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  1. User Info Menu

    Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Mir ist kürzlich sehr klar geworden, dass ich mich sehr sehr oft als Opfer meiner Biographie sehe. Ich verharre in destruktiven Mustern und bekomme nie das, was ich mir wünsche, sondern nur das, was ich mir zutraue: nichts.
    Bedingt durch diese Haltung ziehe ich auch nur das an, was ich eigentlich gar nicht wollte. Ich renne Menschen hinterher, die sonst keiner interessant findet (ich war in der Schule ein Außenseiter und suche unbewusst immer noch Menschen, die das auch sind. Das fühlt sich vertraut an)

    Und es ist so schön einfach, über die Familie zu jammern, die keine war und ist (null Interesse aneinander und kein Zusammenhalt), sich zu schämen mit einem Freund wegzugehen, mit dem sonst keiner was zu tun haben will (ganz böse)
    Wenn ich Menschen sehe, die eine liebevolle Basis haben (Partner, Familie), packt mich die große Traurigkeit. Warum habe ich das nicht?

    Wie kommt man an solche unbewussten Verhaltensweisen an, die immer wieder nur das gleiche Ergebnis haben?
    Ich denke immer, wenn ich das Wenige, das ich jetzt habe, auch noch verändere, habe ich gar nichts mehr (Kontakt zur Familie abbrechen, Freundschaften beenden)

  2. Inaktiver User

    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Zitat Zitat von Halbmondin Beitrag anzeigen
    Wie kommt man an solche unbewussten Verhaltensweisen an, die immer wieder nur das gleiche Ergebnis haben?
    Ich denke immer, wenn ich das Wenige, das ich jetzt habe, auch noch verändere, habe ich gar nichts mehr (Kontakt zur Familie abbrechen, Freundschaften beenden)
    Möglicherweise aber ist gerade das für dich richtig, damit du dich mal sammeln kannst und zu dir findest. Du kannst dir dann z.B. diese Fragen stellen: Wer bin ich, was brauche ich, wie kann ich es bekommen? ohne an die Grenzen zu stoßen, die du durch Bindungen an deine jetzigen Freunde und Verandten hast. Es würde dich evtl sehr befreien, wenn du dich losmachen könntest von behindernden Freundschaften. Es ist dabei gar nicht nötig zu sagen, dass du ein für alle mal den Kontakt abbrechen möchtest, aber doch zu erklären, dass du in absehbarer Zeit mit anderen dingen beschäftigt und terminlich eingebunden bist . Das würde ja auch stimmen, denn die Termine hast du, nämlich mit dir selbst und das ist immer eine wichtige Zeit.
    Außerdem könntest du mal überlegen, welche Interessen bei dir da sind, an die du dich bisher noch nie herangetraut hast. Das könnte auch ein Weg sein, der dich weiter bringt. Du würdest neue Menschen kennenlernen. Wenn aber das Interesse an der neuen Sache dich erfüllt, dann würden die Kontakte an sich weniger im Mittelpunkt stehen sondern die Sache und darüber könnte dann die Kommunikation laufen. Es wäre also eine andere Form des sich Kennenlernens. Ich weiß nicht, ob ich es verständlich erklärt habe, was ich sagen wollte. Kannst du etwas damit anfangen?

  3. Inaktiver User

    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Zitat Zitat von Halbmondin Beitrag anzeigen

    Ich denke immer, wenn ich das Wenige, das ich jetzt habe, auch noch verändere, habe ich gar nichts mehr (Kontakt zur Familie abbrechen, Freundschaften beenden)
    ein guter anfang wäre: ein regiebuch deines lebens zu träumen. dir vorzustellen, ohne gedankliche beschränkung was du möchtest- und dann ob der vermeintlichen ungehörigkeit des daraufwartens- es in angriff zu nehmen.

    die familie tut dir nicht gut- dann lasse sie in liebe und frieden los.

    freundschaften die belasten- sind keine freundschaften.

    was mir sehr geholfen hat- meinen frieden mit mir selbst schliessen. mich selbst zu lieben und anzunehmen. ich und nicht die andern sind der massstab für mein leben.

  4. User Info Menu

    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Zitat Zitat von Halbmondin Beitrag anzeigen
    Mir ist kürzlich sehr klar geworden, dass ich mich sehr sehr oft als Opfer meiner Biographie sehe. Ich verharre in destruktiven Mustern und bekomme nie das, was ich mir wünsche, sondern nur das, was ich mir zutraue: nichts.
    Das hast Du sehr gut auf den Punkt gebracht! Es stimmt. Wenn man etwas verändern will, muss man anfangen, sich etwas zuzutrauen und das heißt, am Anfang trotz eigener Ängste in die Richtung zu gehen, in die man eigentlich gehen möchte und auch ginge, ließe man sich nicht von den eigenen Ängsten blockieren.

    Einen Ansatz dazu finde ich sehr gut, und der geht so: Die Schwächen schwächen und die Stärken stärken.

    Es geht also darum, nicht mehr über die eigenen (vermeintlichen) Schwächen und ungünstigen Situationen nachzugrübeln, sondern in die Richtung der eigenen Stärken (und Vorlieben) zu denken und zu gehen. Frei nach dem Motto: Wohin Deine Gedanken gehen, geht auch Deine Energie.

    Wenn Du Dich darauf konzentrierst, herauszufinden, worin Du stark bist (und/oder was Dich wirklich interessiert) und in dem Zusammenhang herauszufinden, welche Aktivitäten daran geknüpft sind, die Dir gleichzeitig Freude machen würden, dann ist es viel einfacher, einen Schritt nach vorne zu tun, auch wenn dieser Schritt zuerst Angst bereitet. Bei mir war das z.B. (ich habe das schon oft hier in der Bri als Beispiel angeführt) das Tangotanzen. Ich habe sowieso schon immer gerne getanzt, so für mich. Und ich habe erstaunlich oft Rückmeldungen bekommen, dass ich das gut könne. Aber vor allem habe ich in mir selbst gespürt, wie sehr mir das Freude macht und ich das spannend finde. Irgendwie bin ich aber immer um die Richtung "Tango" herumgeschlichen, habe mich nie getraut. Es war aber auch so, dass dieses Interesse lange Zeit gar nicht auf vorderster Front sichtbar wurde, sondern erst nach und nach (durch ein paar schmerzhafte Erfahrungen) ans Tageslicht geholt wurde. Und plötzlich, als ich mir darüber bewusst wurde, dass ich das genau jetzt! und unbedingt! machen will, ging plötzlich alles sehr schnell. Die erste Probestunde, wo ich mit feuchten Händen und zitternden Beinen (ich habe die ersten Runden nur hyperventiliert. Nahe an der Ohnmacht. Puh.) angetreten bin, hat sich mir tief ins Gedächtnis geprägt.... Aber dieser erste Schritt hat in der Folge sehr viel bewirkt (nicht nur Positives). Ich habe nur gestaunt, denn es kam in meinem Leben sehr viel in Bewegung. Was mir gezeigt hat, dass sich die Dinge dann anfangen, zu bewegen, wenn man anfängt, sich selbst zu bewegen.

    Deshalb ist es auch so wichtig, dass Du anfängst, dich zu bewegen! Dann kommst Du auch aus der Opferrolle raus. Durch Nachdenken und Grübeln alleine wird sich aber nichts bewegen, d.h., das Nach_denken, vor allem "nach-FÜHLEN" (sehr wichtig!), sollte (nur) ein erster Schritt sein, bevor Du zum zweiten, genauso wichtigen, wenn nicht noch wichtigeren Schritt, nämlich ins Handeln kommst.

    (...) Ich denke immer, wenn ich das Wenige, das ich jetzt habe, auch noch verändere, habe ich gar nichts mehr (Kontakt zur Familie abbrechen, Freundschaften beenden)
    Das Wenige, das Du nun noch hast, wird sich irgendwann ebenfalls in eine eher ungute Richtung entwickeln, wenn Du jetzt nicht anfängst, herauszufinden und umzusetzen, was DU willst. Situationen haben die Tendenz zu stagnieren, wenn nichts Neues (& Positives) von außen ihnen ab und zu neue Impulse gibt (oft ändern sich Situationen auch erst durch negative Geschehnisse, leider). Aus diesem Grunde hast Du eigentlich keine Wahl.... Aber das soll Dich nicht schrecken: Denn ab jetzt darfst Du herausfinden, was Du wirklich gerne tun würdest und wer Du letztendlich bist. Brich auf, und lerne Dich kennen!

    Geändert von bruennette_2 (20.07.2013 um 14:51 Uhr)

  5. User Info Menu

    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Das du so reflektiert und deiner bewusst mit dir umgehst, ist super und ein erster wichtiger
    Schritt ! Das man selbst aus der Rolle raus will ist Bedingung etwas zu ändern,und das man sich
    zugestehen kann etwas wert zu sein, nicht nur andere gelten lässt und auch "einfordern"
    kann,nicht sein Dasein rechtfertigen muss durch permanente Anpassung und Selbstüber-
    forderung.Man MACHT sich zum Opfer, wer sich immer nur ausnutzen lässt zB.
    Ein Stück weit ist "Opferdasein" natürlich bequem,man verharrt im Unglück, erwartet nichts
    Besseres.Will man da raus, muss man konsequent sein.
    Ich habe meine besch.....Kindheit nicht wirklich verarbeitet,dazu ist der Schatten zu groß,
    aber ich habe zB. den Kontakt zu meinen Eltern,die hier in der Nähe wohnen,seit einigen
    Monaten völlig abgebrochen-damit geht es mir viel besser!Es geht da einfach mal um MICH,auch
    wenn es mir wegen meiner Mutter teilweise leid tut.
    Unsere Intuition, das Bauchgefühl weisen uns meistens den richtigen Weg.Der muss nicht immer
    der einfachste sein,aber er lohnt sich.
    Ich wünsche dir den richtigen Weg und Mut zu Veränderungen,diese geben nur Gewinn für dein
    Leben
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  6. Inaktiver User

    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Zitat Zitat von Halbmondin Beitrag anzeigen
    Mir ist kürzlich sehr klar geworden, dass ich mich sehr sehr oft als Opfer meiner Biographie sehe.
    Das ist letztendlich fokussiertes Rückwärtsdenken. Wie wäre es mit Zielen? Step, by Step in kleine Schritte aufgegliedert und dann auf die Erfolge geschaut?

  7. User Info Menu

    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Also so eine Erkenntnis hatte ich auch, vor 5 Jahren. Ich war ploetzlich sehr krank geworden und hatte ein Jahr jeden Tag grosse Schmerzen. So etwa alle 3 Monate eine Operation, es war nicht witzig. Und dabei musste ich arbeiten, da ich als Freiberufler nicht einfach "frei" nehmen kann.

    Ich hab gemerkt, dass meine Bezeihungen alle nur drauf ausgerichtet waren, mich auszunutzen. Meine Beziehung zu meiner Familie war auch ein staendiges Hinterherrennen von mir um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich habe mich ziemlich zurueckgezogen und wurde ploetzlich ein fanatische Gaertnerin. Ich hatte ein kleines Haus mit einem "Garten" gemietet, eigentlich ein Fleck Hinterhof mit etwas Erde um die Peripherie drumrum aber fing an, diesen kleinen Hof zu bepflanzen. Mit Kletterrosen, Topfbaeumen etc. Ich wohne auch in einem Klima, wo alles waechst.

    Ich habe gemerkt, genauso wie ich die Rosen zurueckschneiden musste, so musste ich alles soziale in meinem Leben zurueckschneiden um neues Leben zu erlauben. Das ist so, wie den Kleiderschrank ausruempeln von Sachen, die man Jahre nicht mehr getragen hat. Sonst weiss man ja nicht, was fehlt.

    Ich bin jetzt viel gluecklicher. Habe ein paar gute Freunde und ein paar Wahlvervandte (so nenne ich einige Cousins, mit denen ich befreundet bin) und einen festen Freund. Aber ich fuehle wieder, dass ich etwas unmotiviert geworden bin und so mache ich gerade ein "Inspirations-Collage" wo ich alles auf einen grossen Karton pinne, was ich gerne in den naechsten paar Jahren so erreichen will.

    Aber: Deine Unzufriedenheit ist der Anfang von einer Aenderung! Also, heisse sie wilkommen.

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    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Liebe annakathrin,
    du merkst ja selbst, dass du etwas verändern willst, dich nicht mehr wohlfühlst in deinem jetzigen Leben.
    Andere Menschen änderst du nicht, ebenso wenig vergangene Verletzungen. Liebe, auch die der Familie lassen sich nicht erzwingen.
    Ich habe Jahre gebraucht das zu erkennen, zu verarbeiten und letztlich zu akzeptieren. Meiner Meinung nach konnten die wichtigen Personen in meinem Leben nicht anders handeln. Sie haben (damals)ihr bestmöglichstes getan. Ich habe wie du eine Opferhaltung angenommen - sehr bequem -, mich meiner Verantwortung entzogen und jahrelang destruktive Freundschaften beibehalten.
    Bin an meine Grenzen gekommen und habe vor ca. eineinhalb Jahren STOP gesagt: Kontakte zur Familie liebevoll aber konsequent reduziert, Freundschaften - s.o.- einschlafen lassen. Ich habe sehr viel nachgedacht: was will ich, was brauche ich? Es war eine schwere Zeit, oft sehr einsam, doch es hat sich gelohnt. Geholfen hat mir auch EFT ("Klopfakupunktur").
    Mittlerweile bin ich im Fitnessstudio angemeldet, habe wenige aber nette Freunde gefunden, die mein Leben bereichern.
    Manchmal bin ich versucht situationsbedingt in die Opferhaltung zurück zu fallen, spüre aber jetzt besser hin und merke was mir gut tut. Alles in allen hat sich mein Leben positiv verändert!
    Ich wünsche dir viel Kraft und Mut auf deinem Weg.

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    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Ich komme gerade von einer Feier, zu der mein Kind eingeladen war. Es war sehr nett, aber genau da ist es schwer, weiterzulächeln: es fehlen elementare Dinge in meinem Leben, die ich nicht wegreden kann. Bedingt durch mein Kind gehöre ich weder zu der Gruppe Singles, mit der ich ab und an was mache, noch zu den klassischen Familien, die jetzt alle in ihren Autos sitzen und nach Hause ins schöne Heim fahren.
    Ich kann bestimmte Dinge nicht haben und werde sie finanziell auch nie erreichen können.
    Insofern fühle ich mich nach wie vor sehr ausgegrenzt vom "richtigen" Leben.

    Verdammt schwer, alles aus sich selbst heraus zu stemmen.

  10. gesperrt

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    AW: Raus aus dem Opferdasein, wie macht man das?

    Ja, es ist verdammt schwer, alles aus sich heraus zu stemmen.
    Aber offenbar stemmst du ganz gut. Chapeau.

    ein gutes Deutsch hast du auch. Ja, das ist eine Leistung. Längst nicht alle Leute haben das. Ich hab schon mehr als einmal Leute bedauernd sagen hören "wenn ich nur besser schreiben könnte, was hätte ich alles erreichen können..." - du kannst gut schreiben. Andere Leute beneiden Leute wie dich um diese Fähigkeit.

    und wenn du dich hinsetzt und, sagen wir, eine Liste von zehn oder zwanzig Sachen aufschreibst, die du hier und heute gut macht und die andere Leute so nicht stemmen müssen: das ist eine erste Quelle für Wertschätzung.

    Du sorgst eigenhändig für dein Kind: das IST richtiges Leben.

    Heute kannst du bestimmte Dinge nicht haben; allerdings, was morgen oder übermorgen oder in zwei Jahren oder in zwanzig Jahren ist, das steht in den Sternen. Dein Weg ist nicht vorgezeichnet - alles kann noch passieren. Auch alles Gute, Glückliche, Besonders, Erfreuliche.

    grüsse, barbara

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