Liebe Community,
der Titel deutet an worum es geht, wenn auch nicht im kompletten Umfang.
Zur Vorgeschichte: bei mir hat sich im letzten Jahr sehr viel verändert (Trennung, neue Wohnung, Aufarbeitung der Familiengeschichte etc.). Das war wohl alles ein wenig viel auf einmal und ich hatte einen richtigen Durchhänger. Irgendwann konnte ich mir zugestehen, zur Ruhe zu kommen und habe das als Phase bewusst genutzt. Das fiel mir anfangs sehr schwer, irgendwann hat es aber gut funktioniert.
Nun, nachdem alles wieder in einigermaßen geregelten Bahnen verläuft, komme ich aber nicht mehr wirklich raus aus dieser Ruhe. Ich habe das Gefühl regelrecht lethargisch zu sein. Das erstreckt sich in alle möglichen Bereiche: Studium, Treffen mit Freunden, Hobbies, Haushalt, wirklich überall. Es fällt mir so unglaublich schwer, mich zu motivieren und auf gut deutsch gesagt den Arsch hochzubekommen, ich könnte stundenlang einfach nur an die Wand starren. Tag für Tag hänge ich rum, bin entweder total müde oder von einer unerträglichen inneren Unruhe getrieben, die mich aber auch nicht dazu bringt, mal irgendwas anzupacken. Ich mache nur das Allernötigste, lenke mich mit unwichtigen Dingen vom Wesentlichen ab und schiebe alles nach hinten - mit der Konsequenz, dass ich Aufgaben, die erledigt werden MÜSSEN ständig auf den letzten Drücker mache. Jeden Abend nehme ich mir vor "Ab morgen wird das anders" - der Witz ist, dass ich mir das sogar selbst noch glaube, obwohl es jeden Tag das Gleiche ist. Wie in einem Hamsterrad, aus dem ich nicht aussteigen kann.
Hinzu kommt, dass ich mir sehr viele Gedanken über meine Zukunft mache, die mich regelrecht lähmen. Mir erscheint alles wie ein riesengroßer Berg, den ich sowieso nie erklimmen werde, also bleibe ich lieber gleich unten stehen...und warte. Es kommt mir so vor, als würde ich auf DIE Erkenntnis warten, den Moment, in dem sich endlich ein Schalter umlegt und sich alles verändert. In meinem Kopf habe ich so viele Pläne, nehme mir so viel vor, würde so vieles gerne machen und umgesetzt wird nichts davon. Ich habe absolut keine Ahnung wo ich gerade hänge und warum, noch fällt mir irgendeine Strategie ein, wie ich da wieder rauskomme.
Über Anregungen oder Erfahrungsaustausch würde ich mich sehr freuen!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 48
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04.03.2013, 15:26
Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
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04.03.2013, 18:02
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Das hört sich nach einem Erschöpfungszustand an bzw. einer leichten Depression. Oder schlicht Vitamin D Mangel, geh mal raus, einen Spaziergang machen. Mindestens für 15 Min/Tag. Wenn's damit nicht besser wird: Ab zum Doc! Alles Gute Dir!
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
**Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**
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04.03.2013, 18:46Inaktiver User
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Vielleicht Prokrastination?
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04.03.2013, 19:30
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Beruhigend ist schon mal das da:
Was heisst: du machst die Sachen vielleicht spät, aber du machst sie. Es besteht nicht die Gefahr, dass dir morgen Strom und Wasser abgestellt werden und übermorgen der Gerichtsvollzieher deine Wohnung aufbrechen lässt und die Möbel abschleppt, mit Ausnahme von einem Teller, einem Stuhl und einer Matratze. Und der Müll stapelt sich auch nicht säckeweise mitten im Wohnzimmer, sodass man den Boden gar nicht mehr sehen kann.mit der Konsequenz, dass ich Aufgaben, die erledigt werden MÜSSEN ständig auf den letzten Drücker mache.
das ist schon mal ganz in Ordnung als Basis. Das verdient Wertschätzung und Applaus.
Viele Belastungen belasten länger, als man denkt oder meint, dass sie einen belasten "dürften".Nun, nachdem alles wieder in einigermaßen geregelten Bahnen verläuft, komme ich aber nicht mehr wirklich raus aus dieser Ruhe. Ich habe das Gefühl regelrecht lethargisch zu sein.
Andererseits kann es konkrete Hindernisse geben, die lähmen und lethargisch machen. Kleine doofe Dinge. Bei mir ist sowas zB Neonlicht - ich hab das im Büro - wenn ich einen Tag mit diesem Licht an arbeite, bin ich nudelfertig. Ich schalte es inzwischen aus, wenn immer es geht, und es macht einen riesigen Unterschied. Hast du eventuelle auch solche Dinge in deinem Alltag? - da kannst du mal zu testen anfangen.
Es mag sein, dass der Schalter eines Tages umgelegt wird.Es kommt mir so vor, als würde ich auf DIE Erkenntnis warten, den Moment, in dem sich endlich ein Schalter umlegt und sich alles verändert. In meinem Kopf habe ich so viele Pläne, nehme mir so viel vor, würde so vieles gerne machen und umgesetzt wird nichts davon. Ich habe absolut keine Ahnung wo ich gerade hänge und warum, noch fällt mir irgendeine Strategie ein, wie ich da wieder rauskomme.
In der Zwischenzeit empfehle ich Selbstüberlistung. "Alles wird anders" geht nicht, das ist ein zu grosser Berg. Ich hab mich in solchen Situationen jeweils gefragt, wo ich noch etwas Schwung mitnehmen kann, um an jedem Tag wenigstens EIN Ding zu erledigen.
Ein guter Zeitpunkt für mich war, nach der Arbeit heimzukommen, dann NICHT abzusitzen, sondern sofort gleich noch eine Aufgabe zu erledigen, die ich mir schon den ganzen Tag mantramässig eingeredet habe: das Bett neu beziehen, vom Stapel mit dem Papierkram sortieren und nur alles Überflüssige wie Umschläge wegwerfen (ist schon gross genug als Berg für mich, sowas, all das bezahlen müssen und ablegen müssen würde mich überfordern), gleich stehenbleiben und drei Blusen bügeln (alle zehn, die ungebügelt warten, wären zuviel)...und dann, wenn ich das gemacht hatte (eins von diesen Dingen), dann DARF ich faul rumlungern. jawoll.
Hauptsache ist, jeden Tag irgend etwas umsetzen. Egal ob es klein ist oder unbedeutend oder auch auf der Liste der objektiven Kriterien unbedeutend oder irrelevant wie "in der schon ordentlichen Besteckschublade alles wirklich schön putzen und polieren". Wichtig ist, etwas zu tun.
Dann wird sich auch die Zukunft mit der Zeit zeigen. Immer schön einen Schritt am andern.
grüsse, barbara
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04.03.2013, 20:09
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Vielen Dank euch allen erst mal für die Antworten und Anregungen

Das versuche ich bereits, kriege es auch an einigen Tagen hin, weil ich tatsächlich gerne draußen bin und durch die Gegend laufe. Sobald ich allerdings wieder in meinen 4 Wänden bin, sacke ich ab.geh mal raus, einen Spaziergang machen. Mindestens für 15 Min/Tag
Darüber habe ich mich bereits ernsthaft informiert (in Studentenkreisen ist das ja eher ein Begriff, der nicht so ernst genommen wird) und zumindest auf die Studiensituation könnte es zutreffen. Ich bin sehr perfektionistisch veranlagt, das weiß ich. Vielleicht fällt es mir deshalb so schwer eine Sache anzupacken? Ich beginne erst im letzten Moment, dachte immer ich brauche den Druck - andererseits bleibt dadurch einfach nicht mehr genug Zeit, alles noch fünfmal zu durchdenken oder zu ändern...könnte das also meine Art sein, meinen Perfektionismus auszutricksen? Das klingt ziemlich um die Ecke gedacht, aber irgendwie auch nicht ganz abwegigVielleicht Prokrastination?
Leider habe ich nicht wirklich Anhaltspunkte finden können, wie man mit Prokrastination umgeht bzw. da wieder rauskommt. Nur ein Seminarangebot, das aber so weit weg ist, dass es mir nichts hilft. Alle anderen Selbstüberlistungsversuche (Zeitplan erstellen, fest gesetzter Zeitrahmen zum Arbeiten, auch als Pomodoro-Methode bekannt, Ortswechsel, Ablenkung aka Internet abstellen usw.) habe ich schon während meiner Abschlussarbeit durchprobiert und was soll ich sagen? Ich habe im letzten Moment abgegeben...
Allerdings muss ich dazu sagen, dass mich all das zwar sehr unzufrieden macht, ich mir selbst unzulänglich vorkomme, aber wirkliche Konsequenzen hatte dieses Aufschieben bisher nicht - meine Leistungen und Noten waren überall genauso wie auch zuvor, teilweise sogar besser. Wenn ich mir aber vorstelle wie viel Qualitätszeit ich hätte, wenn ich es auch mal anders schaffen würde - das wäre unglaublich!
Lieben Dank auch an dich, Bae! Es kann gut sein, dass ich vor meinem inneren Auge ununterbrochen nur den riesigen Berg sehe, mich total unter Druck setze und deshalb auch mit den kleinen Dingen gar nicht erst anfange. Die "schönen" Dinge gönne ich mir dann wiederum auch nicht, denn ich habe sie ja nicht verdient, weil die anderen noch auf mich warten - ein Teufelskreis. Für den morgigen Tag habe ich mir (mal wieder) einen Plan gemacht, damit alle Dinge schon mal vom Kopf auf dem Papier sind - mal sehen was ich davon umsetzen kann."Alles wird anders" geht nicht, das ist ein zu grosser Berg.
Problematisch ist vielleicht auch, dass ich keinen wirklich geregelten Tagesablauf habe: nur selten Uni, momentan Semesterferien, mein Nebenjob läuft von zu Hause aus. Es gibt also kaum Rahmenbedingungen, die mich dazu veranlassen, mich morgens vom Schlafanzug in ordentliche Klamotten zu begeben oder das Haus zu verlassen.
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04.03.2013, 20:16Inaktiver User
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Vielleicht brauchst du mal "Antilektuere"-z. B. "Dinge geregelt kriegen" von Sascha Lobo und Kathrin Passig. Ist kein Ratgeber, sondern eher eine Art Bestandsaufnahme von Menschen, die selbst zur Prokrastination neigen. Viel Sapss mit dem Buch
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04.03.2013, 20:41
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Viele kleine Dinge machen auf Dauer eine ganze Menge aus. Wenn's nur eins pro Tag ist, macht das 365 Dinge im Jahr... du kannst dir ja mal deine Wohnung und dein Leben vorstellen, mit 365 Dingen in besserem Zustand als heute.
ja, das ist schwierig. Eventuell Wecker stellen, duschen, gleich aus dem Haus gehen und irgendwo draussen einen Kaffee trinken gehen und ein bisschen Sonne tanken?Problematisch ist vielleicht auch, dass ich keinen wirklich geregelten Tagesablauf habe: nur selten Uni, momentan Semesterferien, mein Nebenjob läuft von zu Hause aus. Es gibt also kaum Rahmenbedingungen, die mich dazu veranlassen, mich morgens vom Schlafanzug in ordentliche Klamotten zu begeben oder das Haus zu verlassen.
Helfen kann auch, sich selbst eine Kleiderordnung zu geben: also bestimmte Kleider, wenn du den Nebenjob ausübst. Bestimmte Kleider, um zu lernen für die Uni. Bestimmte Kleider, um Haushalt zu machen. und offizielle Gammelkleider. Diese Ritualisierung kann helfen, in die richtige Stimmung zu kommen. Es muss auch nicht jeweils ein ganzes Outfit sein, es kann zB auch nur eine Schürze sein für die Hausarbeit oder ein wechselndes Oberteil. Hauptsache ein bestimmtes Kleidungsstück - auch ein bestimmter ARbeitsort, wenn das vom Platz her geht - as speziell für diese eine Tätigkeit reserviert ist und sonst nichts.
@Perfektionismus: wie wäre es, den Anspruch runterzuschrauben von "es muss perfekt sein" hin zu "es reicht, wenn es gut genug ist"?
grüsse, barbara
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04.03.2013, 20:57
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Danke Aeryn_Sun für den Buchtipp! Gibt es bei mir in der örtlichen Bücherei, das werde ich mir morgen gleich ausleihen

Oh, das ist ein schönes Bild, da musste ich direkt Lächeln - fühlt sich irgendwie gut an
Das ist ein toller Vorschlag - eigentlich so einfach
Je länger ich zu Hause rumgammle, desto schwerer fällt es mir, mich aufzuraffen: "Jetzt ist gleich mittag, jetzt brauchst du auch nicht mehr anfangen - ach, jetzt ist ja schon gleich Nachmittag, das lohnt sich jetzt auch nicht mehr" usw. Wenn ich erst mal draußen bin, klappt es aber meistens ganz gut und ich kann meine Freizeit anschließend auch genießen, weil ich kein schlechtes Gewissen habe. Werde ich morgen direkt ausprobieren.
Das ist Wahnsinn, darauf wäre ich nie im Leben gekommen! Kann mir gut vorstellen, dass das was bringt, weil man sich gleich nicht mehr so "gammlig" fühlt
Ein Tipp, den ich auch einfach umsetzen kann, vielen Dank!
Das klingt vielleicht komisch, aber für mich ist das extrem schwierig. Ich weiß das schon lange und arbeite auch schon lange an mir, und dennoch ist das so ein tief sitzender Anspruch an mich selbst, den ich nicht so einfach loswerde. Und wenn es mal eine Weile klappt, kippt das bei mir unglaublich schnell in die "Scheißegal"-Richtung. Den für mich passenden Mittelweg habe ich noch nicht gefunden, aber ich bin weiterhin dran.
Eure Beiträge lassen mich das Ganze gerade in einem anderen Licht sehen und zeigen mir, dass es auch kleine Veränderungen sein können, die etwas bewegen. Das tut sehr gut, vielen Dank dafür
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04.03.2013, 21:43Inaktiver User
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Perfektionismus ist ein Anspruch, dem kein Mensch genügen kann. Viele Perfektionisten verspüren deshalb einen riesigen Druck = Versagensangst. Sie ahnen wohl, dass ihr Maßstab eine Nummer zu groß ist. Die Versagensangst wird dann manchmal dadurch kompensiert, dass nicht das Mögliche getan, sondern verschoben wird bis auf den letzten Drücker. Versagt man aufgrund dessen, dann war der Aufwand dem Ergebnis angemessen. Das Gefühl, versagt zu haben, ist dann eher gering.
Keine Ahnung, ob das auf dich zutrifft. Musst du halt mal schauen
Manchmal ist es aber auch eine reine Frage der mangelnden Organisation
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04.03.2013, 22:20Inaktiver User
AW: Was ich heute kann besorgen, verschieb ich jeden Tag auf morgen...
Liebe kopfkram,
ich kann Dein Problem sehr gut nachvollziehen, weil ich mich damit auch abkämpfe!
Mir hilft nur ein genauer Zeitplan, an dem ich mich halte. Jede größere Aufgabe (z. B. Steuererklärung usw.) zerlege ich in sehr viele kleine Einzelschritte, da ich sonst erst gar nicht damit beginne, weil es ansonsten einfach unüberschaubar ist - und ich bin auch sehr perfektionistisch veranlagt.
Und ganz wichtig - Pausenzeiten einplanen und einhalten und sich selber belohnen - z. B. mit einer Tase Kaffee, wenn Du am Ball geblieben bist.
wildcat60


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