Anderen Freiheit geben oder desinteressiert sein ?
Eine Frage des Blickwinkels denke ich mal. Sobald man nicht mehr mitspielen will bei solchen Spielchen wie mit dem Feiertermin, wenn es bei den anderen keine Bereitschaft gibt für eine einvernehmliche Lösung, dann bekommt man gerne den schwarzen Peter zugeteilt.
Damit kann ich persönlich recht gut leben, denn ich muss mir unterirdisches Verhalten nicht mehr gefallen lassen.
Es ist eine "Masche" mancher Menschen, nicht-funktionierende Beziehungen den jeweils anderen anzulasten. Und das beherrschen sie perfekt ! Wenn die anderen sich nicht mehr alles gefallen lassen, dann haben sie kein Interesse.... Von Leuten mit solcher Denke habe ich mich längst verabschiedet. Etwas anderes kannst du nämlich nicht machen, Argument gibt es keine !
Gruß, Elli
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24.04.2013, 13:09Inaktiver User
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
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24.04.2013, 14:20
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
Hm, kann es sein, du verfehlst da den Mittelweg?
Wenn Leute mit einer (ausgesprochenen oder unausgesprochenen) Bitte um Rat, Meinung, Sympathie, oder Objekt-zum-Gedanken-dran-abprallen-lassen-abgeben an dich herantreten, heißt das ja nicht, daß sie dir die Verantwortung für ihr Leben oder ihre Entscheidungen aufhalsen wollen.
Du kannst ihnen sagen, welche Umstände du berücksichtigen würdest und wo du Vor- und Nachteile siehst, du kannst ihnen sagen, was du von etwas hältst, du kannst ihnen sagen, daß die großartige Menschen oder arme Schweine sind (oder beides, nach Bedarf) und interessierte Geräusche machen und Tee anbieten, und nimmst ihnen kein Stück von ihrem Freiraum.
Dabei ist es auch wichtig, richtig zu entscheiden, was sie jetzt wollen! Jemandem raten zu wollen, der nur Gedanken abprallen lassen will, kommt auch nicht so toll.
Wenn du aber gleich im Vorfeld sagt, "das mußt du selber wissen" kann ich verstehen, daß die Leute sich abgebürstet fühlen. Wer um Rat oder Sympathie fragt, lehnt sich schon ein wenig aus dem Fenster, und wenn du dann mit verschränkten Armen dasteht, fühlen sie sich fallengelassen.
Mangelnder Respekt vor der Autonomie anderer wäre, wenn du für all ihre Probleme *die* Lösung hättest, und wehe, die wird nicht umgesetzt! Oder wenn du der Ansicht bist, du mußt alles wissen und erfahren, auftrittst wie die spanische Inquisition und todbeleidigt bist, wenn dir nicht alles brühwarm erzählt wird.
Menschen sind soziale Wesen und wollen, daß man sie wahrnimmt und auf sie eingeht. Das nicht zu tun ist eine Aussage.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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24.04.2013, 14:36
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
OK, jetzt am konkreten Fall:
Wenn das immer ein und dasselbe Thema ist, über das schon alles gesagt wurde, und zwar von allen, würde ich auch empfehlen, sich mit einem "Ich denke, dazu ist bereits alles gesagt, da hat sich nichts gändert. Mein Terminkalender ist unübersichtlich, sagt mir, wann, ich sag euch, ob." Oder, wunderbare Welt des Internet, "Macht doch ein Doodle auf."
Vermeiden würde ich aber ein "macht doch was ihr wollt", weil ich mir nicht trauen würde, das zu sagen, ohne mich gekränkt anzuhören.
Wenn die hochgehen, weil sie keine uralte Suppe hundertmal wieder aufkochen dürfen, dann sollen sie das mit sich und ihrem schlechten Gewissen alleine ausmachen. Ich übe derweil vor dem Spiegel, ein unschuldiges Gesicht zu machen. Wenn ich's kann und mich rachsüchtig fühle, setze ich noch einen drauf und sage, "Ich verstehe nicht ganz, wo hier das Problem liegt, kannst du mir das nochmal erklären?" Laß die anderen sich rechtfertigen.
Das würde ich aber so *gar* nicht als einen Konflikt von Freiheit und Anteilnahme sehen! Das ist ein ritualisiertes Streitverhalten zur Statusbestätigung. Daran desinteressiert zu sein, und das Desinteresse aufrechtzuerhalten, wenn man angegriffen wird, ist das Beste, was man für sich tun kann. Und wenn, wie ich geschrieben habe, nicht auf jemanden einzugehen eine Aussage ist, ist es in diesem Fall die richtige.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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24.04.2013, 15:21Inaktiver User
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
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24.04.2013, 15:22
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
Exakt. Da kann ich nur jedes Wort unterschreiben, genauso erlebe ich es auch. Menschen auf Augenhöhe und mit Selbstwert können damit bestens umgehen. Nur die ängstlichen, manipulativen reagieren wie von Dir beschrieben (z.B. meine eigene Mutter)..... Ich habe jetzt jahrelang versucht, die Angst zu nehmen, zu erklären etc. mittlerweile ist auch das mir zu anstrengend geworden und ich lasse das Angst- und Klammergefühl dort, wo es enstanden ist, beim Gegenüber! Sorry, einen guten Ratschlag habe ich leider auch nicht!
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24.04.2013, 19:43
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
Das Thema ist mir bestens vertraut und nur, weil ich keinen so tollen Titel, nebst so guter Problembeschreibung verfasst bekam, wie du, hab ichs noch nicht gepostet *Schwester im Thema*

Wenn es um dauerhafte Wiederholungen des gl. Problems geht,haben hier viele schon super formuliert, wie gern die "Anderen" an ihrem Problem kleben und einiges versuchen, den anderen aus der REserve zu locken, und abwälzen wollen
Ich finde, wildwusels Posts Nr 22 und 23 super!!
Und habe mich heute doch einige Male beim Lesen hier peinlich gewunden und wiedererkannt!
Bis gestern glaubte ich eigentlich, ich "würde allen Freiheit geben".
Weil ich eigentlich der Meinung war, ich habe echt vieles/Viele losgelassen
Aber nun merke ich dass da echt einiges drunterliegt!
z.T keine Lust auf Auseinandersetzungen bezügl des drunterliegenden Konfliktes, der darin bestehen kann, dass ich genervt bin , weil manche nur reden und kein Interesse an der Lösung ihres Problemes haben
Hat aber auch etwas von Arroganz meinerseits
Keine Lust, auf Verhandlungen mit ihnen, wenn es um Terminplanungen geht..hat auch was damit zu tun, dass ich satt bin, was die Menge an Menschen in m. Leben angeht

Und ....ich bin immer weniger kompromissbereit mit allem, was mich und mein leben angeht....kann es daher auch wenig aushalten, mich dann mit ihnen und unseren zu findenden Kompromissen abzufinden


Ich merke aber schon so etws wie Angst vor Einsamkeit durch mein Verhalten
Es ist echt eine ganz schwere Gratwanderung zw. Freiheit geben und Desinteresse und ich bin sehr froh um dieses Thema hier - vielen Dank an dich und euch
Es wird Zeit für eine neue Signatur
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24.04.2013, 20:54
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
sehr alte, schon etwas vergessliche menschen aus dem seniorenhaus in der nähe halfen mir mit ihren erfrischenden antworten, ähnliches familiengetue zu verstehen, in büchern und bei kursen fand ich keine antwort.
als beispiel, verwandte legen ein fest nach erfragen der termine letztendlich jedes jahr so, dass eigentlich nur spaltender lieblingssohn richtig teilnehmen kann.
nun reagiert kind schaf, das am liebsten alle gleichwertig zusammen sehen möchte, mit dem terminproblem, indem es die konfliktebene annimmt, sich über die nichtbeachtung der terminkollision empört zeigt, oder gar nicht kommt. in der folge malt der familienärger das kind böse an, die rolle schwarzes schaf wird neu erfunden, jedes jahr neu,.
die senioren sagten, ein fest sei am wenigsten zum feiern da, sondern:
*mehr zum erleben, dass man respektiert und geeehrt werde,
*aus der sicht der kinder, noch mehr zur wiederherstellung der zuletzt erinnerten familienkonstellation, zum beispiel, dass sohn sich benachteiligt fühlte oder kleiner sei, drum müsse man ihn bevorzugen,
*und jetzt kommt das wichtigste überhaupt, zum zeigen, dass man eigentlich ein gutes elternpaar sei, das alle kinder ohne unterschiede liebe, also zur bedienung eines klischees.
die rollen kollidierten.
das klischee müsse aber gefüttert werden, es schütze vor der häme der nachbarn, der erschaffer der schillerndsten bildes steige im ort am höchsten.
(den part, die fassade bedienen zu sollen, hätte man in deinem fall dir zugeschanzt.
kommst du nicht zum schützen des scheins, darfst du das schwarze schaf sein, das die eigentlich ja vorhandene familienidylle zerstörte.)
das entlaste das spaltende kind und die mit ihm kooperierenden eltern. sie können die rolle spielen:"wir wären ja eine perfekte familie, wenn tochter x. nicht zicken würde".
die zusammenfassende antwort meiner lieben senioren war, an den konflikt müsse man mit der haltung rangehen, man werde nicht zu einem fest geladen, die anderen genügten sich selbst, sie bräuchten einen als menschen nicht dringend dabei, aber das dürften die alten nicht zugeben, sonst gelte man als schlechte eltern. man selbst sei nur fürs klischee erhalten geladen.
ich fragte nach dem warum. weshalb bekomme das eine kind einzig die chance, den schein zu schönen, und das andere die elternqualität?
interessant, dass nach diskussion unter ihnen als resultat das wissen eines alten mannes als "beste" wahrheit rauskam: meistens waren spaltende eltern schon vor der geburt des benachteiligten kindes ungerecht oder gruppenunfähig. das sei deren eigene geschichte, das um die gunst kämpfende kind könne das nicht lösen.
für fälle, wo es erst später ungerecht geworden sei, einigten sie sich auf: die sozialen fähigkeiten und das gedächtnis verlassen einen im alter immer mehr!Geändert von legrain (24.04.2013 um 21:29 Uhr)
lg
legrain
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24.04.2013, 23:24
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
legrain...ich schätze deine Beiträge sonst echt sehr!!

Aber jetzt komm ich nicht mehr mit

Aber es mag durchaus am lecker Weisswein liegen, den ich beim Fußball gerade getrunken habe und ev mit der steigenden Anzahl der Tore, die Menge der Gläser steigerte
Es wird Zeit für eine neue Signatur
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25.04.2013, 06:23Inaktiver User
AW: Gebe ich anderen Freiheit oder bin ich desinteressiert?
Legrain, unglaublich!
Deine Analyse ist so gehaltvoll (und wie ich jetzt nach dem allerersten Lesen schon finde, zutreffend), aber ich muß das erst noch "sacken lassen".
Danke.
Deine Frage, "weshalb bekomm(t) das eine kind einzig die chance, den schein zu schönen, und das andere die elternqualität?" ist die, die beschäftigt, nicht?
Ich denke, daß Eltern genau spüren (wissen), welchem ihrer Kinder sie am ehesten die Rolle des Scheinwahrenden geben können. Wer -aus ihrer Sicht-mit der höchsten Wahrscheinlichkeit am längsten mitmacht, ohne Probleme zu verursachen und das vordergründige Familiensystem aus dem Lot zu bringen.
Mein Eindruck ist auch, daß Eltern das Offenbarwerden von Konflikten zwischen ihren Kindern als ihr eigenes Erziehungsversagen sehen (ob sie sich dessen bewusst sind, ist ein anderes Thema) und abwehren. Damit erhalten sie auch ihr Selbstbild als "gute Eltern".
Dein Aspekt "Wiederherstellung der zuletzt errinnerten Familienkonstellation" halte ich für einen weiteren Schlüsselpunkt.
Oft macht man sich selbst gar nciht bewußt, wie wichtig für die, denen es damit gut geht, der Erhalt des Status Quo in der Familie ist. Und wo kämen wir denn da hin, wenn "Kind X" plötzlich seinen Platz auf der Bühne verlässt? Dann wäre ja auch die eigene "Rolle" zu hinterfragen, Dinge verschieben scih, andere rücken nach.
Was ich einem solchen Fall schon beobachtet habe, ist, daß dann ein neues schwarzes Schaf gesucht wurde. Was mir verdeutlicht hat, wie sehr die betreffende Familienkonstellation davon abhing, daß die Rolle "besetzt" war.Geändert von Inaktiver User (25.04.2013 um 06:28 Uhr)
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25.04.2013, 06:28


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