Liebe Frau I,
zu dem kleinen Dialog wegen Schlammhose fällt mir ein: So etwas könntest du leicht durchbrechen, indem du nicht noch eine Schraube weiterdrehst, sondern schlicht sagst: Danke für das Kompliment. (Falls du dich darüber freust)
Und was mir noch auffällt: Wenn du sagst, dass du manche Situationen eben nur mit Ironie erträgst - dann würde ich versuchen, solche Situationen zu meiden, so gut es geht. Es scheinen ja einige zu sein. Also dir wirklich gut auswählen, wo du bist, mit wem, Situationen suchen und verstärken, in denen du dich ganz unironisch wohlfühlst. (Und solche Leute natürlich auch mal anrufen und fragen, ob sie was mit dir machen, das sollte die Übung Nr. 1 sein!)
Also üben, als unironische Frau I durch die Welt zu gehen. Gerade beim Flirten ist Schweigen und einfach mit ruhigem Gesicht direkt Angucken viel wirkungsvoller als dauernd schlagfertig sein.
Vermutlich ist aber dein Nachdenken hier schon ein ziemlich guter erster Schritt. Also, viel Glück!
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Thema: Ich hasse meine Ironie
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23.12.2012, 06:31
AW: Ich hasse meine Ironie
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23.12.2012, 09:31Inaktiver User
AW: Ich hasse meine Ironie
Du siehst nur Dich- und erkennst nicht, daß sehr viele Menschen unsicher durch die Welt laufen!

Glaub mir- wenn Du offen zu jemandem sagst, daß Du Dich freust ihn zu sehen- kann er hundertmal aus Langeweile dort stehen- in dem Moment, wo Du das sagst-- wird er sich freuen und wird sich über dieses schöne Kompliment auch Dir gegenüber offener und freundlicher zeigen.
Die Menschen, die nur von sich reden- nichts anderes anhören wollen-- sie sind doch nur tief drinnen verunsichert und alles andere als von sich überzeugt.
Sie halten sich nur hartnäckig und ängstlich an sich selber fest-- anders würden sie sich noch kleiner fühlen. Leider - mit dominantem Verhalten- verschrecken sie eher die Menschen um sich rum, aber zu glauben, daß diese nun wirklich stark sind ist ein Trugschluss.
Du musst lernen, Dir selber zu vertrauen.
Und fang doch mal an mit ganz einfachen Komplimenten, die Dir nicht nah gehen wenn es nicht positiv aufgenommen werden sollte.
Vor vielen Jahren war ich auch eher negativ gepolt und konnte über jeden was "sagen"- man findet ja immer was zu meckern
Und mir ist das dann selber auch so blöd gewesen, daß ich dann mal dachte "finde doch mal an jedem etwas Positives"-- und statt so einem kritischen Blick, war da plötzlich so ein freundlicher Blick, den ich auf die Leute warf und man findet auch immer etwas, was man positiv erwähnen kann.
Ein schöner Pulli, Haarschnitt oder Haarfarbe....wie jemand reagiert hat oder ein interessantes Interesse.
Wenn Du den Blick von Kritik auf freundlich-betrachten ändern kannst- dann wirst Du auch Dinge sehen, die gut sind und Du wirst sie aussprechen können.
Das Kompliment zu einem schönen Pulli- lässt Dich in Distanz bleiben (denn man gibt ja nun mit sowas nicht sein Herz weg) und Du wirst dennoch spüren, wie sich die Menschen freuen und Du sehr viel zurückbekommst.
Trau Dich
kenzia
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23.12.2012, 22:53
AW: Ich hasse meine Ironie
Küss die Hand, sehr geehrte, gnädige Frau-I,
Ist doch süss, das geht meines Erachtens ganz sicher. Er beherrscht vielleicht sogar die Kunst, Komplimente so grob zu formulieren, dass Du sie tief drinnen erst recht glaubst.
Das Beispiel zeigt mir, dass Du nicht immer alles falsch machst. Handhabe doch die Ironie angemessen, dann kommt das schon gut.
Ich würde üben, bewusst nicht zu verletzen oder zu verunsichern, ausser Du willst genau dies - in Einzelfällen - ganz gezielt einsetzen. Einen Super-Macho, der alles weiss und alles kann, herunter zu holen macht doch diebischen Spass, nicht wahr?
Zur Clownin machen solltest Du Dich nicht, NIE! Selbstironie behält man besser für sich. Ich wollte, ich könnte das so gut, wie ich es predige.
Nichts spricht dagegen, eine Zeit lang sehr überlegt zu sprechen, bis Du Dich auch spontan angemessen äussern kannst.
In der Physiotherapie spricht man von Bewegungsmustern. So geht man mit einer Beinprothese ab Oberschenkel ganz anders, als gewohnt. Zuerst werden die betroffenen Muskeln ganz bewusst betätigt, bis einem das - durch viel Training - so in Fleisch und Blut über gegangen ist, dass es automatisch abläuft. Dann ist das neue Bewegungsmuster etabliert und man kann wieder einfach drauf los gehen. So etwas empfehle ich Dir im Bezug auf Deine Ausdrucksweise.
Dein neuer Freund und Du, Ihr müsst aufpassen, damit Ihr nicht verletzend werdet, oder wichtige Botschaften verschleiert. Sprecht darüber und ritualisiert den Wechseln von locker-ironisch zu ernsthaft: <Ironie aus> „ernsthafte Botschaft“ <Ironie wieder ein>.
Ich wünsche Dir die Kraft für diesen langen Weg und dies gar nicht vom hohen Ross herab, Isambard, Zyniker.
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24.12.2012, 00:32
AW: Ich hasse meine Ironie
Du bist 30. Ein paar Jahre weiter, und sowohl du als auch er wissen, dass jeder Spaßvogel ebenso auch wirkliche Gefühle/Emotionen hat.
Geht jetzt nicht. Das gute daran: Nichts bleibt, wie es heute ist. Außer, du bleibst stehen.Einem Mann deutlich zeigen, dass ich ihn mag? Geht nicht.
Ja - warum eigentlich nicht? Es ist schön, Verzögerungsgenießer zu sein. Grad hab ich das in einem anderen post erwähnt. Guck dir doch mal diesen Film an. Mach die Augen auf...Und der Mann: warum ständig rätseln, täglich 10 mal checken, ob er mir was geschrieben hat und nicht einfach abwarten, was sich entwickelt? Einfach mal drauf einlassen, abtasten und gleichzeitig genießen was passiert?
Sobald du merkst, dass die "Ironie" (wie gesagt, im Schlammhosenbeispiel kann ich keine entdecken) keine Lebensfreude ist sondern Angst äußert - abgewöhnen! Durch Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung.Ich nehme mich ständig selbst aufs Korn. Ich finde mich klasse. Aber gleichzeitig habe ich Angst vor Zurückweisung, davor, dass mich jemand nicht mag. Das ist unrealistisch, schließlich mag ich auch nicht jeden. Die Angst bremst dann wieder die ehrlichen Statements, dann ist wieder die Ironie da.
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24.12.2012, 00:45
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24.12.2012, 02:49
AW: Ich hasse meine Ironie
Guten Abend,
So ganz traue ich dem Braten noch nicht - aber im Prinzip kann es wieder einmal gar nicht anders sein. Was wäre das für eine komische Welt, in der alle Leute glücklich, von sich selbst überzeugt und extrem selbstbewusst sind? Unvorstellbar. Ich werde das nächste Mal daran denken.
Ich glaube bei der Wahrnehmung anderer Menschen mache ich auch gerne Schubladen auf. Es gibt da noch einen Mann im Bekanntenkreis, der mich ab und an anspricht. Ich merke jedes Mal, dass er sich seine Sätze schon vorher zurechtgelegt hat. Ein Gespräch funktioniert nicht, er wirkt nervös, stottert manchmal sogar und geht dann lächelnd wieder weg. Ich habe mich nie über ihn lustig gemacht, er tat mir eher leid, weil er offensichtlich wollte, aber nicht konnte. Damit habe ich ihn in die Kiste der armen Sonderlinge gepackt. Aber vielleicht wäre die Kiste mit denen, die keine so tolle Fassade und nicht diese Coolness haben, mit der sie anderen gegenübertreten können?
In der Physiotherapie kann man aber üben, in einem abgetrennten Raum, langsam Schritte machen. Sprache ist spontan, insbesondere wenn es um Kommunikation geht. Ich kann mich hier nicht hinsetzen und mit der Wand proben, wie ich mich besser äussern kann.
Im Alltag, also im Gespräch, stelle ich es mir sehr schwer vor, jede Äusserung erst zu überdenken. Wenn ich mir vorstelle, wie die Gespräche laufen, wenn ich mit Freunden in der Kneipe sitze. Sie würden mich wahrscheinlich für extrem betrunken halten, wenn ich jedes mal, wenn ich antworte oder etwas einwerfen will, 5 Sekunden warte, um noch einmal meine Gedanken zu ordnen.
Aber im Prinzip muss es so laufen ja. Vielleicht erst einmal im kleinen...
Den Film kann man im Netz für 2,99 Euro leihen. Wäre vielleicht mal eine nette Idee für die nächsten Tage.
Aber ich habe heute schon den Tag darüber nachgedacht, dass ich zufriedener sein muss. Mir geht es gut. Es ist schwer das zu messen, aber ich würde sagen, dass ich seit meiner Kindheit nicht mehr so glücklich war. Warum nicht einfach mal stehen bleiben und zufrieden zu sein?
Und dieser Mann, ja. Ein klasse Typ ist er. Die Begegnungen waren nett, ein Abend war intensiv. Er hat wunderschöne Augen, seine Art ist sexy, wir haben eine wunderbare gemeinsame Ebene, auf der wir kommunizieren. Aber das ist doch längst keine Grundlage, um ihn jetzt und sofort "einfangen" zu wollen.
Mit meinem Ex gab es fast gar keine knisternde Kennenlernphase. Wir kannten uns, waren plötzlich zusammen, nach einem Jahr sind wir zusammengezogen und ab da ging es nur noch bergab. Freunde haben mir später gesagt, dass sie immer das Gefühl hatten, dass das alles viel zu schnell ging.
Warum sollte ich also jetzt wieder alles überstürzen, mit der Gefahr, wieder die gleichen Fehler wie letztes Mal zu machen?
Es ist schön mit ihm zu flirten. Ich sollte aufhören ständig auf mehr zu hoffen und dadurch unzufrieden zu werden. Ich sollte mir ein Post-It an den Monitor kleben: "Heute genießen, nicht nur auf morgen hoffen".
So, jetzt wünsche ich euch eine gute Nacht schon einmal schöne Feiertage,
Frau-I
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24.12.2012, 08:45
AW: Ich hasse meine Ironie
Doch, das geht durchaus. Es gibt ja viele typische Gesprächssituationen, die immer mehr oder weniger nach demselben Muster ablaufen und du eigentlich schon weisst, was die Person sagen wirst.
So eine Standardsituation wäre zum Beispiel die Frage "Hallo wie geht's?" Was ist da deine übliche Antwort und welche anderen Optionen sind denkbar und für dich machbar?
nein, würden sie nicht.Sie würden mich wahrscheinlich für extrem betrunken halten, wenn ich jedes mal, wenn ich antworte oder etwas einwerfen will, 5 Sekunden warte, um noch einmal meine Gedanken zu ordnen.
gute IdeeWarum nicht einfach mal stehen bleiben und zufrieden zu sein?
Leben findet hier und jetzt statt.
grüsse, barbara
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24.12.2012, 13:48
AW: Ich hasse meine Ironie
Hallo,
Für mich hat gerade so eine Frage hunderte Facetten:
Mal ein paar Beispiele:
1. Firmenevent, jemand geht rum, schüttelt alle Hände mit: "Hallo, wie geht's?". Da ist dann die Standard-Antwort: "Danke, gut", die in den meisten Fällen gar nicht mehr Gehör findet, weil derjenige schon zwei Hände weiter ist. Den will ich dann auch nicht zurückziehen und ihm mein Befinden aufdrücken.
2. Ich telefoniere mit einem Kollegen in einer anderen Niederlassung, er fragt wie es läuft. Ich: "Ach, bei uns ist ziemlich viel los, aber es läuft alles noch gut. Wie ist es bei euch?".
3. Ein Freund, der mich heute anrufen würde: "Frag nicht, mich hat es jetzt auch erwischt: ich habe richtig böse Halsschmerzen. Geht's dir wieder besser?"
4. Dann noch die Ironie unter Freunden, mögliche Antworten: "Muss ja, ne?", "Geht so, aber schlimmer geht immer!", "Morgen früh wahrscheinlich schlechter als jetzt!" oder was mir da sonst für ein Unsinn einfällt.
Ich sehe schon: bei den Leuten, die mir wirklich etwas bedeuten, gibt es wieder hauptsächlich die Ironie. Das macht keinen Sinn. Das wäre schon einmal ein Ansatz, um daran zu arbeiten.
Gruß
Frau-I
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25.12.2012, 09:31
AW: Ich hasse meine Ironie
ja das klingt nach einem Ansatz. Vor allem ist mir aufgefallen, dass all deine Ironie ins Negative übertreibt. Man kann ja auch ironisch ins Positive übertreiben, wenn man ironisch bleiben will. Oder, bei guten Freunden, halt tatsächlich ehrlich nachfühlen und sagen, wie man sich tatsächlich fühlt. Man muss ja auch nicht gleich ins andere Extrem fallen und auf die "wie geht's" frage gleich eine ganze Liste der aktuellen Zipperlein und Befindlichkeiten liefern. "Gut, danke" ist oft völlig ausreichend.
grüsse, barbara
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25.12.2012, 23:39Inaktiver User
AW: Ich hasse meine Ironie
Ironie? Ich lese keine aus deinen Beispielen raus.
Denk dir halt die Bemerkungen. Sprich sie nicht aus.
Irgendwann denkst du sie dann auch nicht mehr.
Wichtiger ist doch: du zeigst Gefühle.
Der Mann hat dir geschrieben: er findet dich schön,
sexy und will mit dir was trinken gehen.
Du antwortest: die Hose ist in der Waschmaschine.
Gähn!
Du weichst aus.
Ich hätte gar nichts drauf geschrieben.
Mich über das Kompliment gefreut.
Obwohl: ich mag so schöne-Frau-Sprüche nicht.
Klingen hohl, oder?Geändert von Inaktiver User (26.12.2012 um 17:38 Uhr)


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