Ok, ich verstehe, dass du dir diese Priorität gesetzt hast. Wo bewirbst du dich denn? Deutschlandweit oder nur im näheren Umfeld?
Vielleicht sind die Chancen höher eine gute Stelle zu finden, wenn du dich in anderen Regionen umschaust und bewirbst. Du bist frei und ungebunden und für eine große Veränderung wie deine muss man einen großen Schritt wagen. Auch wenn dein Studiengang vielleicht wenig gefragt ist, könnten sich deine Chancen deutlich herhöhen.
Du warst bisher sehr behütet, hast du dich nie dagegen aufgelehnt? Zu viel Nähe zu den Eltern kann ungesund sein. Ich arbeite gerade die Zeit auf, in der ich mich gegen meine Eltern hätte auflehnen und rebellieren sollen, es ist so unglaublich wichtig für die Persönlichkeit, ich hätte das nie für möglich gehalten.
Ich wünsche dir viel Mut und viel Glück, du wirst es schaffen!
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30.08.2013, 15:54
AW: Ich habe im Grunde mein Leben verpasst...
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31.08.2013, 00:43
AW: Ich habe im Grunde mein Leben verpasst...
Ich bin 20 Jahre älter als du, hab auch keine gerade Laufbahn, hab hier und dort geleiert und hatte teilweise echt keinen richtigen Plan ... und hätte mir das auch nicht träumen lassen, das was ich JETZT mache .... ich kann dich nur bestärken: TU WAS! Du wirst nie und nimmer sofort einen gutbezahlten tollen Job kriegen. Aber auch ein halbguter, den du nur ein Jahr machst, wird dich weiterbringen. Erst einmal bringt er dich aus deinem behüteten Umfeld raus. Priorität!!
Und dann werden Dinge passieren, die du nicht planen konntest. Neue Leute, die dich weiterbringen. Zufälle, die dir helfen und neue Blicke öffnen. Erfahrungen! Ohne Mutters Regenschirm!
Du entwickelst dich einfach weiter - das wird zuerst Angst machen, wie du oben schriebst: eine deprimierende Aufgabe! - aber irgendwann wirst du es hoffentlich mögen - dein eigenes selbstgestaltetes Leben ohne Netz drunter!
see you on be friends online!
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31.08.2013, 13:23
AW: Ich habe im Grunde mein Leben verpasst...
Liebe Baptisia,
ich will Dir nur kurz von mir erzählen, wie es bei mir mit dem langen Zusammenleben mit meinen Eltern war.
Ich habe auch während meines komplette Studiums zu Hause gewohnt. Ich habe ca. 15 km von meinen Studienort entfernt in meinem Heimatort gewohnt. Ausgezogen bin ich dann erst mit 28, als ich mit meinem heutigen Ehemann zusammen gezogen bin.
Bei uns war es relativ locker, meine Eltern, vor allem meine Mutter, waren sehr tolerant. Außerdem hatte ich die Einliegerwohnung, was die Lage recht entspannt hat. Mein Vater legte sehr viel Wert auf eigenes Telefon

, er wollte meine Telefonorgien nicht bezahlen (es waren die Neunziger, in denen noch niemand Handys hatte
). Ich konnte im Grunde Kommen und Gehen wann ich wollte, es konnte jeder übernachten, den ich mitbrachte und ich konnte auch nachts wegbleiben, ohne dass das irgendwie problematisch gewesen wäre. Das war eigentlich das, worauf es mir in dieser Zeit des Feierns und Weggehens ankam. Manchmal war es mir ein bißchen peinlich, wenn ich nach einem ONS mittag in die heimische Küche zurück gekehrt bin
, aber meine Eltern haben immer so getan, als würden sie nichts merken!!!
Trotzdem hatte ich manchmal das Gefühl, ein bißchen zu lange im Nestchen verbracht zu haben. Meine Eltern haben halt alles mitgekriegt, und ich habe mich sicher sehr langsam abgenabelt. Ich habe meine Studienfreunde mit eigener Wohnung oder im WG-Zimmer immer auch sehr beneidet
, das muss ich schon zugeben.
Heute sehe ich das alles sehr gelassen. Als ich nämlich 33 was ist mein Vater an Krebs verstorben und und ein Jahr und vier Monate später meine über alles geliebte Mutter. Ich bin heute sehr, sehr dankbar für die wunderschöne Zeit, die wir zu dritt verbringen durften. Es war die schönste meines Lebens, ich war geliebt, geborgen und meine Eltern haben mir alle Freiheiten gelassen. Es gibt unzählige lustige Anekdoten aus dieser Zeit, z.B. als meine Mutter morgens ins Bad ist und dort Karsten M. pinkelnd vorfand, er hatte bei mir übernachtet, mußte morgens aufs Klo und hat sich leider im Haus verlaufen
. Kommentar meiner Mutter: Zum Glück hatte ich mein neues Nachthemd an!
Vielleicht bewertest Du Deine Lebenssituation bald nicht mehr so streng. Auf zwei drei Jahre kommt es doch gar nicht an. Du hast j e t z t die Chance flügge zu werden, einen Job zu suchen und Du kannst noch so viel Reisen! Glaub mir, während der Krebserkrankungen meiner Eltern, ich wär am liebsten wieder zu Hause eingezogen um sie noch inniger zu pflegen. Ich konnte es leider nicht, da ich ca. 100 km weit weg meinen Job hatte. Aber ich war jedes Wochenende da. Und ich habe es noch nie bereut. Im Gegenteil, ich hätte es bereut, wenn ich es anders gemacht hätte. Da bei meinen Eltern relativ schnell klar war, dass sie nicht gesund werden dürfen, hat mich keine Macht der Welt von Ihnen weggebracht. Ich war bis zum Schluß da und ich würde es genauso wieder mache. Ich bin heute sehr dankbar für unsere gute Zeit zu dritt!
Und ich wünsche Dir jetzt einen guten Start in Dein neues Leben. Sei nicht traurig über vielleicht Verpasstes, in jedem Leben gibt es verpasste Chancen. Mach jetzt das Beste draus!
Alles Gute für Dich!
Minouminou
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31.08.2013, 15:13Inaktiver User
AW: Ich habe im Grunde mein Leben verpasst...
Schöne Erzählung, MinouMinou! (Und traurig.)
Danke!
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31.08.2013, 16:05
AW: Ich habe im Grunde mein Leben verpasst...
Sehr gerne, danke für die Blume
!



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