Das habe ich auch schon von einigen Selbstständigen gehört, die ihren Kindern zu etwas Solidem raten wollen. Letztlich steht doch nur der Wunsch dahinter, dass es den Kindern gut gehen soll. Nichts anderes. Was man aber mit seinem Leben macht, liegt bei einem selbst. Immerhin verbringt man ja die meiste Zeit im Leben auf der Arbeit, mit seiner Arbeit. Das sollte man ja auch nicht unterschätzen.
Trotz aller Mühe und Anstrengung sehe ich aber bei vielen Selbstständigen, dass sie lieber finanziell schwach sind als sich in eine feste Anstellung zu begeben. Und dann liegt wohl der Wert der Selbstständigkeit nicht unbedingt (nur) am Geld.
Ganz abgesehen davon bist du deinen Job in einer Anstellung ja auch schnell los, wenn du deine Leistung nicht mehr bringen kannst oder die Vorzeichen im Unternehmen sich ändern. Also sicher ist da ja auch nix. Vielleicht kommen die Existenzängste woanders her und wären ebenfalls in einer Festanstellung da, wenn auch nicht so stark?!
LG
Schmirgel
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Thema: Kreatives Leben versus Angst
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09.01.2013, 17:29Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
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09.01.2013, 18:24Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
Das ist ja toll!
Und wie siehst du das aus heutiger Sicht? Hat es dir gut getan? War es das, was du brauchtest?
Stimmt, ich habe ja auch danach gefragt, was euch an dem Beruf am meisten "stresst".
Wäre doch interessant zu wissen, ob die meisten sagen: "Ganz klar die Finanzen." Bisher hat das ja noch niemand gesagt.
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09.01.2013, 21:18
AW: Kreatives Leben versus Angst
Was für mich am Schwierigsten war, war, dass ich mich wirklich um ALLES kümmern muss als Freiberufliche.
Als Angestellte hab ihc meinen Bereich, in dem ich stark und kompetent bin, und alles andere überlasse ich den Kollegen und dem Chef, die ihrerseits ihre Stärke in diesen Bereichen haben. Aber freiberuflich gibt es schlicht niemand andern als mich, die sich um alles kümmern muss. Auch wenn ich etwas delegiere, ist es meine Verantwortung, zu welchem Preis wem unter welchen Umständen ich delegiere.
Das hat mich bei meinen Lieblingshassthemen durchaus einige Male an die Grenzen gehabt. Bei mir war das alles, was mit Ämtern zu tun hat, da hatte ihc so eine seltsame irrationale panische Angst davor, auch wenn es um gar nichts Schlimmes ging - die hab ich so überwinden müssen und können und bin inzwischen sehr froh drum, dass ich das getan hatte. Selbständigkeit hat mich auf alle Fälle zu einem ganzeren Menschen gemacht.
grüsse, barbara
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13.01.2013, 14:08Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
Vielleicht interessiert euch die Rundfunksendung "Da hat's dann geknallt!" - Die Entscheidung für ein Leben mit der Musik.
Sie kommt heute um 15.05 Uhr im Deutschlandfunk.
In der Ankündigung heißt es:
Aus diesen frühreifen Künstlern werden manchmal musikalische Wunderkinder, oft schlummert aber die Begabung, bis sie in der Pubertät mit Wucht an die Oberfläche drängt. Sehr viele Musiker erleben in diesen Entwicklungsjahren die Musik als mutmachende Kraft, ja sogar als Lebensdroge, von der sie fortan nicht mehr lassen können.
Das sind dann Menschen, die ihre kreative Tätigkeit "brauchen"?
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18.01.2013, 12:48
AW: Kreatives Leben versus Angst
@ Nachtmahr
Es ist meistens die Generation, die kurz nach Krieg groß geworden ist, die dieses besonders starke Sicherheitsdenken vertritt und es lieber sieht, dass die Kinder einen sicheren Beruf ergreifen, auch wenn das auf Kosten der eigenen Neigungen und Interessen geht.
Dabei übersehen diese Eltern, dass heute selbst Festanstellungen nicht mehr sicher sind. Du kannst jederzeit in jeder Firma aus betriebsbedingten Gründen entlassen werden.
Ich finde es richtig, wie Du es machst. Im Moment kannst Du finanziell noch keine großen Sprünge machen, aber Du arbeitest ja daran, Dein Geschäft auszuweiten, so dass es Dich eines Tages zufriedenstellend ernähren kann.
Wenn Du ein Händchen für Kunden hast, wenn es Dir nichts ausmacht, Dir Deine Aufträge selbst zu besorgen, dann ist Selbständigkeit durchaus richtig für Dich. So lange Du darauf vertrauen kannst, dass es Dir gelingt, mit Deinem flexiblen Angebot genügend zahlungskräftige Kunden zu bekommen, so lange hast auch Du in Deiner Tätigkeit eine gewisse Sicherheit.
Dennoch solltest Du als Selbständige daran denken, wo es möglich ist, Geld für Risikozeiten zurückzulegen: Zeiten, wo Du wenige Aufträge hast, Zeiten, wo Du krank bist, Zeiten, wo Du Urlaub brauchst und natürlich für Dein Alter.
Auf diese Weise kannst Du die nötige Sicherheit für Dich erhöhen.
Von dem Geschwätz Deiner Eltern solltest Du Dich nicht verunsichern lassen. Am besten bindest Du ihnen auch nicht jede Auftragsflaute auf die Nase, sondern besprichst sowas lieber mit Menschen, die Deinem beruflichen Weg wohlgesonnen sind: Deinem Freund, Deinen Freunden, Deinem Steuerberater etc.. Eltern, die Deinen Weg nicht kapieren, müssen nicht alles wissen.
Und falls Du überbrückungsweise mal Geld brauchen solltest, sollten Deine Eltern wirklich die letzten Ansprechpartner sein, um zu verhindern, dass sie Dir in dieser schwierigen Situation unnötig Kraft rauben. Gehe dann lieber Freunde um ein Darlehen an.
Ich selbst habe mich vor langer Zeit gegen Freiberuflichkeit entschieden, weil ich schlecht im Akquirieren bin und Situationen hasse, wo ich mich selbst und meine Leistung anpreisen soll, vor allem, wenn mein Überleben davon abhängt. Mir war das zu unsicher. Ich habe mich für die Kombination Bürojob und anspruchsvolles Engagement in der Freizeit entschlossen - früher im politischen und wissenschaftlichen Bereich, seit einigen Jahren im kulturellen Bereich. Ich könnte davon auch nicht leben, und ich sehe, wie eine freiberufliche Bekannte von mir rumkrebst, die solche staatlich finanzierten Projekte akquiriert.
Da mache ich das lieber als Freizeitbeschäftigung, da quatscht mir dann auch kein Auftraggeber rein. Ich habe zwar auch ein ausgesprochenes Sicherheitsdenken, aber im Gegensatz zu Dir eben Defizite, die eine Selbständigkeit nicht ratsam machen.Geändert von Latona (18.01.2013 um 12:52 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!


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