Warum denn gleich Verachtung?
Ist es nicht ein normales Bedürfnis des Menschen, sich auf Dinge verlassen zu können? Ich behaupte sogar, ohne ein gewisses Sicherheitsdenken kommt kein Mensch durchs Leben. Wenn ich jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse, unsicher sein muss, ob sich über Nacht die Gesetzeslage in Deutschland geändert hat und mein Nachbar mich ungestraft zusammenschlagen dürfte, wenn ich mich stündlich der Liebe meines Partners vergewissern müsste, wenn mein Chef mir grundlos fristlos kündigen könnte, dann wäre ich nur noch damit beschäftigt, ständig und immer alles neu auszuloten.
Sich gelegentlich mal klarzumachen, dass so manche Sicherheit zerbrechlich ist, ist klug. Aber DASS die Menschen ein Bedürfnis nach Sicherheit haben, muss doch nicht verachtet werden.![]()
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Thema: Kreatives Leben versus Angst
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31.12.2012, 09:11
AW: Kreatives Leben versus Angst
Mache das sichtbar, was ohne dich vielleicht nie gesehen werden würde.
- Robert Bresson -
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31.12.2012, 09:21
AW: Kreatives Leben versus Angst
Das würde ich nicht so sagen.
Selbständigkeit benötigt durchaus immer wieder mehrere kleine Glücksfälle; das Schwierigste daran ist, die ersten Kunden zu finden, ganz besonders Anfängern wird nicht unbedingt Vertrauen geschenkt.
Wenn man aber mal das Glück hatte, einen Auftrag zu bekommen, setzt die Tüchtigkeit ein, und die Tüchtigkeit ist es, die für den langfristigen Erfolg sorgt, wenn die Arbeit gut gemacht ist.
Der Bürojob braucht auch Glück - man muss sich ja auch mal in Bewerbungsverfahren gegen andere Leute durchsetzen, auch das ist Glück - halt einfach ein grosser Glücksfall statt viele kleine.
Riskanter ist aber eher der Bürojob, weil wenn der verloren geht, ist auf einen Schlag das ganze Einkommen futsch. Bei Selbständigen hingegen dürfte es eher selten vorkommen, dass sich gleich alle Kunden auf einen Schlag verabschieden. Da ist der Gedankengang eher "Oh, Kunde Nr. 15 hat abgesagt, ich kauf das neue Sofa vielleicht doch lieber erst nächsten Monat und nicht heute".
Was ich wichtig finde, ist, auch in der Selbständigkeit die finanzielle Wertschätzung für sich selbst zu behalten und die Preise grundsätzlich hoch zu halten. Es steht nirgends geschrieben, dass Freiberufler am Hungertuch nagen müssen. Meine Erfahrung ist auch: jene Leute, die gut zahlen, sind auch sonst sehr nett und sehr angenehm. Während jene, denen jeder Cent zuviel ist, die haben ständig was zu mosern. Nein danke, solche Kunden braucht niemand.
grüsse, barbara
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06.01.2013, 22:55Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
Nein. Es ist überhaupt überflüssig, andere Lebensmodelle zu verachten. Ich kenne auch Selbstständige, die irgendwann saufroh in ein Angestellenverhältnis gewechselt sind. Plötzlich war das nämlich gar nicht mehr so uncool...
Finanzielle Sicherheit hat auch mit dem Beruf erst mal gar nicht so viel zu tun. Es gibt genügend Angestellte, die in schlecht bezahlten und zudem unsicheren Verhältnissen arbeiten. Und Leute, die sich finanziell übernehmen, etwa bei einem Hauskauf.
Und niemand kann mir erzählen, dass ein selbstständig arbeitender Dachdecker oder Arzt sich nicht für sein Alter absichert. Das bedarf halt nur etwas mehr Eigeninitiative. Der Angst nur auf der emotionalen Ebene zu begegnen finde ich ganz falsch. Dass man einen kreativen Beruf nur dann ausüben kann, wenn man sich von Kartoffelschalen ernährt, ist doch Quatsch. Auch ein Künstler kann und darf geschäftstüchtig sein.
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07.01.2013, 12:09Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
Hallo Nachtmahr!
Wie's ausschaut, bist du entweder Schi fahren oder arbeitest viel.
Beides ist gut!
Was ist dien Problem: Die finanzielle Unsicherheit oder das Verhältnis zu deinen Eltern?
Wären deine Eltern wirklich mit dir zufrieden, wenn du einen bestimmten Beruf und eine feste Anstellung hättest?
Manchmal liegen die Probleme nämlich ganz woanders.
Oft ist es auch so, dass die Kinder die Lebensträume ihrer Eltern verwirklichen. Und glaube mal nicht, dass die Eltern da unbedingt vor Freude in die Hände klatschen!
Du schreibst, du BRAUCHST deinen Beruf. Dann ist doch alles klar.
Ich weiß, man fragt sich dennoch immer wieder, ob das tatsächlich so ist. Man würde gern jemanden finden, der das versteht. Und andererseits wäre es ja gar nicht schön, den Beruf wirklich zu brauchen, denn das wäre ja eine Abhängigkeit.
Liest du gerne? Auch etwas ältere Literatur? Dann empfehle ich dir zu dem Thema "Freund Hein" von Emil Strauß. In dem Buch geht es um einen Schüler, für den die Musik Quelle seiner Lebensenergie ist und nicht nur ein anspruchsvoller, ersprießlicher Zeitvertreib. Als solchen sieht sein Vater das Musizieren.
Die Entscheidung, wie du leben willst, kann dir niemand abnehmen. Alles hat seinen Preis. Auch ein kreativer Beruf und eine selbstständige Tätigkeit. Und alles, aber auch wirklich alles, hat auch etwas Positives!
Ich beneide zum Beispiel die Festangestellten drum, dass sie Krankengeld bekommen, höre aber von den Betroffenen, dass das trotzdem für sie eine große Einschränkung ist.
Der Rat, sich gut zu überlegen, wem man was erzählt, ist sicher gut! Nur … was macht man, wenn man ein Mensch ist, der Austausch braucht und gerade den Menschen, die ihm besonders nahe stehen, ehrlich von seinen Sorgen erzählen möchte?
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07.01.2013, 14:07Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
Dann ist da noch etwas … Was heißt denn: Kreatives Leben versus Angst?
Ist ein kreativer Beruf das Gegenteil von Angst?
Hat man die Angst für alle Zeiten besiegt, wenn man sich mutig für einen solchen Beruf entscheidet?
Ich fürchte, da spielen die Heldensagen und Märchen unserer Kindheit mit hinein. Einmal die richtige Entscheidung getroffen und schon wendet sich dauerhaft alles zum Guten.
Okay, es braucht eine gute Portion Mut, Selbstbewusstsein, Hoffnung, Zuversicht und vielleicht auch Blauäugigkeit, um sich für einen unsicheren, kreativen Beruf zu entscheiden.
Dann braucht es viel Fleiß und auch Glück, um sich zu bewähren.
Um auf Dauer dabei zu bleiben - und das hast du ja geschafft! - muss man sich wohl immer wieder aufs Neue mit den Gefahren und Ängsten auseinandersetzen, die dieses Berufsleben so mit sich bringt.
Ich würde statt "Angst" eher Begriffe wie "Freiheit", "Wahlmöglichkeiten", "Entwicklungsmöglichkeiten", "Selbstständigkeit", "Unsicherheit" und "Verantwortung" mit ins Spiel bringen.
Wie selbstständig möchten dich deine Eltern denn haben?
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07.01.2013, 17:34Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
Was hat das bitte mit "cool" zu tun? Oder mit "Saufroh"?
Weißt Du, wie es ist, wenn dein Laden, warum auch immer, mal nicht läuft und deine Familie Essen, Urlaub, schönes Auto... Etliche meiner Kollegen sind mittlerweile aus größter Not zu Angestellten geworden, die Schicksale dahinter sind recht haarsträubend. Wer das nicht kennt, sollte nicht leichtfertig darüber schreiben.
Es bedarf keiner Initiative, es bedarf erst des Geldes, dann der Disziplin. Du kannst so geschäftstüchtig sein, wie du willst, wenn etwas nicht klappt, oder dein Hauptauftraggeber pleite geht oder gar stirbt, dann lernst Du sehr schnell, Schuhsohlen zu Spaghetti zu verzaubern. Oder wenn Du beschissen wirst, deine Bank auf nette Ideen kommt o.ä.
Was Du schreibst klingt mir viel zu einfach und naiv.
Mit dieser Leichtigkeit würde ich gerne leben. Dat jibts bei mir aba nich...siehe oben...
...trotzdem sind viele neidisch auf mich. Das tut oft sehr weh.
Schön, wenn Du das findest. Wenn ich meine Preise hoch halte, bekomme ich aber keinen Auftrag. Halte ich meine Leistung niedrig, bekomme ich Ärger. Es bedarf im Alltag so viel Gottvertrauen, Zuversicht, Erfahrung, Psychologie, Glück, Können, Einsatz, Taktik, Wer es schafft, über einen langen Zeitraum selbständig zu sein und damit Erfolg zu haben, vor dem ziehe ich den Hut.
Hast Du schonmal was vom heiligen deutschen Wettbewerb oder gar von unserer lieben EU gehört? Wenn Du nur für Privat arbeitest, magst Du vielleicht Glück haben. Ich arbeite vorwiegend öffentlich. Das günstigste Angebot zählt. PUNKT! Sonst nichts. Und wenn es dir dann nicht gelingt, deinen Auftrag wirtschaftlich (gewinnbringend, Gewinn = Einnahmen - Aufwände) abzuwickeln, dann bist Du im öffentlichen Ansehen nicht nur doof, sondern auch privat Pleite Folge: siehe Spaghetti oben...
Entschuldigung, wenn ich hier so gereizt schreibe. Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen über mein Berufsfeld schreiben, die nichts davon wissen. Das ärgert mich. Liegt wohl an meinem speziellen Tätigkeitsfeld. Daher schrieb ich ja auch schon, dass ich mich lieber mit niemandem darüber unterhalte und meine Klappe halte, als mit Menschen, die an Sicherheiten und soziale Auffangnetze gewöhnt sind...
Ich glaube, ich bin heute schlecht drauf...
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07.01.2013, 18:32Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
Liebe Cranberry!
Deine Sicht der Dinge kann ich verstehen. Ich verstehe aber auch die der anderen.
Ich finde es nicht sinnvoll, hier eine Diskussion aufzumachen, ob man nun mit einem kreativen Beruf leicht, gut, cool oder eigentlich nicht leben (überleben) kann.
Da hat jeder andere Erfahrungen. Und Bae spricht von ihren.
Splendida meint wohl, dass sich manche Sichtweise im Laufe des Lebens ändern kann. Das, was man im Studium uncool gefunden hat, ist dann nachher doch plötzlich erstrebenswert und völlig okay.
Ich hoffe doch sehr, dass du nicht Schuhsohlen verarbeiten musstest!
Schuhe mit echten Ledersohlen sind so selten geworden.
Wenn ich es recht in Erinnerung haben, sagte Marina Abramović, Stipendien u.ä. seien völlig überflüssig. Zu ihrer Zeit hätte man lieber gehungert, als keine Kunst zu machen. Qualität setze sich durch. Ähnliches berichtet auch Mary Bauermeister.
Naja … ich finde das ganz schön hart. Und ein Klischee.
Genau: Ein Künstler muss nicht hungern, um einer zu sein.
Interessant ist, dass sich meiner Meinung nach viele selbst blockieren, als hätten sie ein inneres Programm: "Du darfst nicht erfolgreich sein".
Aber auch das führt uns alles von dem Thema von Nachtmahr weg!
Nachtmahr, wo bist du?
Ich glaube, ich bin heute schlecht drauf...
Kommt vor! So ging's mir gestern!
Geändert von Inaktiver User (07.01.2013 um 19:46 Uhr)
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07.01.2013, 23:37
AW: Kreatives Leben versus Angst
Reiner Selbstschutz. Wenn ich nicht jede Menge Gottvertrauen und "es kommt schon gut" zur Verfügung hätte, hätte ich mir schon längst die Kugel gegeben. und nein, ich meine das nicht als Redensart.
Wettbewerb erlebe ich selbst regelmässig (durchaus gewohnheitsmässig mit Konkurrenten, die grad mal ein Viertel von meinem Preis verlangen - die Spanne ist riesig), und vom Moloch EU halt ich mich lieber fern.Hast Du schonmal was vom heiligen deutschen Wettbewerb oder gar von unserer lieben EU gehört? Wenn Du nur für Privat arbeitest, magst Du vielleicht Glück haben. Ich arbeite vorwiegend öffentlich. Das günstigste Angebot zählt. PUNKT! Sonst nichts.
Hierzulande, in der Schweiz, setzt allerdings auch bei öffentlichen Ausschreibungen so langsam ein Umdenken ein, denn billig ist eben billig. in jeder Hinsicht. Mit den entsprechenden Folgen. So langsam dämmert die Idee, dass Qualität eben ihren Preis hat, und dass das langfristig günstiger kommt, als geiz ist geil um jeden Preis.
Wenn's wirklich so übel ist, würde ich mir ernsthaft eine Neuausrichtung der Karriere überlegen. Klingt irgendwie nach dem Reiten des toten Pferdes, was du da beschreibst.Und wenn es dir dann nicht gelingt, deinen Auftrag wirtschaftlich (gewinnbringend, Gewinn = Einnahmen - Aufwände) abzuwickeln, dann bist Du im öffentlichen Ansehen nicht nur doof, sondern auch privat Pleite Folge: siehe Spaghetti oben...
Deine Branche kenn ich nicht, aber ich kenn meine Branche. Und die ist gut, krisensicher, zukunftsträchtig. Sehr angenehm. Ich kann nur allen empfehlen, sich so eine zu suchen.Entschuldigung, wenn ich hier so gereizt schreibe. Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen über mein Berufsfeld schreiben, die nichts davon wissen.
grüsse, barbara
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08.01.2013, 00:29Inaktiver User
AW: Kreatives Leben versus Angst
Viele schwärmen davon, dass die Schweiz ein anderes Vergabesystem hat. Ob es fairer ist?
Fühlt sich auch manchmal so an, ist aber trotzdem ein schöner Beruf, ich möcht nichts anderes machen.
Wenn ich die nur kennen würde, das klingt gut und spannend und ich finde es schön, wenn Du positiv darüber enken kannst!
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08.01.2013, 00:35
AW: Kreatives Leben versus Angst
Es war grad hierzulande, zu Recht, massiv in der Kritik, als auf einer fast-staatlichen Grossbaustelle Lohndumping vorkam, und Arbeiter teilweise ohne Versicherung arbeiteten - und einer mit einem schweren Unfall in den Spital kam, mit voraussichtlicher Arbeitsunfähigkeit für den Rest seines Lebens. nachdem sich die diversen möglichen Verantwortlichen den Schwarzen Peter hin- und zurückschoben, scheint sich nun tatsächlich was zu bewegen.
der schönste Beruf hilft nicht viel, wenn ständig gebibbert werden muss, ob die Rechnungen bezahlt werden können.Fühlt sich auch manchmal so an, ist aber trotzdem ein schöner Beruf, ich möcht nichts anderes machen.
Nachhilfe. Wirklich ein schöner Beruf. :-)Wenn ich die nur kennen würde, das klingt gut und spannend und ich finde es schön, wenn Du positiv darüber enken kannst!
Allerdings in Kombination mit einem Angestelltenverhältnis, sonst würd ich zwei Monate Sommerferien nicth überleben können. Es ist halt sehr saisonal, was aber auch angenehm ist. nach der langen Pause freu ich mich richtig darauf, die Schüler wieder zu sehen.
grüsse, barbara



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