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Thema: Neid

  1. User Info Menu

    AW: Neid

    Hallo zusammen,

    spannendes Thema. Wobei ich mich auch für weitgehend neidfrei halte. Zumindest wenn man Neid nicht als Bewunderung betrachtet sondern als Missgunst.

    Ich weiß seit Weihnachten, dass ich sehr schwer an Krebs erkrankt bin mit nicht allzu tollen Heilungschancen. Aber ich habe tatsächlich noch nicht einmal gedacht, dass ich jemanden aus meinem Freundes- oder Bekannntenkreis um seine Gesundheit beneide. Irgendwie ist mir das tatsächlich fremd. Nicht mal meinen ungeliebten Ex-Chef, der an denselbem Krebs erkrankt ist, nur in einem sehr viel früheren Stadium mit viel viel besseren Aussichten, beneide ich.

    Ich hatte einmal so eine Anwandlung, als ich in der Straßenbahn saß und die Leute um mich herum anschaute und dachte, die sind alle gesund, nur Du hast diesen Scheiß-Krebs. Aber mir war natürlich gleich klar, dass das Quatsch ist. Was weiß ich schon, was die Leute alles haben oder nicht haben.

    Vielleicht hilft mir, dass ich dankbar sein kann für alles was ich habe und hatte und dass ich kaum Angst vor dem Tod habe. Ich sehe meine weitgehende Neidfreiheit jetzt auch nich tals großen Verdienst. Dafür hab ich halt andere Schwächen. Neid als konstruktive Kraft, die den eigenen Ehrgeiz anstachelt, finde ich allerdings sehr positiv. Und der fehlt mir genauso wie der destruktive Neid. Von daher sehe ich Neidfreiheit auch nicht nur als was Positives an. Aber die Unterstellung, dass jeder neidisch ist, es die einen nur nicht wahrhaben wollen, finde ich auch etwas seltsam.

    Und weil das Enneagramm hier erwähnt wurde. Ich bin auch ein Anhänger davon, einfach weil es auf mich nahezu perfekt passt (bin eine ganz typischen Fünf) und ich dadurch viel über mich gelernt habe. Es wird wie jede Typologie nicht auf jeden passen, und ich kenne auch Menschen, die sich darin nicht wiederfinden. Aber deshalb ist das ja nichts Schlechtes, nur eine Art von vielen Menschen zu betrachten.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ...Mir war dies aber sehr bewusst, und ich habe mich etwas zurückgezogen, um ihr meine Gefühle nicht zuzumuten.
    Was ich ihr genau so auch begründete.
    Nach einiger Zeit ist sie (!) wieder auf mich zugekommen, mit großem Verständnis und den Worten, sie wolle mich als Freundin nicht verlieren.
    Seitdem ist wie ein Schalter umgelegt- ich freue mich, mag ihre Kinder und dass sie wieder schwanger ist-

    und ich werde ihr für den Rest meines Lebens dankbar dafür sein, dass sie mich nicht "erfolgreich aus ihrem Freundeskreis verbannt" hat...
    An deinem Beispiel kann man deutlich erkennen, dass man oft stark differenzieren muss.

    Es ist ja absolut verständlich und nachvollziehbar, was du fühlst und du hast es deiner Freundin auch gut verständlich gemacht. Wer könnte dir das übel nehmen?
    Dass eure Freundschaft das ausgehalten hat, zeigt, dass sie echt ist.

    Ich selber distanziere mich gewöhnlicherweise auch von neidischen Menschen und habe vor nicht all zu langer Zeit einen ganzen Freundeskreis deswegen abgestoßen. Das musste ich machen, um mich zu schützen. Wenn Menschen unfair werden, einen scheinbar grundlos angreifen oder ausgzugrenzen versuchen, dann kann ich denen nicht entgegen kommen. Ich erhalte so keine faire Chance. In einer Freundschat muss man schon offen und ehrlich sein, so wie du es auch warst.
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

  3. Inaktiver User

    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und, Lorelei- bist Du in diesem Moment eine "bessere" Freundin?

    Ich habe eine Freundin seit meiner frühesten Jugend.
    Nun ist es so gekommen, dass ich z.B. durch eine Krankheit keine Kinder bekommen kann- sie jedoch nun eine größere Familie hat. Es nahm mich sehr schwer mit- ja, ich hatte mit Neid zu kämpfen, und mit der Angst, dass wir uns nun auseinanderleben!
    Mir war dies aber sehr bewusst, und ich habe mich etwas zurückgezogen, um ihr meine Gefühle nicht zuzumuten.
    Was ich ihr genau so auch begründete.
    Nach einiger Zeit ist sie (!) wieder auf mich zugekommen, mit großem Verständnis und den Worten, sie wolle mich als Freundin nicht verlieren.
    Seitdem ist wie ein Schalter umgelegt- ich freue mich, mag ihre Kinder und dass sie wieder schwanger ist-

    und ich werde ihr für den Rest meines Lebens dankbar dafür sein, dass sie mich nicht "erfolgreich aus ihrem Freundeskreis verbannt" hat...
    Sie hat doch nie behauptet eine bessere Freundin zu sein.
    Weißt du dass man in bestimmten Kulturkreisen von neidischen Menschen behauptet, sie hätten den bösen Blick?

    du bist ja übrigens nicht neidisch geblieben.
    Keine Angst, so schnell sortiert man Menschen wohl nicht aus.

  4. Inaktiver User

    AW: Neid

    Liebe Malina,
    an irgendwas glauben wir wohl alle.
    Und so ein bisschen Aberglaube ist doch das Salz in der Suppe.

    Neid war auch nie ein Ansporn für mich - und es hieße mal ne Zeitlang, mich eingeschlossen, ich wäre unter meinen Möglichkeiten geblieben.
    Ich kann ganz gut mit Konkurrenz und Wettbewerbsstiuationen umgehen. Man kann beinahe sagen: I love it. Ich kenne noch nciht mal Prüfungsängste.
    Mein Leben aber vollkommen und andauernd diesen Kriterien auszusetzen ist mir zu blöde.

    Ich glaube, ich bin auch so wer.

    Alles Gute für dich von mir

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich empfinde Wut, Trauer, Verzweiflung, Zorn, Hilflosigkeit - Neid aber nunmal nicht.
    Meine Tochter sagt das auch genauso von sich. Sie kennt keinen Neid.

    Ich glaube ihr das, weil ich sie kenne und auch nicht wüsste, warum und auf wen sie neidisch sein sollte. Bisher hatte sie nichts großartiges auszustehen, muss nicht leiden oder sich für irgendetwas abrackern. Sie kann sich verwirklichen, studieren, was und wo sie möchte und sie bekommt jede Unterstützung von ihren Eltern, die nur geht.

    Grund für Neid gibt es einfach nicht für sie. Jedenfalls bis jetzt.
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

  6. Inaktiver User

    AW: Neid

    Als ganz junges Mädchen lebte ich eine Zeitlang in einem Kinderheim. Da gab es eine sagen wir mal Naturschönheit.
    Mit ner anderen Freundin überredeten wir sie zu einer modischen Kurzhaarfrisur. Die schnitten wir ihr sogar noch selber..

    Und stellten dann lapidar fest.
    Die kann nichts verschandeln.

    Ich war ne Zeitlang regelrecht versucht auf meinen Ex-Mann neidisch zu sein. Wegen seiner Sorglosigkeit und seines Leichtsinns.
    Und weil ich die Folgen für was zu tragen hatte was ich niemals selbst getan hätte - und ich immer ernster wurde.

    So was klappt auch nicht.

  7. User Info Menu

    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich halte es für konstruiert, das etwas nie wieder erreichbar sein soll - das liegt doch bei mir.
    (...)
    Es gibt Dinge, die sind definitiv nie mehr erreichbar. Wenn ich z.B. mein linkes Bein verliere (hatt' ich schon, das Beispiel, ich nehm's hier nochmal auf). Wenn das weg ist, ist es weg. Und wenn ich vorher leidenschaftlich gerne getanzt habe, werde ich ziemliche Schwierigkeiten haben, ohne mein linkes Bein weiterzutanzen. Gut, Du wirst einwenden: "Dann nimm halt Deinen Mumm zusammen, leg Dir 'ne Prothese zu und los gehts!" Das ist aber erst der zweite Schritt, aus dem Zustand, wie er sich nach dem Verlust des Beins darbietet (der IST-Zustand nach dem Verluit also) , etwas Konstruktives zu machen.

    Alles, aber wirklich alles, was man hat und ist, kann man auch verlieren, und zwar das eine unwiederbringlich, das andere eben nicht. Manches wird dann definitv unerreichbar, und wenn ich mich auf den Kopf stellen würde, und anderes kann ich mir eventuell (oft durch harte Arbeit, ich denke jetzt z.B. an Menschen nach einem Schlaganfall, z.B.) wieder zurückerobern.

  8. User Info Menu

    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    (...) du bist ja übrigens nicht neidisch geblieben. (...)
    Ich nehm mal an, dass Blueserin auch deswegen nicht neidisch geblieben ist, weil ihre Freundin wieder auf sie zugekommen ist und sie aus ihrem Rückzug herausgeholt hat, indem sie die Hand gereicht hat. Sowas ist unglaublich befreiend! Ich habe eine ähnliche Situation auch schon mit einer sehr guten Freundin erlebt und kann gar nicht genug betonen, WIE befreiend das ist. Wir konnten danach wieder völlig ungezwungen miteinander umgehen und unsere Freundschaft ist daraus gestärkt hervorgegangen. Es ist unglaublich toll und konstruktiv, wenn Freunde, die eigentlich guten Grund hätten, sich von einem abzuwenden, das eben NICHT tun. Sehr schwer... ich bin da auch am Üben. (Allerdings muss man auch für sich lernen, wann man eine Grenze setzen muss - und wann eben nicht)

  9. Moderation

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Warum fühlst Du Dich angegriffen, wenn ich über meine persönlichen Beweggründe nachdenken will?????
    Ich fühle mich nie angegriffen, außer jemand steht mir erhobener Axt vor mir.
    Projektion ist echt deine Stärke; du solltest was draus machen.

    Zitat Zitat von bruennette_2 Beitrag anzeigen
    Sagt eine, die lange Zeit auch nicht glauben konnte, dass sie in bestimmten Teilbereichen durchaus zu Neid fähig ist.... ...
    Dass alle zu Missgunst fähig sind, wenn etwas an die Substanz geht, glaube ich auch.
    Ob sie dann zur Resignation führt und zum Grundton des weiteren Lebens wird, halte ich aber für eine Charakterfrage. Ein von Natur aus gutmütiger Mensch ist auch mit sich selbst großzügig und wird seine eigenen Neidgefühle erkennen, aber nicht überbewerten.

    [QUOTE=bruennette_2;20666861]Hm,- Ich denke, dass in diesem Fall Neid erst gar nicht aufkommen könnte, weil es den anderen ja genau so schlecht damit ginge. Man säße ja mit allen im selben Boot. Traurig wäre man aber trotzdem, weil man das, was man verloren hat, ja vermissen würde. Das sehe ich wie Du.

    Aber ich habe o.g. Beispiel ja nur konstruiert, weil es darin wichtig ist, die einzige Person inmitten der anderen zu sein, der das widerfährt. DANN erst wäre ja im Vergleich mit den anderen der (fruchtbare) Boden für Neid erst gegeben.
    Fruchtbar ist gut. Wenn diese Person zur Überlegung fähig ist, warum sie die einzige ist, kann immer noch etwas Gutes daraus entstehen.

    Malina, dabei denke ich auch an dich: Dass die Warum-Ich-Frage immer mal wieder aufblitzt, ist absolut verständlich. Aber wie du so schön beschrieben hast, wusstest Du sofort, dass sie nutzlos ist und dich nicht weiterbringt. Ich hoffe, du findest ganz viel anderes, dass dir hilft, wieder gesund zu werden.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich finde es interessant, wie hier Menschen im Brustton eines vermeintlichen moralischen Gutmenschentums abgewatscht werden, die Empfindungen wie Neid, Wut, Trauer, Verzweiflung, Zorn, Hilflosigkeit einräumen, dazu stehen und diese anerkennen können.
    Wieso wirfst du das in einen Topf?
    Zu Zorn oder Trauer können viele stehen, zum Neid nur wenige, weil es Erziehungspostulat ist, nicht neidisch sein zu dürfen. So, wie du nachher schreibst:
    Ich kann doch gar nicht lernen, mit einer Empfindung konstruktiv, mitmenschlich, sozial akzeptabel umzugehen, wenn ich mir von vorn herein verbiete, sie überhaupt zu haben, ja haben zu können, weil mein Selbst_Bild dann - huch! - in eine Schieflage geraten könnte.
    Neid, der dich nicht zerfrisst und zu einem lähmenden Gefühl des Versagens wird, kann Ansporn sein.
    Hingucken, was andere besser machen, damit sie bekommen, was ich auch möchte.
    Oder gönnen lernen, wie Kinder, die lernen müssen, im Spiel zu verlieren.
    Das hängt aber vom Naturell ab. Trotz aller Hinarbeit bleiben manche ihr Leben lang schlechte Verlierer.^^
    *
    Der Adler fängt keine Mücken.


    'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit


    Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
    Arnulf Rating

  10. Inaktiver User

    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Geht das nur in der Kombination ?

    Ich empfinde Wut, Trauer, Verzweiflung, Zorn, Hilflosigkeit - Neid aber nunmal nicht.

    Und da kannst Du noch so oft ferndiagnostisch schreiben, das Leute, die dies von sich sagen, unreflektierte Dummies sind, die nur auf Kalenderblattebene zu denken in der Lage sind.
    Lorelei,

    für Deine Interpretationen kann ich nichts. Sie entsprechen nicht meiner Intention.

    Und ja, in der Tat, ich nehme Dir Neidlosigkeit nicht wirklich ab, gerade weil Du sehr klare Abwehrstrategien in Deinen Beiträgen skizzierst. Indem Du beispielsweise gleich einmal prophylaktisch davon ausgehst, dass in jeder Lebenssuppe diverse Fliegen schwimmen, entwertest Du vorbeugend Menschen, und nimmst etwaig doch einmal aufkeimendem Unbehagen, auch Neid genannt, den Wind aus den Segeln.

    Es ist im übrigen für die Genese von Empfindungen völlig unerheblich, ob sie de fakto eine Grundlage haben oder nicht - auch das übersiehst Du bei Deinen Begründungen.

    Ich finde insgesamt die Abwertung der Empfindung Neid ungut. Sein Wert steckt gerade in seiner Annahme als etwas Menschliches - wer offen bewundernd Neid ausdrückt, bringt auch Wertschätzung zum Ausdruck, er wertet eben nicht ab. Es kann Teilhabe entstehen, ein Miteinander, eine Entwicklung, zum einen durch Selbstreflexion, zum anderen durch Austausch. Der Neid kann überwunden werden - bruennette2 beschreibt das recht anschaulich.

    Neid muss hier nicht in Mißgunst münden und in ihr stecken bleiben.

    Dazu fällt mir wieder ein Bild ein:

    Der "böse Blick", der im Neidkontext gern auch der "scheele Blick" genannt wird, und Mißgunst beschreibt, wird in der Neid_Konfrontation zu einem geraden Blick, weil hingeschaut, Augenkontakt hergestellt wird. Der böse Blick kann sich also zu einem körpersprachlichen Dialog, zu Augenhöhe entwickeln, wenn man ihn annimmt und ihm folgt.
    Geändert von Inaktiver User (11.02.2013 um 13:03 Uhr)

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