Dieser Vergleich von den konditionierten Hunden empfinde ich als sehr treffend, Wildwusel, vielen Dank dafür. Und spricht an sich für Therapie, wenn zu lange solche Muster mitgemacht wurden. Dann chronifiziert sich dieses Muster.
Mein ExPrachtsexemplar hat auch Liebesentzug oder Nicht-Kommunikation über Jahrzehnte zelebriert - neben ausgesprochen ritterlichem, fürsorglichen Verhalten. Ich habe eine Therapie gemacht nach der Trennung. Meine Therapeutin nannte dies: "wir müssen noch ein offenes Kellerfenster schliessen, sonst zieht es da stets etwas hinein". Sie hat diese Nicht-Kommunikation meines Expartners immer wieder thematisiert und als unter jeder Sau taxiert - ganz und gar nicht-Bewertungs-abstinent. Dies hat mir ermöglicht, nicht nur die Suppertollen Eigenschaften meines Exmannes zu sehen - sondern diese enorme Kommunikationsunfähigkeit. Die er heute noch ausgebaut hat - auch den erwachsenen Kindern gegenüber. Die nun auch finden, dass ihr Vater doch recht defizitäre Seiten hat.
Konfliktsituationen ansprechen zu können, seine eigene Befindlichkeit, die eigenen Wünsche, Gefühle, Bedürfnisse gehört für mich zu einer erwachsenen Beziehung auf Augenhöhe. Andere Konfliktaustragungsmuster über Jahre erlebt können schädigend sein.
Meine Therapeutin fand, mein Kellerfenster sei nun geschlossen als sie mir folgende Frage stellte: "Frau Wedernoch, wenn Sie Gäste einladen und fein kochen, dummerweise kocht nun jedoch ein Gericht an und riecht verbrannnt. Was machen Sie damit?" Und ich antwortete: "Fortwerfen".
Sie sagte damals nur, "Sie, Frau Wedernoch können die Therapie nun beenden, wenn Sie wollen, Sie haben den wichtigen Schritt zur Lösung aus dieser belasteten Beziehung gemacht." Dies ist nun Jahre her. Eine Beziehung beenden zu können, die uns nicht guttut, empfinde ich heute in der Tat als gesunden Schritt. Nicht an einem angebrannnten Gericht herumzudoktern neverending, mit Gewürzen das Angebrannte vertuschen zu versuchen. Nach einigen Versuchen, die zu keinem guten Ergebnis führen, das angebrannte Gericht wegschmeissen.
Und Neubeginnen. Und wenn es da angebrannt riecht ohne angebrannt zu sein - darüber lachen. Angebranntes war einmal. Ist heute göttinseidank vorbei. Heute lassen wir nichts mehr anbrennen, da wir Konflikte zeitnah, direkt und offen ansprechen.
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14.06.2013, 12:40Inaktiver User
AW: Liebesentzug als Bestrafung - wie löse ich mich davon?
Geändert von Inaktiver User (14.06.2013 um 12:44 Uhr)
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14.06.2013, 12:43Inaktiver User
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14.06.2013, 13:23
AW: Liebesentzug als Bestrafung - wie löse ich mich davon?
@ alle, die hier geschrieben haben: DANKE, Ihr habt mir SEHR geholfen.
Ich werde das eine Weile beobachten und dann entscheiden ob ich selber damit klar komme oder nicht.
Das Bild mit dem verbrannten Essen ist göttlich, Danke auch dafür
Ich schreib im Moment immer einen Brief ...den ich natürlich nicht abschicke, aber in dem ich mich ohne Ende beschweren und lamentieren kann
Damit kriege ich meine Panik sehr gut in den Griff
Muss mir noch ein griffiges Mantra überlegen...
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14.06.2013, 13:41Inaktiver User
AW: Liebesentzug als Bestrafung - wie löse ich mich davon?
Was meinst Du zum Mantra von wildwusel: Geist meines Ex, verzieh Dich...hat etwas verspielt-märchenhaftes - und im Märchen kann ja weggezaubert werden...
Zusätzlich zum Mantra bat ich zu Beginn meine Liebsten, mir zeitnah und direkt Konflikte mitzuteilen, die sie haben...und wenn keine diesbezüglichen Nachrichten kamen, dann waren dies stets gute Nachrichten...ich hatte also nichts Falsch gemacht bzw. so, dass mein Liebster sauer auf mich wurde...
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21.06.2013, 00:06
AW: Liebesentzug als Bestrafung - wie löse ich mich davon?
Erkenne deinen Anteil an der Situation und übernimm die Verantwortung dafür. Wandle einen Satz wie den obigen im Geiste um, so dass dein Teil sichtbar wird. Wie liest sich das:Wie kann man sowas los lassen??
"In meiner Ehe war es so, dass mein Mann immer, wenn er etwas an meinem Verhalten falsch fand, geschwiegen und sich zurückgezogen hat. Dies empfand ich als Liebesentzug und damit als Bestrafung. Teilweise habe ich tagelanges
Schweigen entgegengenommen und bin darauf eingegangen. Ich hab dann immer auf Knien um Verzeihung gebeten, damit ich seine Liebe zügig wieder gezeigt bekomme - egal ob ich nun wirklich einen Fehler gemacht hatte oder nicht."
Erkenne deinen Anteil. In emotionalen Konfliktsituationen zu schweigen, ist unter Männern weit verbreitet. Natürlich gibt es viele andere Exemplare, aber es lässt sich nicht leugnen, dass das Schweigen der Männer gerade dann weit verbreitet ist, wenn die Konfliktsituation mit Gefühl verbunden ist. Das ist sein Anteil.
Und darauf folgt dein Anteil: Übernimm Verantwortung dafür, dass du diejenige bist, die aktiv "auf Knien um Verzeihung bittet". Du hast diverse Handlungsmöglichkeiten, auf das Schweigen eines Mannes zu reagieren. Gewählt hast du aber die beschriebene. Frag dich, warum du diese stetig wiederholst, statt andere auszuprobieren. Was steckt dahinter? Und vor allem: Warum beschreitest du einen offenbar erfolglosen Weg immer und immer wieder?
Mein Rat wäre, einen anderen auszuprobieren und zu schauen, was passiert. Wenn das Ergebnis nicht das gewünschte ist, weitere auszuprobieren - und befindest du alle für schlecht, hast du nichts zu verlieren: Zum "auf Knien um Verzeihung bitten" oder "Panik bei Nichtanrufen zu schieben" kannst du jederzeit zurückkehren.
Für die erste Hilfe lies sowas wie das hier (ich kenne es selbst nicht, halte es aber bei Schilderungen wie deinen für eine angemessene Akuthilfe... einfach mal bspw bei amazon o.ä. reinblättern, obs passen könnte)... Und für die tiefergreifende Auseinandersetzung mit den Wurzeln der Thematik zu der Frage "woher kommt das alles und warum stellt sich ein bestimmtes Gefühl ein, das einen dazu verleitet, immer wieder die gleichen Verhaltensmuster abzuspulen" empfehle ich dieses hier. Letzteres ist allerdings nicht ganz so schnell zu verdauen und umzusetzen.Und: ich frage mich dauernd: WARUM um Himmels willen habe ich das überhaupt mit mir machen lassen??Geändert von Divino (21.06.2013 um 00:16 Uhr)
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21.06.2013, 09:38
AW: Liebesentzug als Bestrafung - wie löse ich mich davon?
Tu es. Lass es los.
Jeden Tag ein Stückchen.
Die Frage geht zumindest in die gegenteilige Richtung von Loslassen...WARUM um Himmels willen habe ich das überhaupt mit mir machen lassen?
Denn ich mutmaße mal, dass es auf deine Frage keine Antwort gibt, zumindest nicht in der Vergangenheit.
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22.06.2013, 09:28
AW: Liebesentzug als Bestrafung - wie löse ich mich davon?
Liebe TE,
ich war auch schon einige Male in deiner jetzigen Lage und weiß nur zu gut, wie du dich fühlst. Mit längeren Schweigephasen konnte ich absolut nicht umgehen und fühlte mich dann wie ein kleines Kind, das für unartiges Benehmen bestraft wurde. In meiner Familie gab es übrigens noch nie einen solchen Menschen, war auch ein Grund, weshalb ich damit total überfordert war.
Meiner Ansicht nach gibt es nur eine Möglichkeit, um auf die Dauer mit so einem Mann umgehen zu können: Du musst es aushalten können bzw. sein Schweigen sollte dir nichts ausmachen. Ich kann es nicht. Mir ist es lieber, wenn ein Mann seinen Ärger lautstark zum Ausdruck bringt, wir uns mal zoffen, und danach ist alles wieder okay. Schweigende Männer können meiner Erfahrung nach sehr stur sein und die Funkstille ganz schön lange durchziehen. Und das ist für mich als hyperaktive Frau die schlimmste Bestrafung überhaupt.
LG
Pistazieneis
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22.06.2013, 23:07
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22.06.2013, 23:21Inaktiver User
AW: Liebesentzug als Bestrafung - wie löse ich mich davon?
alles_und_mehr,
ich denke, hier wurde bisher ein sehr wichtiger Punkt ausser Acht gelassen - dass Du Dich ursprünglich überhaupt für Deinen (Ex) Mann interessiert und ihn nicht verlassen hast, als Du erste Kostproben seiner Manipulationsstrategien bekommen hast, hat mit Dir zu tun. Etwas in Dir hat auf diese Art angesprochen, sie hat etwas in Dir aktiviert, das möglicherweise erheblich älter, und tief in Dir verankert ist.
Dieses Etwas hat dazu geführt, dass Du Dich wie ein Fussabtreter benommen hast und auf und in die Knie gegangen bist, statt aufzustehen und für Dich einzutreten.
Dieser Teil von Dir verschwindet nicht einfach mit dem Partner, den Du verlassen hast - Du musst ihn aufsuchen und befrieden, Dich konkret damit auseinander setzen, warum sich die Dinge so entwickeln konnten, und wo die Wurzeln dafür liegen.
Dann, und nur dann hast Du eine Chance zu echter Veränderung.
Vernachlässigst Du diesen Aspekt, der mit Deiner Verantwortung für Dein Wohl zu tun hat, läufst Du Gefahr, über kurz oder lang wieder in eine ähnliche Dynamik zu rutschen. Selbst wenn Dein neuer Partner ganz anders gestrickt sein sollte, so kann dieser Teil in Dir dennoch dazu führen, dass er sich auf die Dynamik, die dieser Teil von Dir hervor bringt, einlässt und ganz einfach mitspielt in diesem alten Drama.
Ändern kannst Du nur Dich selbst. Etwas, das so tiefgreifend selbstzerstörerisch ist wie die Impulse, die Du aus Deiner alten Beziehung beschrieben hast, verschwindet meiner Erfahrung nach nicht einfach so - und deshalb möchte ich Dir nahe legen, Dir die Sache mit therapeutischer Unterstützung anzuschauen, um Deinetwillen.
Meines Erachtens wäre das ein Akt der Selbstfürsorge, der überfällig ist. Therapie bedeutet nicht, dass jemand anderes Deine Probleme für Dich löst - sie ist aber ein Werkzeug, das Türen erheblich schneller und zielstrebiger öffnen und Dir wertvolle Schützenhilfe leisten kann.
Du merkst selbst, dass Du in alte Muster fällst, und es schwer ist, sich ihnen zu entziehen. Deine innere Anspannung und Unsicherheit sind auch für Deinen neuen Partner spürbar, und er wird darauf reagieren, selbst wenn Du versuchst, diese Tendenzen zu kontrollieren und zu verbergen.
Daher lege ich Dir ans Herz, ans Eingemachte zu gehen, und etwas für Dich zu tun: Arbeite das, was Dir passiert ist, gründlich auf, und versuch heraus zu finden, wie es passieren konnte, dass Du (!) Dich selbst so weit erniedrigt hast.
Alles Gute für Dich!
c_f
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22.06.2013, 23:49
AW: Liebesentzug als Bestrafung - wie löse ich mich davon?
@all
Danke für Eure Denkanstösse, Ratschläge, Erfahrungen und Buchtipps

Wenn ich so in die Vergangenheit schaue, glaube ich den Grund für mein Dableiben trotz dieser Manipulation zu erkennen. Ich habe mich damals zwischen zwei Männern entschieden...der eine war eine pure Herzensangelegenheit, wohnte 1500km von mir weg, eine Beziehung voller Leidenschaft, unglaublich intensiv und unglaublich anstrengend..und der andere war dieser hochgebildete, mich intellektuell sehr ansprechende und hier wohnende Mann, mein späterer Ehemann.
Ich hab damals meinen Kopf entscheiden lassen und nicht mein Herz und ich glaube ich wollte vor allem mir selbst beweisen dass es richtig war so zu handeln, wollte auf keinen Fall zulassen dass es Streit gibt oder vielleicht sogar Trennung...purer Selbstbetrug


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