Hallo,
Ich war schon immer ein humorvoller Mensch, war (und bin) bei jedem Spaß dabei, kann auch über mich selbst gut lachen. Dazu gehört natürlich auch eine Menge Ironie.
Mit der Zeit hat sich das ziemlich verselbstständigt. Ich bin extrem ironisch geworden.
Warum das so ist, kann ich ein wenig nachvollziehen: hinter Ironie kann man sich prima verstecken. Wenn man etwas sagt, dann natürlich mit ironischem Unterton. Ein ironischer Spruch vor einem Kompliment und schon ist nicht mehr so ganz klar, ob das Kompliment nun erst gemeint war oder nicht. Das hat Vorteile, wenn man nicht ganz sicher ist, ob das Gesagte nun auch ankommt.
Mittlerweile hängt mir diese Ironie zum Hals raus, mein Verhalten k**** mich wirklich an. Ich habe schon von mehreren Leuten gesagt bekommen, dass sie oft nicht wissen, ob ich etwas ernst meine oder nicht. Es kommt immer wieder zu Situationen, in denen es zu Missverständnisse kommt. In meinem engsten Umfeld funktioniert es soweit, weil ich dann direkt gefragt werde, ob das nun ernst gemeint war oder nicht.
Wenn ich neue Leute kennenlerne (auch Männer...), man sich langsam besser kennenlernt, geht das natürlich schief. Ich befürchte, ich habe damit auch schon so manch einen verschreckt.
Ich weiß, dass ich mich zurücknehmen muss. Nur funktioniert das nicht. Das steckt irgendwo tief in mir drin und kommt immer wieder, wenn ich nicht ganz konzentriert aufpasse.
Wer kennt das Geheimrezept, wie ich mich ändern kann?
Viele Grüße
Frau-I
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Ergebnis 1 bis 10 von 43
Thema: Ich hasse meine Ironie
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21.12.2012, 01:50
Ich hasse meine Ironie
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21.12.2012, 03:25
AW: Ich hasse meine Ironie
Guten Morgen, Frau-I!
Also Geheimrezepte zur Persönlichkeitsveränderung
ich weiß nicht.
Ständiges auf sich aufpassen funktioniert auch nicht, ist wohl auch nicht der Weg und klappt eben nicht zuverlässig.
Was, wenn es zu einem gehört?
Ich schrecke auch manchmal Menschen ab. Aber gut, das passt dann nicht (manchmal schade).
Ironie, Satire, Sarkasmus - eine Form der Kritik.
Was also ist das Ziel. (Wenn du etwas kritisieren möchtest?)
Willst du dich nicht mehr verstecken und Kritik offen äußern?
Oder du möchtest die Kritik in dir abschaffen und ein neues - annehmenderes - Verhältnis zu allem finden?
bblumeGeändert von Butterblume (21.12.2012 um 03:30 Uhr)
flying is the art of falling to the ground without touching
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21.12.2012, 06:48
AW: Ich hasse meine Ironie
geheim ist das Rezept nicht, es erfordert "nur" Beharrlichkeit, Geduld und einen festen Willen und nennt sich "Übung"
Zum Beispiel kannst du beschliessen, täglich mindestens einer Person ein nicht ironisches Kompliment zu machen, mit Lächeln und Offenheit und Freude, und allem, was dazu gehört. Wenn jemand hört "du siehst aber heute gut aus, so richtig voller Energie!" oder "Danke dass du so nett warst und meine Bitte so schnell erledigt hast, das hat mir die Arbeit extrem erleichtert" oder "danke für die Weihnachtsplätzchen, vor allem auf die schokoladigen freu ich mich jedes Jahr, die kriegt niemand so gut hin wie du!" - was sollte daran schlecht ankommen können? Wenn es wahr ist, werden die Leute maximal etwas verlegen und wissen nich was sagen, aber das ist ja nicht schlimm.
grüsse, barbara
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21.12.2012, 15:18
AW: Ich hasse meine Ironie
Hallo,
Ich gehe mal auf den ganzen Block ein:
Die Ironie gehört zu mir, hat ihren Reiz, es macht mir auch sehr viel Spaß, wenn sie bei meinem Gegenüber ankommt und man sie quasi hin- und herspielen kann. Nur führt das auch dazu, dass man sich in einen Kreisel begibt, in dem keine Aussage mehr "zieht".
Ich war mit Freunden unterwegs, total geiler Abend (wenn man das so sagen darf
), es gab Cocktails, vielleicht auch einen mehr, ich war für meine Verhältnis ziemlich angeschickert. Irgendwann wollte ich zur Toilette, sage: "Ui, ich hoffe ich kann noch einigermaßen grade gehen!". Danach gabs Lachen, weitere Sprüche, usw. Am nächsten Tag habe ich mit einem Freund darüber gesprochen und er meinte, dass er es nicht geglaubt hat, dass ich tatsächlich so angetrunken bin.
Das ist jetzt vielleicht ein blödes Beispiel, weil es ziemlich folgen- und bedeutungslos ist. Aber es zeigt eben, dass solche Aussagen nicht ankommen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass mir jemand geholfen hätte, wenn ich nun tatsächlich gegen den Türpfosten gelaufen wäre. Aber es frustriert mich, wenn diese einfachen, klaren Botschaften nicht ankommen.
Hinzu kommt das Flirten: ich bin momentan solo, es gibt da aber einen Mann, den ich sehr mag. Er ist mir sehr ähnlich, auch ein großer Freund der Ironie. Wir sind dadurch mittlerweile beim Flirten bei Sprüchen angelangt, bei denen wahrscheinlich andere Frauen kräftig mit ihrer Handtasche ausholen würden...
Ich frage mich da einfach, wohin es geht. Momentan bin ich unsicher, ob da überhaupt etwas gehen soll, aber wenn, wäre es gar nicht mehr möglich das zu signalisieren, weil im Prinzip schon alles ironisch gesagt wurde.
Das mal zu den eher positiven Beispielen. Kritik ist natürlich auch ein Thema, ich hatte es ja schon erwähnt. Ich denke meine Kollegen haben durchaus Respekt vor mir, nehmen mich ernst, aber vor allem aus fachlicher Sicht. Aber da ich diese ewig lustige Frau bin, fällt es ihnen offensichtlich schwer, mich auch mal aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. "Reisst euch mal zusammen, ich möchte das heute noch fertig bekommen" oder "Ich fand es nicht gut, wie du Herrn XY geantwortet hast" sind dann auch kleine ironische Kommentare, keine Äusserungen, auf die man Rücksicht nehmen sollte.
Ja, das versuche ich schon immer.
Ich wollte jetzt eigentlich schreiben, dass es mir nicht darum geht, dass die Aussagen schlecht ankommen, aber letztendlich ist es das. Ich bin unzufrieden, weil ich niemanden erreiche und weil ich mich nicht ernstgenommen fühle.
Ich habe schon vor einiger Zeit angefangen, unsere Sekretärin als Trainingsobjekt zu benutzen. Sie ist ein recht einfaches Gemüt und das ist nicht despektierlich gemeint. Wenn ich zu ihr etwas ironisches sage, wird sie unsicher, weiß nicht wie sie reagieren soll. Das ist ein ganz gutes Testfeld, weil ich dort direkt merke, was passiert. Es kommt bei ihr gut an, wenn man Dinge auf mehreren Ebenen beschreibt. "Danke, das hat mich echt gefreut" wirkt deutlich schlechter als wenn ich sage: "Danke, das hat mich echt gefreut. Das war total lieb von dir", also noch mal ihre Handlung mit einbringe. Das klappt super.
Das Problem ist nur, dass das nur bewusst funktioniert, wenn ich mich darauf konzentriere. Wenn ich beruflich vor Leuten spreche gibt es null Ironie, höchstens mal zum Abschluss ein kleines Scherzchen.
Aber im persönlichen Gespräch, wenn man sich besser kennt, haue ich einen Spruch nach dem anderen raus. Gerade mit guten Freunden (und dem Mann, s.o.), wird es teilweise auch zum rhetorischen Duell. Wir spielen mit der Sprache und das macht Spaß. Nur fehlen offensichtlich die Grenzen.
Puh, ganz schön viel habe ich jetzt geschrieben (und das ganz ohne Ironie, glaube ich).
Bis dann,
Frau-I
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21.12.2012, 15:34Inaktiver User
AW: Ich hasse meine Ironie
Möglicherweise steckt ein gewisse Angst vor Nähe dahinter denn Ironie schafft Distanz zum Gegenüber. Wenn Du ernst genommen werden möchtest, dann steh zu Deinen Gefühlen. Mit der Ironie schaffst Du auch in Dir selbst einen gewissen Abstand zu Deinen Emotionen.
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21.12.2012, 15:53Inaktiver User
AW: Ich hasse meine Ironie
Ironie ist ein ein gutes Mittel um Vorgänge zweideutig deutlich zu machen. Etwas, was sehr Spass machen kann.
Ich habe einen Bekannten, der das auch sehr gut kann. Leider ist es für ihn auch so in den Alltag übergegangen, daß bei ihm auch dieser typische Unterton fehlt und er so oft Dinge normal sagt, daß man ihn zT gar nicht mehr einordnen, einschätzen kann.
Bei ihm weiss ich, daß er mit so einigem nicht wirklich gut klar kommt und da wohl schon zutrifft, daß es schon eine besondere VErletzung bei ihm geben muss, daß er aber auch gegen alles nur schiessen kann.
Könnte das bei Dir zutreffen?
Ironie als Schutz um sich bloss nicht zu offenbaren??
Auf der Arbeit gehts ja nicht privat zu- da kann man sie dann lassen!??
Lassen kannst Du es vielleicht indem Du Dir die Antwort erst mal im Kopf gibst und dann überlegst, was das nun ist.
Und dann entscheiden, wie ironie- arm das nun ist.
Ironie kann auch so oft sehr verletzend sein- man geht dann nciht gerade zart mit den anderen Menschen um!
Irgendeinen Grund wird es geben, wenn Du so bist- was bringt es Dir so zu sein?
kenzia
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21.12.2012, 16:32
AW: Ich hasse meine Ironie
Hallo Frau I,
das Problem kenne ich gut - ich bin auch so jemand.*handreich* Es war zwar für mich noch nicht so richtig belastend geworden, aber dass meine Mitmenschen mir nicht - oder nur eingeschränkt - folgen konnten, ist mir früher schon gelegentlich aufgefallen.
Ich kann auch gut nachvollziehen, dass zwischenmenschliche Zwischentöne dabei mal auf der Strecke bleiben. Als Abstandhalter funktioniert es wohl tatsächlich.^^
Bei mir legte es sich eher zufällig. Seitdem ich nicht mehr in Deutschland lebe, habe ich einfach weniger Gelegenheit zu plappern "wie der Schnabel gewachsen ist". Viele Scherze und vor allem Wortspielereien funktionieren in anderen Sprachen eben einfach nicht. Ausserdem habe ich viel Kontakt mit Menschen, die die Sprache, in der wir dann miteinander kommunizieren, auch als Fremdsprache sprechen. Insofern musste ich üben, möglichst simpel zu formulieren, egal in welcher Sprache. Was natürlich vor allem dann anstrengt, wenn ich deutsch mit jemandem spreche, dem es schwerfällt.
Aufgrund meiner Erfahrung vermute ich also, dass es wirklich eine Frage des Trainings ist. Demnach bist Du, wenn Du an der Sekretärin übst, durchaus schon in der richtigen Richtung unterwegs. Nahestehende Menschen kannst Du ja vielleicht bitten, Dich darauf aufmerksam zu machen, wenn Du zu ironisch formulierst, dann kann es sofort klargestellt werden.
Viel Erfolg beim Üben!Die Menge macht das Gift.
T. B. v. Hohenheim
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21.12.2012, 16:35
AW: Ich hasse meine Ironie
Ja, es macht eben auch Spaß und ist ein echter Genuss, wenn man auf Menschen trifft, die diese Ebene teilen. Wie Tennis mit Worten. Und wenn man ein Wort quasi hinter der Linie noch bekommt, umdreht und zurück bekommt:

Aber:
Inhaltlich bleibt es vage, klar. Und nicht immer einfach, aus der Nummer rauszukommen.
flying is the art of falling to the ground without touching
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21.12.2012, 17:10
AW: Ich hasse meine Ironie
Hallo Frau-I,
ich glaube, dass Ironie auch viel mit eigener Unsicherheit und mangelndem Selbstwertgefühl zu tun hat. Wenn man alles "auf die Lustige" bewertet, braucht man sich selbst seine eigenen Gefühle nicht einzugestehen und kommt auch nicht in Verlegenheit, anderen Menschen echtes Interesse entgegenzubringen.
Ironische Kommentare sind lustig, witzig, beweisen Intelligenz. Andere schrecken zurück, fürchten, sie können nicht mithalten. Man kann mit ähnlich tickenden Menschen herrliche Dialoge hin und her fliegen lassen.
Dennoch bleibt das wahre Ich versteckt.
Aus meiner Sicht wäre der Anfang, sich selbst einzugestehen, dass man ein Mensch mit Gefühlen, Schwächen und Stärken ist. Und alle anderen auch.
Wenn man versucht, den anderen Menschen so zu respektieren, wie er ist, und sich vornimmt, den anderen ehrlich positiv besetzte Sachen zu sagen, verändert sich viel. Es wird nicht mehr so "lustig", man fühlt sich vielleicht auch durchschaubarer.
Vielleicht kannst du was mit meinen Gedanken anfangen?
Wie alt bist du?
Liebe Grüße
Capbreton
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21.12.2012, 21:59
AW: Ich hasse meine Ironie
Hallo ihr,
Mit leichtem ironischen Unterton: Lebensfreude.
Ich denke schon, dass ich eine recht spezielle Sicht auf viele Dinge habe. Im Allgemeinen sehe ich das nicht negativ, mir fällt das jedoch immer mal wieder auf, wenn ich andere beobachte. Es fällt mir schwer, das treffend zusammenzufassen, weil es komplex ist.
Vielleicht wird es so verständlich: viele Themen, über die sich z.B. meine Kollegen unterhalten, finde ich völlig irrelevant. Die ganze Mittagspause über inszenierte Casting-Shows reden...
Das ist natürlich auch ein guter Nährboden für Ironie.
Ich bin auf der Firmen-Weihnachtsfeier nach zwei Stunden total müde gewesen, weil überhaupt kein Input mehr kam, mit dem ich etwas anfangen konnte: auf dem Weihnachtsmarkt gibt es limitierte Glühweintassen, die kosten 4,99 Euro, in München kostet eine Glühweintasse 3,50 und ist grün, in Bad Reichenhall gab es nur Becher und es hat geregnet und 1997 war Bärbel auf dem Weihnachtsmarkt in Oslo.
Wahrscheinlich ist es arrogant, aber ich kann diese Gespräche nur amüsiert aufnehmen, was dann wiederum dazu führt, dass ich später imitiere, wie ich sie wahrgenommen habe.
Wird da irgendwie ein Schuh draus?
Schönes Bild.
(und schöner Nickname
)
Ja, auf jeden Fall. Nur ich weiß nicht, wie ich die Situation durchbrechen soll.
Dieser Mann, von dem ich oben schon geschrieben habe: er hat das gewisse etwas, wir können uns super unterhalten, haben eine ähnliche Weltsicht. Das ist alles noch sehr frisch, zudem wohnt er auch weiter weg (200 km). Wir kennen uns über unseren Freundeskreis, darüber begegnen wir uns dann auch. Nach dem letzten Treffen haben wir uns ein paar SMS geschrieben und über Facebook wird auch oft geflirtet.
Hier mal ein imaginärer Dialog im Netz (der der Realität schon sehr nahe kommt):
Ich: "Heute bin ich mit dem Rad einkaufen gefahren. Die Straßen waren so nass und dreckig, dass meine Hose bis zu den Oberschenkeln mit Schlamm bespritzt ist."
Er: "Schöne Frauen macht ein Schlammbad nur noch sexier ;)"
Ich: "Tut mir leid, die Hose ist schon in der Waschmaschine ;)"
Er: "Macht nichts, wir könen das ja wiederholen, wenn wir mal wieder ein Bier trinken gehen"
Ich sitze dann hier, mein Herz pocht, ich laufe erst einmal nervös in der Wohnung rum, grinse blöd... nur wie bringe ich das rüber, ohne dass es wieder ironisch ist?
Das ist dann wieder die Situation, wie sie hier schon beschrieben wurde: die Gefühle sind da, meine Gefühle. Ich weiß nicht, wie es bei ihm aussieht, weil wir diese Mauer aus Ironie immer höher bauen. So zu flirten ist klasse, schmeichelt mir. Ich will das zarte Pflänzchen nicht kaputt machen, indem ich jetzt schreibe: "Um mal ganz ehrlich zu sein: ich habe mich in dich verknallt" (ganz grob ausgedrückt).
30Wie alt bist du?
Schönen Abend noch,
Frau-I


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