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  1. Inaktiver User

    Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    Es gibt da etwas, was mich ein bischen ratlos macht und ich will 'mal in die Runde fragen, ob ihr das auch schon erlebt habt bzw. wie ihr damit umgeht und welchen Reim ihr euch darauf macht.

    Es geht um Situationene in diversen nahen zwischenmenschlichen Beziehungen, sprich Familie oder gute Freunde.

    Ich bin jetzt Anfang 40 und über die Jahre lernt man ja dazu, jedenfalls ist heute für mich klar, daß ich andere Menschen nicht ändern kann, nur meine Herangehensweise bzw. den Stellenwert, den ich der Beziehung einräume.

    Während ich also früher gerne bis zum Umfallen Dinge "ausdiskutiert" und in meinem jugendlichen Leichtsinn auch versucht habe, Einsicht oder Einstellungswandel zu "erzwingen" oder zu "erarbeiten", bin ich da inzwischen sehr viel entspannter.

    Meine Einstellung ist heute: Entweder ich komme damit klar, wie der andere sich mir gegenüber verhält oder nicht. Sicher kann ich das äußern- das mache ich auch- aber verändern werde ich wahrscheinlich niemanden.
    Meine Möglichkeit ist, mein Verhalten dem anderen gegenüber zu ändern, so daß es mir damit gut geht.

    Nun bin ich eigentlich der Meinung, daß dies eine erwachsene Herangehensweise ist.

    Allerdings stelle ich fest, daß die Betreffenden auf die Tatsache, daß ich ihnen sage "Du, mach das so, wenn du das für dich entschieden hast. Ich kann darauf keinen Einfluß nehmen, aber es gefällt mir nicht und du mußt damit rechnen, daß ich für mich sorge indem ich mich z.B. (je nach Situation) zurückziehe, bestimmte Situationen nicht mehr mitmache etc." geradezu aggressiv.

    Anstatt es zu sehen als eine Aussage in die Richtung "Du bist ein freier Mensch mit eigenen Entscheidungen aber ich auch", höre ich dann den Vorwurf, wenn mir das, worum es geht "so egal" sei, wäre ich wohl deinteressiert an der ganzen Beziehung. Wenn ich also nicht stundenlang diskutiere, mich aufrege etc. bin ich desinteressiert?

    Ich kann nun die meist schon sehr deutliche Wut über meine Einstellung nicht verstehen. Diese Reaktion irritiert mich sehr.

    Alles, was ich sage, ist (in meinen Augen), daß ich akzeptiere, wie immer sie meinen sich verhalten zu müssen, nur daß sie nicht erwarten können, daß das ohne Folgen oder Konsequenzen meinerseits bleibt.

    Ich sehe da keinen bedrohlichen Subtext, der ein wütendes oder aggressives Reagieren darauf erklären würde?

    Wie seht ihr das?
    Geändert von Inaktiver User (24.04.2013 um 07:47 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich kann nun die meist schon sehr deutliche Wut über meine Einstellung nicht verstehen. Diese Reaktion irritiert mich sehr.

    Alles, was ich sage, ist (in meinen Augen), daß ich akzeptiere, wie immer sie meinen sich verhalten zu müssen, nur daß sie nicht erwarten können das das ohne Folgen oder Konsequenzen meinerseits bleibt.

    Ich sehe da keinen bedrohlichen Subtext, der ein wütendes oder aggressives Reagieren darauf erklären würde?

    Wie seht ihr das?

    meine erfahrung dazu: so lange du im gespräch bleibst, notfalls stundenlange sinnlose diskussionen führst- hat der andere macht über dich. er/sie hat deine aufmerksamkeit und vielleicht kann er/sie "dich bekehren".

    durch deine aussage- ziehst du dich aus der diskussion raus. und gibst demjenigen keine plattform mehr.

    wäre der/diejenige auf deinem level würde er/sie das akzeptieren, im gegenteil- es wäre bestens.

    aber mit dem vorwurf des desinteresses will man/frau dich wiederum aus der reserve locken und in die rechtfertigungsschiene ziehen. um dann wieder sich in vermutlich sinnlosen diskussionen zu verstricken.

  3. Inaktiver User

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    natürlich bist du aggressiv - deine reaktion ist eine drohung mit rückzug, die dem anderen nur die möglichkeit des friss-oder-stirb lässt.

    wirklich freiheit gebend wärst du, wenn du sagst, gut, mach das, ich distanziere mich NICHT im alleingang, sondern trage das mit, und lass uns nach wegen suchen, wie wir beide damit zurecht kommen.
    wenn du dich dann distanzierst, wäre es ein gemeinsamer entschluss, keine beleidigt wirkende einsame entscheidung von dir.

    das gegenseitige zerfleischen aufzugeben, ist sicher eine gute entscheidung!

  4. Inaktiver User

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    natürlich bist du aggressiv - deine reaktion ist eine drohung mit rückzug, die dem anderen nur die möglichkeit des friss-oder-stirb lässt.

    wirklich freiheit gebend wärst du, wenn du sagst, gut, mach das, ich distanziere mich NICHT im alleingang, sondern trage das mit, und lass uns nach wegen suchen, wie wir beide damit zurecht kommen.
    wenn du dich dann distanzierst, wäre es ein gemeinsamer entschluss, keine beleidigt wirkende einsame entscheidung von dir.

    das gegenseitige zerfleischen aufzugeben, ist sicher eine gute entscheidung!
    Interessante Perspektive und ich denke, daß das so oder ähnlich tatsächlich die Wahrnehmung der jeweils anderen ist.

    Ich wünschte, die Situationen, die mir hier vorschweben, ließen sich so lösen.

    Allerdings muß ich hinzufügen, daß es nicht um isolierte, gerade aufgekommene Konfliktsituationen geht, in denen ich natürlich auch den von dir beschriebenen Lösungsweg bevorzuge.

    Es geht eher um jahre - oder gar jahrzehntealte und/oder grundlegende Konflikte, die sich immer wiederholen und mit denen ich gelernt habe, anders umzugehen.

    Um 'mal ein etwas verfremdetes Beispiel zu geben, daß aber den Kern trifft:

    Eine Einladung zu bestimmten wiederkehrenden Anlässen im Familien- (oder Freundes)kreis wird traditionell so gelegt, daß der Termin für bestimmte Personen passt und bequem ist. Nur ist das -auch traditionell- ein Termin, der für mich extrem schlecht liegt, viel Umplanung und organisatorische Mühe nötig macht, um ihn so wahrzunehmen. Das ist auch allen klar.
    Natürlich haben wir an der Stelle das Gespräch, das Diskutieren und nach gemeinsamen Lösungen Suchen schon durch. Jahrelang.
    Leider ist das Ergebnis immer das Gleiche, in Endeffekt liegt der Termin dann doch wieder so, daß er für die "andere Gruppe" passt. Wohlgmerkt, das läuft seit Jahren so und nach langen, zähen Verhandlungen kommt im Endeffekt immer ein Termin heraus, der das Muster bestätigt.

    Das wäre so eine Situation, in der ich mich inzwischen der Diskussion verweigere und vorschlage, man möge doch einfach unter sich einen Termin vereinbaren. Ich schaue dann, wie der mir passt und ob ich ihn wahrnehmen kann. Oder eben nicht, wenn mir das zu umständlich ist.

    Ich fühle mich dann in dem Moment nicht beledigt, sondern befreit. Weil ich mir eine quasi ritualisierte Diskussion erspare und mich nicht ärgern muß, wenn mir dann am Schluß doch wieder der an den anderen ausgerichtete Termin präsentiert wird.

    Nur ist genau dieser Aussage von mir der Funken, der ein Explosin von Vorwürfen auslöst und eine Riesenwut auf mich.

    Vermutlich steckt bei deiser Reaktion auch Gekränktheit dahinter, denn schließlich bin ich ja in ihren Augen bereit, auf ihre Gesellschft zu verzichten, wenn mir der Termin nicht passt bzw. keine Rücksicht auf meine Terminsituation genommen wird?

  5. Inaktiver User

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Alles, was ich sage, ist (in meinen Augen), daß ich akzeptiere, wie immer sie meinen sich verhalten zu müssen, nur daß sie nicht erwarten können, daß das ohne Folgen oder Konsequenzen meinerseits bleibt.

    Wie seht ihr das?
    Hallo Primrose_Hill !

    Ein interessantes Thema ist das !

    Ich finde es sehr wichtig, in welchem Ton solche "Ansagen" kommen.
    Den können wir hier nicht hören.

    ABER: über das fett markierte bin ich schon gestolpert. Es hat für mich einen Klang von Abwertung,
    der in der Wortwahl steckt.
    So etwas könnte wahrgenommen und als Arroganz bzw. eben Desinteresse empfunden werden.
    Da geht es dann nicht mehr um die konkrete Situation,
    sondern dass der Austausch, die Einfühlung fehlen.

    Woraus sonst, außer Anteilnahme an den Beweggründen des anderen und dem Versuch, sich in irgendeiner Form darüber auszutauschen, sollte denn Deiner Meinung nach eine Beziehung bestehen?
    Also ich kann da leichte Zweifel an der Basis schon bissl verstehen, wenn sich jemand so entzieht.

    Sprichst Du die Menschen denn an auf ihre "Wut" oder von Dir erlebte Aggressivität?
    Das wäre doch bestimmt mal wieder ein interessantes Gespräch, könnte ich mir denken.
    Geändert von Inaktiver User (24.04.2013 um 09:42 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    Gerade auf Dein genanntes Beispiel passt Brighids Vermutung doch am besten.

    Du ziehst Dich aus der (von vornherein sinnlosen) Diskussion raus, die "Argumente" der anderen laufen ins Leere und sie können sich nicht einmal selber darin bestärken, sie hätten Dich ja schlußendlich doch von der Richtigkeit ihrer eigenen Ansicht überzeugt.
    Und schwupps geht ihnen die Rechtfertigung für ihr Handeln flöten .

    Ich finde, Du machst das in diesem Fall schon sehr richtig.

  7. Inaktiver User

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    Ah- jetzt hast Du etwas konkreter geschrieben ! DAs ändert natürlich gleich alles.

    Dann war das keine Abwertung, die ich in Deinen ersten Zeilen las, sondern Deine Wut auf die Ignoranz der anderen.
    Jede der beiden Seiten Deines Beispiels ist gekränkt.
    Und diese Kränkung ist sicher in Deinen Worten zu hören, auch wenn Du sie noch so "erwachsen" und neutral äußerst.

    Meine Frage von eben nochmal anders: Hast Du mit besagten Termin-Organisatoren mal Tacheles geredet, wie Du Dich fühlst, wenn alles Reden immer umsonst ist- dass das nicht von DIR, sondern auch von denen Desinteresse ist, und Du ebenso an der Beziehung zweifeln könntest?

  8. Inaktiver User

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    ich finde deine entscheidung gut, statt dich ewig zu ärgern, eben dann den termin sausen zu lassen.

    da musst die reaktion wahrscheinlich einfach aushalten. ich glaube, das ist einer von den konflikten, die sich einfach nicht lösen lassen - sowas gibts.

  9. User Info Menu

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    Sobald du dich anderen entziehst erzeugst du Aggressionen. Du nimmst ihnen durch deinen Schlußstrich die Plattform auf der sie sich bewegen möchten. Du entziehst dich, sie sind beleidigt, werden aggressiv. Für sie erfüllt die nie enden wollende Diskussion einen Sinn, für dich nicht mehr. Sie brauchen nichts von sich zu erzählen und nichts von sich preis zu geben, sie haben seit Jahren immer das gleiche Thema.

    Ich finde auch, dass du das gut machst.
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


  10. Inaktiver User

    AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Meine Frage von eben nochmal anders: Hast Du mit besagten Termin-Organisatoren mal Tacheles geredet, wie Du Dich fühlst, wenn alles Reden immer umsonst ist- dass das nicht von DIR, sondern auch von denen Desinteresse ist, und Du ebenso an der Beziehung zweifeln könntest?
    Das habe ich. Öfter als ich zählen kann und mir lieb ist. Aber das scheint nicht anzukommen. Da ist sehr viel Abwehr scheint mir, denn obwohl es intellektuell für keine der Beteiligten ein Problem sein sollte, die Situation zu erfassen (das meine ich jetzt nicht abwertend, es ist mir nur um so mehr ein Rätsel, wo die Verständnisprobleme liegen), ruft diese Argumentation immer Unverständnis hervor. Also wirklich buchstäblich nach dem Motto "Das verstehe ich jetzt nicht. Wo ist denn das Problem?"

    Meine Wahrnehmung wird für "Quatsch" erklärt.
    Geändert von Inaktiver User (24.04.2013 um 10:14 Uhr)

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