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    Eine Liga zu hoch?

    Hey Leute

    Es würde mich einmal interessieren, ob in euren Gedanken auch verschiedene „Ligen“ der Gesellschaft existieren. Bei mir ist das auf jeden Fall so.

    In einer Schulklasse beispielsweise gliedere ich die Leute sehr schnell in „Stufen“ oder eben „Ligen“ ein. Gedanklich befinde ich mich zuunterst. Über mir positionieren sich folgende Menschengruppen:

    1. Zuoberst stehen für mich die schlagfertigen, witzigen, beliebten, selbstbewussten Leute. Diejenigen, die einen grossen Bekanntenkreis haben und bewundert werden. Die Leute, die jeder grüsst auf dem Schulgelände und denen respektvoll zugenickt wird. Wenn ich mir meine Position und dann die ihrige vorstelle, muss ich sehr hoch aufschauen. Ich befinde mich sozusagen auf dem Boden und sie schweben über den Wolken – quasi unerreichbar für mich. Ausserdem werde ich von ihnen kaum bis gar nicht beachtet, was mein Gefühl noch darin verstärkt, dass sie unzählige Ligen über mir „spielen“.

    2. Auf Höhe der Wolken – auch hier wieder sehr bildlich gesprochen – befinden sich die neutralen Leute. Sie sind nicht übermässig beliebt, aber doch noch „angesehen“, haben auch relativ viele Kollegen und sind meist cool bzw. locker drauf. Jeder mag sie und sie haben immer die richtigen Worte parat. Sie sprechen mit mir, wir werden aber niemals beste Freunde, da ich für sie zu spiessig oder zu langweilig bin.

    3. Zwischen den Wolken und der Erde befinden sich diejenigen Leute für mich, über welche die meisten geteilter Meinung sind. Vielleicht haben sie eine gewisse Art, die nicht jeder mag. Trotzdem werden sie akzeptiert und manchmal bringen sie die Leute auf irgendeine Art und Weise zum Lachen. Mit ihnen komme ich zwar in Kontakt, meist dauert die „Freundschaft“ jedoch nicht sonderlich lange, da sie bald jemand besseren finden. Sie sind keine Aussenseiter, sondern immer noch gut in die Gesellschaft integriert, auch wenn sie ein wenig eigen sind.

    4. Auf dem Boden stehen Leute wie ich. Meist „spiele“ ich jedoch als Einzige in dieser Liga. Ich würde nie auf die Idee kommen, jemanden unter mich zu stellen, da ich in den Menschen stets das Gute sehe und sie immer auf irgendeine Art bewundere. Auf dieser Stufe enden die verschiedenen Ligen. Hier befinden sich die scheuen, verklemmten Aussenseiter, welche den Leuten entweder gar nicht auffallen – was nicht mal so schlimm wäre – oder die Menschen nerven, da sie keinen eigenen Standpunkt vertreten können oder als „Spassbremsen“ angesehen werden, da sie wie ich z.B. keinen Alkohol trinken und keine Partys feiern. Sie mögen es ruhig – beispielsweise in der Natur – und haben, wenn es hoch kommt, eine bis zwei Freundinnen. Und das meist schon sehr lange. Oft ist es eine Freundin aus dem Kindergarten/Primarschule, denn damals wurde man als Mensch noch respektiert wie man ist und es wurden leichter Freundschaften geknüpft, welche wiederum länger hielten.
    Es kann sein, dass euch meine Schilderungen krankhaft oder merkwürdig vorkommen. Da ich sonst aber mit niemandem so richtig darüber sprechen kann, dachte ich, dieses Thema mal mit fremden Leuten in einem Forum zu diskutieren.

    Vielleicht ist es ganz normal, sich solche Bevölkerungsstufen vorzustellen. Ich möchte jedoch betonen, dass ich diese Leute nicht ihrem Vermögen, ihrer Religion oder ihrer Nationalität entsprechend einordne, sondern wirklich nur anhand der oben stehenden Schilderungen.

    Ich weiss nicht, ob es ungesund – für die Psyche ist – die Menschen so einzugliedern. Aber bei mir geschieht das ganz automatisch und ich kann mich nicht wirklich dagegen zur Wehr setzen. Besonders deutlich wird dies, wenn mich jemand kritisiert/belehrt. Dann erhebt er sich in meiner Vorstellung hoch über mich und ich fühle mich sofort richtig klein.

    Ich hoffe, jemand von euch hatte die Geduld, dies alles durchzulesen und vielleicht sogar noch den ein oder anderen Tipp.

    Danke im Voraus!

    Gruss

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    AW: Eine Liga zu hoch?

    Hallo petit_fleur,

    aus Schulzeiten ist mir dieses Schicht-Denken durchaus noch präsent. Aber ich muss sagen, dass es sich danach doch zum Glück weitestgehend erledig hat. Weder im Studium, noch im Job hab ich das wieder so erlebt. Ich nehme an, es liegt auch daran, dass sich die Menschen mit zunehmendem Alter auch zunehmend individualisieren, was die Vergleichbarkeit schwieriger macht. Zudem sinkt die Bereitschaft, zu den „Stars“ aufzuschauen.

    Schule ist ja auch oft der einzige oder zumindest Hauptbezugspunkt. Sportverein oder andere Freizeitgruppen zählen dagegen meist weniger, oder es entwickeln sich dieselben Muster. Auch dort sind die Begabten, Hübschen, Charmanten, Selbstbewussten meist tonangebend.

    Ich kann nur sagen, dass diese Sichtweise nach Ende meiner Schulzeit nie wieder eine Rolle gespielt hat. Ich hab mir die Leute gesucht, mit denen ich auf einer Wellenlänge war, und es gab schlichtweg diese Vergleichsgruppen und dieses Einsortieren in Ligen oder Schichten nicht mehr. Ich glaube, dass das für manchen schulischen Außenseiter eine große Erleichterung ist.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  3. Inaktiver User

    AW: Eine Liga zu hoch?

    petit_fleur, ich verschiebe deinen Beitrag ins Forum Persönlichkeit, dort ist er passender aufgehoben.

    Grüße,
    Zuza

  4. Inaktiver User

    AW: Eine Liga zu hoch?

    Ich hab mal ein Zitat umgewandelt:

    "Die größten ehrfürchtigen Bewunderer der Elche, werden später mal selber welche"


    Hab' Geduld. Eines Tages wirst Du die "richtigen Schubladen" besser einsortiert haben.
    Bis dahin ab und zu mal die Geschichte vom "Entlein und Schwan" lesen.

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    AW: Eine Liga zu hoch?

    Hallo Petit Fleur,

    ich kann mich Malina nur anschließen:

    während meiner Schulzeit empfand ich das "Klassendenken" auch sehr stark ("Mit dem brauch ich gar nicht reden, der gibt sich mit so jemand wie mir ja niemals ab" ).

    Ich zählte mich damals auch eher zu den schüchternen Außenseitern mit wenigen Freunden.

    Das hat sich mit Ausbildung, Studium und Beruf aber sehr geändert. Ich bin zwar nie zum "Partyanimal" mutiert , aber ich war denke ich schon immer recht beliebt und von den anderen geschätzt.

    Das liegt aber sicher auch daran, dass ich mit den Jahren auch selbstsicherer geworden bin und nicht mehr sofort erschreckt zurückweiche, wenn mich nur mal jemand schief anschaut.

    Ich kann das "einmal Schublade, immer Schublade" also nicht bestätigen. Gerade ein Jobwechsel, Umzug etc. bietet sich doch auch immer an, sein Auftreten zu "korrigieren". Das heißt natürlich nicht, dass man sich völlig verbiegen soll, aber ich finde schon, dass man z. B. ganz gut üben kann offener auf Leute zuzugehen und eben nicht jeden "krummen Blick" sofort persönlich zu nehmen.

    Viele Grüße vom
    Wassernixlein

  6. User Info Menu

    AW: Eine Liga zu hoch?

    hallo petit fleur,

    darf ich fragen, wie alt du bist?
    was sollte geschehen, damit du das Ligen-Problem nicht mehr (so stark) hättest?
    wenn du wählen könntest (bei der guten Fee oder so ) in welcher Liga wärst du am liebsten?
    kannst du dir vorstellen, dass jemand, den du in der premier league verortest, sich selber eher als "Bodenpersonal" ansieht?
    und umgekehrt natürlich?

    bist du sonst einigermaßen glücklich im Leben?
    Wenn nicht, was sollte anders sein?

    musst (mir) nicht antworten

    alles gute

    R

  7. gesperrt

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    AW: Eine Liga zu hoch?

    Oft ist es eine Freundin aus dem Kindergarten/Primarschule, denn damals wurde man als Mensch noch respektiert wie man ist und es wurden leichter Freundschaften geknüpft
    Primarschule? du meinst jene Hölle, in der ich jahrelang gemobbt wurde? Was bin ich froh, habe ich das hinter mir...

    Irgendwann hab ich beschlossen: leckt mich alle am A..., ich bin so wie ich bin und verzichte auf weitere Versuche, mich anzupassen.

    Was erstaunlicherweise im Lauf der Jahre dazu führte, dass ich offenbar auf einmal selbst mich in der coolen Gruppe wieder gefunden habe.

    Was ich daraus mitgenommen habe: eine Menge Gerechtigkeitsgefühl und wie wichtig es ist, alle Menschen in einer Gruppe zu integrieren. Gerade und besonders auch die Schüchternen, die Ungeschickten, die ein bisschen Eigenartigen.

    grüsse, barbara

  8. Inaktiver User

    AW: Eine Liga zu hoch?

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    aus Schulzeiten ist mir dieses Schicht-Denken durchaus noch präsent.
    Ja, wobei mich diese kastenmäßige Klassifizierung der TE eher an einen amerikanischen Highschool-Film erinnert. .

    In meiner Schulzeit gab es verschiedene Cliquen mit verschiedenen Interessen, aber ohne Wertung.

    Ich habe z.B. nicht zu den "IT-Girls" gezählt, die immer nach dem neuesten Modetrend gekleidet waren - aber das wollte ich auch garnicht, ich fand sie blöd.

    Dafür war ich Klassenbeste und wurde in der Rolle anerkannt.
    Habe mit meinem ersten festen Freund (aus der gleichen Klasse) naturwissenschaftliche Interessen geteilt etc pp

  9. User Info Menu

    AW: Eine Liga zu hoch?

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    hallo petit fleur,

    darf ich fragen, wie alt du bist?
    was sollte geschehen, damit du das Ligen-Problem nicht mehr (so stark) hättest?
    wenn du wählen könntest (bei der guten Fee oder so ) in welcher Liga wärst du am liebsten?
    kannst du dir vorstellen, dass jemand, den du in der premier league verortest, sich selber eher als "Bodenpersonal" ansieht?
    und umgekehrt natürlich?

    bist du sonst einigermaßen glücklich im Leben?
    Wenn nicht, was sollte anders sein?

    musst (mir) nicht antworten

    alles gute

    R
    Hi R_Rokeby!

    Danke für deine Antwort. Hey, deine Fragen sind echt interessant! ;-) Also...

    - Ich werde im Herbst 20 Jahre alt.
    - Was geschehen müsste, damit ich dieses Ligen-Problem nicht mehr hätte, wäre genau meine grosse Frage...
    - Am liebsten wäre ich in der „2. Liga“ bei den neutralen Personen. Ich wäre auch gerne so locker drauf und würde gerne von allen respektiert werden. Mein Wunsch ist es nicht, im Mittelpunkt zu stehen wie diejenigen der „1. Liga“, ich möchte einfach nur wahrgenommen werden, eine „Persönlichkeit“ besitzen, die andere schätzen und meine positiven Charakterzüge an mir bewundern. Es wäre schön, einmal über mich zu hören, dass ich eine tolle Person sei.
    - Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand aus der ersten Liga in die unterste Stufe einordnen würde. Schliesslich sind diese Personen sehr selbstbewusst und glauben an sich. Sie schauen bestimmt nicht zur untersten Liga auf, da sie sich gewiss über diese Leute platzieren. Umgekehrt denke ich ist es aber noch viel seltener der Fall. Liegt wiederum am Selbstbewusstsein, dieses Mal am spärlich oder gar nicht vorhandenen.
    - Grundsätzlich bin ich glücklich. Ich führe eine stabile Beziehung, habe eine Familie, die mich finanziell unterstützt und ca. 3 Kolleginnen. Über was ich mir oft den Kopf zerbreche ist mein kleiner Freundeskreis und dann wiederum meine Persönlichkeit. Weshalb mögen mich nicht mehr Leute?

    Mir fällt einfach öfters auf, dass ich keine Sprüche reissen kann und keine tollen Storys auf Lager habe, mit denen andere Leute sofort die Aufmerksamkeit und Interesse der Leute für sich wecken. Einige meiner Bekannten können den ganzen Mittagstisch unterhalten und werden von anderen bewundert. Aufgrund ihres Lebensstils, ihres Charakters... Das alles fehlt mir. Ich habe das Gefühl, ein „schwammiges Ich“ zu besitzen, für welches sich niemand interessiert.

    Meine primäre Frage ist also: Wie finde ich mich selbst und kann für die anderen Leute interessant werden?

    Gruss

  10. User Info Menu

    AW: Eine Liga zu hoch?

    Zitat Zitat von wassernixlein Beitrag anzeigen
    Hallo Petit Fleur,

    ich kann mich Malina nur anschließen:

    während meiner Schulzeit empfand ich das "Klassendenken" auch sehr stark ("Mit dem brauch ich gar nicht reden, der gibt sich mit so jemand wie mir ja niemals ab" ).

    Ich zählte mich damals auch eher zu den schüchternen Außenseitern mit wenigen Freunden.

    Das hat sich mit Ausbildung, Studium und Beruf aber sehr geändert. Ich bin zwar nie zum "Partyanimal" mutiert , aber ich war denke ich schon immer recht beliebt und von den anderen geschätzt.

    Das liegt aber sicher auch daran, dass ich mit den Jahren auch selbstsicherer geworden bin und nicht mehr sofort erschreckt zurückweiche, wenn mich nur mal jemand schief anschaut.

    Ich kann das "einmal Schublade, immer Schublade" also nicht bestätigen. Gerade ein Jobwechsel, Umzug etc. bietet sich doch auch immer an, sein Auftreten zu "korrigieren". Das heißt natürlich nicht, dass man sich völlig verbiegen soll, aber ich finde schon, dass man z. B. ganz gut üben kann offener auf Leute zuzugehen und eben nicht jeden "krummen Blick" sofort persönlich zu nehmen.

    Viele Grüße vom
    Wassernixlein
    Liebe Wassernixlein :)

    Danke für deinen Beitrag! Wie hast du es denn geschafft, nicht jeden krummen Blick persönlich zu nehmen? Mir fällt das sehr schwer. Wenn ich mit jemandem spreche und er nur kurz wegschaut, deute ich das bereits als Desinteresse. Oder wenn mich jemand einmal nicht grüsst, studiere ich den ganzen Tag lang, was ich wohl falsch gemacht habe. Nachdem ich was gesagt habe, überlege ich mir sofort, ob ich niemanden damit verletzt habe oder irgend ein Wort/eine Aussage darin vorkam, die mich in ein schlechtes Licht rücken könnte. Ich möchte nicht spiessig rüberkommen oder wie eine Spassbremse wirken. Oft habe ich jedoch den Eindruck, dass dies so ist. Ich trinke keinen Alkohol und lehne deshalb immer ab, was mich schon ein bisschen ins Abseits buxiert. Ausserdem besuch ich keine Partys (nur Musikkonzerte), da ich diese Grabschereien und das Angemachtwerden verabscheue und diese saufenden Leute um mich herum nicht mag. Ich hab einfach nicht das Bedürfnis, zu feiern oder mich von irgendetwas auf diese Weise zu erholen bzw. abzuschalten. Wenn ich Fest oder Party höre, klingeln bei mir die Alarmglocken und es gurkt mich fürchterlich an, dort hinzugehen. Vielleicht bin ich deshalb eine Aussenseiterin?

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