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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Zitat Zitat von Petrolia Beitrag anzeigen
    Schwierig finde ich, wenn über die Jahre hinweg die Balance langsam kippt.
    Ich bin auch so ein Mensch, der gerne für andere was tut. Ich überlege dann kurz, ob ich das für mich ok finde, und wenn ja, mach ich das. Beispiel: eine Freundin kam mal mit ihrem Rechner vorbei, mein Mann hat ihn repariert, war ne kurze Sache, sie konnte es aber nicht selbst. Ich habe sie dann mit dem Auto nach Hause gefahren, quer durch die Stadt. Ich hatte nichts anderes vor und sie hat sich gefreut.
    Solche Dinge, die nicht groß sind und manchmal mehr Zeit als Geld oder körperlichen Aufwand kosten, mach ich gerne mal. Ich bin auch gerne großzügig, weil ich eigentlich und grundsätzlich auch davon ausgehe, dass sich alles irgendwie ausgleicht.
    Aber manchmal passiert es eben auch, dass die Waage Schlagseite bekommt.
    Bei oben genannter Freundin zum Beispiel ist das so. Sie hat irgendwann angefangen, für alles, was sie mir gibt, sofort eine Gegenleistung einzufordern, ohne die Dinge zu sehen, die sie von mir ohne Aufforderung bekommt. Und da kann ich dann irgendwann nicht mehr mit. Ich kann gut fahren mit gegenseitiger Großzügigkeit, weil es mir im Wesen widerstrebt, so kleinlich zu sein. Aber wenn meine Großzügigkeit einerseits als selbstverständlich angesehen wird, umgekehrt aber mir fast schon unterstellt wird, kleinlich zu sein (durch das sofortige Einfordern von Gegenleistungen), da kann ich auch nicht mehr aus meiner Haut und schau mir mal die Gesamtsituation an, was natürlich in Richtung Aufrechnen geht.
    Bei o.a. Freundin hat sich das Verhältnis mittlerweile sehr weit voneinander entfernt.

    Das nur dazu, dass sich einige hier gegen das Aufrechnen verwahren. Finde ich grundsätzlich auch richtig, aber es gibt eben auch Entwicklungen, wo man merkt, dass es keine Ausgeglichenheit mehr gibt.
    sehe ich ganz genauso! Das Leben und auch Menschen ändern sich. Das was Du beschreibst ist aber in meinen Augen keine Freundschaft mehr und nein sagen angebracht. Bei mir wäre das dann einer der Menschen die ich aus meinem Leben raushalten würde, egal wie gut befreundet wir einmal waren.

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Zitat Zitat von ZaeVee Beitrag anzeigen
    sehe ich ganz genauso! Das Leben und auch Menschen ändern sich. Das was Du beschreibst ist aber in meinen Augen keine Freundschaft mehr und nein sagen angebracht. Bei mir wäre das dann einer der Menschen die ich aus meinem Leben raushalten würde, egal wie gut befreundet wir einmal waren.
    Witzigerweise hat sich diese Entwicklung bei ihr nach einer langen Burn Out- und Therapiephase eingestellt. Paßt also ganz gut zum Thema... Manchmal denke ich, in derlei Therapien sollte vielleicht mal dazu aufgefordert werden, auf das zu sehen, was man von anderen bekommt. Und nicht nur sich darauf zu konzentrieren, was fehlt. Ich hatte damals glücklicherweise eine Therapeutin, die das gemacht hat.

    Was mir noch einfiel: irgendwann schaut man nicht mehr auf die konkreten Gefälligkeiten, sondern auf die grundsätzliche Einstellung. Das paßt dann vielleicht irgendwann einfach nicht mehr zusammen.
    Für mich ist diese Beziehung jedenfalls seit geraumer Zeit auch wegen anderer Dinge in einer derartigen Schieflage, dass ich jetzt wiederum "an mich denken muß".

  3. Moderation

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Zitat Zitat von Petrolia Beitrag anzeigen
    Das nur dazu, dass sich einige hier gegen das Aufrechnen verwahren. Finde ich grundsätzlich auch richtig, aber es gibt eben auch Entwicklungen, wo man merkt, dass es keine Ausgeglichenheit mehr gibt.
    Das Problem ist, daß sie aufrechnet und du nciht und dich das nervt?

    Ich hatte solche Phasen, als ich mit einer Freundin in einer WG gewohnt habe. Sie war knapp bei Kasse und wir haben abgemacht, daß sie nur halbe Miete zahlt und dafür einmal die Woche Küche und Bad putzt und bei Bedarf Milch und Brot kauft. Das ging so was von in die Hose, weil auf einmal jedes Brötchen und jeder Handgriff "abrechenbar" waren, und sie aufrechnete, wieviel Stunden sie tut und was das in Arbeitszeit wert ist... sie hat sich dann einen Putzjob bei einem Arztehepaar besorgt und die volle Miete bezahlt, und schon war Ruhe und es gab wieder die guten Brötchen.

    Manchmal ist es wirklich nur die Situation, manchmal ändern sich aber auch die Leute mit ihr. Das läßt sich nicht immer wieder geraderücken...
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Das Problem ist, daß sie aufrechnet und du nciht und dich das nervt?

    Ich hatte solche Phasen, als ich mit einer Freundin in einer WG gewohnt habe. Sie war knapp bei Kasse und wir haben abgemacht, daß sie nur halbe Miete zahlt und dafür einmal die Woche Küche und Bad putzt und bei Bedarf Milch und Brot kauft. Das ging so was von in die Hose, weil auf einmal jedes Brötchen und jeder Handgriff "abrechenbar" waren, und sie aufrechnete, wieviel Stunden sie tut und was das in Arbeitszeit wert ist... sie hat sich dann einen Putzjob bei einem Arztehepaar besorgt und die volle Miete bezahlt, und schon war Ruhe und es gab wieder die guten Brötchen.

    Manchmal ist es wirklich nur die Situation, manchmal ändern sich aber auch die Leute mit ihr. Das läßt sich nicht immer wieder geraderücken...
    Schön zusammengefaßt, das trifft es. Plus: In ihrer "Rechnung" übersieht sie, was sie schon bekommen hat. Sie macht also immer, aus ihrer Sicht, ein "Minusgeschäft".

    Wenn man aus der eigenen Sicht heraus lange ein Minusgeschäft macht, muß man wohl irgendwann mal an sich denken.

    Und dann geht es vielleicht so wie bei der TE, der aus ihrer Sicht heraus wiederum viele Situationen einfallen, wo sie etwas für ihre Freundin getan hat, ohne dafür "Pluspunkte" gutgeschrieben zu kommen.
    Wobei sie in der konkreten Situation vielleicht auch einfach nur geholfen hat, ohne weitere Gedanken wie "dann hab ich was bei ihr gut".
    Ich erkenne den Gedankengang jedenfalls wieder. Ich helfe gerne bei Schwierigkeiten aus und rechne nicht auf. Aber in solchen Situationen kommt es dann doch mal hoch und ich denke: "Wieso ist das jetzt so ein Problem, ich habe doch schon so oft...?"

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Zitat Zitat von ZaeVee Beitrag anzeigen
    Aktuelles Bespiel: Unser Urlaub steht an, ich erzähle das freudig im Freundeskreis beim Essen, kommt sofort die Frage: Wie kommt ihr denn zum Flughafen? Ich: Wir haben ein Taxi bestellt, der Flug geht um 5 Uhr morgens. Zwei Leute: Quatsch, ich fahre Euch!. Und ich muss mir keine Sorgen machen das meine Freundin mich in der Nacht der Abreise anruft um mir zusagen, das sie es sich anders überlegt hat. Da müßte schon das Auto kaputt gehen oder ähnliches...

    Jetzt sehe ich schon die ganzen Posts nach mir ala wie kannst Du sowas annehmen, ich würde das nie tun, man sollte seine Sachen selber regeln, Unabhängigkeit....
    Wenn ich morgens um fünf abfliegen würde, würde ich tatsächlich niemandem zumuten wollen, mich zum Flughafen zu bringen. Vor allem würde ich nicht deshalb fragen. Es ist nämlich in meinen Augen noch mal ein gewaltiger Unterschied, ob ich ein nettes Angebot annehme oder direkt darum bitte. Und ich bin ehrlich: ich könnte sowas, vor allem unter der Woche, wenn ich arbeite, selbst nicht anbieten. Ich hatte selbst mit meinen Eltern irgendwann die gegenseitige Vereinbarung: Bring- und Holdienst vom Flughafen nur innerhalb zumutbarer Zeitfenster. Nachts wird ein Taxi genommen.

    Ich hab mich z.B. auch gefreut, als meine Nachbarn mich nach meiner OP aus dem Krankenhaus abgeholt haben. Als ich danach noch einige Mal wegen ambulanter Eingriffe hin musste, hab ich mir für den Rückweg ein Taxi genommen. Für mich ist auch selbstverständlich, diese Hilfeleistung nicht überzustrapazieren. Und die 7 Euro für ein Taxi alle zwei , drei Monate kann ich mir leisten.

    Für mich ist auch kein Problem, für jemanden Blumen zu gießen, Briefkasten zu leeren, von mir aus auch die Katze zu füttern (wobei ich bei Tieren immer ein wenig Angst habe, sie aus Versehen umzubringen), einzukaufen, Bücher zu leihen, Bewerbungen korrekturzulesen, Briefe zu tippen, was auch immer. Das ist für mich alltäglicher Kleinkram. Das finde ich schon alles auch wichtig und gut. Aber es gibt eben für mich auch Grenzen. Und ich finde, die darf man auch klar kommunizieren. Einer Freundin, die dreimal in drei Jahren ohne Not umzieht, helfe ich irgendwann nicht mehr ganz so begeistert.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Wenn ich morgens um fünf abfliegen würde, würde ich tatsächlich niemandem zumuten wollen, mich zum Flughafen zu bringen. Vor allem würde ich nicht deshalb fragen. Es ist nämlich in meinen Augen noch mal ein gewaltiger Unterschied, ob ich ein nettes Angebot annehme oder direkt darum bitte. Und ich bin ehrlich: ich könnte sowas, vor allem unter der Woche, wenn ich arbeite, selbst nicht anbieten. Ich hatte selbst mit meinen Eltern irgendwann die gegenseitige Vereinbarung: Bring- und Holdienst vom Flughafen nur innerhalb zumutbarer Zeitfenster. Nachts wird ein Taxi genommen.

    Ich hab mich z.B. auch gefreut, als meine Nachbarn mich nach meiner OP aus dem Krankenhaus abgeholt haben. Als ich danach noch einige Mal wegen ambulanter Eingriffe hin musste, hab ich mir für den Rückweg ein Taxi genommen. Für mich ist auch selbstverständlich, diese Hilfeleistung nicht überzustrapazieren. Und die 7 Euro für ein Taxi alle zwei , drei Monate kann ich mir leisten.

    Für mich ist auch kein Problem, für jemanden Blumen zu gießen, Briefkasten zu leeren, von mir aus auch die Katze zu füttern (wobei ich bei Tieren immer ein wenig Angst habe, sie aus Versehen umzubringen), einzukaufen, Bücher zu leihen, Bewerbungen korrekturzulesen, Briefe zu tippen, was auch immer. Das ist für mich alltäglicher Kleinkram. Das finde ich schon alles auch wichtig und gut. Aber es gibt eben für mich auch Grenzen. Und ich finde, die darf man auch klar kommunizieren. Einer Freundin, die dreimal in drei Jahren ohne Not umzieht, helfe ich irgendwann nicht mehr ganz so begeistert.

    Viele Grüße,

    Malina
    ich habe auch nicht gefragt - wäre nie auf die Idee gekommen ;) Ich hatte alles schon geregelt, und ich bin Deiner Meinung, um die Zeit Taxi. Meine Freundin war anderer Meinung, nein, mach ich doch gerne und so weiter und so weiter und das meint sie ganz ehrlich und ist nicht nur bloss höflich.
    Am Ende haben wir es dann so gelöst, das sie abends kommt wir noch nett essen, bei uns übernachtet und sie uns zum Flughafen fährt. Und ich habe mich gefreut das sie es angeboten hat, nicht wegen des Geldes, aber so wird jetzt auch der Abend vorher noch richtig nett und sie freut sich genauso auf den Abend.
    Es kommt übrigens so gut wie nie vor das ich nachts an den Flughafen muss, ich bin eher diejenige die dann aufsteht um Leute abzuholen - was jetzt aber auch nicht wöchentlich passiert und ich wirklich gerne mache, auch wenn ich hinterher müde bin ;)
    Es wird mit Sicherheit nichts überstapaziert, weder in die eine noch in die andere Richtung :)

    Es war ein Bespiel, weil Bae so schön beschrieben hatte wie die Dinge zu einem zurückkommen, ohne das man um irgendetwas bitten oder fragen müsste. Über solche Aktionen wie die meiner Freundin könnte ich heulen vor lauter Freude, nicht weil es mir finanziell nicht möglich wäre ein Taxi zu nehmen, sondern darüber das sie da ist und es anbieten und es auch so meint, ohne irgendetwas dafür im Gegenzug zu wollen. Und nicht die einzige war, die es angeboten hatte. Verstehst Du wie ich das meine?

    Weil ich weiß, das ich mich auf meine Freunde und Familie im Notfall verlassen kann, sie für mich da sind und ich umgekehrt selbstverständlich auch für sie. Ohne Angst haben zu müssen das wenn wirklich mal was wäre sie mich hängen lassen, wie es der TE passiert ist.

    Miteinander und nicht jeder für sich.

    Für mich ist das ein Stück Lebensqualität, nicht auf Kosten anderen sondern miteinander.

    Was nicht heißt das man nicht mit gesundem Menschenverstand an die Sache gehen sollte und auch nein sagen können sollte.

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Zitat Zitat von Petrolia Beitrag anzeigen
    Witzigerweise hat sich diese Entwicklung bei ihr nach einer langen Burn Out- und Therapiephase eingestellt. Paßt also ganz gut zum Thema... Manchmal denke ich, in derlei Therapien sollte vielleicht mal dazu aufgefordert werden, auf das zu sehen, was man von anderen bekommt. Und nicht nur sich darauf zu konzentrieren, was fehlt. Ich hatte damals glücklicherweise eine Therapeutin, die das gemacht hat.
    Das zum Einen. Zum Anderen darf die Konzentration auf sich selbst nicht mit Egoismus verwechselt werden. Viele, die ein Burnout erleben, haben ihre eigenen Grenzen nicht gekannt oder können ihre Kräfte nicht einschätzen, dementsprechend keine realistischen/machbaren Ziele stecken. Dies in einer Therapie zu lernen, macht Sinn. Es ist aber ein großer Unterschied, ob ich meinen Grenzen entsprechend auch mal eine Bitte ablehne oder ob ich dies tue, weil ich nur das mache, was mir selbst zugute kommt.

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Aber wenn jemand monate- gar jahrelang um dieselben Probleme kreist, ohne eine erkennbare Bereitschaf, daran was zu ändern, dann ist auch meine Hilfsbereitschaft irgendwann am Ende.
    Das habe ich auch schon mal erlebt. Mein Empfinden ist, dass die Freundschaft dann als "Bühne" für die eigenen Probleme gesehen wird und nicht als Austauschmöglichkeit, um einen anderen Blickwinkel und neue Gedankenanstösse einzunehmen. Da steige ich auch aus.

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Freundschaft ist für mich ein gesunder Mix aus gemeinsamen Interessen, gegenseitiger Anteilnahme und Unterstützung jeder Art. Diese Unterstützung darf in Notfällen auch gerne mal umfangreicher ausfallen, keine Frage. Aber es gibt leider auch Menschen, bei denen Notfälle der Alltag sind, einfach weil sie sich darauf verlassen, dass ihnen schon geholfen wird und entsprechend selbst kaum vorsorgen. Das entspricht dann nicht mehr meiner Notfall-Definition.
    "Co-Abhängige" quasi, die das Netz schon spannen. Und nicht erst bei den Suchtkranken ist schon länger bekannt, dass Änderungen erst dann eintreten, wenn dieses Sicherheitsnetz wegfällt. Ich finde das auch insofern schwierig, als eine Freundschaft damit für mich eine "Schieflage" bekommt, eine Begegnung auf Augenhöhe ist nicht mehr möglich. Da beginnt im Grunde schon die innere Distanz.
    Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.

    - Robert Bresson -

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Hallo zusammen,

    ich finde das Thema und eure Beiträge sehr interessant. Ich habe den Eindruck, dass es Menschen zunehmend schwer fällt, um Hilfe oder nur einen banalen Gefallen zu bitten. Ich erlebe das bei Kollegen, Freunden, Bekannten - also fast ringsrum. Sie alle haben mittlerweile die Haltung, alles allein zu können und bloß niemandem Umstände machen zu wollen. Wenn sie dann - fast zähneknirschend - doch einen Gefallen annehmen, kommt sofort eine viel zu üppige Gegenleistung. Ich finde das alles äußerst kompliziert und nervig, denn ich finde es schön, sich gegenseitig im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten zu helfen.

    Beispiel: Ich habe ein Auto. Einige meiner Kollegen und Bekannten haben keins. Es ist jedesmal eine ewige Diskussion, wenn ich jemanden frage, ob ich ihn abholen oder heimbringen kann. Ich muss gefühlte zehnmal versichern, dass es wirklich, wirklich, aber auch wirklich keine Umstände macht und ich es wirklich, wirklich gern tue! Danach kommt dann ein Geschenk, das in keinem Verhältnis zum Miniminispritverbrauch steht

    Also bitte ich auch möglichst niemanden um Hilfe und so wurschteln alle vor sich hin.

    Wildwusel, ich bin völlig perplex, wie ihr eure gegenseitige Hilfe im Freundeskreis zelebriert. Klingt wunderschön (und wäre mir Eigenbrötler dann vermutlich doch wieder zu viel )

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Ich finde es gut, wie es bei Dir und Deinem Freundeskreis funktioniert wildwusel.

    Das würde ich mir auch wünschen. Aber den bitteren Post von sina-lei kann ich auch nachvollziehen. Ich habe jahrelang immer allen nur geholfen.
    Die Hilfe bestand allerdings hauptsächlich darin seelische Tiefs aufzufangen und ständig Probleme zu erörtern.
    Das laugt mehr aus, als praktisches Tun finde ich.
    Hab auch für Nachbarn regelmäßig mit die Einkäufe per Auto erledigt, beim Umziehen geholfen.
    Als ich dann krank war und Hilfe gebraucht hätte, war keiner da.

    Und wie sina-lei habe ich auch den Beschluss gefasst, so zu leben, dass ich möglichst niemanden brauche. Der Zeitgeist ist wohl so, dass jeder sich selbst der nächste ist.
    Ich möchte auch nicht mehr ausgenutzt werden. Da mache ich lieber alles alleine.

    Der Trend geht wohl immer mehr zu Schönwetterfreundschaften.

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    AW: "Ich höre jetzt mehr auf mich" ohne Rücksicht auf andere

    Zitat Zitat von Elixia Beitrag anzeigen
    Der Trend geht wohl immer mehr zu Schönwetterfreundschaften.
    Das beobachte ich leider auch.

    Wobei echte Freundschaft immer schon eher selten war, so richtig enge Busenfreunde hat man nicht so viele.
    Gute Freunde kann man viele haben, ob es auch wahre Freunde sind merkt man leider oft erst in schwierigen Zeiten.

    Selbst bei eigentlich sehr engen Freunden leider, da habe ich von einer wirklich langjährigen Freundin Jahre später erst erfahren, dass sie sich zurückgezogen habe, weil sie in mein Leben "nicht mit hineingezogen werden wollte". Das sagte sie mir, als wir uns wieder annäherten, weil sie wieder mehr Kontakt mit mir haben wollte und ich sie fragte, warum sie sich so verhalten hat.
    Jetzt bin ich die, die sich zurückzieht.

    Verstehen kann ich das nicht, aber wahrscheinlich können sich manche Menschen - und das scheint wohl mehr zu werden in diesen narzistischen Zeiten der Gesellschaft, in der es auf Schönheit und Erfolg wohl mehr als früher ankommt - immer weniger gut abgrenzen.

    Ich käme nie auf die Idee, dass mich die Probleme von Freunden - wirklich guten und engen Freunden - so "herunterziehen" könnten, dass es Auswirkungen auf mein Leben hat. Im Gegenteil: ich sehe und erlebe das meistens eher wie @Petrolia:

    Zitat Zitat von Petrolia Beitrag anzeigen
    Manchmal denke ich, in derlei Therapien sollte vielleicht mal dazu aufgefordert werden, auf das zu sehen, was man von anderen bekommt.
    Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
    "Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama


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