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  1. Inaktiver User

    sozial inkompatibel und glücklich?

    Wenn ich die letzten Erlebnisse Revue passieren lasse, fällt mir immer mehr auf, wie sehr sich "andere" an mir stören, bzw. vielleicht besser ausgedrückt: Wie sehr ich mit meiner Lebensweise auf Unverständnis stoße. Oft hab ich den Eindruck, das Problem bin ich. Aber auch, dass es mir schwer fällt, mich da anzupassen, weil es grundlegende Dinge sind, die ich gerne mag und die zu mir gehören, die ich teilweise für mein seelisches Gleichgewicht und mein Wohlbefinden benötige. Und ich habe mich da wirklich sehr versucht anzupassen, aber irgendwie ist es nicht meins....


    Beispielsweise bin ich gerne und auch am liebsten alleine. Das wird dann häufig bemitleidet, etc. Auch, dass ich nur alle paar Jahre mal eine kurze Beziehung habe, aber mein Bedürfnis danach ist auch nicht so sehr ausgeprägt, dass mir da was fehlen würde. Ich finde einfach relativ selten jemanden anziehend. Auch Aussehen ist für mich nicht so wichtig, irgendwie ist es für mich relativ oberflächlich, und ich will nicht mal von jedem für "gut aussehend" befunden werden.

    Gerne mal, werd ich auch für sehr viel dümmer, als ich bin gehalten, weil meinen Gedankengängen keiner folgen kann. Ich denke relativ schnell und bin dann schon innerlich mehr durchgegangen als mein Gegenüber, das dann glaubt, ich hätte was wesentliches ausgelassen und mir wird dann einfach Unwissenheit zugeordnet.

    Aber da ja jeder alles aus seiner Sicht sieht und nur aus sich heraus wahrnimmt, kann es durchaus sein, dass ich da auf dem Holzweg liege...

    Irgendwie liegt aber genau in dem, "der Hund begraben". Mir ist bewusst, dass ja jeder nur aus seiner Wahrnehmung, seiner Erfahrung, seiner Ein- und Vorstellung heraus handeln kann und dass jemand der eine andere Vorstellung, Erfahrung etc. als ich gesammelt hat, für den mag das auch alles komisch vorkommen.

    Man wünscht sich ja gern mehr Toleranz, mehr Verständnis, weil ja jeder einen anderen Weg einschlägt und weil ja nicht für alle der gleiche Weg, der beste ist. Und gleichzeitig, weiß ich, dass es eine Utopie ist, so eine Grundhaltung von allen zu erwarten.

    Mir hat mal eine mir wichtige Personn, die ich sehr schätze gesagt, dass es mir eher am Selbstbewusstsein, als an was anderem fehlt. Manchmal glaub ich, vielleicht ist es tatsächlich nur das. Vielleicht muss ich mich nicht grundlegen anpassen, vielleicht muss ich mich nicht zwanghaft ändern, vielleicht darf ich aber auch nicht erwarten, dass jeder mich toleriert, sondern muss da einfach nur darüber stehen, mir meiner sicherer sein und mich nicht immer zu sehr hinterfragen. Manchmal glauch ich allerdings auch, dass ich evtl. ne Persönlichkeitsstörung habe, denn da erlebt man ja auch alles dem Ich zugehörig und es würde mich nicht stören, die anderen aber schon. Dabei komme ich schon gut mit anderen auf der menschlichen Ebene aus, es ist nur so, wenn ich mich authentischer gebe, sage wie es ist, ohne verblümt zu erzählen, werd ich schnell "bemitleidungs- oder bearbeitungsbedürftig".
    Geändert von Inaktiver User (06.05.2013 um 19:51 Uhr)

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    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    Hi, waswillmanmehr!
    Dein Strangtitel hat mich grade total angesprochen, daher mein Bedürfnis auch was zum Thema zu sagen.
    "Sozial inkompatibel" ist wohl meine am häufigsten gebrauchte Selbstbeschreibung. Ich kenne das, was du da erzählst sehr gut und habe auch manchmal ordentlich daran zu knabbern. Dieses Gefühl, einfacht nicht dazuzupassen, sich nicht zwingend mit anderen Menschen umgeben zu wollen, der Eindruck "die verstehen mich alle nicht!", wenn man sich mal wirklich öffnet, weil man anders denkt, anders spricht, anders aussieht als die breite Masse ... das sind meine ständigen Begleiter seit Kindergartentagen!

    Auch ich verliebe mich selten und auch platonisch verstehe ich mich nur mit ganz wenigen ausgewählten Personen wirklich gut. Mir scheint, ich habe einfach keinen Draht zu den meisten Menschen... sie interessieren mich auch nicht wirklich. Das macht mich weder einsam noch depressiv noch langweilig, deren Welt ist einfach nicht meine, ein Besuch dort kann auch mal sehr nett sein, strengt mich aber auf Dauer wahnsinnig an. "Asozial und verbittert" wurde ich schon genannt, bin ich aber nicht, mir geben viele soziale Situationen einfach nichts, ich fühle mich fehl am Platz, das raubt Energie.

    Gründe dafür hab ich auch schon gesucht, obwohl ich es quasi nicht anders kenne. Das mit dem Selbstbewusstsein, was du erwähnst, scheint zumindest ein Teil des Musters zu sein. Mir kommt vor, es ist eine Wechselwirkung zwischen einer grundlegenden Persönlichkeitsstruktur und den Reaktionen der Umwelt darauf. Beispielsweise bin ich schon immer sehr introvertiert und habe schon als Kind das Feedback bekommen, das sei gleichzusetzen mit schüchtern oder uninteressant, man fühlt sich ausgeschlossen, zieht sich noch mehr zurück.
    Dieses Gefühl, keinen Platz im Gesamtgefüge finden zu können, in dem sich alle anderen scheinbar so pudelwohl fühlen, zieht sich bis heute. Mir fehlt einfach die "Schwarmintelligenz"!
    Je älter ich werde (und sooo alt bin ich noch garnicht ), desto eher lerne ich aber die Vorzüge meiner Art zu schätzen und wünsche mir immer weniger, mich irgendwie ändern oder anpassen zu können. Denn in Wirklichkeit habe ich doch schon längst meinen Platz, meine Nische im Leben. Ich muss mich nicht künstlich sozialisieren oder verbiegen, ich bin glücklich mit meinem Leben so wie es ist... und kein Schwarm besteht nur aus Individuen, die sich im Getümmel wohlfühlen, irgendwer muss ja auch die Ränder besetzen!

    Ganz liebe (sozial inkompatible) Grüße
    Radisi
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

  3. Inaktiver User

    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    das hast du wirklich sehr schön geschrieben.

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    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    Hallo waswillmanmehr,

    komisch, ich kann mich mit Deiner Selbstbeschreibung total gut identifizieren, erlebe mich aber dabei überhaupt nicht als sozial inkompatibel. Ich habe einen zwar nicht riesigen, aber stabilen und guten Freundeskreis, der aus ganz unterschiedlichen Leuten besteht, die mich alle nehmen, wie ich bin. Ich gebe mir nicht viel Mühe, mich anzupassen, wobei ich auch nicht weiß, was das eigentlich genau heißt. Meine Lebensweise ist meine Lebensweise. Aber ich kann andere auch gut so sein lassen, wie sie sind. Vielleicht liegt da ja bei Dir der Hase im Pfeffer...

    Ich steh zu dem, was mich ausmacht, was mir wichtig ist, versuche aber andererseits auch niemanden zu missionieren. Und ich lass es andererseits auch nicht zu, dass andere mich bemitleiden. Vielleicht gibt es Leute, die nicht mit mir tauschen möchten, aber ich möchte mit vielen Menschen auch nicht tauschen. Damit kann ich also leben.

    Und sozial kompatibel, was heißt das schon? Ich kann mich in Gruppen einfügen, wenn es sinnvoll und notwendig ist. Ich steh nicht am Rand, aber auch nicht im Mittelpunkt. Ich kann aber auch meinen eigenen Weg gehen, wenn es mir wichtig ist. Ich entscheide selbst, in welche Richtung ich gehe. Und ich habe das Gefühl, dass ich durchaus als stark wahrgenommen werde und nicht als bemitleidenswert.

    In welcher Form hast Du denn versucht, Dich anzupassen?

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

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    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    habt ihr euch schon mal mit dem Thema Autismus und Asperger Syndrom auseinander gesetzt? Spannendes Thema ...

  6. Inaktiver User

    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    Zitat Zitat von Radisi Beitrag anzeigen
    Gründe dafür hab ich auch schon gesucht, obwohl ich es quasi nicht anders kenne. Das mit dem Selbstbewusstsein, was du erwähnst, scheint zumindest ein Teil des Musters zu sein. Mir kommt vor, es ist eine Wechselwirkung zwischen einer grundlegenden Persönlichkeitsstruktur und den Reaktionen der Umwelt darauf. Beispielsweise bin ich schon immer sehr introvertiert und habe schon als Kind das Feedback bekommen, das sei gleichzusetzen mit schüchtern oder uninteressant, man fühlt sich ausgeschlossen, zieht sich noch mehr zurück.
    Ja, ich glaube das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wenn man früh gelernt hätte, dass es ok ist, in einigen Punkten ein bisschen anders zu sein, würde man sich keinen großen Kopf machen und nicht unter ständiger Selbstbeobachtung stehen.

    Ich habe in den letzten Monaten mal gezielt versucht, ganz objektiv das Verhalten meiner Kollegen zu betrachten: da gibt es die ganze Bandbreite von Verhaltensweisen, von ruhig bis extrovertiert, von locker-flapsig bis ganz ernst...Und jeder ist ab und zu mal in der Situation, dass seine Beiträge nicht beachtet werden, er missverstanden wird, dass Leute über ihn hinter seinem Rücken reden, seine Lebensweise für seltsam halten...

    Ich tendiere aber immer dazu, automatisch zu denken, dass ich ganz persönlich so etwas anziehe, dass ich als "freakig" auffalle, dass "die anderen" (als ob es sich um einen homogene Gruppe handeln würde) mich seltsam finden. Ich fürchte, das ist Selbstsabotage vom Feinsten.

    @waswillmanmehr: ist es wirklich oft so, dass Leute dir explizit sagen, dass sie dich bemitleiden, dich irgendwie beraten oder verändern wollen? Oder sind das Einzelfälle?

    Mir ist so etwas auch öfter passiert, vor allem, als ich jünger war, und ich merke, dass ich diese Erfahrungen zum Teil immer noch in die Bemerkungen anderer Leute hineinprojiziere. Obwohl die Leute dies vielleicht nicht so meinen.

    Und allgemein habe ich festgestellt, dass es nicht wenige Menschen gibt (überwiegend Frauen), die so eine Art Helfersyndrom haben. Die denken wahrscheinlich wirklich, jemand der ruhig ist und gerade keine Beziehung hat muss aufgebaut werden, weil es für sie unvorstellbar ist, dass jemand in dem Zustand glücklich sein kann.
    Dieses Verhalten mag zwar sozial akzeptiert sein, finde ich aber persönlich extrem übergriffig. Und das sollte man auch nicht als Beleg für die eigene soziale Inkompatibilität sehen (leichter gesagt als getan, ich weiß).

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    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    @ Landadel: Asperger hab ich früher auch schonmal "befürchtet"; auch div. Persönlichkeitsstörungen, passt aber alles nicht.
    Andersartigkeit muss ja nicht immer krankhafte Ursachen haben... anders ist oft einfach nur anders!
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

  8. Moderation

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    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    Zitat Zitat von Landadel Beitrag anzeigen
    habt ihr euch schon mal mit dem Thema Autismus und Asperger Syndrom auseinander gesetzt?
    Wozu gleich Schubladen öffnen? Hier geht es doch zunächst einfach mal ums So-Sein. Und apropos Persönlichkeitsstörung: so viel Reflektion über eigene und anderer Wahrnehmung spricht erst mal nicht dafür (und auch nicht für Autismus).

    Geht es nicht einfach (oder auch nicht einfach) um das sich-selbst sein Wollen und dabei den richtigen Grad an Kontakt zu anderen zu haben? Sich vielleicht auch gesehen, nicht aber bewertet zu fühlen?

    Das ist ein Balanceakt. Aber ich erlebe es wie Malina: es lassen sich die verschiedensten guten Menschen finden, und wenn ich wenig werte, werde ich auch weniger gewertet.

    Und ansonsten kümmere ich mich auch nicht soo viel drum, was andere so meinen über mich. Kann ich nur empfehlen.

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    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    Zitat Zitat von Landadel Beitrag anzeigen
    habt ihr euch schon mal mit dem Thema Autismus und Asperger Syndrom auseinander gesetzt? Spannendes Thema ...
    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Wozu gleich Schubladen öffnen? Hier geht es doch zunächst einfach mal ums So-Sein. Und apropos Persönlichkeitsstörung: so viel Reflektion über eigene und anderer Wahrnehmung spricht erst mal nicht dafür (und auch nicht für Autismus).
    vielen dank, mary! ich finde das allzuschnelle hinwerfen gerade quasi-modischer (pun not intended...) diagnosen (landadel, bist du vom fach?) sehr problematisch.


  10. Inaktiver User

    AW: sozial inkompatibel und glücklich?

    Ich finde das beneidenswert, am liebsten alleine zu sein. Sich selbst zu genügen. Nicht Pseudo-Beziehungen aneinander zu reihen, sondern zu warten bis wirklich passt. Ich bin in diesen ganzen Punkten genauso und die Leute tun mir leid, die immer eine Fototapete an Action um sich rum brauchen und nicht gut mit sich in Kontakt stehen. Punkt. Und Blume .

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