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    Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Hey ihr lieben Bri-Mädels und Jungs!
    Ich schreibe heute mal hier, weil es zwar um ein Thema aus meiner Beziehung geht, jedoch vom Inhalt her nicht unbedingt paarbeziehungsspezifisch ist, hoffe das passt so.

    Die Vorgeschichte: Gestern während unserer gemeinsamen Arbeit erhielt mein Freund einen Anruf von daheim, es sei wichtig. Als er wiederkam, schaute er ganz fertig drein, meinte, er müsse nachher heim statt zu mir, wollte mir aber nicht sagen was los war. Ich machte mir totale Sorgen, dachte es sei jemand gestorben oder schwer krank, womöglich seine Mutter oder sein Vater, die ich beide gut kenne und recht gerne mag?

    Erst am Heimweg sagte er mir, was eigentlich los war... Details tun hier nix zur Sache, es ist ein innerfamiliäres Problem, seine Mutter leidet psychisch drunter, er macht sich riesen Sorgen um sie, aber niemand tot oder im Krankenhaus. Er meinte nur, es habe alles eine Vorgeschichte, die er mir aber nicht erzählen will und er hätte Grund zur Sorge.
    Daraufhin war ich selbst ein wenig erleichtert, denn es hätte ja was viel Schlimmeres sein können, und hab versucht ihn zu beruhigen, er solle doch nicht gleich das Schlimmste heraufbeschwören etc.
    Dann war er plötzlich total böse auf mich, meinte, ich würde mich über ihn lustigmachen, seine Sorgen nicht ernstnehmen, meine Kommentare wären "unpassend" und ich könnte das alles sowieso nicht verstehen... ja wie denn auch, wenn er mir nix sagt?? Ich hab dann noch versucht, ganz vorsichtig nachzufragen, um die Situation besser einschätzen, ihn verstehen zu können, da hat er mich angeschnauzt (wir sind seit 1,5 Jahren ein Paar, das hat er noch NIE in dem Tonfall gemacht!!), er wolle nicht mit mir darüber sprechen!
    Ok, das war mir dann zu dumm, ich hab ihm gesagt, dass ich verstehe, wie schlecht es ihm geht, dass er Angst um seine Familie hat und überfordert ist, aber dass er das nicht an mir auslassen darf, und dass er mir nicht Information vorenthalten kann und sich gleichzeitig darüber ärgern, dass ich ohne diese die Tragweite der Situation nicht einschätzen kann und nicht so reagiere, wie er sich das wünscht!
    Da hat er mir zumindest rechtgegeben und wir mussten nicht im völligen Zwist auseinandergehen... wenigstens etwas.
    Aber dennoch, wie er mit mir geredet hat, was er gesagt hat, war nicht fair. Auch unter dem Umstand, dass es ihm schlecht ging, finde ich sowas nicht ok.
    Er kennt mich, er weiß, wieviel er mir bedeutet, wie wichtig er mir ist... Wie kann er mir unterstellen, dass ich seine Probleme nicht ernstnehme und das ganze in nem Tonfall, als wäre ich ein kleines Kind, das was angestellt hat??
    Ich bin durchaus krisenerprobt, er kann gerne mit all seinen Problemen zu mir kommen, reden, weinen, was immer er will... aber mich unverschuldet anfahren und sich dann nichtmal entschuldigen? Nein!
    Und jetzt will ich ihn eigentlich grade nicht sehen oder hören, obwohl er mich braucht. Jetzt würde ich ihm gerne sagen, dass er so nie wieder mit mir umgehen darf, aber das kann ich nicht, weil er grade viel schlimmere Probleme um die Ohren hat. Ich fühl mich so widerlich egoistisch dabei, aber ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil seine Worte so an mir genagt haben!

    Wie kann ich ihm beistehen und mich selbst gleichzeitig vor seiner miesen Laune schützen?
    Wann darf ich ihn darauf ansprechen, dass er mich stärker verletzt hat, als er es wissen kann?
    Oder soll ich einfach den Mund halten, ihm verzeihen - er ist ja auch nur ein Mensch, er darf sich auch mal im Ton vergreifen...?
    Bitte um Ratschläge, ich komm nicht weiter!
    glg Radisi
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

  2. Inaktiver User

    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Offenbar bist du da auf einen sehr wunden Punkt gestoßen, ein altes Trauma, ein Familiengeheimnis, einen Abgrund. Er reagiert überraschend heftig. Kann im Moment offensichtlich nicht anders. Du weißt nicht, was da war, aber die Verstrickungen können ja wirklich dramatisch sein - auch wenn es nicht gleich um Leben und Tod geht.

    Ich würde sagen: Lass ihm Zeit, bis er bereit ist, dich mit einzubeziehen und sich zu öffnen. Im Moment kannst du nicht viel erwarten, und seine Reaktion ist sicher überzogen, aber nicht wirklich so gemeint. Warte ab, ob er es immer so macht und wie du damit zurecht kommst. Für den Moment würde ich sagen: Da hilft nur Geduld.

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    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Danke, Splendida
    Ja, das mit dem wunden Punkt glaube ich auch... Ich weiß ja ungefähr, worum es geht, nur die Details (noch) nicht, weiß auch nicht ob ichs so genau wissen will.
    Er macht sich schon lange Sorgen um seine Eltern... er hat eine sehr enge Beziehung zu ihnen, als "Nachzüglerkind", sie sind schon recht alt, er fühlt sich verantwortlich. Einmal hat er gesagt, er fühlt sich mit ihnen wie auf einem sinkenden Schiff... ja, nun scheint das Sinken echt anzufangen und ich weiß nicht, wie er damit klarkommen wird!
    Geduld muss ich sowieso haben und einfach hoffen, dass es bei dem einmaligen Ausbruch bleibt und er sich zumindest mir gegenüber wieder einkriegt... also erstmal nix sagen, die eigene Wut runterschlucken und abwarten?
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

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    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Ich würde in der Tat in dieser Situation, in der Dein Freund sehr belastet ist, auf ihn Rücksicht nehmen und das Ganze auf später verschieben. Wie gut bist Du darin, unangenehme Gefühle auszuhalten?


    Zitat Zitat von Radisi Beitrag anzeigen
    Dann war er plötzlich total böse auf mich, meinte, ich würde mich über ihn lustigmachen, seine Sorgen nicht ernstnehmen,
    Wenn es ihm nicht gut ging und hatte diesen Eindruck von Dir, dann wäre es sinnvoll gewesen, ihm zu versichern, dass Du ihn ernst nimmst, dass Du Dich keinesfalls lustig machst. Wahrscheinlich habt Ihr gemeinsam diese Situation erzeugt - er durch seine Anspannung und Du, indem Du an Deine Verletzung und nicht an ihn dachtest.

    Radisi, diese Dinge, die Du als Beispiel für Krisenerprobtheit anführst, haben nichts mit einem Konflikt zwischen Euch zu tun:

    Zitat Zitat von Radisi Beitrag anzeigen
    Ich bin durchaus krisenerprobt, er kann gerne mit all seinen Problemen zu mir kommen, reden, weinen, was immer er will...

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    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Zitat Zitat von Massashi Beitrag anzeigen
    Wenn es ihm nicht gut ging und hatte diesen Eindruck von Dir, dann wäre es sinnvoll gewesen, ihm zu versichern, dass Du ihn ernst nimmst, dass Du Dich keinesfalls lustig machst. Wahrscheinlich habt Ihr gemeinsam diese Situation erzeugt - er durch seine Anspannung und Du, indem Du an Deine Verletzung und nicht an ihn dachtest.
    Genau das war meine erste Reaktion! Ich habe ihm wohl zehnmal gesagt, dass ich ihn und seine Sorgen sehr wohl ernst nehme und dass meine Reaktion bloß auf meiner eigenen Einschätzung der Situation basiert, die eben nicht so dramatisch ist wie die Seine. Aber dass ich ihm natürlich glaube, wenn er meint, es wäre schlimmer als es von außen wirken mag! Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, mich rechtfertigen und ihn beschwichtigen zu müssen... obwohl ich ihm ja nix getan habe. Echt, so kenne ich ihn nicht!
    Dein Kommentar zur Krisenerprobtheit verstehe ich nicht ganz, kannst du das ausführen?
    Danke jedenfalls!
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    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei einem für ihn empfindsamen Punkt zu einem Missverständnis zwischen Euch gekommen ist: Du warst einfach erleichtert, dass nicht der "Worst Case" (Tod eines Familienangehörigen) eingetreten war, und hast entsprechend reagiert. Diese Reaktion kann dann das Gefühl auslösen, dass das eigentliche Problem nicht "wichtig" genug ist. Das zu beteuern nützt in der Situation erst einmal nichts, es wirkt für ihn erst einmal schräg: Er macht sich Sorgen, Du reagierst mit Erleichterung.

    In einer ruhigen Minute darüber sprechen und das authentisch darstellen, wäre mein Rat. Und ihn wirklich unterstützen, vielleicht auch abfragen, womit Du ihn unterstützen kannst. Das ist dann Ernstnehmen in Wort und Tat.
    Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.

    - Robert Bresson -

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    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Zitat Zitat von Radisi Beitrag anzeigen
    Er kennt mich, er weiß, wieviel er mir bedeutet, wie wichtig er mir ist... Wie kann er mir unterstellen, dass ich seine Probleme nicht ernstnehme und das ganze in nem Tonfall, als wäre ich ein kleines Kind, das was angestellt hat??
    So ein Verhalten erinnert mich immer an ein verletztes Tier, das beißt obwohl man doch nur seine Hand zur Hilfe reicht.

    Teenager, zumindest mein Sohn, reagieren oftmals so. Je schlechter es ihm geht und je schlimmer das Problem, umso mehr teilt er verbal aus. Dieses Verhaltens macht es sehr schwierig ihm da beizustehen. Genau gesagt ist es unmöglich, bis die akute Blockade vorbei ist und er seine Schutzschilde runterfährt um sich elterlichen Beistand zu holen.

    Dein Freund ist ja nun ein erwachsener Mann und sollte so nicht mehr reagieren. Aber wenn es ihm tatsächlich so an die Nieren geht, kann ich mir so ein Verhalten vorstellen. Auch wenn es schwer fällt, weil du persönlich verletzt bist, mach kein Aufheben darum. Gib ihm Zeit und Abstand, aber die Gewissheit, dass du für ihn da bist.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

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    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Danke, LaRimbecca und Nocturna!
    Dass ich bloß im ersten Moment erleichtert war, weil ich mir auch arge Sorgen gemacht hatte, habe ich ihm auch schon gesagt, aber es war wohl zeitlich zu dicht an dem ganzen Geschehen dran, als dass er es hätte aufnehmen können.
    Das mit dem beißenden Tier scheint mir ein guter Vergleich... die nächsten Tage werden wir sowieso nur telefonischen Kontakt haben, ich hoffe, er findet etwas Ruhe bis wir uns wieder sehen.
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

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    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Nachtrag: Wir haben grade telefoniert, er ist schon weniger panisch, redet wieder ziemlich normal mit mir und ich gebe mein bestes, ihn nicht spüren zu lassen, was mir alles im Kopf rumort...
    Mir wird immer klarer, dass wir wohl sehr verschiedene Auffassungen von Familienzusammenhalt und Verantwortung haben. Er spricht über seine Eltern beinahe, als wären sie seine Kinder... Ich bin zwar 10 Jahre jünger als er, aber schon viel eher "abgenabelt". Natürlich nehme ich Anteil an Freud und Leid meiner Familienmitglieder, helfe wenn ich kann, aber sehe sie als eigenständige, erwachsene Personen, die ihr Leben auch ohne mich im Griff haben.
    Das Problem ist ja eigentlich eines, das direkt nur seine Eltern und nicht ihn betrifft. Als ich ihn gefragt habe, ob er sich nicht emotional von den Angelegenheiten seiner Eltern etwas distanzieren kann, meinte er das ginge nicht denn "Ihre Probleme sind meine Probleme... so ist das nun mal in einer Familie!" (wieder mit dem "das verstehst du ja nicht" Tonfall... als wäre ich von Wölfen aufgezogen worden oder so... )
    Da prallen Weltbilder aufeinander, obwohl wir uns sonst so ähnlich sind!
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

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    AW: Verletzt - mieses Timing - wie verhalten?

    Zitat Zitat von Radisi Beitrag anzeigen
    Da prallen Weltbilder aufeinander, obwohl wir uns sonst so ähnlich sind!
    Familie ist immer ein schwieriges Thema. Den von dir beschriebenen Tonfall kann ich mir gut vorstellen und solche oberlehrerhaften Sätze wie „so ist das nun mal in einer Familie“ sind nur zähneknirschend zu ertragen. Du bist schließlich auch mit Eltern und Geschwister aufgewachsen und deine Art mit Familie umzugehen ist nicht schlechter oder besser als seine.

    Möglicherweise liegt hier also tatsächlich noch Abstimmungsbedarf vor. Ihr kennt euch zwar schon 1,5 Jahre, aber halt auch erst 1,5 Jahre. Manche Dinge dauern etwas länger bis sie zum Thema werden, haben aber durchaus Stresspotenzial.

    Ich plädiere zwar dafür seinem Partner in einer Stresssituation auch mal was nachzusehen, aber wenn solche Situationen mit den Eltern öfter auftreten sollten, sollte er in der Lage sein dich mit einzubeziehen, denn sonst würde ich mich schon fragen, ob er mich als Partnerin ernst nimmt.
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    (John D. Rockefeller)

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