Ich frage mich zur Zeit auch (wieder), inwieweit man eigentlich auf andere Leute zugehen sollte.
Z.B. im Freundeskreis habe ich vor einiger Zeit kräftig aussortiert, weil ich gemerkt habe, dass mir die Kontakte einfach nicht gut tun. Warum also sollte man befreundet sein? Ich habe dann vor ca. 1 Jahr für mich eine Definition von Freundschaft und Kriterien für Freundschaft aufgestellt. :) Hört sich wissenschaftlicher an, als ich es letztendlich umsetze, aber es tat gut, einfach mal zu hinferfragen, was mir eigentlich wichtig ist - und ob das von meinen sogenannten Freunden eigentlich auch so gesehen und getan wird.
Tat gut, auch dem Selbstbewusstsein, und nun habe ich zwar deutlich weniger soziale Kontakte, aber die, die ich habe, sind es wert und ich kann mich auf die Abende mit ihnen richtig freuen, weil ich so sein kann, wie ich bin, weil diese Menschen ähnliche Werte und Interessen haben wie ich... ganz wunderbar!
Ich habe auch noch ein paar alte Freunde "behalten", bei denen das nicht so ist... aber die seh ich dann nur 2-3 Mal im Jahr und kann mich innerlich drauf einstellen. Letztendlich habe ich festgestellt, dass mir häufige Treffen mit ebendiesen "falschen" Freunden einfach zu viel Kraft rauben und ich meine Zeit besser, d.h. z.B. auch alleine, verbringen kann.
In beruflicher Hinsicht halte ich es eher distanziert. Smalltalk, fachliches, hin und wieder auch mal ein lustiger Scherz, aber das war es dann auch. Ich erwarte diesbezüglich auch nicht mehr. Falls mir doch mal mehr "Zuneigung" entgegengebracht wird, dann freue ich mich... aber ich überlege mir auch gut, ob es sich "lohnt", den Kontakt zu intensivieren.
Wenn man für sich absteckt, was einem eigentlich wichtig ist, dann entwickelt man so pö a pö auch ein Gespür dafür, zu wem man gut passt.
Trotzdem habe auch ich immer noch damit zu kämpfen, dass ich mir manchmal fehl am Platz vorkomme und denke, dass sich "alle gern haben", nur mich nicht.
Ist aber Blödsinn.
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07.05.2013, 04:21
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
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07.05.2013, 05:35Inaktiver User
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
Dieses Verhalten kenne ich, aus Erfahrung wuerde ich es anders deuten. Sie suchen selbst Anschluss und glauben, einen willigen Gegenpart gefunden zu haben. Ruhebeduerfnis oder mangelndes Interesse am Kontakt zu ihnen wird gerne in Ignoranz oder Depression umgedeutet, weil man sich nicht vereinnahmen lassen moechte. Moeglicherweise ist es auch eine Form von Machtausuebung. Da hilft nur Flucht, in eine Schublade, sei es nun Asperger, Depression, ADHS, etc. moechte ich mich von Laien nicht einsortieren lassen.
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07.05.2013, 06:47
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
Wer sagt, dass man sozial inkompatibel sei, wenn man es vorzieht alleine zu leben? Partnerschaft ist nicht zwingend und vor allem tangiert es keinen Nachbarn, Kollegen oder andere Familienmitglieder. Es stört absolut nicht und ist daher auch nicht sozial inkompatiebel.
Wer auch nicht gerade mit dem ewigen Wunsch "von allen Menschen geliebt" werden zu wollen durchs Leben geht, der muss sich auch nicht an den Meinungen der Mitmenschen stören. Jeder hat sein Leben und das kann jeder gestallten wie er will sofern er nicht direkt seinen Mitmenschen damit ihr Leben zu Hölle macht. Also Müll vor Nachbars Haustüre schütten oder Lärmbelästigung wären halt keine Idee. Aber ansonsten muss man sich nicht nach der sozialen Erwünschtheit verbiegen.
Freiheit ist von den Meinungen anderer Menschen nicht abhängig zu sein.Man sollte sich immer vor Augen halten, das die Meinungen anderer eben auch nur deren Meinung ist, und diese Meinung nicht der Realität entsprechen muss.
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07.05.2013, 08:12
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
Super Thema! Ich empfinde das genau so. Nur mit dem Glücklichsein gibt es noch gelegentlich Schwierigkeiten. Das aber nur aus dem Grund, weil ich anders erzogen worden bin und meine Umwelt mit meiner Einstellung gelegentlich Probleme hat, so dass ich mich immer genötigt sehe, mich den "normalen Spielregeln" zu unterwerfen und zu viele Zugeständnisse mache. So einfach Sivana ist es leider nicht, einfach sein Ding zu machen. Mir geht es oft so wie Susisa. Ich komme mir fehl am Platz vor.
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07.05.2013, 08:12
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
Wenn man über sich, seine Persönlichkeit, Fragen wie Nähe-Abstand, Autonomie, Bindung, nach-Innen-oder nach-Außen-Gewendetsein oder gefühlsmäßige Belastbarkeit nachdenkt, so wird man sich irgendwo verorten, und das ist eigentlich an irgendeinem Punkt auf ganz weiten Skalen.
An den Außenseiten der Skalen wird es polarisierter, und dann kann es auch für einen selbst (oder für andere) schwierig sein, mit der dadurch verursachten Spannung (also zwischen den Außenpolen und den anderen Persönlichkeitszügen) gut zu leben.
Ansonsten aber haben wir alle unseren Balancebereich, uns mit uns selbst und anderen wohlzufühlen, und der kann ganz unterschiedlich gelagert sein, ohne daß es "falsch" oder "gestört" sein muß.
Ich diagnostiziere beruflich u.a. Persönlichkeitsstörungen, und kann mich, obwohl ich wirklich keine PS habe, auch immer ansatzweise in einigen Fragen wiederfinden, einfach, weil sie menschliche Züge beschreiben, die wir alle mehr oder eben minder ausgeprägt haben.
Und ich werde von einigen Menschen umfassender und mir mehr entsprechend wahrgenommen als von anderen, das hängt davon ab, wie wir sind und was wir wahrnehmen können und wollen. Umgekehrt ist es vermutlich auch so. Solange mein Glück nicht davon abhängt, von allen "gesehen" und gemocht zu werden, ist das auch nicht weiter schlimm.
Ich habe irgendwann als Kind angefangen, mich "anders" zu fühlen, dann später aber entdeckt, daß ich auch andere Menschen finde, die "anders" sind, sowohl anders anders als auch ähnlich anders, und dann gefunden, daß es mir als Mensch reicht, wenn ich ein paar Menschen kenne, mit denen ich mich verstehe und die mich "sehen" können. Ich nehme an, daß es nicht wenigen Menschen ähnlich geht - und vielleicht sind wir auch alle "anders"?that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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07.05.2013, 08:38
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
Liebe waswillmanmehr,
So wie Du Dich beschreibst, und auch wie Radisi sich beschreibt, erkenne ich mich auch selbst wieder. Ich fuehlte mich lange 'vom anderen Stern', als nicht in die Gesellschaft passend aufgrund meiner Vorlieben im Umgang mit anderen Menschen. Auch ich ziehe mich gern zurueck, brauche nicht immer Menschen um mich, und wurde von anderen immer als langweilig und schuechtern eingeschaetzt. Auch kenne ich das, von anderen in meiner Intelligenz unterschaetzt zu werden. Und dann kamen auch schnell die Ratschlaege, wie ich sein sollte, und wie ich gluecklicher leben kann. Nur: ich fuehlte mich gar nicht ungluecklich. Meine Bekannten haben es einfach nicht verstanden, dass ich am Samstag abend zu Hause mit einem Buch gluecklich war, das ich das brauchte, dass mir der froehliche Umgang mit vielen Menschen (auch wenn es mir Spass machte) mir viel Energie raubte und ich wieder auftanken wollte. Auch ich habe viel ueber mich und mein Verhaeltnis zu anderen Menschen reflektiert und dachte auch schon, dass etwas nicht mit mir stimmt, dass ich so bin, oder dass ich sozial inkompatibel bin, was ich irgendwie aendern muss.
Hast du dich schon einmal mit den MyersBriggs-Persoenlichkeitstypen befasst? Ich habe im Studium im Rahmen von einem Seminar den Persoenlichkeits-Test gemacht, und das Test-Ergebnis stimmte ziemlich stark mit dem ueberein, wie ich mich selber sah und fuehlte. Ich wurde als INFJ (Introverted Feeling) getested und ich habe seitdem viel ueber Persoenlichkeitstypen und diesem im speziellen gelesen. Dieser Typ ist sehr selten, nur 1% gehoeren dem an. Daher auch das Gefuehl, anders zu sein als die anderen, nicht dazuzugehoeren.
Seitdem ich mehr darueber weiss, weiss ich, dass ich fuer meinen Typ ganz normal bin, und so ist das halt nunmal. Es gibt auch viele Foren, in denen INFJ's sich austauschen und die meisten erleben sich und ihre Umwelt aehlich wie Du es beschreibst.
Vielleicht hast du auch nur einen seltenen Persoenlichkeitstyp, vielleicht vielleicht bist du sogar auch eine INFJ, und fuehlst dich deshalb so sozial inkompatibel, obwohl du deine Zurueckgezogenheit brauchst? Dann waerst du aber fuer deinen Typ ganz normal.
Ganz liebe Gruesse
,
Jolinia
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07.05.2013, 09:54Inaktiver User
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
persönlich gesagt wird es mir max. von meiner Mutter, die aber einfach ne ältere frau ist, und es gut meint, eigentlich gerade selbst allein und natürlich meinen vater vermisst. Das umgehe ich einfach, indem ich ihr relativ wenig aus meinem Privatleben erzähle, auch wenn ich sie gerne mag. So klappt das ganz gut.
Ansonsten gibt es immer wieder Situationen, in denen beispielsweise neue Bekannte, Freunde von gem. Freunden, oder Geschwister meinen mir helfen zu müssen, wenn ich auf Fragen zu Lebensvorstellungen, Partner, Außendarstellung etc. ehrlich antworte und keine sozial angepasste Antwort verwende. Oft wird dann mit gemeinsamen Freunden über mich geredet, so von wegen "wie ich gerade lebe/ mich verhalte, ist ja nicht gut" mit dem Ziel mich zu beraten oder verändern zu wollen.
Mir wird dann oft unterstellt, ich würde nicht aus mir herausgehen, wäre in Wirklichkeit aber so und so und man müsste das nur aus mir herauskitzeln.
Was tatsächlich aber mehr dazu führt, dass ich mich in meinem "unerwünschten" Verhalten noch mehr verstärke. Rückt mir jemand mit Absicht auf die Pelle, und wahrt meine persönliche Grenzen eben nicht, die vielleicht nicht mit seinen Grenzen übereinstimmen mögen und merkt es vielleicht gerade deshalb nicht, dann gehe ich noch mehr auf Distanz als zuvor. Der fühlt sich dann in seiner Vermutung bestätigt und ich mich in meiner Art.
Beispielsweise, dann eben nicht auf Distanz zu gehen, wenn ich es will, sondern die ganzen Aktionen zu ertragen. Das führt aber auf Dauer nur zu nem erheblichen psychischen Ungleichgewicht bei mir und dauert Wochen, um sich wieder einzupendeln. Ich bin dann Wochen später unausstehlich, schlecht gelaunt, fordere meine Ruhe dann eben im Nachhinein ein. Es ist nicht so, dass meine Bedürfnisse, dann verschwinden würden.In welcher Form hast Du denn versucht, Dich anzupassen?
Auch mit Absicht rausgehen und viele Menschen kennenlernen, etc. Ich geh gern raus, nur brauch ich auch meine Ruhe und hab das genauso gern., Wenn ich neue Menschen zufällig kennenlerne, ist es auch ganz nett, oder eben nicht, je nachdem.
Dieses zwanghafte Raus auf Kontaktsuche hab ich auch probiert, ich mache das nicht gerne und meistens bringt es auch nichts. Ich lerne mehr Menschen zufällig kennen, wenn ich mich wohl fühle und nicht gedrängt werde, als wenn ich verkrampft irgendwo in der Ecke stehe. Und damit meine ich nicht meinen verkrampften Normalzustand, der ja verbesserungsbedürftig ist.
Das Ergebnis war, ich hab mich nur noch mehr, in dem was ich tue, bin, bestätigt gefühlt, als je zuvor. Und diesen "gewünschten" "Komm aus dir Raus Effekt" hats bei mir nicht gegeben. Das ist dann wieder ein weiterer Punkt, wenn ich was erzähle, werde ich gerne als Opfer gesehen, sehe mich aber selbst definitiv nicht als Opfer, es ist ja alles gewünscht. Auch das hab ich halt probiert, weil ich dachte, es gibt ne Wahrscheinlichkeit, dass die anderen Recht haben, aber es war nicht so und es hat mir was gebracht, indem ich gemerkt habe, ich bin so, wie ich bin. Und das ist gut so und hat schon auch seinen Zweck.
Hier war ja noch die Asperger, etc. Frage: Ich kenn mich damit nur grob aus. Aber ich habe das auch mal vermutet, allerdings neige ich weder zu nem geregelten, gleichlaufenden Tagesablauf, wenn was anders läuft, komme ich damit gut klar. Und ich kann wahnsinnig gut die Stimmung, vor allem unausgesprochene Stimmungen, Launen, etc. im Raum erkennen. Ich merk sehr schnell, wenn was nicht stimmt, oder ob das was gesagt wird, auch so gemeint ist, oder eben nicht. Es ist eher umgekehrt, dass viele das bei mir falsch wahrnehmen.
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07.05.2013, 10:04Inaktiver User
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
Was ich noch hinzufügen wollte, ich glaube auch, dass alle "anders" sind, und dass ja wie gesagt jeder Dinge aus seiner Sicht wahrnimmt, und deshalb stoßen manche Dinge auf Unverständnis und manche nicht. Weil ich vielleicht auch eher die Erfahrung gemacht habe, mich rechtfertigen zu müssen, bin ich da auch empfindlicher geworden (nehme das verstärkter wahr) oder tolereriere auch mehr Eigenheiten bei anderen, wenn jemand was nicht will, dann lass ich den.
Wie maryquitecontrary schon sagte, solange mein Glück nicht davon abhängt, von allen "gesehen" und gemocht zu werden, ist das auch nicht weiter schlimm.
den MyersBriggs-Persoenlichkeitstypentest kenne ich auch, hab ich auch schon mal gemacht, es kam ITLS heraus und da hab ich mich auch viel wiedergefunden. Wobei ich dazu neige mich in vielen Sachen wiederzufinden, Test ja auch nur Momentaufnahmen sind, und ich auch bei Diagnosen und Einschätzungen recht vorsichtig bin. Gut den Test speziell hab ich mehrfach in verschiedenen Zeitabständen gemacht und es kam immer das gleich heraus.Geändert von Inaktiver User (07.05.2013 um 10:08 Uhr)
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07.05.2013, 10:13
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
Hallo waswillmanmehr,
ich kann mich in vielen Deiner Schilderungen wiederfinden und schließe mich den Äußerungen von Malina und maryquitecontrary an. Wenn man es einfach mal sein lässt zu bewerten und sich bewerten zu lassen, wenn man sich mit seinen Persönlichkeitsanteilen einfach mal stehen lässt, dann kann man seine Energie darauf verwenden, dort, wo es möglich ist, seine Lebensumstände so anzupassen, dass man sich wohl fühlt.
Das bedeutet für mich auch, mich fernzuhalten von Menschen, die mir weismachen wollen, dass meine Art zu leben und zu empfinden falsch ist. Oft ist das guter Wille, oft auch die Sorge davor, durch Andersdenkende selbst in Frage gestellt zu werden. Ist aber auch egal, es geht um Dich. Statt Dich also in ein Korsett zu quetschen, das Dir nicht passt, schau lieber, was Du tun kannst, um möglichst so zu leben, wie es Dir entspricht. Wenn Du diesen Wunsch, es anderen Recht zu machen, um "dazu zu gehören", ablegen kannst, wird möglicherweise der Blick frei für Menschen, die Dich so sein lassen können wie Du bist oder sogar das Wertvolle darin sehen können.
Es wird immer mal wieder Situationen geben, in denen Du Dich anpassen musst, beispielsweise im beruflichen Kontext. Das gelingt leichter, wenn Du an anderer Stelle wieder so lebst, wie es Dir entspricht. Dann kann man auch mal den Smalltalk eingehen, ohne dass es weh tut, oder eine Veranstaltung besuchen, die der reinen Repräsentation dient, usw..
Ich halte es für existenziell wichtig, dem zu folgen, was einem liegt. Nur so kommt man sich selbst auf die Spur und dem, wie man sein ganz eigenes Leben gestaltet, wie man sich einbringt. Das heißt nämlich nicht immer, dass man dem Mainstream frönt.Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.
- Robert Bresson -
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07.05.2013, 10:31Inaktiver User
AW: sozial inkompatibel und glücklich?
danke für deine Antwort.
Vor allem im beruflichen hab ich wahnsinnig Glück, dass ich da eine Stelle habe, die zufälligerweise sehr meinen Neigungen entspricht, ich kann da viel einbringen, viel in Ruhe arbeiten. Ich muss auch viel mit Anderen umgehen, aber ich kann es mir einteilen, wann, wie, wo und Ruhe- und Vorbereitungsphasen einbringen.
Ich bin auch gerade privat im Moment dabei, zu sehen, was mir gut tut und was nicht und das dann auch durchzuziehen, vor allem weil insbesondere im letzten Jahr, mir so viele Eindrücke bestätigt haben, dass es schon alles so passt wie es ist. Und ich muss nur mal lernen darüber zu stehen (das meinte ich im Anfangspost mit dem Selbstbewusstsein) und ich sollte aufhören mich dann immer gleich in Frage zu stellen.


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