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25.06.2013, 00:23
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
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25.06.2013, 08:30
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
Ich finde es schwierig hier irgendetwas ohne Beispiele zu beurteilen. Die Toleranzgrenze für Selbstbetrug bei anderen kann doch individuell sehr unterschiedlich sein. Ich gestehe Freunden "Kleine Fluchten" zu (und vermutlich bin auch ich selbst nicht frei davon)...
Anderes nervt total, z. B. meine Schwägerin, die ihren Sproß auf eine edle private Sportschule bringen wollte. Der Bub ist zwar sehr fit, aber es war eigentlich klar, dass er eben einfacher Durchschnitt ist und natürlich wurde er abgelehnt.
Was aber davor für ein Bohei gemacht wurde, dass er nun bei dieser Schule fast schon angemeldet sei und so weiter ...
Also, Beispiele, bitte ...
KittyCoat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
Mae West: Goodness had nothing to do with it...
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25.06.2013, 09:27
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
Ja, ihr habt Recht. Ich bin "seltsam" und schwer einzuordnen.
Der Name "himmelhochjauchzend....und zu Tode betrübt". Kennt ihr diesen Ausdruck? Das bin ich.
Ich versuche in den letzten Jahren daran zu arbeiten, dies ein wenig einzumitten. Es ist aber nicht so einfach.
Dazu gehört eben auch, dass ich nicht mehr so streng über manche Verhaltensweisen meiner Freunde urteilen möchte, genau aus dem Grund, weil diese so großzügig mit mir umgehen. Ich möchte das lernen, weil ich die strenge Eigenschaft an mir selbst nicht mag - daher ja auch dieser thread und mein Dank für die Antworten.
Darf man sich nicht bedanken..?
Ich bin neu hier und habe mich einfach über die Antworten gefreut - ich bedanke mich auch im wahren Leben für tolle Gespräche, Kritik und Anregungen. Vor allem für Kritik (auch wenn ich natürlich erstmal zusammenzucke) da diese nicht so viele Menschen über die Lippen bekommen und lieber (jetzt mal ein oberflächliches Beispiel) sagen "ach, natüüüürliiich kannst du diese Jeans tragen, sieht super aus...." statt (wie einer meiner besten Freundinnen auch mal sagen würde) "um Himmels willen, NEIN! darin sieht dein Hintern total fett aus". So eine Ehrlichkeit liebe ich halt. Aber wir schweifen ab....
Dieses oberflächliche Beispiel lässt sich natürlich auf wichtige Dinge übertragen.
Nun mal die "heiß ersehnten Beispiele":
Eine Freundin ist seit Jahren von ihrem ex-Freund "getrennt", redet / chattet aber jeden Tag mit ihm, weil sie nicht allein sein kann (das sagt sie selbst) und regt sich aber auch so gut wie jeden Tag über ihn auf. Er ist in einer neuen Beziehung, sie hat aber trotzdem noch regelmäßig Sex mit ihm, weil sie gerne ihre Macht über ihn ausspielt (sagt sie selbst). Sie unterstellt ihm, dass er ihr schon häufiger im Wege stand, eine neue Beziehung einzugehen - er habe ihr dann alles vermasselt. In regelmäßigen Abständen gibt es höchst dramatische Verwicklungen und sie sieht sich jedes mal als Opfer.
Für mich ist sie (wie eigentlich fast nie jemand) nur ein Opfer, da in den meisten Fällen zwei dazu gehören.
Sie hat mich schon vielfach dazu um Rat gefragt. Ich habe ihr jedes mal ehrlich gesagt, dass es besser wäre, sie würde mal versuchen wirklich allein zu sein (mal GANZ abgesehen davon, dass es nicht die feine Art ist, bewusst und nur weil sie nichts "besseres zu tun" hat, mit ihrem ex in´s Bett zu gehen obwohl er eine neue hat), dies einfach mal auszuhalten und dann gäbe es auch keine Verwicklungen mit ihren neuen Männern und kein Drama mit dem ex.
Daraufhin fängt sie aber jedes mal damit an, sich als Opfer zu sehen und dass es ja eine Millionen Gründe gäbe, warum sie mit ihm täglichen Kontakt haben müsse - Sachen von ihm im Keller, die er abholen muss, sie braucht einen starken Mann, der ihr etwas schleppen muss, sie brauchte Hilfe bei Ihrem Fahrrad, sie brauchte eine Einkaufsberatung, weil sie sich nicht entscheiden konnte, welche Kleid ihr besser steht etc.
Warum ich meine zu wissen, dass dies eine Selbstbetrügerei ist...? Weil sie es mir in "lichten Momenten" ja selbst sagt.
Nächstes Beispiel:
Eine wunderschöne Freundin hat sich in einen verheirateten, 30 Jahre älteren, sehr unattraktiven Mann (und Mulitmillionär) verliebt. Sie erzählt uns allen, dass sein unglaubliches Vermögen inkl. Privatjet etc. überhaupt keine Rolle spielen würde, redet aber ständig von diesem oder jenem Luxus / Statussymbolen in Bezug auf ihn. Wir hätten alle überhaupt kein Problem damit, wenn sie zugeben würde, dass sein Status auch eine Rolle in dieser Beziehung spielt. Was ist denn schon dabei? Geld macht sexy - das ist doch seit Ewigkeiten bekannt. Ich glaube ihr ja, dass sie auch in seinen Charakter verliebt ist. Aber dieses Getue, dass der Rest ja gar keinen Einfluss hat, ist einfach manchmal schwer zu ertragen...
Positives Beispiel (weil ich das Beispiel mit dem Aufstand um die Privatschule etc. so lustig fand und da auch - mal wieder... - meinen Kopf geschüttelt hätte ;-)
Der 3jährige Sohn einer Freundin hat letztens irgendetwas - wie ich fand - sehr schlaues gemacht und ich sagte spaßeshalber: "hey, euer Sohn ist ja hochintelligent, der wird mal "Raketenwissenschaftler" und sie meinte knalltrocken "naja, die GEfahr ist jetzt nicht so groß, mein Mann und ich (beide erfolgreiche Akademiker) sind doch nicht sooo intelligent. Ich würde mal sagen, unser Sohn ist guter Durchschnitt"
Das fand ich sooooo erfrischend - wo doch eigentlich jeder denkt, dass sein Kind hochbegabt, total weit voraus und ein absoluter Überflieger ist ;-))))
Nun bin ich gespannt, was ihr zu den Beispielen sagt - ich habe noch mehr auf Lager, wenn Bedarf besteht ;-)
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25.06.2013, 09:38Inaktiver User
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
Also heftige Stimmungsschwankungen? OK, bei Deiner ersten Schilderung dachte ich eher an einen betont sachlichen Menschen. Lag ich wohl falsch.
Klar darfst Du Dich bedanken. Ich hatte nur nach Deinem Eingangsposting den Eindruck, Du wärest eher kritisch distanziert - oder es paßte zu dem, was Du über Dich schreibst. So agierst Du aber hier nicht. Was ja eigentlich positiv ist im Sinne: zu streng und intolerant bist Du schon mal nicht, oder jedenfalls nicht grundsätzlich.
Zu Deinen Beispielen:
Zu Freundin 1 sagen: "Komm, Du machst Dir selbst was vor, das weißt Du auch, hast Du schon oft genug zugegeben." Und: "Ich mag das Thema nicht mehr diskutieren. Das ist nicht böse gemeint, aber meine Meinung dazu kennst Du ja." (Ich nehme an, Du hast sie ihr mal gesagt?) Und: "Wollen wir nicht lieber über was Anderes/Nettes reden/was Nettes machen?"
Bei Freundin 2 würde ich mich - und im zweiten Zug vielleicht sie - fragen: Warum redet sie ständig vom Luxus? Sie scheint es nötig zu haben, ihn aufzuwerten. Hat sie ein Problem mit seiner Unattraktivität bzw. seiner Außenwirkung, und wie die auf sie abfärben könnte? Was will sie kompensieren?
Andere Variante: Sie anlächeln und sagen: "Das ist doch schön, daß Du so verliebt in ihn bist und das Materielle gar keine Rolle spielt." Vielleicht kommt sie auch dann mit dem eigentlichen Problem heraus, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall nicht auf ihre Kommunikationsstrategie einsteigen. Weder ärgern noch verurteilen.
Meine spontanen Gedanken dazu.
Gruß Sin
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25.06.2013, 09:39
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
Es gibt einen großen Unterschied zwischen Optimismus und Naivität. Du wirfst beides in einen Topf.
Die Behauptung, Depressive sähen die Welt so wie sie ist, finde ich ... seltsam. So, als wenn es "die Wahrheit" gebe. Depressive denken: Die Welt ist grau. Gesunde Menschen nehmen ihre Buntheit wahr.
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25.06.2013, 09:40Inaktiver User
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
Bei beiden Beispielen schüttelt's mich. Da müssen auf der anderen Seite schon sehr viele positive Eigenschaften stehen, dass ich so ein Geschwafel länger aushalten würde...
Aber es geht ja nicht um mich.
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25.06.2013, 09:59
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
Nach Lesen Deines ersten Beispiels denke ich, Dein "Groll" kommt daher, dass Du Dich nicht konsequent und deutlich abgrenzt. Du teilst einmal Deine Meinung mit, wahrscheinlich nachdem Du Dich überwunden hast, aber Deine Freundin kommt wieder mit dem gleichen Zeugs an, da es ihr Bedürfnis ist. Statt dabei zu bleiben, hörst Du Dir den gleichen Müll wieder und wieder an.
Ich schließe mich insofern Malina an: Distanzierung ist nicht das Mittel der Wahl. Sondern Nähe. Nähe, die entsteht, wenn Du zeigst, was Du empfindest, statt vorzeitig aufzugeben.
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25.06.2013, 10:55
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
Hallo himmelhochjauchend
danke für die Beispiele, jetzt wird es ein wenig klarer. Im zweiten Fall würde ich gar nichts machen. Sowas stört mich sonderlich, wenn mir der Mensch ansonsten lieb und teuer ist. Das ist die Form von "Lebenslüge", mit der ich ganz gut leben kann, es sei denn, die Angeberei über den Reichtum des Freundes nehmen irgendwann einen zu großen Raum ein. Dann würde ich wohl mal was sagen.
Beim ersten Fall bist Du ja sozusagen als seelischer Mülleimer beteiligt. Solche Freundschaften, wo jemand dauerhaft um seine Probleme kreist, jammert und klagt, aber letztlich nicht bereit ist, was zu ändern, halten bei mir in aller Regel nicht ewig. Ich versuche, nachdem ich erst eine Weile zugehört, getröstet, geraten, mitgelitten habe, das Thema dann irgendwann auszuklammern, wenn das möglich ist. Oft sind diese Menschen aber derart in ihre Geschichte verstrickt, dass sie nur darüber reden wollen und kein Platz mehr für meine Geschichten ist. Dann reicht es mir auch irgendwann. Ich kann mich an eine Situation erinnen, als ich, frisch von einer tollen und etwas exotischen Reise zurück, mit einer Freundin telefonierte, die mir nur die Ohren von ihren ewig gleichen Problemen volljammert und ganz am Schluss meinte: irgendwann musst Du dann auch mal von Deiner Reise erzählen. Das war für mich der berühmte Tropfen, der Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die Freundin gibt es in meinem Leben nicht mehr. Sie darf sich gerne so viel vormachen über ihr Leben, wie sie möchte, so lange sie mich nicht andauernd damit behelligt.
Ich glaube, jeder von uns macht sich in Bezug auf bestimmte Punkte in seinem Leben was vor. Das finde ich auch nicht weiter schlimm. Nur wenn es dazu führt, dass derjenige sich in eine Opferhaltung begibt und seine Umwelt emotional leersaugt, dann darf man auch auf Distanz gehen. Das hat für mich dann nichts mehr mit Toleranz oder Barmherzigkeit zu tun, das ist reiner Selbstschutz. Ich bin nicht die Therapeutin meiner Mitmenschen, und Freundschaft besteht nicht nur darin, die Probleme anderer Leute anzuhören.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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26.06.2013, 07:15Inaktiver User
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
Für mich ist das so eine Barbie-Welt.
Wäre einfach nicht meine Welt.
Liebe Himmelhochjauchzend: man kann auch mal grundsätzlich ne KORREKTUR vornehmen weil man an der falschen Adresse ist.
Andererseits würdest du auch in eine erzieherische Rolle reinrutschen.
Leben und lebenlassen ist ja gut und schön.
Wenn ich aber grundsätzlich andere Wertmasstäbe habe dann muss ich meine Puppenlappen nehmen und gehen.
Es gibt immer Menschen die so ähnlich sind wie man selbst.
Sogar welche die noch viel höhere Ansprüche haben.
Ich kann heute für mich stehen, dass ich Moral schätze, moralisch bin - und nicht im worst-case nur die Ausheultante.
Dabei bin ich so was von rigoros geworden.
Das trauen einem dann andere Menschen überhaupt nicht zu.
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02.11.2014, 20:08Inaktiver User
AW: Bin ich zu streng und zu intolerant?
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Geändert von Inaktiver User (03.11.2014 um 11:45 Uhr)




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