Kenn ich. Mir sagte mal eine alte Freundin, dass sie nicht verstehen könne, wie ich mit dem Gedanken zurecht käme, im Land der Mafia zu leben. Und dann kam eine detaillierte Schilderung, was in Italien alles noch nicht funktioniert und warum das Land höchstens mal für eine Woche Urlaub gut sei.
Wir hatten damals schon italienische Freunde, und ich fühlte mich beschissen bei dem Gespräch.
Das Glück im Unglück war für mich, dass sich der Blick auf deine bisherigen Verbindungen schärft, sich aus der Ferne und im Umgang mit der Situation, alte Freund- und Bekanntschaften neu definieren.
Die Leute, die sich mit uns freuten, uns den Rücken stärkten als wir noch nicht so gut eingelebt waren, sind heute noch unsere Freunde.
Schön beschrieben! Das gefällt mir an dem Strang; hat was Philosophisches und arbeitet Dinge auf, die ich schon vergessen hatte.
Ich auch nicht; weder bei der Arbeit noch in den Geschäften noch beim Spazierengehen noch bei Besuchen anderer Städte.
Allerdings fällt mir schon auf, dass viele Leute hier frustriert aussehen. Das aber, solange ich unterwegs bin. Es liegt manchmal jedoch daran, wo man sich aufhält. In den Metros dieser Welt gucken morgens um 7 oder abends um 19 Uhr alle gleich deprimiert durch die Gegend.
Die Entzauberung hat mit Kennedys Ermordung begonnen, da stimme ich Opelius zu.Jetzt haben die USA aus unserer Sicht gerade einen schwachen Moment, und das verführt vllt. zu solchen überheblichen Anwandlungen. Kann da was dran sein? Auch das Vertrauen in die USA und deren Absichten wurde stark erschüttert, ganz besonders seit der Amtszeit von George W. Bush. Jetzt herrscht hier eher latentes Misstrauen vor allem ggü. deren Außen- und Umweltpolitik.
Vorher war USA das Land von Milch und Honig und übermenschlicher Gerechtigkeit. Unser Mutterland der Demokratie, die Rights dieser Welt, erhaben über jeden Zweifel. (Die 68er-Typen hatte einen kritisscheren Blick, aber die waren sowieso gegen alles und zählten nicht.)
Wir erfuhren durch Vietnam, Nixons Watergate und den Golfkrieg, die Immobilienblase und die Bankenpleite, dass die USA auch von Korruption, extremem Materialismus und Kriminalität geprägt sind.
Und dann ging es auch um handfeste Interessen. Die Amerikaner forderten Solidarität bei Einsätzen und in der Denkungsart. Nicht ganz zu Unrecht.^^ Deutschland hatte ihnen nach dem Krieg viel zu verdanken.
Aber wer will schon ein Leben lang dankbar sein? Das kann dann auch in Feindseligkeit umschlagen und in den Stolz auf die eigenen Verdienste.
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12.02.2013, 12:40
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?
Geändert von ganda55 (12.02.2013 um 12:43 Uhr)
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Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
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12.02.2013, 12:50Inaktiver User
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?
Ich finde es falsch, wenn das nur als "dankbarkeit" angsehen wird. Deutsche Aussenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung war einfach ausschliesslich auf das eine Ziel: Ostpolitik, Wiedervereinigung ausgerichtet; die grossen weltpolitischen Themen wurden von anderen beackert - nicht von uns.
Dann kam die Wiedervereinigung und die volle Souveraenitaet und damit wurde eine "normale" deutsche Aussenpolitik erst moeglich. Die USA forderten manche Dinge ein, aber Deutschland machte auch nicht alles mit. Schwierigkeiten gibt es halt, wenn Deutschland zwar einerseits auf internationaler Buehne mitspielen und als wichtig anerkannt sein will, sich andererseits aber auf die Position "Wir machen uns nicht die Haende schmutzig, Krieg: baeh!" zurueck ziehen moechte. Das funktioniert nicht und das ist scheinbar in vielen Koepfen noch nicht angekommen.
Deutschland ist ein sehr wichtiges Land, aber zur Wichtigkeit gehoert auch Verantwortung zu uebernehmen. Das hat mit Dankbarkeit nicht viel zu tun.
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12.02.2013, 17:59Inaktiver User
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?
*grins* - ich mag die Berliner eigentlich ganz gerne. Zumindest kriegen die ja mal die Klappe auf.
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12.02.2013, 18:04Inaktiver User
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?
Was mir - allgemein - negativ auffiel, und was ich so auch "verpasst" habe -
diese Geiz-ist-geil-Mentalität.
Als ich wegging, HATTE man zumindest noch ein Budget für irgendwas.
Als ich wiederkam, wirklich nur Jammerei "wir haben gerade üüüberhaupt kein Budget für xyz" - und das, wo es keine wirkliche Krise gibt (zumindest habe ich die anderswo viel härter erlebt).
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12.02.2013, 19:27
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?
Hallo Kitty,
ja, das kann sein, dass ich da zu wenig Unterschied sehe da ich noch nie in Berlin gelebt habe! Also, eines sind sie nicht, die Kalifornier, ruppig.
Ich meinte auch nur, mit meinem Hinweis, vielleicht ist es so offensichtlich dass er unnoetig war: wenn man mit etwas aufwaechst, dann findet man es normal, auch wenn man mit zwei oder drei Realitaeten aufwaechst. Wenn man aber ein Land erst als Erwachsener erlebt, faengt man gleich an zu bewerten. Und eigentlich ist es schade, dass wir das verlieren als Erwachsene. Etwas einfach so anzunehmen, wie es ist. Aber ja, in NY sind die Leute auch ruppiger als in Los Angeles aber vielleicht nicht so ruppig wie in Berlin.
Wenn man in NY die Strasse runterlaeuft und jemand kommt einem entgegen und man sagt hallo, dann schauen sie einen an als waere man nicht ganz dicht! Wenn immer ich dort bin muss ich mir das immer wieder sagen :)
"Nicht allen hallo sagen!"
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12.02.2013, 19:28
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?
...und deswegen schreibe ich auch immer mit so einer Zeitverzoegerung und meine Kommentare passen nie in die Unterhaltung! Aber ich denke, es ist gut fuer mich mal wieder Deutsch zu schreiben.
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12.02.2013, 20:07
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?
Ich habe vorallem die Frauen damals in New York als dauergestreßt und übellaunig empfunden. Die zogen irg.wie alle einen Flunsch, niemand lächelte, alle rannten hektisch. Okay, als Touri hat man natürlich mehr Zeit und schlendert gemütlich, aber ich fand das schon irg.wie auffällig. Danach war Los Angeles die reinste Erholung. Das schöne Wetter und alle waren relaxt und freundlich.
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13.02.2013, 09:36
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?

Stimmt, es ist eine Art von Smalltalk
Eine Berlinerin erzählte mir mal, eine Kölner Freundin wollte mit einem 50Euro Schein den Busfahrer bezahlen. Der nur: Bin ich die Bank?, worauf sie wieder ausstieg. Übersetzt habe es jedoch geheissen: "Ich kann dir nicht rausgeben, fahr halt mit, aber bring nächstes Mal Wechselgeld".
Gestern suchten wir eine Straße und ein Päarchen war sogar so nett uns anzubieten, sie uns auf ihrem Smartphone rauszusuchen. Ich habe nochmal nachgedacht und eigentlich ist es ein recht gemischtes Bild: Geringverdienendes Servicepersonal ist sehr freundlich, je höher es auch in die Verwaltungsebenen geht, desto mehr fasst man sich an den Kopp. Extremes Beispiel: Ämter. Man könnte doch meinen, die Leute dort haben es gut, ein fester Job, gutes Gehalt, wenig Arbeitslast und dennoch so unzufrieden?
Ja, klar, mach das! Ich bilde mir ein, mein Deutsch ist nur so gut geblieben, weil ich hier regelmäßig mitgeschrieben habe.
KittyCoat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
Mae West: Goodness had nothing to do with it...
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13.02.2013, 11:06Inaktiver User
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14.02.2013, 23:07
AW: Rückkehr nach Deutschland - noch jemand hier?
Alsoooooo.....
ich war fast zwei Jahrzehnte im Ausland und habe Deutschland jahrelang schmerzlich vermisst!!! Aus praktischen Gründen war es mir aber jahrelang nicht möglich, wieder zurück zu kehren.
Seit circa zwei Jahren bin ich wieder da. Und es ist - noch viel schöner, als ich erwartet hatte. Feste in der Nachbarschaft mit selbstgebackenem Kuchen, Freunde, die einen bekochen und gerne bekocht werden, tiefe Gespräche.
Witze reißen zu können, Sprachwitz zu genießen, die Höflichkeit (insgesamt) - herrlich!!! Und endlich gehöre ich wieder dazu.
Ja, ich bin aus ganzem Herzen dankbar, wieder hier sein zu dürfen. Es hat meinem Leben eine gute Wendung gegeben. Natürlich gibt es hier auch unangenehme Zeitgenossen, aber auch sehr viel Wärme.
Was ich etwas schade finde ist, dass die jüngeren Leute auf Einladungen nicht mehr so reagieren, wie ich es von früher gewohnt bin. Ich habe einige jüngere Freundinnen hier gefunden, und wenn man die dann zum Geburtstag einlädt, und man sagt, dass man etwas kochen will o.ä., dann bekommt man nicht immer eine Reaktion, und manchmal erscheinen sie gar nicht. Das war früher anders, zumindest in meiner Erinnerung.
Die sozialen Bindungen haben sich meiner Beobachtung nach auch hier gelockert - doch sind noch sehr viel enger geknüpft als im Ausland (in meinem Fall ein Land in Nordeuropa).




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