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18.04.2013, 10:12Inaktiver User
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
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18.04.2013, 18:28
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
Mich berührt der Tenor dieses Stranges unangenehm - erscheint mir schon ein bißchen wie gegenseitiges Schulterklopfen der besonderen, weil Baby-/Kleinkind-undurchlässigen Weiblichkeit. Ist das ein Adelszeichen?
Anderherum könnte man die Frage, nämlich "warum finden die meisten Menschen Babies/Kleinkinder anrührend?" leicht beantworten: das ist so eingerichtet, damit die jungen Menschen in der Zeit, in der sie von anderen komplett abhängig sind, Erwachsene um sich haben, die sich kümmern.
Die anrührende Ausstrahlung ist ein Faktor in der entstehenden Bindung von Erwachsenen an das Kind. Und die Bereitschaft zum Angerührtwerden ist etwas Instinktives.
Ob sich das Angerührtsein stets in "oh wie süß!!" äußert, steht noch dahin. Es ist ja eher eine Bereitschaft, sich zu kümmern, als ein massiver Bemutterungswunsch.
In den ersten Jahren sind Kinder auch besonders hohem Risiko ausgesetzt, Opfer von Gewalt zu werden. Auch davor soll ihr Äußeres sie schützen.
Wie angedeutet, den Tenor in diesem Strang halte ich im Großen und Ganzen eher für eine Attitüde, so im Sinne von kultivierter Toughness. Und vermutlich würden die meisten, die Babies im Allgemeinen nichts abgewinnen können, sich dennoch gut um ein kleines Kind kümmern können, wenn es nötig wäre.
Allerdings arbeite ich beruflich teilweise mit Erwachsenen, die erleben, wie sich über die instinktive Bereitschaft, sich auf das Kind einzulassen, andere "Skripte" legen und dominieren. Das ist dann keine Attitüde. Der Grund dafür ist teilweise erforscht. Wer sich nicht scheut, Englisch zu lesen, und wen es interessiert, kann hier einen Ausschnitt aus meiner derzeitigen Projektbeschreibung lesen, wo genau das erklärt wird (sehr kurz):
"(Interaction between parent and young child is the central arena for intervention in infant mental health work.) While the interaction takes places in the present, the parent’s previous attachment representations influence both her experience and understanding of the ongoing interaction. Parents with a negative attachment history can therefore find it difficult to stay in attuned and sensitive interaction with their infants (Slade 2005, Schore 2003).
Experience of interaction is mainly processed by right-brain systems that mediate emotion, modulation of stress and self-regulation, and constitute the affective core of the so-called implicit self. They have been critically imprinted by earlier attachment transactions and operate rapidly from automatic patterns below the conscious level. Among the processes they mediate and award affective value are the perception of emotion, facial expression, sound, intonation and tactile information - essential functions in mothering and primary caregiving (Schore 2012).
This explains why dysfunctional attachment transactions in the parent’s past can disturb primary caregiving in the present, sometimes to a degree that is harmful to the infant’s developing self (Schore 2003)."that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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18.04.2013, 18:35
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
krieg das englische nicht hin und geh drum einfach zu über, wie es mir mit dem Thema geht.
Ich finde Babies auch nicht generell süss, ja manche finde ich sogar ziemlich hässlich. Mir gehts mit Kindern und Babies genauso wie mit Erwachsenen: manche gefallen mir, manche finde ich sympathisch, manche nicht, und viele weder das eine noch das andere.
Ich hab allerdings auch schon Puppen nicht süss gefunden. Ich hab da so eine Theorie, dass das auch damit zusammen hängen könnte, weil ich keine jüngeren Geschwister hatte.
Mein eigenes Kind war natürlich das schönste Baby der Welt
aber gegenüber fremden Babies hat sich dadurch in meiner Empfindung nichts geändert.
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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18.04.2013, 19:23
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
anrührend ist etwas anderes als süss.
Süss ist viel unverbindlicher und befriedigt die eigenen Wunschvorstellungen einer perfekten Zeit und Umgebung.
Wogegen nichts einzuwenden ist und durchaus psychisch gesehen seine Berechtigung hat.
Wenn es um den Nutzen für das Baby geht - ich denke, jemand, der so ein Wesen nicht einfach "süss" findet, im Falle des Falles vernünftigere und weniger von den eigenen Bedürfnissen geprägte Entscheidungen fällt als jemand, der den kleinen Menschen so nimmt wie er ist.
Was ist, wenn der Mensch älter wird und nicht mehr süss, nicht mehr ins Ditzi-Dautzi-Schema passt?.
I'm waiting for the other shoe to drop.
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18.04.2013, 19:33Inaktiver User
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
Ich glaube, dass Letzteres nicht zwangsläufig dazu führt, dass man den Menschen/Kind nicht ernst nimmt und weiterhin nur als "süß" und unselbstständig betrachtet. Menschen, die beim Anblick eines oder ihres Baby in Verzückung geraten und quietschen, müssen doch nicht unbedingt weniger Vernunft beweisen, wenn es darauf ankommt. Nur weil jemand eben seiner Begeisterung Ausdruck verleiht, heißt es nicht, dass man immer nur kindisch handelt. Vielleicht ist das Denken etwas klischeehaft.
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18.04.2013, 23:48Inaktiver User
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
Verstehe ich Deine Ansicht richtig, dass Du damit behauptest: jemand, der keine Anrührung empfindet, "tickt irgendwie nicht richtig" oder ist sonstwie "gestört" ?
Das halte ich denn doch für etwas gewagt oder persönlich gefärbt.
Sollte ich mich daraufhin (ernstgemeinte Frage) jetzt reflektieren, warum ich schon mit 10 J. davon überzeugt war, keine Kinder zu wollen, man daraufhin natürlich den Standardspruch erwiderte: "Na wart´s nur mal ab, eines Tages..." -
und dieser Tag aber einfach trotz tatsächlicher Offenheit dafür (und m.E. gehörigen kritischen Hinterfragens) einfach nicht kam?
Und nun?
Soll ich jetzt an meinen Instinkten zweifeln ?
Hmm, ich weiß nicht. Ungern.
Genau solche Ansichten üben einen wirklich destruktiven Druck aus !Geändert von Inaktiver User (18.04.2013 um 23:54 Uhr)
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19.04.2013, 06:32
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
ich habe nochmal nachgedacht:
Für mich gehört die reflexartige Überschwänglichkeit in eine Reihe mit: aus dem wird nie was, kein Wunder - bei den Eltern usw., ich kenne es aus Erfahrung.
Und da bei grossem Gefühlsdruck (hervorgerufen durch eigenen Mangel, Erinnerung an die schöne Zeit damals, Gruppendruck) die Sprache meist leidet, sind Babys halt süss.
Nicht: ein goldiges Schnütchen, die kleinen Finger, die ausgeprägten Nägel, die Speckfältchen, der Duft.
Welpen sind auch süss.
Und ich hatte schon damals etwas dagegen, mein Kind und Welpen in einen Topf geworfen zu sehen.
Und so halte ich es auch mit den Babys und Kleinkindern meines Umfeldes..
I'm waiting for the other shoe to drop.
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19.04.2013, 06:52
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
Ich finde Babys auch nicht "süß" und das Programm Mutter 1.0 ist bei mir auch nur in der Demoversion vorhanden.
ABER: Ich finde Babys haben etwas Anrührendes. Diese kleinen Hände und Füße. Diese besondere Lächeln mag ich. Und da reagiere ich total drauf, so von wegen Kindchen-Schema; ich kümmer mich und schleppe die Kleinen, wenn niemand anderes da ist, bis sie schlafen, spiele mit ihnen etc. Ich bin aber gottfroh, wenn ich den kleinen Racker wieder loswerden kann.Ein Verstand, der einmal
durch eine neue Idee über sich hinaus wuchs,
kehrt niemals
zu seiner ursprünglichen Form zurück.
[Oliver Wendell Holmes]
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19.04.2013, 07:42
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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19.04.2013, 09:39Inaktiver User
AW: Warum finden manche Menschen Kinder/Babies nicht süß?
Selbstverständlich - weshalb ich auch die m.E. überzogenen Reaktionen bzw. Unterstellungen mancher User hier - insbesondere Ana-Luisa - nicht so recht nachvollziehen kann.
Wer nicht in begeisterte "Dutzi Dutzi- und ach-wie-süß"-Schreie ausbricht, wenn er einen Säugling sieht, sondern äußert, das er dessen äußerliche Attribute nicht besonders anziehend findet, ist deshalb nicht gestört oder verachtet diesen - merkwürdige Idee, wo schließlich jeder selber mal ein Säugling war - sondern hat da halt ein nüchternes Verhältnis zu.
Es sind hinreichend bekannte biologische Programme, die da ablaufen - Kindchen-Schema, Hormonausschüttung bei der Geburt mit visueller Prägung etc pp. Besonders letzteres ist relevant, weil die Mutter sich sonst sehr wohl vor dem Windelwechsel ekeln würde, und das Kind womöglich irgendwo in der Wildnis liegen lassen würde, wenn es nervt.
Das ist nützlich und sinnvoll, muß aber nicht verherrlicht werden.
Und das dieses biologische Programm nicht immer funktioniert, können wir leider immer mal wieder in der Zeitung lesen, wenn es mal wieder einen Baby-Mord gab, weil die Eltern mit Kind und der Situation überlastet waren.
Dieser gesellschaftliche Druck - Du MUSST Dein Baby toll finden und jetzt ganz doll glücklich sein - trägt m.E. dazu bei, das sich Leute nicht trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Weil es eben in der Gesellschaft als Total-Versagen gesehen wird.
Dieser Strang ist m.E. eine Reaktion auf diese Mutter-Kind-Mystifizierung, die gerade für D. sehr typisch ist. Und die offenbar nicht nur mir auf den Keks geht.
Im benachbarten Ausland sieht man das viel nüchterner, auch in Mütterkreisen.
Geändert von Inaktiver User (19.04.2013 um 09:59 Uhr)




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