändert von Amelie63 (07.09.2013 um 11:15 Uhr)
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  4. Inaktiver User

    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Vielleicht könntest du dich mal mit Persönlichkeitstests und Typisierung befassen? Egal ob diese Menschen dann der "rote Typ", der "Alpha-Typ" oder der "ENTP"-Typ oder was es da noch so gibt sind - es kann helfen, andere Menschen und die eigene Position im Gefüge zu verstehen.

    Grundsätzlich ist der Typ wohl angeboren. Und unter dem Typ des Wortführers finden sich genauso viele Genies und Idioten wie unter dem Typ des stillen Grüblers.

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    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    .

    Grundsätzlich ist der Typ wohl angeboren. Und unter dem Typ des Wortführers finden sich genauso viele Genies und Idioten wie unter dem Typ des stillen Grüblers.
    Vorsicht: diese Typisierungen sind Modelle, die eine Orientierung geben können, nicht mehr. Wir sind viel zu komplex, um diesen Typisierungen gleich welchen Modells in der "Reinform" zu entsprechen. Und wir sind als lebendige Wesen auch in keinen statischen Zuständen, d.h. natürlich gibts Wesensmerkmale, die sich wie ein roter Faden durchs Leben ziehen, aber darauf reduziert zu werden ist nicht nur respektlos, sondern auch nicht wirklich dienlich, was den Umgang miteinander betrifft. Das kann bei einer Fehleinschätzung sowieso ziemlich in die Hose gehen.

    Ich würde Typisierungen nur als Anregung nehmen, vor allem, um mich selbst besser kennen zu lernen. Vor allem ist es aber bei solchen Mitteln, wie generell, wichtig, aus diesem Bewertungsmodus rauszukommen (gut, schlecht usw). Und das lernt man am besten durch Achtsamkeits- und Wahrnehmungstraining (dazu gibts ja inzwischen jedemenge Infos und Literatur, ich hab in dem Bereich sehr gute Erfahrungen mit Körperpsychotherapie gemacht)
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  6. User Info Menu

    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Solche Menschen gab es immer und wird es immer geben.Die Gründe hierfür sind wahrscheinlich
    teils individuell,durch "Prägung" zB.,und/ oder angeboren.
    "Machtmenschen", die diese Eigenschaft postiv nutzen,können eine Firma, einen Verein, eine Gesellschaft
    durchaus nach vorne bringen.Wenn sie dennoch in der Lage sind,sich und andere realistisch einzu-
    schätzen und sich auch eigene Fehler und Schwächen eingestehen können.Ansonsten wird's gefähr-
    lich.Ganz schlimm: Machtmensch, narzisstischer Prägung,bis hin zum Größenwahn-dann noch
    ein gewisses Charisma.So jemand kann ganze Nationen in den Abgrund stürzen !

    Ich habe Probleme mit Pseudo- "Machtmenschen", die sich permanent überschätzen,kein relististisches
    Selbst-und Weltbild haben und andere quasi überrollen,wenn diese sich erdreisten anderer Meinung zu
    sein, Dinge anders angehen wollen.
    Von solchen Menschen halte ich mich möglichst fern,das sind "Dampfwalzen",immer gleich auf 100,
    wenn jemand nicht so tickt wie sie es für richtig halten.Mittlerweile habe ich jedoch auch gelernt
    dagegen zu halten,wenn es sein muss.....
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  7. Inaktiver User

    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Interessant, in welche Richtung der Strang geht. Ich habe aus dem Eingangspost gar nicht gelesen, dass die TE die so genannten "Machtmenschen" (was immer das sein soll) ausschließlich negativ beurteilt.

  8. Inaktiver User

    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Vielleicht entspannt es das Thema, wenn man sich auch im privaten Bereich mal umschaut? "Machtmenschen" sind nicht selten die, die den Freundeskreis organisieren, den Urlaub planen, immer einen netten Vorschlag in petto haben. Eine Freundin berichtete mir mal von einer interessanten Erfahrung: einer kleinen Reisegruppe, in der der "Entscheider" fehlte. Die standen vor lauter "mir ist es egal, entscheide du! " jeden Morgen erstmal eine Stunde in der Gegend rum ....

  9. gesperrt

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    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Zitat Zitat von Amelie63 Beitrag anzeigen
    Das mit dem "ich muss nett sein und erstmal die andern lüphaben" ist gerade bei Frauen teilweise so ein nerviges Sozialierungsdingsbums, aber ich sehe es heute auch so, dass es etwas mit mangelnder Verantwortungsbereitschaft zu tun hat. Gut, muss man halt auch erstmal reinwachsen, vor allem gehört da dazu, zu lernen, nicht alles persönlich zu nehmen. Das nervt mich heute manchmal im Umgang mit jungen Kolleginnen, also wenn sie etwas kritisch anmerken und dann kommt der Nachsatz "ist jetzt aber nicht bös gemeint"

    Diese Rechtfertigungs- und Erklärungsschiene ist oft, und wie ich finde, gerade auch im Umgang mit Männern, nicht nur überflüssig, sondern eher noch störend, weil sie einen schwächer erscheinen lässt, als man ist. Und da ich im direkten Team ausschließlich Männer um mich habe, hab ich auch gelernt, dass ich das bei denen gar nicht brauche, im Gegenteil. Weniger Worthülsen, weniger Rumgeschwurbel zugunsten von klaren Aus- und Ansagen, dann ist es meist auch egal, ob ich da einen Tonangeber oder einen Ruhigen gegenüber hab. Es geht um die Sache.


  10. User Info Menu

    AW: Machtmenschen/ Menschen, die den Ton angeben

    Hallo susisa,

    ich lese da ein Stückchen weit heraus, dass du auch manchmal gern "so" wärest, dir aber nicht vorstellen kannst, dass du es sein könntest. Richtig?
    Ich glaube nicht, dass ein solches Verhalten bzw. Auftreten angeboren ist, sondern dass man selbst ziemlich viel dafür tun kann, sich besser durchzusetzen und mehr gesehen zu werden.
    Ich selber war als Kind oder auch als junge Frau eher schüchtern und auch ängstlich. Mittlerweile (bin 49) hat sich das durch das Leben irgendwie ausgewachsen. Ich trete für meine Meinung und meine Interessen ein. Ich lasse mir nach Möglichkeit nichts mehr gefallen. Ich bin beruflich auch Vorgesetzte und engagiere mich auch für meine Mitarbeiterinnen.
    Zuerst muss man sich selbst das Recht eingestehen, eine eigene oder andere Meinung zu haben. Dann musst du erkennen, dass die anderen auch nur Menschen sind und auch nur mit Wasser kochen. Und dann kannst du üben.
    Man muss natürlich in Kauf nehmen, dass man dann nicht mehr von allen gemocht wird, wenn man nein sagt oder auch wenn man sich in den Mittelpunkt stellt.
    Andererseits kannst du dich auch fragen, wieso soll xy dort stehen, ich könnte das doch auch.

    Ich habe nach und nach begonnen, mir selbst Mutproben zu stellen. Ich habe mich auf einer unserer Personalversammlungen zu Wort gemeldet (immerhin ca. 400 Menschen anwesend). Ich habe mir Gesprächssituationen gesucht, die mich herausgefordert haben und finde, dass ich selbst sehr zufrieden damit bin.
    Man ist dann nicht bei allen die Beliebteste. Aber das ist mir mittlerweile auch nicht mehr wichtig.

    Ich bin davon überzeugt, wenn du dich entwickeln willst, dass du es kannst.

    LG
    Capbreton

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