Ich bin mir nicht sicher, welche Überschrift diese Situation treffend beschreibt.
Vor ca. 2 Jahren lernte ich ein Mädel, kennen, mit der ich mich auf Anhieb erst mal gut verstand.
Wir waren beide in einer ähnlichen Situation, hatten beide Jobs mit denen wir nicht ausgelastet waren und auf der Suche nach mehr, hatten beide so in etwa das Gleiche vorher beruflich gemacht.
Sie hatte mir dann irgendwann angeboten mit ihr auf einen Kaffee trinken zu gehen.
Das haben wie auch 1-2 mal gemacht und ab und an mal telefoniert, wenn es primär um beruflichen Austausch ging.
Bei dem ersten Kaffeetrinken erzählte sie mehr über sich und ich bemerkte mit der Zeit, dass sie gerne das "Sagen hat, also sehr herrisch vom Typ her. Sie war sich ihrer Art sehr bewusst und gab zu ständig " anzuecken", sowohl beruflich als auch privat.
Auch bei den Telefonaten kam ihr herrischer Charakter manchmal hervor. Ich muss an der Stelle betonen, dass ich mit diese Art von Mensch nicht kann. Es führt von kurz auf lang Sicht immer zu extremen Unstimmigkeiten.
Ich war oft am überlegen ob ich dieser Bekanntschaft eine Chance geben will, wenn es eh zum Scheitern verurteilt ist, weil die Balance nicht stimmen würde.
Ich entschied mich Distanz zu halten.
Doch jetzt kommt etwas, was ich an mir selbst nicht wieder erkenne:
Schon damals beim ersten Treffen sprach sie davon, dass ihr "Karten schreiben" SEHR WICHTIG sei bei Freunden.
Sie legen da großen Wert darauf und misst auch daran die Freundschaft. Ich:
Ich sagte ihr kurz, dass das nicht so mein Ding ist, aber die betonte wieder wieviel ihr sowas bedeute.
Sie hat mir vorheriges Jahr und auch bis Mitte letzten Jahres fast zu jedem Ereignis eine Karte geschrieben, Geburtstag, Weihnachten, Urlaub 1....an an sich ja nichts ungewöhnliches, aber irgendwie fühlte ich mich durch diese Karten so "gefangen" so gezwungen nach ihren Regeln zu agieren.
Ich bin ja selbst ein Mensch, der keine Lust und keinen Wert auf Karten legt. Das ist nicht böse gemeint, sondern es ist nicht mein Ding und meine Freunde kennen mich nicht anders.
Letztes Jahr hatten wir kaum Kontakt, da ich selten zu Hause war und auch in meiner Freizeit viel zu meiner Familie gependelt bin. Nach der 4. zugesendeten Karte fühlte ich mich genötigt ihr auch eine Karte zu schreiben.
So ist es jetzt dabei geblieben, dass ich von mir aus Karten schreibe! Sie kommen nicht vom Herzen!
Ich fühle mich irgendwie dazu genötigt und sie bedankt sich per Sms. Unsere Sms sind nicht mehr so herzlich, sondern einfach nur kühl und oberflächlich.
Ich denke, sie ist angesäuert, weil ich mich lange Zeit nicht gemeldet hatte.
Jetzt aber zu der Überschrift: Ich erkenne mich selbst nicht wieder, warum ich so etwas tue.
Ich mochte es noch nie Karten zu schreiben, habe es von vornherein verurteilt und mache etwas für Jemanden, zu der ich sowieso keine Freundschaft möchte.
Ich bin gerade sauer auf mich selbst.
Zumal sich jetzt so eine aufgezwungene Gewohnheit bei mir eingependelt hat.
Es werdet ihr bestimmt sagen, dass ich nicht mehr Karte an sie schreiben soll. Das mache ich auch nicht mehr, aber die Situation hat an sich einen faden Beigeschmack. Ich komme mir vor wie eine Marionette, auch wenn dadurch jetzt kein Schaden entstanden ist.
Antworten
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10.01.2013, 22:44Inaktiver User
Ungewollt zur Marionette werden?
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10.01.2013, 22:51
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
ich kenne sowas auch gelegentlich und bin echt erstaunt über mich, dass es eine so "weit entfernte" person schafft, mich in situationen zu bringen, die ich garnicht möchte
und ich WENN schon dann lieber dinge für menschen "ungern" tun möchte, die ich WIRKLICH mag
verdrehte welt....gut daran/daraus zu lernenEs wird Zeit für eine neue Signatur
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10.01.2013, 23:11Inaktiver User
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
Genau das ist es!! Stell dir vor, ich war an Weihnachten so sauer auf mich selbst, dass ich erst mal allen Freunden, die ich sehr mag eine Karte geschrieben habe, um so einen "seelichen Ausgleich" zu schaffen.
Ich meine der Fall ist an sich eine Lapalie, aber irgendwie geht es mir dabei, um den Grundgedanken an sich.
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11.01.2013, 05:08
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
du schuldest ihr in der tat eine gleichwertige antwort.
sie sagte, karten schreiben sei ihr wichtig.
sage ihr, karten schreiben ist dir nicht wichtig, du wirst es nicht tun.statt bereits hier zu antworten,
antwortest du erst auf der nächsten ebene, mit dem verschicken von karten.
eine andere sicht zeigt sie, im augenblick da sie mit dir sprach, als beziehungsbehinderte.
wer sagt schon von sich, er sei herrisch und bestehe auf karten? das wirkt irgendwie vorpubertär, als ob sie wiedergäbe, was wenig wertschätzende eltern über sie sagten. eine karte von dir ist hier, wie ein almosen an einen bettler, als sozialer akt zu verstehen.lg
legrain
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11.01.2013, 07:21Inaktiver User
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
Naja- es kann vorkommen, daß man sich verbiegen lässt und dabei dann noch zusieht....

Warum man in solche Situationen kommen kann- hat sicherlich viele Möglichkeiten an Gründen- primär möchte man "angenommen" werden und man sieht an der Sache ja deutlich, daß es einem sogar bei Menschen so geht, die einem gar nicht so nah sind.
Übrigens gut möglich, daß genau diese dominante Art dafür sorgt- solche Menschen können einem das Gefühl von "geringer" geben und dem möchte man dann auch irgendwo entgegentreten.
Gross ändern- kannst Du das grundsätzlich wohl nicht so einfach, wobei ich denke,das ist auch kein Problem.
Wichtig ist, daß Du es wahrnimmst und DANN kannst Du darauf auch reagieren.
Nimm es einfach als Erkenntnis für Dich selber- sowas kann Dir passieren und entweder, sollte sowas nochmals geschehen, gehst Du gleich in eine innere stabilere Haltung und sprichst es deutlicher aus (unter Umständen auch diesen Hintergrund erzählen-- "weil ich das erlebt habe, sage ich dir JETZT und ganz DEUTLICH, daß...". oder Du ziehst dann eben später die Bremse....
So ist letztlich das Leben- wir werden mit Menschen konfrontiert, die uns zum Reagieren bringen und wenn wir es schaffen, erkennen wir uns mit solchen Menschen besser-- das ist doch gut!
kenzia
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11.01.2013, 15:58
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
Hallo smack_the_pony,
ich kenne solche Situationen auch
Ich habe z. B. eine Kollegin, die ich als sehr unnatürlich empfinde. Sie ist ziemlich aufgetakelt, überdreht und spricht immer sehr geschwollen.
Wenn ich dieser Kollegin begegne, habe ich auch immer das Gefühl, ich bin gar nicht mehr ich selbst weil ich dann anfange mich zu "verstellen"
Ich bin dann nicht mehr ich sondern spiele eine Rolle, bin auch aufgesetzt, spiele fröhlich-aufgekratzt, obwohl ich so in diesem Moment gar nicht drauf bin und es auch sonst nicht meine Art ist.
Und das alles, obwohl ich diese Kollegin nicht mal besonders mag, ich müsste mir eigentlich also keine Gedanken darüber machen, ob ich einen "guten Eindruck" bei ihr hinterlasse oder nicht
Zu den Karten: kann es sein, dass Du Probleme damit hast Erwartungen nicht zu erfüllen? Also dahingehend, dass Deine Bekannte Karten erwartet (finde ich übrigens eh schon schräg
) und Du Angst hast diese Erwartung nicht zu erfüllen?
Das Problem kenne ich von mir auch ganz gut
...
Lieben Gruß vom
Wassernixlein
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11.01.2013, 23:59Inaktiver User
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
Hallo Zusammen,
vielen Dank für Eure Antworten.
Ihr habt dabei genau den Punkt getroffen. Ich denke, dass ich große Sorge hatte ihre Erwartung nicht zu erfüllen, besonders weil sie es beim ersten Treffen so betont hat. Auch habe ich mich durch ihre Karten provoziert gefühlt. Vielleicht hat sie sich ja mehr erhofft und hat in letzter Zeit gemerkt, dass ich nicht die Freundin sein kann, die sich gerne in mir sehen möchte.
Erstaunlich, dass man sich bei Menschen, die einem nicht so nah sind, manchmal mehr bemüht.
Ich werde ihr jetzt keine Karten mehr schreiben. ich denke, im Zeitalter moderner Kommunikationsmittel ist das durchaus vertretbar.
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13.01.2013, 22:51Inaktiver User
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
Ich finde die ganze Geschichte sehr interessant.

Ja, es gibt Menschen, die haben Mechanismen drauf, die ziehen einem die Schuhe aus. Oder erwischen einen kalt oder wie man es nennen will.
Ich denke, sie wird einen wunden Punkt bei dir getroffen haben und vermutlich nicht nur den mit den Erwartungen.
Wäre es genauso gelaufen, wenn ein kleines, graues Mäuschen mit Augenaufschlag und wackeliger Stimme dich um Postkarten gebeten hätte?
Deine Bekannte hat festgestellt. Sie legt Wert darauf, Punkt.
Bei einem anderen Menschen mit einer anderen Vorgeschichte hätte wiederum das graue, hilflose Mäuschen mehr Erfolg gehabt.
Die Bekannte hat deine Aussagen ignoriert. Das, gepaart mit einem sehr entschiedenen Auftreten, hat dich enorm irritiert, weil es so war, als wenn du nie deinen Willen geäußert hättest. Manche Menschen denken dann, der andere muss doch einen guten Grund für sein Verhalten haben, sicher hat er irgendwo Recht …Ich sagte ihr kurz, dass das nicht so mein Ding ist, aber die betonte wieder wieviel ihr sowas bedeute.
Schwupps … und schon ist ein Kärtchen geschrieben.
Mal ganz ehrlich: Hast du dir zum Zeitpunkt des Karteschreibens noch IRGENDETWAS von ihr erwartet?
Oder hattest du vor etwas Angst?
Interessant finde ich, dass du nun auch anderen Menschen Karten geschrieben hast.
Wie waren deine Erfahrungen damit?
Hat es Spaß gemacht?
Haben sich die anderen gefreut?
Wirst du es wieder tun?
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17.01.2013, 19:55Inaktiver User
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
Liebe Fenimi,
vielen Dank für deine Antwort. Du hast wirklich alles so dargestellt wie es tatsächlich ist und wie ich mich gefühlt habe. Sie hat die Regel aufgestellt und ich habe befolgt.
Zum Zeitpunkt des Kartenschreibens, war es eher ein sog. "erledigen" d.h. ich hab zu Weihnachten daran gedacht, dass ich noch etwas erledigen muss und es hat mir wirklich Umstände bereitet
Den Freunden habe ich nur schnell eine Karte geschrieben und habe mir wenig Gedanken um den Inhalt gemacht. Alle Freunde und auch die sog. Person haben sich bedankt. Das hat mich schon gefreut, aber mehr auch nicht.
Ob ich nochmal schreiben würde: Jein, ich würde nur meinen Freunden schreiben, wenn ich in den Urlaub fahren würde, sonst nicht. Der sog. Person werde ich gar keine Karte mehr schreiben. Da mache ich jetzt schnell einen Schlussstrich bevor sie neue Forderungen stellt.
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18.01.2013, 15:03Inaktiver User
AW: Ungewollt zur Marionette werden?
Meine Güte, ich dachte schon Wunder was jetzt kommt.
Da hast du nun mal ne Karte geschrieben.
Ehrlich gesagt, ich finde eher die Reaktion darauf komisch.
Fühlst du dich jetzt von ihr besetzt oder verflucht oder wie?
Ich habe schon die größten Heiden in die Kirche geschleift. Was nun? Bin ich eine Hexe?


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