Auch in diesen Bereichen erlebe ich es in meinem Umfeld, dass die Arbeitsverhältnisse zunehmend unsicherer werden. Jemand mit entsprechender Ausbildung muss sich vermutlich keine Sorgen darum machen, dass er irgendwo, irgendwie Geld verdient, aber die Arbeitsverhältnisse sind zum Teil das, was man wohl "prekär" nennt. Oder schlicht unverschämt (sehr viel Arbeit und miese Arbeitsbedingungen, nicht entsprechend entlohnt). Was vielleicht auch eine erhöhte Wechselwilligkeit erklärt.
Zudem hat nun mal nicht jeder die Fähigkeiten in diesem Bereich. Ich habe in meinem näheren Umfeld einige Leute, die gut ausgebildet sind, und zwar in durchaus soliden Bereiche (nicht Islamwissenschaften oder Kunstgeschichte), und die es sehr schwer beim Jobeinstieg haben. Bei manchen stecken vielleicht auch persönliche Anteile dahinter, aber ich denke, es ist leider auch strukturell bedingt.
Es gibt halt einfach Länder, die Arbeit billiger anbieten, und das gilt längst nicht mehr nur für das produzierende Gewerbe. In meiner letzten Firma wurde der IT-Bereich zum Teil nach Indien verlegt, in meiner jetzigen Firma wird gerne auf Monteure aus Osteuropa zurückgegriffen. Solche Beispiele findet man an jeder Ecke.
Das kann man nicht einfach pauschal der nächsten Generation anlasten.
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04.03.2013, 21:15Inaktiver User
AW: Erwachsene Kinder, die nichts hinbekommen....
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04.03.2013, 21:18
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04.03.2013, 21:27
AW: Erwachsene Kinder, die nichts hinbekommen....
Das mag sicherlich für manche Bereiche richtig sein.
Im Handwerk ist es tendenziell eher so (in vielen Gewerken, nicht nur bei uns), dass gut ausgebildete Fachkräfte hier direkt vor Ort Mangelware sind und dementsprechend extrem gute Arbeitsplatzbedingungen haben. Handwerk mit Kundendienst oder Handwerk mit einem hohen Maß an notwendigem Fachwissen kann man auch nicht gefahrlos auslagern und an Sub-Sub-Subunternehmer runterdelegieren.
Da kommt dann sowas `raus wie hier die BER-Baustelle.
Der gutsituierte und anspruchsvolle Privatkunde hat diesen Mißstand durchaus erkannt.
Das Handwerk hat vielfach gutbezahlte Arbeit. Aber keinen Nachwuchs... *seufz`*
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05.03.2013, 04:18
AW: Erwachsene Kinder, die nichts hinbekommen....
Als ein Vertreter der Nachwuchs-Generation, die nichts hinbekommt, muss ich mich auch zu Wort melden.
Ich selbst erlebe nicht selten, dass man mit leider wirklich "veralteten" Ansichten konfrontiert wird, denen man nicht nur kaum gerecht werden kann, sondern auch nicht will! Leute es ist echt schwer!
Allein schon ein Studium zu bekommen ist ein Nervenkrieg und ein wahnsinniger zeitlicher und organisatorischer Aufwand! Und das Beste ist: Man bekommt ihn nicht!
Zumindest sehr oft sieht es genau so aus.
Klar ist es in den naturwissenschaftlichen Sektoren, im IT und wahrscheinlich noch in Jura/BWL-Bereich noch einmal anders. Aber was soll man tun wenn dieser einem schlicht nicht liegt? Sich etwa durch die Materie mehr schlecht als recht durchkämpfen um sich dann ein Leben lang zu fürchten und zu quälen?!
Ich kenne einige, die dies versucht haben und keiner hat es hingekriegt. Man kann uns das als Faulheit, Bequemlichkeit und mangelndes Durchhaltevermögen auslegen. Kann man, wenn man es einfach mag. Und wir müssen damit leben.
Fakt ist, ich habe noch nie einen Job, Praktikum, Schule, Studium oder sonst etwas hingeschmissen!
Ich habe alles durchgezogen. Hat es mir was gebracht? Bedingt. Klar ein Paar Erfahrungen, bleiben oder weitermachen durfte ich dennoch nicht.
Allein mein Studium zu bekommen hat mehrere Jahre gedauert. Und es war und ist bei weitem nicht mein Traumstudium oder eines, das mir Karrierechancen öffnet.
Um es noch präziser zu beschreiben: Ich habe mit einem guten Abi zwei Jahre lang Praktika (fulltime auf Minigehalt) gemacht und nur weil ich dadurch ein Paar Wartesemester auf meiner Rechnung hatte, durfte ich als Nachrücker (!) zwei Wochen nach Anfang meines ersten Semesters auch endlich zu Uni gehen.
Es war gerade eine Uni, die mich nahm. Die habe ich dann auch genommen.
Ich habe nicht einmal mein Wunsch-Kernfach bekommen...
Heute bin ich froh, etwas zu studieren, was mich erfüllt, mein Hirn trainiert und mich ja
(auch wenn es für manch einer lächerlich klingt), zum besseren Menschen macht.
Dinge, die kein Unternehmen dieser Welt interessieren.
Das Resultat ist: Ich habe Angst fertig zu werden! Wahnsinnige Angst!!!
Mit meinen Eltern habe ich verabredet „nur“ das Regelstudienzeit finanziert zu bekommen. Habe ich so selber vorgeschlagen. Die ersten zwei Jahre meines selbständigen Weges habe ich (fast) alleine, durch mein mickriges Gehalt finanziert und mich an mein Kindergeld erfreut. Jetzt mussten sie mal anspringen.
Seitdem, also seit Beginn meines Studiums, sehe ich mich immer wieder und andauernd mit der Frage konfrontiert, wann ich denn "endlich" fertig sei und was danach die Pläne wären?! Leute! Seht ihr nicht, dass so eigentlich alles drunter und drüber geht?! Dass keine Sicherheit da ist, keine Garantie, für nix!
Es gibt keine vorgefertigte, festgelegte Karrierelaufbahn, der man fröhlich und unbesorgt nachgehen kann. „Aufsteigen“ kennen wir nicht. Nur Hörensagen?
Und als wäre es nicht schlimm genug, sieht man sich tagein tagaus mit den veralteten Vorstellungen von vor 20 Jahren konfrontiert und muss sich rechtfertigen warum man denn nichts besser kann. Na weil ich doof bin, unbegabt, faul und unmotiviert, was sonst!
Das gleiche Spiel vor Jahren: „Praktikum was ist das? Wozu willst du so was tun? Kenn ich nicht, ist sicher nicht schlau.“ Heute gehört es wie selbstverständlich zum aktuellen Allgemeinwissen, dass man ohne 10 davon, kaum Chancen hat (mal überspitzt gesagt). Tja, und dass muss man den Lieben dann immer erklären. Denn Vorwürfe machen und die eigene, womöglich veraltete Erwartungen als Messlatte nehmen ist ja viel angenehmer, als sich mal umsehen und eigene Schlüsse ziehen. Da kommt man womöglich auf ein Bild, das nur an der Oberfläche noch Ähnlichkeit mit „damals“ aufweist, sonst viel komplexer und auch verschwommener wirkt und das ist doch echt kompliziert. Und wie soll man da noch Vorwürfe machen und als Beispiel dienen?
Fakt ist, man kann und sollte (jungen) Menschen nicht vermitteln, die finazielle Sicherheit, gar Wohlstand seien alles. Sie sind nicht die höchste aller Güter!
Auch der Erfolg ist ein vermeintlicher, untreuer Freund - eine temporäre Erscheinung, die viele, viele Opfer nimmt.
Ich habe es mehrmals in meinem Leben zu irgendwas gebracht, aber auch Arbeiten freiwillig verrichtet, um zu lernen, auf eine angemessene Bezahlung verzichtet, um zu lernen, Popos gewischt, um zu lernen und ja auch ab und an Erfolge gefeiert - mit Menschen, die nicht an mich geglaubt haben. Hat mir das irgendwas gebracht. Nö.
Ich mag mich nicht mehr instrumentalisieren lassen. Ich bin ein Mensch und kein Automat zur Vermehrung des Wohlstandes dieses Landes. (Und nein, Autos, Flachbildschirme, Eigentum und Spaß-Gerätschaften bedeuten mir nix - ich will sie mir nicht verdienen.)
Ich denke, ich habe es auch heute - mitten im Masterstudium, auf der verzweifelten Suche nach einem Zweitjob, welcher zumindest ein wenig mit dem zu tun hat, was ich studiere resp. arbeiten könnte - zu irgendetwas gebracht.
Und zwar zum Besten. Ich für mich, bin ein selbstbestimmter, differenzierter und kritischer Mensch, der nicht MEHR dazu gewillt ist Lebenszeit und -müh zu investieren, die als selbstverständlich genommen und dann auf die Müllkippe der Praktikanten(oder-sonst-was)-Träume geworfen werden. Ich habe meinen Stolz und möchte, nein werde (!) mich nicht mehr ausnutzen lassen.
Und völlig ehrlich: Ich bin nicht allein!
Sorry für den Pathos, aber es geht nah.
Kaori
(Lektüreempfehlung – kurz und knapp: Agora42 – Vorsicht Arbeit!)Geändert von KaoriNight (05.03.2013 um 04:27 Uhr)
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05.03.2013, 07:05Inaktiver User
AW: Erwachsene Kinder, die nichts hinbekommen....
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05.03.2013, 08:25Inaktiver User
AW: Erwachsene Kinder, die nichts hinbekommen....
Was studierst Du denn? Ist es etwas Geisteswissenschaftliches? (Weil Du schreibst, es mache Dich zu einem besseren Menschen...?)
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05.03.2013, 08:57
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05.03.2013, 09:21
AW: Erwachsene Kinder, die nichts hinbekommen....
Entschuldigt, ich habe nun nur die erste Seite gelesen und steige damit quer ein.
Ich habe nicht den Eindruck, dass es junge Erwachsene heute schwer haben, weil sie selbst dran schuld seien (oder die Eltern, weil sie sie so lange unterstützen), sondern dass es am System liegt bzw. am derzeitigen Arbeitsmarkt.
Wenn ich mich an meine Jugend zurückerinnere:
Wenn es mir bei einem Job nicht behagt hatte, schlug ich die Zeitung auf, wählte ein interessantes Jobangebot aus, rief dort an (heute nicht mehr denkbar, da geht vieles nur über unpersönlich online-Formulare), bekam sofort einen Termin (!), stellte mich vor und hatte den Job.
Zusammen mit Aussagen, sinngemäß:
DANKE, dass sie den Job haben wollen, wir haben dafür auch viele Sozialleistungen für Sie, wie Gratis-Mittagstisch, eigenes Ambulatorium im letzten Stock, in dem sie während der Arbeitszeit Behandlungen genießen können....Zeugnisse? Brauchen Sie nicht, wenn sie meinen, sie können den Job machen, dann tun Sie.
Kein Witz, war so, ich kam in den Genuss von dieser Zeit.
Das war vor 35 Jahren. Wirtschaftsaufschwung, Jobs wie Sand am Meer, Arbeitskräfte waren gefragt.
Heute?
Die Eltern MÜSSEN ihre Kinder teilweise noch unterstützen, weil sie trotz langer Ausbildung keinen Job bekommen. Dass das nicht gerade motivierend ist, liegt auf der Hand.
Liebe Grüße
Zio
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05.03.2013, 09:34Inaktiver User
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05.03.2013, 10:10
AW: Erwachsene Kinder, die nichts hinbekommen....
Tomirke,
in meinem Bekanntenkreis sehe ich es komplett anders. Die Absolventen natur- und ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge (nicht nur teurer Privat-Unis, sondern auch von staatlichen Unis und FHs) werden vom Arbeitsmarkt förmlich aufgesogen. Die Anfangsgehälter sind echt OK, es gibt fast nur unbefristete Stellen.
Liegt es also am Studienfach? Oder am Land?
Inzwischen gibt es bei uns in Bayern einen harten Wettbewerb um Lehrlinge, da die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich höher ist als die Zahl der Bewerber. Ma zahlt übertariflich, teilweise bekommen Lehrlinge Firmenwagen! Und einen Job nach der Ausbildung findet jeder, der bei der Ausbildung nicht versagt.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.



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