Hallo liebe Leser/innen,
ich schreibe hier zum ersten Mal.
Ich bin ziemlich ratlos, daher wird der Text vermutlich auch etwas durcheinander sein.
Ich bin seit 9 Monaten in einer Beziehung und es kommt immer wieder zu Streitereien, mittlerweile ist es soweit, dass wir uns nichts mehr zu sagen haben und denken, dass es so einfach keinen Sinn macht.
Das ist die eine Seite, würde jetzt aber vermutlich den Rahmen sprengen.
Die andere Seite ist die, dass ich das nicht zum ersten Mal erlebe. Ich hatte noch nie eine Beziehung, die länger als 1 Jahr dauerte (ich bin 26). In den ersten Monaten ist meistens alles toll - und dann fange ich an, alles in Frage zu stellen. Ich werde im Zusammenleben pampig und verschließe mich zunehmen. Wenn mich mein Freund fragt, wie es mir geht, denke ich nur "frag doch nicht, wenn es Dich nicht interessiert". Ich kann es nicht zulassen, dass sich jemand für mich interessiert - ich kann das irgendwie nicht annehmen.
Als Folge bin ich dann kurz angebunden oder werde eben zickig.
Meistens ist es auch so, dass ich dann die Beziehungen beendet habe, kurz und schmerzlos (zumindest für mich). Es war auch noch nie so, dass das irgendwie diskutiert wurde, ich habe den anderen da eigentlich vor vollendete Tatsachen gestellt.
Es zerreißt mich, dass ich anscheinend alle Beziehungen kaputt mache und nicht weiß, woran es liegt oder wie ich es ändern kann.
Vielleicht hat jemand von euch Tipps oder Anregungen, ich danke euch im Voraus!
Alles Liebe
Lila
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Ergebnis 1 bis 10 von 16
Thema: Angst vor Nähe?!
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10.07.2013, 17:03
Angst vor Nähe?!
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10.07.2013, 17:06Inaktiver User
AW: Angst vor Nähe?!
Hallo,
hast du denn so gar keine Idee warum das so ist bei dir?
Kannst du dich selber lieben?
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10.07.2013, 17:18
AW: Angst vor Nähe?!
Gute Frage!
Ich konnte mich in der Vergangenheit nicht wirklich lieben. Auch, weil ich als Jugendliche nie wirkliche Beziehungen hatte, nicht so viele Freunde etc. (ich galt immer als Streberin).
Es wird langsam besser und mein Selbstbewusstsein wächst langsam wieder.
Aber generell ist es schon so, dass ich hohe Ansprüche an mich selbst habe, denen ich oft gar nicht gerecht werden kann. Bzw ich finde dann immer etwas, was gerade nicht gut ist oder worin ich schlechter bin als andere.
Lila
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11.07.2013, 00:07
AW: Angst vor Nähe?!
Wer hat denn die Latte bei dir bzgl. Leistungen so hoch gehängt? Kennst du das von früher?
Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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11.07.2013, 05:42
AW: Angst vor Nähe?!
Nein, es ist nicht das typische "meine Eltern wollten immer dass ich viel erreiche".
Hatte als Kind nie Druck, egal ob Schule, Sport oder sonstiges, konnte immer machen, was ich wollte. Habe aber auch nie Anerkennung bekommen, wenn ich gute Noten hatte o.ä.
So hat sich das vielleicht hochgeschaukelt und ich habe immer versucht noch besser zu sein um dann vielleicht gesagt zu bekommen "gut hast Du das gemacht".
Aber externen Druck gab es da nicht.
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11.07.2013, 13:14
AW: Angst vor Nähe?!
Guten Tag, liebe Lila2013,
Da steht Dir noch einige Arbeit bevor.
- Ich glaube, dass Du professionelle Unterstützung brauchst.
An der eigenen Seele herum zu klempnern ist schwierig und - wenn es denn ginge - sehr aufwändig. Es stellt gewaltige Anforderungen an die Fähigkeit zur Selbst-Betrachtung. Ich habe es im Rahmen einer Selbst(-Psycho)-Analyse probiert, zum Teil mit gutem Erfolg (erst isoliert, dann 27 Jahre mit Isa zusammen), zum Teil ohne jedes Ergebnis (unverhältnismässige Grübeleien, wenn etwas nicht so läuft, wie ich will).
- Ein Thema wird sicher auch sein, die eigene Unvollkommenheit zu akzeptieren. Mir hat einmal im beruflichen Umfeld jemand geraten: „Seien Sie sich selbst gegenüber etwas nachsichtiger, bezw. stellen Sie ganz gezielt geringere Anforderungen an sich. Sie werden dann bestimmt erträglicher.“ Ich habs probiert: Bingo!
- Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und die Kommunikation über die Geschlechtsgrenzen hinweg sind ein ewiges Thema. Ceterum censeo: Die Bücher von Allan und Barbara Pease...
- Losgelöst von einem konkreten Fall über die Mechanismen der Beziehung nach zu denken hat mir schon Einsichten vermittelt, die ich nicht hätte gewinnen können, wenn ich JETZT SOFORT etwas damit hätte machen müssen.
- Es gibt Dinge, die einen Zweck verfolgen, der nicht unmittelbar ersichtlich ist und die schliesslich trotzdem irgend wie helfen. Gerade Frauen schwatzen doch häufig, um die Kontakte zu pflegen, oder eine Atmosphäre zu erzeugen und nicht, um harte Fakten zu übertragen. Man kann ferner Worte zum Geschenk machen, oder mit Worten streicheln. Ich finde das schön.
Auf dieses Thema brachte mich:
Wenn er das nicht fragen würde, würden wohl die meisten Personen denken, sie seien ihm egal oder sogar widerlich. Der Anfang vom Ende einer Beziehung.
- Dass es zu Beginn eine Zeit lang geht, würde ich dem hormongesteuerten quasi-Wahnsinn in der Phase der Verliebtheit zuschreiben, der mit Gehirnscans nachgewiesen wurde. Dann denkt man eben nicht viel. Bei mir ist war das besonders „schlimm“, in dem Sinne - Zitat - „... nicht klar, ob Du am Überschnappen oder bereits wahnsinnig bist.“
Bitte, warte nicht mehr, sondern gehe es entschlossen an, denn jedes Mal kriegst Du eine weitere Narbe an Deiner Seele und das macht es nicht einfacher.
Grüsse, Isambard
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11.07.2013, 13:27
AW: Angst vor Nähe?!
Hallo Isambard,
danke für diese ausführliche Nachricht. Ich will darauf eingehen.
Auf der einen Seite stimme ich zu. Ich bewege mich gedanklich auch häufig im Kreis. Nicht mehr so sehr wie früher, aber jetz in einer sehr anstrengenden Phase, kommt es wieder häufiger vor.
Als Ansatz spreche ich regelmäßig mit einer Therapeutin (das ist "nur" eine Beratung, vom Unternehmen aus ermöglicht, aber es hilft schon sehr)
Das ist ein Punkt, an dem ich schon aktiv arbeite und wo ich auch Verbesserungen sehe. Es ist schwierig, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. ICh war in der Schule immer gut, hatte ein super Abi, gut studiert, nun noch ein weiterführendes Studium... da ist es verdammt schwer, zu sagen "was interessieren mich die Noten". Immerhin bin ich soweit, dass ich nun sage, meine Abschlussarbeit wird ordentlich zu Ende gebracht, mehr nicht. Wenn es eine gute Note wird, sehr schön. Wenn nicht, dann werde ich mich bestimmt kurz drüber ärgern, aber es ist dann einfach so. Ich will mich davon nicht mehr in den Wahnsinn treiben lassen.
Muss ich gleich mal nachschauen :)
Sollte ich mich trennen? Ich denke darüber nach.
Diese Verletzungen tun auch jedes Mal sehr weh.
Ich fühle mich oft wie im falschen Film. Ich bin jung, ich habe einen guten Beruf, ich studiere noch berufsbegleitend, ich habe tolle Hobbies, ich bin (mittlerweile) mit meinem Körper zufrieden.
Ich gelte bei anderen als Sonnenschein und als "immer gut gelaunt".
Ich bin dankbar für das Leben, das ich habe, und ich verstehe Menschen nicht, die sowas nicht zu schätzen wissen und alles negativ sehen. Im Umfeld der mir nahestehenden Personen bin ich jedoch genauso. Sehe dann immer das Schlechte. Das, was nicht funktioniert. Das, was ich noch besser machen könnte.
Ich komme nicht drauf, was dahinter steckt.
Von der Psychologin habe ich gutes Feedback bekommen, dass ich in den letzten Wochen sehr viel entspannter geworden bin. Auch mein Hausarzt meinte kürzlich, er wäre fasziniert, wie klar ich die Dinge sehen und beurteilen könnte.
Tief in mir drin sieht es gerade anders aus. Ich würde so gerne richtig lieben, aber irgendetwas steht im Weg.
Lila
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11.07.2013, 14:12
AW: Angst vor Nähe?!
Hallo, Lila2013,
Mensch, Du gehst aber ran! Das sieht schon mal sehr gut aus. Ich wünsche Dir, dass Du den Hänger irgend wann noch findest und habe diesbezüglich grosse Hoffnungen.
Erlaube mir noch einige Bemerkungen zu Deiner Antwort:
Wenn Du es fertig bringst, auf diese Weise wirklich zu arbeiten, könnte es durchaus sein, dass das Ergebnis besser wird, als wenn Du Dich darauf versteifst. Ich erinnere mich an die Mittelschule: Ich wollte angstfrei Leben und meine Ruhe haben. Die Strategie war, eine Note in der Mitte zwischen dem Maximum und dem Minimum an zu streben. Ich erreichte Sie im Durchschnitt mit einzelnen geringen Abweichungen. Das bedeutet in unserer zum Glück nicht sehr ambitiösen Klasse die beste Matura dieses Jahres.
Nein, nein, nein! Nicht gleich nochmals. So war das nicht gemeint. Ich denke da eher an etwas, was ich von einem Oberst im Generalstab gelernt habe: Szenarien, Aktionen, Kriterien und Deadlines vorab überlegen. Wenn dann die Zeit gekommen ist, ruhig und bestimmt: „Jetzt, los!“
In Deinem speziellen Fall meinte ich, Verhaltensweisen zu überdenken und zu trainieren, bevor es wirklich um die Wurst geht. Gerade im Hinblick auf das Stichwort „pampig“.
Prima! Echte Dauergrinser sind erfolgreicher. Du müsstest diese Deine Haltung nur noch wirklich glauben.
Geduld und aktiv dran bleiben. Das wird schon.
Gratulation!
Ja, mit der Liebe ist es schwierig. Sehr vieles ist fest verdrahtet und automatisiert. Aber Geduld, sogar ein Freak :-) wie ich hat es schliesslich nach 10 Jahren doch noch geschafft. Wenn Du Deine anderen Baustellen einmal in Ordnung gebracht hast, bist Du sehr viel besser aufgestellt. Daran arbeitest Du ja. Und Glück oder die helfende Hand des lieben Gottes braucht es auch.
Alles Gute, Isambard
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11.07.2013, 15:35
AW: Angst vor Nähe?!
Hallo nochmal,
vielen Dank für diese Antwort.
Ich bin einfach im Moment am Ende, grade was die Beziehung zu meinem Freund angeht. Alles andere ist mir bewusst und ich habe das für mich eigentlich gut im Griff.
Mit ihm zusammen eskaliert das alles schnell, er lässt sich da überhaupt nichts gefallen (ist ja ok, macht es nur nicht einfacher) und wir sind an einem Punkt, an dem es auch nichts mehr bringt, zu reden.
Er sagt, ich muss damit alleine klarkommen und er könne mir nicht helfen.
Gleichzeitig kann ich nicht von jetzt auf gleich meine Persönlichkeit ändern und ihm eine gute Partnerin sein.
Es klappt also in dieser Konstellation nicht.

Lila
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12.07.2013, 11:16
AW: Angst vor Nähe?!
So, es ist vermutlich vorbei.
Ich muss mein Scheitern jetzt wohl akzeptieren.


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