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Thema: Neid

  1. Inaktiver User

    AW: Neid

    Zitat Zitat von bertrande Beitrag anzeigen
    @Bruenette
    Wenn jetzt etwas, das mir sehr wichtig ist, allen anderen auch genommen würde, ginge es mir dann besser? Ich würde es doch trotzdem genauso vermissen, nicht?
    Das ist eine Kopfsache, die Du da beschreibst. In der Magengegend stechen kann es trotzdem, das entzieht sich dem Kopf.
    Wie bei der Liebe. Und tatsächlich abhängig davon, was bruennette_2 schrieb.
    Geändert von Inaktiver User (10.02.2013 um 19:38 Uhr)

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Zitat von bruennette_2 Beitrag anzeigen
    Ich finde Neid nicht schlimm, aber es höchst wichtig, wie man in der Folge mit ihm umgeht.

    Sagt eine, die lange Zeit auch nicht glauben konnte, dass sie in bestimmten Teilbereichen durchaus zu Neid fähig ist.... ...
    Chapeau!
    Verraten tu ich aber nicht, um welche Teilbereiche es sich da handelt.....

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von bruennette_2 Beitrag anzeigen
    Was mir im Zusammenhang mit der Neiddebatte auffällt, ist, dass oft gesagt wird: "Nein, ich bin nicht neidisch, denn das, was andere besitzen (Haus, Geld, guter Beruf, Jugend, etc.) oder können (ganz toll Klavier spielen, eine anerkannte Schauspielerin sein, bei Olympia Gold im Bodenturnen holen, etc.) finde ich für mich nicht so wichtig."

    Diese Aussage mag ich gerne glauben und nehme es den Leuten, die das sagen wirklich ab, dass sie bezüglich dieser Dinge tatsächlich nicht neidisch sind.

    Allerdings ist das doch ziemlich einfach, auf Dinge nicht neidisch zu sein, die einem persönlich auch nicht viel bedeuten, oder die man ja sowieso besitzt und es dann ja auch gar nicht mehr "nötig" hat, neidisch zu werden.

    Das Ganze wird doch erst dann spannend, wenn anderen Dinge/Tätigkeiten etc. zuteil werden, die auch für mich sehr wichtig sind, aber von denen ich (temporär oder für immer) abgeschnitten bin.

    Vielleicht könnte man dazu mal ein Gedankenexperiment machen, und das Pferd mal von einer anderen Seite aufzäumen:

    Sich als erstes überlegen, was einem so richtig wichtig ist (Das kann vom sonntäglichen ausgiebigen Morgenkaffee, den man sich gönnt, bis hin zur Anerkennung bei Arbeitskollegen gehen. Nur mal so als x-beliebige Beispiele herausgegriffen) Als zweiten Schritt sich vorstellen, dass dieses wichtige Ding einem weggenommen würde und dass es für einen selbst dann entweder nie mehr oder nur unter äußerster Anstrengung erreichbar wäre. Aber andere würden dann vor den eigenen Augen genau das leben dürfen. Was wäre dann? Wie würde man sich dann fühlen?

    Die Antworten DARAUF fände ich persönlich tatsächlich mal spannend.
    Auch das hängt ab vom eigenen Gemüt und der Fähigkeit, wie man die Dinge sieht und nimmt.

    Beispiel:
    Jemand verliert ein Bein bei einem Unfall. Da wäre es einfach zu sagen, daß diese Person ganz sicher auf alle gesunden Menschen neidisch ist. Ich hingegen behaupte, daß es sicher auch dort Menschen gibt, die sich mit dem Schicksal abgefunden haben und die gesunden "Zweibeiner" bestenfalls wehmütig angucken, aber nicht neidisch sind.

    Es gibt von Marie von Ebner-Eschenbach ein sehr schönes Zitat, was hier gut in den Strang paßt:

    “Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus”

    10 Leute können das gleiche Schicksal ereilen, trotzdem wird jeder den Schicksalsschlag anders verkraften und auch anders in Zukunft damit umgehen. Die Pessimisten werden alles schrecklich finden und evtl. auch neidisch sein. Die Optimisten arrangieren sich besser mit der Situation und werden bemüht sein, im Rahmen der Möglichkeiten wieder an den schönen Dingen des Lebens teilzuhaben.

    Um beim Beispiel von bruennette_2 zu bleiben: Könnte ich etwas, was mir eigentlich wichtig ist, nicht mehr ausüben, wäre das kein Grund für mich, neidisch zu sein auf diejenigen, die es noch können. Warum auch? Mein Leben ist nicht nur von einer Komponente abhängig. Und es gibt noch so viele schöne andere Dinge, die das Leben lebenswert machen.

    Wie man Neid entgegenwirken/abstellen kann, weiß ich leider nicht. Meine Erfahrungen zeigten, daß Neid oft von Leuten kommt, die generell negativ sind. Wie macht man also aus einem Pessimisten einen Optimisten? Ich weiß es nicht.

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das ist eine Kopfsache, die Du da beschreibst. In der Magengegend stechen kann es trotzdem, das entzieht sich dem Kopf.
    Wie bei der Liebe. Und tatsächlich abhängig davon, was bruenette schrieb.
    Ich bin ja auch nicht ganz frei von negativen Gefühlen, wahrscheinlich hätte ich zuerst eine Stinkwut, würde fluchend durch die Gegend rennen, mich nach dem Abreagieren dann fragen, wie das kommen konnte und dann überlegen, was man tun kann. Alle Möglichkeiten abchecken. Dann entweder den jetzigen Zustand akzeptieren und versuchen, ihm was Gutes abzugewinnen oder handeln. Wahrscheinlich handeln.

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von Zeta2013 Beitrag anzeigen
    Meine Erfahrungen zeigten, daß Neid oft von Leuten kommt, die generell negativ sind.
    Das stimmt! Oft sind das auch Menschen die sich sehr schnell benachteiligt fühlen oder irgendwie "zu kurz gekommen".. Das sind dann aber schon "Hardcore-Neider" bei denen das kein gelegentliches Gefühl sondern eine Grundhaltung ist.

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von Zeta2013 Beitrag anzeigen
    (...) 10 Leute können das gleiche Schicksal ereilen, trotzdem wird jeder den Schicksalsschlag anders verkraften und auch anders in Zukunft damit umgehen. Die Pessimisten werden alles schrecklich finden und evtl. auch neidisch sein. Die Optimisten arrangieren sich besser mit der Situation und werden bemüht sein, im Rahmen der Möglichkeiten wieder an den schönen Dingen des Lebens teilzuhaben. (...)
    Wenn ich auch im Groben Deinem Beitrag - und insbesondere dem Zitat von Ebner -Eschenbach - zustimme, so finde ich, dass ja genau DAS der Knackpunkt ist, der die Sache nicht so einfach macht, wie sie zu sein scheint:

    Wenn 10 Leute das gleiche Schicksal ereilt (alle 10 verlieren ihr linkes Bein, z.B.), so gehen die 10 Leute doch genau deswegen mit ihrem Schicksal verschieden um, weil jeder von ihnen jeweils ein ganz individueller "Cocktail" aus Lebenserfahrungen, Vorlieben, Bedürfnissen, Dingen die für die betreffende Person - und nur für diese - selbst wichtig sind, oder auch nicht, bildet.

    Und dabei die Menschen kurzerhand in Optimisten und Pessimisten zu unterteilen und daran festzumachen, wer nun fähiger und wer unfähiger zu Neid ist, finde ich sehr gewagt, um nicht zu sagen, einfach falsch, denn das hieße ja, dass Optimisten eher keinen Neid empfänden, aber Pessimisten auf jeden Fall zu Neid fähig wären. Ich kenne jeweils für Optimisten (mich z.B.) als auch für Pessimisten (einen sehr zartfühlenden Melancholiker, den ich gut kenne) dass in bestimmten TEILBEREICHEN (da ist es wieder) das genaue Gegenteil: Also Klartext: Auch wenn ich mich selbst als Optimistin sehe, bin ich, was bestimmte Dinge angeht, durchaus zu Neid fähig, und besagter Melancholiker ist, in einigen Dingen (= Teilbereichen) überhaupt nicht neidisch.

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    AW: Neid

    Die grobe Einteilung in Optimisten und Pessimisten war ein Beispiel. Mir ist schon klar, daß es nicht "den" Optimisten gibt, der alles toll und tralalala findet und niemals dunkle Momente hat. Das gleiche dann auch beim Pessimisten. Wie ich bereits schrieb, sind meine persönlichen Erfahrungen mit Menschen, daß es halt unter den Neidern extrem viele Leute gibt, die eine generell negative Einstellung haben.

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    AW: Neid

    Zitat Zitat von Zeta2013 Beitrag anzeigen
    Die grobe Einteilung in Optimisten und Pessimisten war ein Beispiel. Mir ist schon klar, daß es nicht "den" Optimisten gibt, der alles toll und tralalala findet und niemals dunkle Momente hat. Das gleiche dann auch beim Pessimisten. Wie ich bereits schrieb, sind meine persönlichen Erfahrungen mit Menschen, daß es halt unter den Neidern extrem viele Leute gibt, die eine generell negative Einstellung haben.
    Vielleicht kommt dieser Eindruck ja daher, dass der Neid, den generell negativ eingestellte Menschen fühlen, einfach sichtbarer ist, weil diese mit ihrem Neid eben unkonstruktiv, verletzend, etc. umgehen. Die Menschen in deren Umfeld bekommen den Neid dann einfach viel direkter und unverblümter mit (und ab).

    Wohingegen diejenigen, die konstruktiver und positiver mit ihrem Neid umgehen können, für andere unsichtbarer sind, weil das Umfeld eben gerade NICHT Zielscheibe der Neidgefühle wird, weil gelernt wurde, den Neid positiv zu "handeln".

    Die Frage lautet also nicht, wer nun neidischer ist ,sondern, wer besser damit umgehen kann. Denn es sind ja die ganz individuellen "Trigger" (nach meiner Theorie ) , die den Neid auf den Plan rufen - also kurz: jeder, egal wer, kann ganz unvermutet von Neid überfallen werden - und nicht, ob jemand eher eine generell positive oder negative Einstellung hat.

  9. Inaktiver User

    AW: Neid

    Zitat Zitat von bruennette_2 Beitrag anzeigen
    Die Frage lautet also nicht, wer nun neidischer ist ,sondern, wer besser damit umgehen kann. Denn es sind ja die ganz individuellen "Trigger" (nach meiner Theorie ) , die den Neid auf den Plan rufen - also kurz: jeder, egal wer, kann ganz unvermutet von Neid überfallen werden - und nicht, ob jemand eher eine generell positive oder negative Einstellung hat.
    Genau das ist auch die Frage des Eingangsposting. Wie geht man besser damit um.
    Und dazu die Frage, ob man schwerer damit umgehen kann, wenn man eine bestimmte Nummer in einem (mir unbekannten) System ist.
    Ist der Umgang mit dem Gefühl nicht auch anerzogen? So, wie man es zu Hause vorgelebt bekommt, so lebt man es weiter aus, oder eben das Gegenteil?
    Ist es also keine unumstößliche Persönlichkeitsfrage, sondern angelernt und so auch zu relativieren und umzudenken?
    Geändert von Inaktiver User (10.02.2013 um 21:38 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Neid

    Zitat Zitat von Zeta2013 Beitrag anzeigen
    10 Leute können das gleiche Schicksal ereilen, trotzdem wird jeder den Schicksalsschlag anders verkraften und auch anders in Zukunft damit umgehen. Die Pessimisten werden alles schrecklich finden und evtl. auch neidisch sein. Die Optimisten arrangieren sich besser mit der Situation und werden bemüht sein, im Rahmen der Möglichkeiten wieder an den schönen Dingen des Lebens teilzuhaben.

    Um beim Beispiel von bruennette_2 zu bleiben: Könnte ich etwas, was mir eigentlich wichtig ist, nicht mehr ausüben, wäre das kein Grund für mich, neidisch zu sein auf diejenigen, die es noch können. Warum auch? Mein Leben ist nicht nur von einer Komponente abhängig. Und es gibt noch so viele schöne andere Dinge, die das Leben lebenswert machen.
    In der Theorie scheint vieles leicht.

    Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie sich sehr, sehr schwierige, lebensbedrohliche Situationen anfühlen, die das Leben ganz massiv zusammen schrumpfen lassen, und ihm viele Perspektiven nehmen. Ich habe durch diese Lebenserfahrungen aus mir heraus die Haltung entwickelt, das Gute zu sehen, und mich darauf zu konzentrieren, ohne das Schwierige negieren zu müssen. Das bedeutet aber nicht, dass ich mir nicht wünschen könnte, dürfte oder würde, dass manches anders wäre. Das bedeutet auch nicht, dass ich mich hinter irgendwelchen Maximen verschanzen müsste, weil es mir tatsächlich an Lebens_Antworten, an eigenen Entwürfen mangelte - nö, ich kann sehr gelassen einräumen, dass ich auf das eine oder andere durchaus mit Neid blicke, auch wenn ich es demjenigen, der es hat, und so manches Mal überhaupt nicht zu schätzen weiss, von Herzen gönne. Es kann durchaus eine gute, und sehr lehrreiche Lebenserfahrung sein, mit der Frustration umzugehen, die es bedeutet: Das geht nicht. Wird nie gehen. Auch wenn es für andere die grösste Selbstverständlichkeit ist. Das Neidgefühl ist dabei nicht das Problem, sondern die Fähigkeit, das, was man selbst kann, erfährt, hat, empfindet wert zu schätzen, daraus etwas Konstruktives zu machen, kreativ zu sein, und das Gute darin aufzusuchen. Manchmal ist das alles andere als einfach, es braucht Übung und den Mut, immer wieder aufzustehen, und es noch einmal zu probieren, insbesondere dann, wenn es wirklich nur um die innere Haltung geht, weil sie das einzige ist, mit dem man hier ringen kann, wenn man an der Sache selbst nichts ändern kann.

    Ich denke, dass es das ist, was beispielsweise Marie von Ebner-Eschenbach meint, wenn man mal ein bisschen tiefer als auf Kalenderblattebene eintauchen möchte: Nicht tabuisieren, nicht negieren, nicht schönreden, sondern annehmen, was voraussetzt, dass man es schnörkellos anschaut und akzeptiert, offen ist für das, was man fühlt, auch wenn das unangenehm piekt und mal so gar nicht pc und heideröschensüss ist. Die Herausforderung liegt darin die Fähigkeit zu entwickeln, etwas Gutes aus dem zu machen, was einem begegnet, und was man empfindet, Glückspunkte darin zu finden, nicht zu resignieren, sondern sich jeden Tag zu sagen: Sodele - das ist Dein Kuchenteig. Mach was draus, hier und jetzt, positionier Dich, schau hin, sei.

    Ich finde es interessant, wie hier Menschen im Brustton eines vermeintlichen moralischen Gutmenschentums abgewatscht werden, die Empfindungen wie Neid, Wut, Trauer, Verzweiflung, Zorn, Hilflosigkeit einräumen, dazu stehen und diese anerkennen können.

    Nicht die Empfindung selbst ist das Problem - der Umgang damit ist es. Sich diesem gar nicht erst zu stellen, indem man sich von vorn herein distanziert, ist natürlich ein Weg, den man wählen kann. Wieviel Substanz das aber tatsächlich hat, sei mal dahin gestellt.

    Anders ausgedrückt: Ich kann doch gar nicht lernen, mit einer Empfindung konstruktiv, mitmenschlich, sozial akzeptabel umzugehen, wenn ich mir von vorn herein verbiete, sie überhaupt zu haben, ja haben zu können, weil mein Selbst_Bild dann - huch! - in eine Schieflage geraten könnte.

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